Gästebuch


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Sophie
09.05.2005
12:44 Uhr
     
Ich glaube, dass die Trauer auch deswegen bleiben muß, weil, tatsächlich "Das Entsetzliche niemals vorbei ist", weil es sich beim Holocaust zwar um eine deutsche Tragödie handelt, die eigentliche Tragödie aber ist, was Menschen bereit sind, Menschen anzutun. Man findet zwar in der Geschichte keine so große Tragödie, aber viele, die groß genug sind und viele kleine Beispiele von Untaten von Menschen an Menschen. Manchmal frage ich mich, ob Menschen besser zu einander wären, wenn sie von jeher gelernt hätten, auch gut zu Tieren zu sein.
Inzwischen habe ich hier alle Interviews gelesen und komme auf einen Satz, der auch schon in Predigt oder Kolumne vorkam und zwar "Sie haben die bessere Inszenierung". Ich würde mal sagen, mit meinem schon seit meinem ersten Santiago-Besuch vor 15 Jahren katholisch angehauchten Herzen, dass es darauf nicht so ankommt. Sie haben etwas sehr Innerliches, das manchmal die gute Inszenierung hervor ruft. Ich spüre das mit meinem eigenen Innerlichen. Es hat etwas mit Geheimnis des Glaubens zu tun. Es ist eine sehr tiefe Wurzel da, etwas wie die Wurzel Jesse. Auch in Taizé findet man das. Frère Roger hat ein katholisches Herz. Er hat mich einst gesegnet. Man kann dann hinterher nicht beschreiben, wie stark das war. Es ist etwas Unbeschreibliches, wie gesagt, Geheimnis des Glaubens, silence. Man verstummt, aber innerlich wird man ganz lebendig. Die Inszenierung ergibt sich von selbst. Wenn man erst die Inszenierung macht und dann auf das Andere wartet, passiert oft gar nichts. Theater gehört in Theater, und auch da spielt sich nur etwas ab, wenn das Stück gut ist, einen wahren Kern hat.
 
do
08.05.2005
17:08 Uhr
     
Ja, DANKE, TG in der gestrigen Kolumne und Bischof Huber und Kardinal Lehmann und all denen, die heute in Berlin - sei es in der Gedächtniskirche, ökumenisch in St. Hedwig oder politisch im Bundestag - ihre tiefen Gedanken zum 60. Jahrestag der Befreiung Deutschlands geäußert haben: DANKE für die wertvollen Worte, die es nun weiterzutragen und zu leben gilt für uns alle und über Generationen und Landesgrenzen hinaus. do  
Traugott Giesen
08.05.2005
10:55 Uhr
     
Bitte beachten: Kolumne 07.05.2005 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg: Dies Entsetzliche ist niemals vorbei - Die Trauer bleibt

 
Traugott Giesen
07.05.2005
22:33 Uhr
     
zum 65 Gebrtstag mit Frau und Kindern , Enkeln nach Legoland-über Röm mit der Fähre: Dort auch Achterbahn mit dem Enkel, beide sehr stolz.  
ali
07.05.2005
13:23 Uhr
  Homepage  
Gottes segen.
ali
 
Günther Dichatschek
07.05.2005
12:16 Uhr
E-Mail Homepage  
Nach 29 Jahren auf Sylt in den Ruhestand zu gehen, Zeitungskolumnen und Bücher geschrieben zu haben, im Internet aktiv gewesen zu sein, im Jahr durchschnittlich 60 Hochzeiten mit allen anderen Kasualien durchgeführt zu haben - das verdient nicht nur Anerkennung und hohes Lob.

Ein Sylter Urlauber, selbst im evangelischen Pressewesen ein wenig tätig, wünscht alles Gute und weiterhin viele schöne Erlebnisse !

Gruß aus den Alpen nach Sylt an das Meer!
 
