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Delta
25.04.2009
15:54 Uhr
     
Ihr Lieben,
im Grunde gebe ich Corinna Recht. Aber bei Sabine und auch bei uns war es so, dass das Kind seine Freiheit wollte.
Ich bin mir inzwischen sicher, dass das Verhalten unseres Sohnen die letzen Jahre Provokation pur war. Er wollte einfach raus aus der (aus seiner Sicht) Enge des Elternhauses und dem Umsorgt-/Bevormundetwerden von uns, seinen Lehrern und Ausbildern.

Wir haben 13 Jahre lang alle möglichen Wege eingeschlagen, um ihm zu helfen.
Mehrfach wurde mir gesagt: Und was hat es gebracht?. Was es gebracht hat, kann niemand beantworten. Ich frage eher, wo wäre er heute, hätten wir, und damit meine ich auch ihn, das alles nicht getan.

Luise, ich habe kein schlechtes Gewissen. Damit will ich nicht sagen, dass es nicht immer noch weh tut.
Der Rauswurf war abgesprochen mit kompetenten Leuten unterschiedlichster Fachrichtung.
Vertrauen und Respekt in sein gottgewolltes Schicksal, daran habe ich gar nicht gedacht. Und ich muss gestehen, dass mir auch heute noch so manches Mal das Gottvertrauen fehlt. Ich habe noch einen langen Weg vor mir, ich weiß!
Vielmehr war es die Verantwortung unseren anderen Kindern gegenüber. Wir sind auch Ihnen als Eltern verpflichtet und wir hatten keine Kraft mehr. Wenn man jeden Tag nur noch unter Strom steht, geht sie einem irgendwann aus.
Was wir jetzt tun können ist ihn um Hilfe bitten, wenn Arbeiten anfallen, die er am besten erledigen kann. Ich sehe das als Motivation. Und wenn der Stundenlohn dann den eines Handwerkers erreicht, ist es nur gut.

Vor ein paar Jahren fiel mir folgendes Buch in die Hand: Ist das mein Kind? von Elke Sauer.
Die letzten 3 Seiten wurden von dem 3 Jahre jüngeren Brüder geschrieben, als er 18 war. Seine Worte haben mich wirklich beeindruckt. Er hat erkannt, dass Michael so leben möchte, wie er eben lebt und dass man ihm dieses Leben lassen soll.

Euch allen einen gesegneten Sonntag und den Mutlosen Zuversicht
Delta
 
corinna
25.04.2009
13:12 Uhr
     
Ich finde die Worte fühlen sich so unheimlich einsam an: "Loslassen", "Abschied": Ich sage lieber "lassen" und "auf ein Wiedersehen" ? Das klingt nicht so hoffnungslos und gibt mehr Mut zum Weiterleben.
Herzlichen Gruß, corinna
 
Sabine
25.04.2009
08:29 Uhr
     
Schlimm ist, wenn die Kinder nicht nur im Unfrieden gehen, schlimm ist es auch, wenn man von ihnen vorher bedroht wird. Wenn das eigene Kind droht, einen umzubringen weil man nicht tut was es will, und dies auch spaeter noch vor Zeugen wiederholt. Letztendlich, nach einer schrecklichen langen Zeit des Akzeptieren-Muessens, ist dann aber auch dies eine Hilfe, es zu akzeptieren. Sie will von mir nichts mehr wissen. Sie ist nicht so wie ich sie gern gehabt haette. Jetzt habe ich noch ein Stueck vom Leben und wundere mich, wie leicht und schoen es ist. Es geht nicht mehr zurueck, es geht nur vorwaerts und es sieht gut aus.  
Delta
24.04.2009
23:09 Uhr
     
In Kürze:
ich habe den Beitrag geschrieben, um Mut zu machen.
Am 10.12.08 habe ich mich schon einmal dazu geäußert

Delta
 
Luise
24.04.2009
21:56 Uhr
     
Liebe Delta, der Beitrag hat mich schon betroffen gemacht, und ich trag ihn mit mir herum. Lassen können ist eine hohe ,reife Kunst, da stimme ich TG zu. Bei den eigenen Kindern ist es aber nochmal so schwer, ich bewundere es und habe mich gefragt , wie ich reagiert hätte. Ist es tiefes Vertrauen undRespekt in sein gottgewolltes Schicksal? Persönlich stelle ich sofort die Frage ,wieweit ich mitverantwortlich bin, was ich noch tun könnte, besonders bei den eigenen Kindern, die uns doch anvertraut sind. Habe ich  alle Möglichkeiten ausgeschöpft ihm den Weg zu zeigen, was fördert seine Talente und motiviert es , wählen muß  es dann selbst. Ich hätte große Angst mir selbst einen Vorwurf zu machen, wie kommt man dann damit zurecht ? Ich bin schon beeindruckt über diesen Beitrag. Liebe Grüße Luise  
tg
23.04.2009
14:37 Uhr
     