Elena
07.05.2005
11:32 Uhr
     
Lieber TG! Ihr Abschied tut mir weh. Deshalb komme ich auch nicht zu Ihrem Abschied, sondern bleibe daheim. Es ist gar nicht so, dass ich Sie als Liebe-Worte-Pastor vermissen werde, nein, ich werde Sie als Counterpart vermissen, als Mensch, dessen Gedanken mich immer interessiert haben, mit dessen Gedanken ich aber längst nicht immer einverstanden war. Doch Ihre Gedanken in Predigten oder in Kolumnen haben mich grundsätzlich zu eigenen Ideen angeregt und hielten mich auch oft lebendig. Ich hoffe, Sie schreiben noch ein wenig und haben noch eine Mail-Adresse. Ihre Erinnerungs-Kolumne heute ist sehr gut, aber auch da denke ich in einem Punkt anders. Ich glaube eher, ich wäre nicht beteiligt gewesen, hätte aber vielleicht nicht den Mut gehabt, mich offen so wehren wie Prof. Huber und seine Gruppe oder von Stauffenberg oder Bonhoeffer oder Niemöller. ich sehe das alles am Heute. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen bin ich entsetzt über ein geklontes Rennpferd oder Experimente mit Menschen im Acht-Zellen-Stadium. Wer soll mir mehr leid tun, die dabei gestorbenen Affen, die Föten oder der Wissenschaftler, der sich dafür her gibt? Was kann ich dagegen tun? Nichts, das ist das Traurige. Da muß ich an "Crocodile Dundee" denken, wo sie sagt: "Sie müssen sich eine Stimme verschaffen" und er kontert: "Wer will denn die hören?" Und er hat recht. Der Film ist alt, die Probleme bekannt, und dennoch wird die ethische Grenze immer dünner.
Auf der MS Europa werden wir uns wohl nicht sehen, denn gerade das hat mir die Beschäftigung mit Ihnen auch gebracht: das Abwenden von Menschen, die den letzten Wohlstand auf einem Luxusschiff verfressen, Kaviar vom aussterbenden Stör, die Abwendung von Menschen, die verantwortungslos und sorglos alles genießend die BRD vergeigt haben. Das ist Ihre Generation. Die wird sich noch schwere Vorwürfe von Kindern und Enkeln anhören müssen, Sie wohl nicht, aber wen bewegt denn ein Pfarrer heute schon wirklich? Das ist doch meistens ins linke Ohr und durch das rechte wieder hinaus. Na gut, lassen wir das. Ich werde Sie sicherlich vermissen.
 
DS
07.05.2005
09:39 Uhr
     
TG, können wir stillen nicht- immer- anwesend- sein- könnenden an den wunderbaren worten der hochzeitspredigt irgendwie teilhaben ? Euch allen ein sonniges Wochenende, ob der Himmelkörper nun gerade mal verdeckt ist oder sichtbar ! Euer DS aus HH  
Kai Behrens
06.05.2005
20:25 Uhr
     
Lieber Pastor Giesen,
wie bereits am vergangenen Samstag im Gogärtchen gesagt: Ich bin von Ihrer Predigt bei der Hochzeit von Sandra und Rüdiger Brock begeistert.
Ich habe nicht nur noch nie eine bessere Hochzeitspredigt gehört. Ich habe viel mehr noch nie schönere Worte über die Liebe gehört. Hut ab! Zum ersten Mal habe ich einer Predigt vom ersten bis zum letzten Wort zuhören können.
Vielen Dank!
 
Menke
06.05.2005
14:01 Uhr
E-Mail    
Hallo Liebe Gästebuchleute!

Wenn Pastor Giesen jetzt in seinen Ruhestand geht und Erinrungen Ihm lieb oder schmerzlich geworden sind, dann ist es gut Rückschau halten zu dürfen, denn festhalten kann man ja eh nichts.

Ein einschneidenes in seinem Leben wie geschrieben, durfte ich damals kurz danach auf meine Frage im Gästegesprächskreis Erleben.
Im Lebensglück der Gefühle auch mal über die Strenge schiessen zu dürfen, wo auch unterdrückte Gefühle im Freuen über den anderen zum Vorschein brachte.



Schade, wo das Menschliche für ihn immer im Gespräch oder im geschriebenen wichtig war,wo davor im eigenen Leben doch auch im Rückblick des Abschieds, oder nicht mehr lange hin Erkenntnisse kamen, der mir den Gedanken einbrachten alles nur Mensch wie Du und ich wenn auch mehr teilhabend.
 
do
06.05.2005
13:09 Uhr
     
Danke, lieber Delf S. dafür, uns nicht im Norden wohnende mit hinein zu nehmen ins Presseschifflein zu den Stimmen um TG!
Eine wunderbare Idee, die schon was mit Befreundung und Vernetzung zu tun hat und dieses Keitumer Geschenk vertieft.
Herzlichen Dank! Und Gruß nicht nur in den Norden! :-) do
 
Walter, Horst und Birgit
06.05.2005
10:50 Uhr
E-Mail    
Lieber Pastor Gíesen,
wir sind Eltern von mittlerweile 16-jährigen Zwillingen und immer, wenn wir auf Sylt waren, haben wir zweimal Ihren Gottesdienst miterleben dürfen. Dieses Jahr fahren wir nach vierjähriger Pause (wir wollten ja auch mal was anderes kennen lernen) wieder nach Sylt, und wir freuten uns schon auf St. Severin. Wir wünschen Ihnen alles Gute zu Ihrem Geburtstag und für Ihren neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute und vor allen Dingen Gesundheit.Ich denke, man wird Sie weiterhin auf Sylt sehen, oder? Die Insel mit Ihren Gegensätzen ist einfach wunderbar.

Liebe Grüße aus Oldenburg
Familie Horst Walter
 
Delf Schmidt
06.05.2005
09:20 Uhr
     
aus dem Hamburger Abendblatt von heute :


"Gottes Entertainer" geht in Rente
Traugott Giesen: Nach 29 Jahren verläßt der Pastor seine Kirche St. Severin in Keitum auf Sylt.

Von Hanna-Lotte Mikuteit


Pastor Traugott Giesen in seiner Kirche St. Severin auf Sylt. Hier ist er zum berühmten „Urlauber-Pastor“ geworden. Foto: LAIBLE
Keitum - Kaum daß Traugott Giesen seinen VW Golf mit Schwung vor der Pforte zum Kirchhof geparkt hat, eilt er zu St. Severin hinauf. Schnell drückt er einem Besucher mit seelsorgerischer Wärme die Hände, schaut kurz zu der Bronze-Skulptur an der Südseite des Friedhofs und grüßt den Bestatter. "Traugott, du mußt mal dein Hemd in die Hose stecken", antwortet der im Wegfahren. Der Pastor grinst jungenhaft unter silberweißem Haar. Schon ist er im Eingang. Seit kurzem segnet hier ein burlesker Holzengel brennende Lichter. "Schön, oder?" fragt Giesen und meint weniger die Kunst als die Tradition, ein Licht anzuzünden. Ist das nicht ziemlich katholisch im protestantischen Norden? "Die haben einfach die bessere Inszenierung", sagt der Hausherr von St. Severin. Dies ist sein Ort.

Bis Ende Mai noch. Dann geht Traugott Giesen, der heute 65 Jahre alt wird, in Ruhestand. Das ist so in der Nordelbischen Kirche und gilt auch für den bekannten "Entertainer for God", den "Missionar im Medienzeitalter".

29 Jahre hat Traugott Giesen die Keitumer Feldsteinkirche gefüllt. Im Sommer strömten bis zu 500 Menschen, Urlauber zumeist, in die Gottesdienste. Es gab Außenübertragungen. "Das Geheimnis ist ganz einfach", sagt der Pastor: "Ich habe die Menschen lieb." Er wolle nicht belehren, sondern ermutigen und Brücken bauen. "Ein bißchen Ausstrahlung braucht man natürlich. Der Pastor ist das Medium." Auch Sprüche wie dieser haben ihn bekannt gemacht wie keinen anderen Kirchenmann auf Sylt - und darüber hinaus. Die Leute lesen seine Predigten im Internet, er schreibt Zeitungskolumnen, jedes Jahr ein Buch mit sinnfälligen Meditationen.

Ein paar Tage noch, dann soll dieses Leben und Geben aus dem Vollen Vergangenheit sein. In frühlingsgrünem Cashmere-Pullover, schwarzer Jeans und trendigen Camper-Schuhen sitzt Traugott Giesen in seinem vollgestopften Amtszimmer, das jahrzehntelange Geistesarbeit atmet. Er sitzt im abgewetzten Ikea-Sessel und erzählt, wie er mit seiner Frau Ingrid und den Töchtern Hanna und Lea aus Berlin-Neukölln nach Sylt kam. 36 Jahre alt war er damals. Wie er und die Keitumer zusammenwuchsen, über die Arbeit mit Kindern, Alten und Touristen. "Eine Gemeinde altert mit dem Pastor", sagt er und wie wichtig es ihm war, im Dorf aufgenommen zu sein.

Daß er vieles bewegt hat, von der Sanierung des fast 800 Jahre alten Gotteshauses bis zum Neubau der Orgel, ist ihm kaum eine Erwähnung wert. 60 Hochzeiten im Jahr, dazu Taufen, Konfirmationen, Beerdigungen - St. Severin hat einen Stammplatz in den Herzen norddeutscher Christen. Auch über seinen Kontakt zu prominenten Sylt-Gästen wie Rudolf Augstein, den er vor nicht einmal zwei Jahren begrub, zu Axel Springer oder Berthold Beitz will er nicht reden. "Die brauchen ihren Schutzraum." Inzwischen ist Giesen ja selbst eine Berühmtheit. "Nach so vielen Jahren", sagt er ein bißchen lässig, "steht man im Reiseführer wie der Fischhändler Gosch."