ja, Kinder, überhaupt nahestehende Menschen lassen, ist große Kunst. Dabei sie im Gebet, in Gedanken, still geleiten- sie im Guten wissen, ohne mit Sorgeberechtigung sie einzuhegen- aber helfen, wenn sie fragen, so helfen, daß ihre Kompetenz gestärkt wird, bei Geldsachen nicht bevormunde sondern geben und es nicht mehr wissen. Kein Anrecht auf Dank, nicht mal auf eine freundliche Bemerkung.Lassen und Lieben , bis es sich findet, daß man sich -wieder -findet, die große Kunst.  
vagabunden
23.04.2009
13:40 Uhr
     
Das 'Unterwegssein' als LebensOrt ist uns von Gott zugemutet.
... hatte das Glück, einem warmherzigen Wanderer zu begegnen. Wir redeten über Gott und die Welt,
und die Worte " Hier bin ich Gott, so wie ich bin ", wir würden gerne die Quelle wissen. Wer kennt sie ?
Ingrid
 
Delta
21.04.2009
09:09 Uhr
     
Aus einer Vortragsreihe in unserer Gemeinde: Es ging u.a. um das Leid
Zitat "Wenn wir unserem Kind Leid ersparen wollen, stecken wir es in einen Laufstall. Wenn es 5 wird, erhöhen wir die Stäbe. Und wenn es 19 ist, werden sie durch Metallstäbe ersetzt."
In der Pause sagte ich zu dem Pfarrer: "Wir haben unserem Sohn die Stäbe gerade abgesägt. Wir haben ihn vor die Tür gesetzt," und bekam zur Antwort: "Wie sehr müssen Sie ihren Sohn lieben."

Inzwischen sind fast 2 Jahre vergangen. Seit Weihnachten wissen wir von offizieller Seite, dass er als wohnungslos eingestuft ist.
Hin uns wieder höre ich von jemandem, dass er ihn gesehen hat. Es reicht mir zu wissen, dass es ihm gut geht. Alle paar Wochen taucht er einmal auf. Dann ist es, als käme der verlorene Sohn heim. Er packt an, wozu nur er aus unserer Familie das Talent hat, er bedankt sich für das Essen oder fragt, ob er sich noch einen Schokoriegel nehmen darf.
Was er zwischendurch treibt, will ich gar nicht wissen.


TG's Kolomne vom 25.9.99
Kinder loslassen für ihr Eigenes:
In nahezu allen Fällen sind Kinder stark genug, um ihren Weg zu gehen. Sie haben einen unverderblichen Eigenwillen. Es wäre nicht das Schlimmste, wenn sie für eine Zeit mal Funkstille wollen. Keine Briefe, keine Anrufe; wenn Geld, dann keine Dankerwartung. Einfach mal ohne Blickkontakt und Rechenschaftspflicht leben dürfen. Eltern können als so gewichtig empfunden werden, daß die Jungen sich losreißen müssen. Und dann, Vater, Mutter, laß das auch gut sein. Weiß sie in Gottes Hand. Und achte ihre Würde. Sie wollen sich finden als eigener Mensch. Nimm es etwas als Freispruch. Verhalt dich still. Irgendwann feiert ihr wieder.
 
urs
21.04.2009
08:20 Uhr
E-Mail    
Einüben ins Loslassen müssen wir wohl immer wieder. Doch - Loslassen ist auch befreiend - der entsorgete Papierkram - der überprüfte Besitzstand an Kleidung etc. - das alles befreit. Schwerer ist da die Übung, einen Menschen loszulassen - aber auch das befreit von Verantwortung und Sorge. Was bleibt, ist der Schatz an gemeinsamen Erinnerungen.  
tg
18.04.2009
15:37 Uhr
     
http://www.lebensmut.de/show.php?inhalt=inhalt/themenkolumnen.html  
Sabine
17.04.2009
14:34 Uhr
     
Liebe Frau [...] wo ist der Text zu finden? Viele liebe Gruesse von Sabine  
Katja
17.04.2009
08:01 Uhr
     
Lieber Herr Pfarrer Giesen,
heute habe ich den Text "Kinder loslassen für ihr Eigenes" gelesen. Es hat mir gut getan, da ich mich z. Zt. in der Situation befinde, meinen Sohn loslassen "zu müssen". Herzlichen Dank!
 