Er sagt auch: Sein Nachfolger werde es nicht leicht haben. Die Ausschreibung hat er mitentworfen. Ein "liebevoller Landpastor" wird darin gesucht, der "weltgewandt und meditativ zugleich viel Zeit und Kraft für die Gäste hat". Bis November soll der Neue gefunden werden. Bis dahin führt das Pastorenehepaar Jörg und Heike Reimann aus Tinnum Giesens Geschäfte weiter. Für dessen Stelle hat es elf Bewerbungen gegeben; drei hat der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth in die enge Auswahl genommen, die jetzt beginnt. Es ist zu spüren, wie Abschied und Nachfolge Traugott Giesen umtreiben: "Es soll ein Imitat sein von einem selbst, nur besser. Fair ist das nicht."

Schon seit Ostern sind im Gemeindebrief auf knapp fünf Seiten seine Gedanken "Zu guter Letzt " zu lesen. Von Dankbarkeit schreibt Giesen, Wehmut schwingt mit. Der Text ist anders, kommt nicht so leicht und gestanzt daher wie viele sonst. Auch im Gespräch über die bevorstehende Veränderung kommen die Sätze weniger geschliffen. Dann relativiert der Redner vor dem Herrn sich, "ach, schreib das lieber nicht". Immer wieder unterbricht er sich, sucht nach Worten, die seine Seelenlage deutlich machen, ohne zuviel preiszugeben.

"Ich möchte endlich mal nichts mehr müssen", sagt er. Nie sei er länger als eine Stunde am Meer gewesen. "Die Menschen wollten mich ja hier finden." Lesen werde er, vielleicht einen Krimi schreiben. "Keine Vertretungen machen. Das klappt ohne mich sehr gut." Für Dezember hat er sich als Schiffspastor auf der "MS Europa" verdingt. "Nach 40 Jahren Weihnachten ohne Kanzel", sagt er, und es klingt fast wie ein Stoßgebet.

Die Giesens werden auf der Insel bleiben, die ihnen Heimat geworden ist. Zunächst ziehen sie in die leerstehende Lehrerwohnung. Für später gebe es ein Haus in Keitum, sagt Giesen. "Ich bin gespannt, wer ich bin ohne St. Severin, ohne schwarzen Mantel, ohne die vielen Menschen, die Beifall klatschen", sinniert er. Und gibt sich in der ihm eigenen Art gleich die Antwort: "Ich bin mehr als mein Amt."

erschienen am 6. Mai 2005 in Norddeutschland


 
Chris + Jonas
04.05.2005
23:06 Uhr
E-Mail Homepage  
HABEMUS PAPAM.

Erstmals seit 482 Jahren ist wieder ein Deutscher Papst. Aus diesem Grund haben wir die Seite

http://www.benedikt-xvi.com

ins Leben gerufen.Dort steht alles wichtige über die Kirche und den Vatikan.Außerdem gibt es ein Kirchenforum in dem ihr euch über alles was mit Kirche und Vatikan zu tun hat austauschen könnt.
Die Seite ist erst seit wenigen Stunden online.Somit wundert euch nich wenn das Forum noch ziemlich leer ist.
also seit einer der ersten und meldet euch dort an.
freuen uns auch sehr über Eure Kommentare im Forum,. hierzu ist keine anmeldung erforderlich, es sind dort schon einige sehr interessante Diskussionen eröffnet!!

Falls Euch die Seite gefällt und Ihr aktiv an der Verbreitung teilnehmen möchtet dann könnt Ihr gerne unseren Banner kopieren, dieser findet sich unten auf der Seiten, und ihn bei euch einfügen, dieses wäre sehr sehr nett!!

Viele Grüße!!
 
thomas
04.05.2005
21:29 Uhr
E-Mail    
************************************************** *********************

An Menschen mit herausragenden Ecken und Kanten können wir viel besseren Halt finden, als an rundum Angepassten...

Ernst Ferstl
österr. Lehrer, Dichter u. Aphoristiker, geb. 1955

************************************************** *********************

.... dann pflegen wir doch unsere Ecken und Kanten - möglichst aber ohne dabei "Opfer" zu "hinterlassen" ....

Mit einem herzlichen Gruss an alle hier Kantigen und Eckigen ! .... und alle anderen, die sich runder und "pflegeleichter" vorkommen oder diese Variante leben.

thomas




PS:
Dazu wieder einmal dieser Gedanke:

Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut,
Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine von dem anderen zu unterscheiden.

von C. Oetinger, 1720 - 1782
 
Traugott Giesen
03.05.2005
22:46 Uhr
     
Drei termine im Radio betreff Abschied in Keitum:14.5. 17.30-18.00 NDR Kultur// 16.5. Lebensweltern-ein Inselpastor tritt ab NDR Info 6.05 -6.30 und 17.05-17.30 // Glaubenssachen 05.06 8.40-09.00NDR Kultur: Schatzkammer Kirche  
Michael
03.05.2005
19:00 Uhr
E-Mail Homepage  
Hallo,

wo beginnt, wo endet Humanität?
Kann man Tiere "human" behandeln?

Prosextum &equal;> Für das sechste (Gebot)

Ich habe ein Zitat von Jean Paul (1763 - 1825) für euch:

"Gerechter Gott!
Aus wie vielen Marterstunden der Tiere bereitet sich der Mensch eine einzige Festminute für seinen Gaumen!"


Liebe grüße,
Michael
www.prosextum.de

P.S.: Ist nicht ironisch oder sarkastisch gemeint, ich möchte nur zum nachdenken anregen.
 
Traugott Giesen
03.05.2005
15:19 Uhr
     
Dank , verehrte Webmasterin für alles treue Schaffen zugunsten dieser Site. sie sind ein Schatz . Ihr Tg  
Webmaster
02.05.2005
20:40 Uhr
     
Die Predigt vom 24.04.2005 sowie die Kolumnen vom 23.04.2005 und 30.04.2005 sind online.  
Dr. Anton Knuth
02.05.2005
11:35 Uhr
E-Mail Homepage  
Hier das Interview aus den Nordelbischen Stimmen Heft 4/2005
- Lieber Traugott Giesen, seit nahezu 30 Jahren ist die St.Severin Kirche in Keitum auf Sylt Ihre Predigtstätte und durch Sie bundesweit bekannt als Leuchtturm evangelischer Predigt- und Gottesdienstkultur. In diesem Jahr beginnt Ihr Ruhestand, wann wird die letzte offizielle Predigt gehalten?

29. Mai; na, Leuchtwürmchen ist auch schon was–aber was mir Spaß macht, sind an die sechs Jahrgänge Predigten und Kolumnen (aus der Welt Hamburgteil) griffbereit im Net- als Steinbruch wenigstens brauchbar.

- Was lieben Sie an ihrem Beruf am meisten?
Ich mag Menschen, ich habe viel davon , wenn sie mich nutzen, daß sie leuchten .

- Was empfinden Sie am schwersten?
Ein Mensch meines ersten Kirchenvorstandes in Berlin1966 sagte: “Lass die Theologie aus dem Spiel, dann kannst du Dome füllen“ Und ich: „Wozu dann Dome füllen?“ Aber die Zuhörfähigkeit von uns allen schrumpft schlimm. Trotzdem keine Gags. Sondern Geist und Leib und Sehnsucht und Tat verknüpfen, die Brücke schlagen mit sich selbst vom alten Wort zum neuen Leben.
Traurig im Pfarramt mir die Beerdigung junger Leute, eben erst konfirmiert. Traurig auch meine begeisterten Trauungen und dann kommen sie nicht zum Krisengespräch.

- Sie stellen das verkündigte Wort in den Mittelpunkt ihrer Praxis, darin sehr lutherisch. Wo sehen Sie sich in Kontinuität zu dieser Verkündigungstradition, wo sind Sie neue Wege gegangen?
Viele Anleihen bei Literatur, und wenn es nur einzelne Wörter sind, die noch Wurzeln bei sich haben; Sprache, die erleben inszeniert.

- Formulierungen wie "Du gut, Du geliebt , gebraucht" sind Ihr Markenzeichen. Seit wann haben Sie zu Ihrem unverwechselbaren "TG-Stil" gefunden? Gibt es eine Entwicklung in Ihrer Predigtpraxis?
Hatte nie Zeit, alte Predigten zu lesen geschweige denn sie wieder zu verwenden. Ich bin noch drei Monate auf dem Seil- da kann ich nicht Revue passieren lassen. Habe mir aber zwei Dutzend alte Gottesdienstkassetten gebunkert, da kann ich noch mals reinhören, später, viel später hoffentlich.