tg
16.04.2009
13:02 Uhr
     
„Niemand tut etwas, von dessen Unrechtmäßigkeit er überzeugt ist“ Xavier Marias -Also geschieht viel Böses aus Rache, aus Hunger, aus Verachtetsein. Eben aus dem ja berechtigten Wunsch, sich auch eine Scheibe vom Glück abschneiden zu können. Aber "bist du nicht willig, so brauch ích Gewalt"-ist Sünde. Wie sollte Liebe erzwingbar sein? Die Zuneigung aus Wünschen, Fühlen, Mögen wird zerstört durch Zwang. Es ist viel Weinen in der Welt , doch auch viel neuer Tag.  
osterfreude
13.04.2009
17:02 Uhr
     
Es ist wahrhaftigesGut, "ohne Angst Gottes Liebe leben" , danke Ursula !
Und - wir dürfen immerwieder erfühlen, daß wir eingehüllt sind in SEINELIEBE, das ist wärmend und trost.

Hab vorhin ganzvielSchönes erleben dürfen. Auf dem Ingiwai, da flog mir ein kleiner Marienkäfer zu. Auf den Pulli, so weißlich. Rot auf Weiß, wie das Bild für Liebe auf Dank... Herrlich. Hab angehalten, wollte warten bis er weiterfliegt. Aber er wollte bleiben, vertraute sich mir an, saß zufrieden in einer Maschenbahn. Wir radelten los. Beim Kirchlein, da setzte ich ihn auf ein Blatt DerRose. Hab dann noch ein Stündchen verweilt und gestaunt.
Und ich war auch in Kastanien. Berührend, die Entwicklung heute: gleich kleinen behütenden Wiegen,
und beschirmt mit zartgrünen Segelchen,
Ein Wundervolles Kunstwerk.
Von Herzen DANK, Ingrid.
 
tg
13.04.2009
09:11 Uhr
     
die Erdenschwere des Lebens- wie ist sie gesegnet: Die der Kargheit abgerungene Ernte Reis, das Lachen unter Tränen, das Wiederfinden, das unermüdliche Kämpfen, es selber zu können. Und wieder und wieder neu anfangen. Gesegnet der Anfänger, der Aufersteher, der Losgeher -mit uns an ein kleines, aber nötiges Werk . Und die Liebe blüht.  
Ursula
13.04.2009
08:06 Uhr
E-Mail    
Mir fällt es immer schwerer, an Ostern in diesen Jubel einzustimmen.
Heute haben gerade die Theologen eine eigene Auffassung von Tod und Auferstehung. Sie benutzen die gleichen Worte - meinen aber etwas anderes als wir. Ostern bedeutet für mich: ohne Angst Gottes Liebe leben - aber sie ist doch immer noch begleitet von der Erdenschwere des Lebens.
 
tg
11.04.2009
22:51 Uhr
     
Hurra. Christus ist wahrhaftig auferstanden. Gott hat ja damit sein Wesen uns gezeigt: Sein Wesen ist Lieben, in diesem Jesusleben mustergültig verkörpert. Auch die tiefste Verlassenheit ist von Gott umfangen. Und Jesus und ihm nach allles Lebendige stirbt um zu werden. Gott hat mit uns Vollendung vor. Feiern wir Ostern als ersten Tag vom Rest unseres ewig mit allem eins Sein. Feiern wir das Leben, das unerschöpfliche. Und dass wir dabei. sind, hurra.  
corinna
09.04.2009
13:38 Uhr
     
Die Speedboote werden nicht fahren. Der Veranstalter hat seine Fahrten abgesagt, weil es so viele Proteste gab. Ich freue mich so. Das macht wieder Hoffnung sich für "Gottes Schöpfung" einzusetzen. Danke für Eure Gedanken dazu. Frohe Ostern.  
DS
08.04.2009
11:03 Uhr
     
Corinna, wir Einzelne sind nicht allumfassend verantwortlich - wo wolltest du anfangen, wo je aufhören? Zuständig zunächst bei uns selbst, die Familie eingeschlossen - gutes Beispiel der Wasserkocher, aber auch dort schon oft Exot. Lasst jetzt den Ruf von Ostern an euch ran, Auferstehung jeden Tag zunächst bei mir, das verändert die Welt auch! Herzlich Delf  
Delta
07.04.2009
18:54 Uhr
     
Liebe Corinna,
ich kann deine Wut gut nachempfinden. Mir ging es ähnlich, als ich in der Tagespresse las, dass man jetzt per Flugzeug von Stade nach Helgoland gelangen kann.
Für mich ist das ein Grund mehr, noch einmal öfter zu bedenken, ob ich nicht lieber das Fahrrad nehme und das Auto dafür stehen lasse. Oder meiner Familie auf die Finger klopfe, wenn wieder einer einen ganzen Liter Wasser im Wasserkocher heiß macht, weil er eine Tasse Tee trinken möchte.

Liebe Grüße
Delta
 
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