- Sie formulieren Ihre Predigten wörtlich aus, sie lassen sich unter www.lebensmut.de nachlesen. Trotzdem hat man den Eindruck als Hörer, als ob sie im Moment des Predigens entstünden. Wie läßt man die Predigt sozusagen zweimal, am Schreibtisch und auf der Kanzel "zur Welt" kommen?
Also technich-wie wird die Schreibe zur Rede. Partizipialsätze auflösen, hör dich sprechen- lies es. Wenn du stotterst, hast du meist zu wenig gedacht. – Goethe: „Lange Briefe sind leicht, aber kurze...“. Es sollen doch Liebesbriefe sein- eigentlich jedem einzelnen persönlich geflüstert, von der Haut bis in die Seele zu massieren. Menschen , wiewohl krummes Holz sollen zu aufrechtem Gang finden, tänzerisch die Kirche verlassen, das wäre es; Lazarus bricht auf , die alten Fetzen flattern. Doch aus dem Dorf kommen auch nur die zwei Hände voll, „aber wir schicken ja unsere Gäste, die kommen gern!“

- Wie lange nehmen Sie sich Zeit für die Vorbereitung? Gibt es eine bestimmte Methode, eine Abfolge von homiletischen Schritte, die sich bewährt hat?
Ich schreibe los, streiche, schreibe weiter, schiebe was unter den Strich. Ich habe eine Idee, ein Wort, ein Saatkorn, ich muß was haben, von dem ich meine, das ist wert, mit geteilt zu werden, so wie Brotbrechen. Ich denke einen vor mich hin,- mit dem ich in der letzten Woche verwickelt war, will dem was sagen, aus Richtung des Textes in Richtung: mit Power leben. Und, ich muß selbst gespannt sein, auf die Antwort, eigentlich leg ich mirs zurecht, mache mir was klar, die ewigen Themen... die heißen Medien: Geld, Liebesumarmung, Religion. Ein Gedanke- und dann geht’s los- Predigt als Gespräch- mit einem Hauch Erotik,wenn’s gefällt und auch Augenzwinkern und immer für Sünde mit Beispiel aus eigenem Leben tatkräftig voran. Und sündige was du musst, aber glaub um so tapferer, „du geliebt, gebraucht“, eben. Und in die Kollekte selber anständig löhnen.

- Sie haben in Ihrem Buch "Festes Herz -weiter Horizont" (1998, 80) geschrieben: "Eine volle Kirche ist noch kein Beweis für Nähe von Heiligem Geist, eine leere Kirche allerdings auch nicht. Aber eins ist klar: Wahrheit ist nie langweilig. Wenn also Menschen in der Kirche sich langweilen, verfehlt der Pastor/ die Pastorin leider diese Menschen und hat darum für sie keine Verheißung." Wie ist Langeweile im Gottesdienst zu vermeiden?
Du, ich, Petrus, Josef, Maria Magdalena, Lots Weib und Jairus Töchterlein- es wird spannend, wenn Du drin vorkommst, Du Dich zeigst und Gott ganz nah weißt- als Geheimherz der Zeit, als Liebhaber des Lebens, als Bewusstsein der Welt, das Universum sein Leib, er mitleidend und mitgenießend, du einer seiner Fühler.

- Viele bekommen Liberalität, Aufklärung nicht mit Gott und Kirche zusammen. Sie verknüpfen einen sprühenden Gottesbezug und klassisches Pastorenbild mit großer Weltoffenheit und Liberalität. Wie geht beides zusammen?
Keine Angst vor großen Tieren, vor ehrwürdigen Traditionen. Das Evangelium des heutigen Tages steht noch nicht geschrieben, sondern wird auf der Kanzel -nach guter Vorarbeit und in Vertrautheit mit den vorangegangenen Schwerstern und Brüdern- gewagt. „Heute, so ihr seine Stimme hört“, das ist die grandiose Verheißung an den Predigenden. Aber manchmal hat man seine Stimme nicht gehört, der Predigende nicht, die Hörenden nicht- vielleicht nächstes Mal-. Der Herr erhält die Welt auf viele Weisen, der sonntägliche Gottesdienst ist eine von 77mal 777 Zugriffen.

- Sie schreiben (aaO.,82): "Wir brauchen seelenkundige Mitmenschen, die Spezialisten sind für beschädigtes Leben; und Predigende, die Fröhlichkeit verströmen und Lebenskunst uns beibringen anhand des Vorbildes Jesu und ernst uns auf die christliche Pflicht zur Nächstenliebe hinweisen. Sie müssen hinhören, auf die Mitmenschen, auf die Erinnerung geschehener Gottesbegegnung und auf den inneren Dialog, der sich (hoffentlich) in ihnen mit dem Ewigen begibt." Was hilft neben der Langeweile, auch die Mut-, Trost und Freudlosigkeit und Oberflächlichkeit im pastoralen Alltag durch Fröhlichkeit, Ernst und Hörfähigkeit abzulösen?
Mehr lieben, sich mehr lieben lassen, gern unter der Sonne sein, gönnen können, mehr Freundschaft unter Kollegen und Kolleginnen. Es ist grämlich, daß wir uns so alleine lassen bei unserer wichtigsten Aufgabe- Aber eher geht ein kamel durchs Nadelöhr, als daß ein Kollege mal andere anruft.

- Wieviel Psychologie, konkrete Erlebnis-Bilder und wieviel Jesus-Geschichten und Traditionsvermittlung braucht es im Gottesdienst? Also wie frei und wie gebunden muß die oder der Prediger der liturgischen Tradition und dem biblischen Text gegenüber sein?
Gott will doch, daß wir gerne leben, und daß wir andern helfen, gerne zu leben.- Dazu hat Jesus die schleusen geöffnet. Immer wieder: Gott liebt dich, und braucht dich, darum lebst du- das buchstabieren, da kann man auch mal eine Predigt halten, ohne daß der Name Jesus fällt, wenn wir nur aus seiner Richtung predigen.

-"Wahrheit will eine gemeinsame Sphäre erzeugen. Und die darf nie langatmig sein. ... Farben, Töne, Bilder, Bewegung müssen hinzu, damit wir uns fühlen können und Denknahrung und Erlebnisse mit nach Hause zu nehmen sind." (aa0., 83): Ist das so etwas Ihre Homiletik in Kurzfassung?
Wenn Du was haben willst, schwarz auf weiß-na gut. Ich weiß es nicht zu sagen. Es ist ein Drive, ein Zug zu Lebenslust und Trost hin, zu Chanceneinräumen und „glaub an dich“ dem Jesus nach- auf der Harley mit ihm durch die Höll, zu Auferstehung und mehr Teilen. Wir werden Rechenschaft geben müssen für alle Liebe , die wir unterschlugen, für die wir zu scheu, zu faul, zu korrekt, zu phantasielos waren. Siehe Maria Magdalena: Warum hat sie mehr geliebt? Weil ihr mehr vergeben war.- Aber was steht immer noch bei Lukas 7,47 auch in deiner Bibel, unkorrigiert? Ihr ist mehr vergeben, weil sie mehr geliebt hat- dafür brauchte Jesus nicht zu kommen, das ist Gesetz.

- Ein Mitfeiern bei den gutbesuchten Gottesdiensten in St. Severin ist für viele Höhepunkt im Urlaub und Kirchenjahr. Wie erklären Sie sich, daß hier offenbar gelingt, was vielerorts vermißt wird? Was machen sie anders, um Gottesdienste zu halten, "die eine Lust sind" ohne eine Liturgie zu zelebrieren "als müßte ein orientalischer Gottkönig besänftigt werden" (aaO.,83).-
Ja die pompösen Gottesdienste bei Synoden, die bischöfliche Triade in vollem Wichs, Gregorianik vom Synodenchor- ich fragte wirklich mal Bruder Bischof, ob wir den Herrn so in Anspruch nehmen müssen, immer noch mit sieben, acht Gebeten im Gottesdienst. Lass laufen... ich hatte nach zehn Jahren Berlin-Neukölln das Gefühl, entweder Arbeiterprister werden zu müssen oder dahin zu gehen, wo die Menschen ausruhen. Im Urlaub bringen sie wirklichKirchentagsstimmung mit, da muß man das Predigtschiffchen nur richtig in den Wind legen- und keine demütigenden Sätze, Gott will keine Sklaven sondern Töchter und Söhne. Die liegen nur im Gethsemane-Notfall vor ihm mit ihrem Gebet, alltags tätigen sie aufrecht, Hand in Hand mit ihm das Leben.

- Nicht nur Ihre Predigten und Kolumnen sind "verdichtete" Glaubenslehre und Lebensmut fürs Leben auch die Feier der Liturgie wirkt verdichtet und gerafft. Die traditionelle Agende ist beibehalten, aber der Eingangsteil wird z.B. nicht contra populum zelebriert. Lange unverständliche Lesungen oder fremde liturgische Rahmungen gibt es in St. Severin nicht. Es erscheint alles reduziert auf den Kern, aber bei erhöhtem Tempo. Dazwischen immer wieder eine Prise Humor und "Seufzer-Pausen", damit die Gedanken nachrollen. Gibt es einen Bauplan für diese Weise Gottesdienst zu feiern?- (Aus der Eingangsliturgie in St.Severin: Ein jeder hat die Woche auf seine Weise erlebt, hat Freude und Mühe gespürt, hat Gott als nah und fern erfahren. Wir sind jetzt glücklich dran, dass wir Gottesdienst feiern im Namen Gottes, väterlich-mütterlicher Grund und im Namen des Jesus Christus, der uns eine geschwisterliche Welt eröffnet und im Heiligen Geist, der uns sammelt, erleuchtet, heiligt. Ja, Gott, sammle die zerstreuten Sinne aus der Vielheit in das Ein- daß wir wieder Raum gewinnen, ganz von dir erfüllt zu sein. Amen Liedansage, Hinweis auf Liturgieverlauf vorn im Gesangbuch abgedruckt- Eingangswort Gemeinde und Pastor (Chor) im Wechsel: Ehr sei dem Vater und dem Sohn)

Helfen, daß die Mitmenschen zu sich kommen, und ihre Sehnsucht deuten als Religion und unsere Sünde ist doch, Gott machen zu lassen „Der Papa wird’s scho richten, s gehört zu seinen Pflichten“ (H. Qualtinger, lange her).

- Inzwischen wird viel über die Inszenierung des Gottesdienstes nachgedacht. Nordelbien hat ein eigenes Gottesdienstinstitut. Wäre eine Einspeisung der Erfahrungen an St.Severin in diese liturgische Praxiswerkstatt denkbar? –
Solange wir in schwarzen oder geblümten Ringheftern die gesammelten Versatzstücke im Gottesdienst vor uns hinhalten, statt im Kopf zu haben, was wir heute wollen oder wenigstens ein gnädiges Pult benutzen oder in die Bibel die eine Gebetstextseite einlegen...“sehend, wie du dir die Schuhe zubindest, interessieren mich deine Gedanken nicht“ (BB).... als stände der Koch am Herd mit Kochbuch. Mit solchen Hilflosigkeiten - wie farbige Socken unter dem Talar- was soll da eine Liturgische Werkstatt?- Ja, speist nur ein. Aber die Nachfrage ist doch gering. Wer den Hunger spürt, hat selbst schon was Eigenes. Wer den Hunger nicht spürt, dem sagen auch Anregungen nichts- getreu Lichtenberg: „Was nützt aller Sonnenaufgang, wenn sie nicht aufstehn.“

-In Ihrem Buch "Gott weiß" folgen Sie dem Aufbau von Ebelings "Wesen des Christentums". Gab es für Sie theologische oder andere Lehrer, die geprägt haben? Na, Vater Heinrich mit seinen kurzen Sätzen war zu seiner Zeit ganz wach. Ein Prediger in Herberhausen bei Göttingen namens Schiller, Ernst Lange, Spandau Gerhard Bauer aus Dahlem, Tillich- und eben Drewermann- der hilft wirklich die Taten des Jesus heute auch zu tun (eigentlich „ noch größere“, so Johannes 14,12)

- Immer wieder begegnen in Ihren Predigten und Büchern sprechende Zitate z.B. von Gottfried Benn oder Botho Strauß. Welche Autoren sind für den Prediger Traugott Giesen besonders ergiebig geworden?-
Wichtig ist, aus Gelesenem sich Wichtiges rauszuschreiben, und Ausrisse aus der Zeitung in Kladde nehmen zu den wichtigen Stichpunkten.- Aber das ist Arbeit. Dafür muß anderes liegen bleiben, klar. Musil- Hesse, Philip Roth, Robert Walser, auch M. Walser –Intelligente Predigten zitieren aus dem „Mann ohne Eigenschaften“ oder aus Manns „Joseph“, auch wenn die Predigenden es nicht mehr wissen sollten.

- Zur Zeit ist die Nordelbische Kirche erfaßt von der allgemeinen Finanzkrise im Land. Viele sehen dahinter auch eine Glaubens- und Mitgliederkrise. Worauf sollten wir uns jetzt konzentrieren?
Mutmachen, Angst nehmen, Gemeinschaft stiften, viel in die Kneipen gehen, mit den Leuten reden..hören, reden...Hausbesuche, jeden Tag zwei alte, einen neuen besuchen, Karte da lassen wenn man ihn nicht antraf. Die runden Geburtstage besuchen, auch die jungen, erst mal eine Geburtagsliste von allen Gemeindegliedern besorgen, und Beerdigungspredigt-jedenfalls Trauung auf Band mitgeben.-

- Gibt es ein Projekt, Buch an dem Sie arbeiten, ein Plan, wohin die nächsten Schritte führen sollen? Erst mal sehen wie das gelobte Land der Pensionierung schmeckt. Endlich nichts mehr müssen. Mit Frau lange Wege gehen und wieder Freund werden.

 
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