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12.03.2001

Lebensmut aus der Heiligen Schrift               

Powerpack Bibel

Die Bibel-ausgepackt,

Bibelenergie –von Traugott Giesen in Form gebracht und bedacht

 

Vorwort

Die Bibel kann niemand auslesen; sie gleicht einer Quelle, die immer frisches Wasser gibt. Doch es gibt vermauerte Türen- abgelaufene Geschichts- und Gesetzestexte etwa -und es gibt einladende Zugänge: Gebete oder hinreißende Erzählungen. Die Bibel ist ja erst spät zu  einem Buch zusammengefasst, Eigentlich ist sie eine  vierzehnhundert Jahre umfassende Bibliothek aus 66 Büchern und einem Anhang von 15 Büchern. Ein Wegkundiger ist da erst mal hilfreich, um die dringendsten Texte zu finden.    

Schürfen wir aus dem „Kontinent Heilige Schrift“ Bibelenergie für den Tag: Ein Stück Text, dazu ein paar Ideen von TG. Es ist doch so: Gott schafft noch und schreibt seine Bibel weiter mit uns. Schreiben wir sie mit. Der Luthertext (revidierte Fassung 1984)  in Auswahl und sehr gerafft liegt dieser Rolle, dieser Mappe  zu Grunde.

B. Brecht lässt seinen Weisen sagen: „Ich lehre es, weil es alt ist, d.h. weil es vergessen werden und als nur für vergangene Zeiten gültig betrachtet werden kann. Gibt es nicht ungeheuer viele, für die es ganz neu ist?“

Ja, „bei der Lektüre der Bibel wieder in eine Art Goldgräberstimmung verfallen“ ( Karl Kardinal Lehmann).

Die Texte erscheinen hier in einer Art Bibelrolle. Man kann von Anfang bis Ende scrolen, die Rolle wird ständig aufgefüllt. Die Texte des Alten Testamentes erscheinen fortlaufend. Die Texte des Neuen Testamentes ( Evangelien und Anderes) sind gruppiert um

A  Jesus Christus-

1 Jesu Geburt, 2 Jesu Worte und Taten, 3 Jesu Passion-Kreuzigung-Auferstehung.

Und

B Apostelgeschichte, Briefe, Offenbarung. 

 

Altes Testament

1.  Buch Mose

 

Aus dem Nichts

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

1.Mose 1,1

Dann war vorher nur Er. Mit ihm, von ihm her ist alles geworden. Und alles erwächst aus

dem Ursprung, ist Erweiterung, Erfüllung des Angefangenen. Dann sind wir auch nicht

Früchte des Zorns, nicht Treibgut auf dem Fluß Nirgends, sondern wir sind immer noch

Werdewelt seines Schaffens. Gott schuf, schafft, schuf, weil er Gegenüber will, Abdruck

und Ausgeburt seines Ichs. Du ins Sein gerufen, du auch sein Sein, du Seins.

 

Tohuwabohu

Und die Erde war wüst und leer.

1.Mose 1,2

Schuf Gott auch das Wüste, die Leere? Alles Sein ist Seins. Auch was wenig Wesen hat, schreit nach mehr, will Fülle werden; Wüste will blühen, Leere will erfüllt sein. Das kommt davon, daß nichts ohne Gott ist. Weil Er ja am Anfang schuf, den Anfang von allem schuf, von Anfang an schuf.

„Wüst und leer“- im hebräischen Urtext steht: „Tohuwabohu“. Ich nehme es als Versprechen, daß mein Chaos heil wird.  Alles Verquere ist auf Heilwerden ausgestreckt. Es ist eine Heilkraft in der Welt. Ich will ihr nicht entgegen sein. Ich will einigermaßen in Schrittrichtung mit ihr zu Gange sein.

Das Schweben

Und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

1.Mose 1, 2b  

Immer  wieder, immer noch ist es uns finster. Auf dem Grund der Dinge ist Schweigen, keine Deutung, kein Rat. Und wir werden wieder tauchen in Dunkles. Doch da ist nicht nur Furcht vor sondern auch Sehnsucht hin. Eingesogen werden von Muttermundhaftem- endlich Ruhe, alles Grelle, Schreiende, Fordernde abgetan- wer sich ans Leben geht, stürzt von hier weg in der Hoffnung auf Besseres. Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser- das kann man eigentlich nur musikalisch ausdrücken- diese geballte Energie, die schon schwanger geht mit dem Licht und der Verwandlung.

Die Rettung

Und Gott sprach

1.Mose 1,3

Das ist die Erlösung. Wenn wir verkracht sind und einer bricht das Schweigen, dann ist das befreiend. Um Welten größer das Glück, daß Gott sich endlich äußert, sich kenntlich macht als sprechender Gott. Anonym, unpersönlich, nur gewaltig eben hätte er bleiben können, Naturkraft pur, Schöpfer eines Universums ohne Menschen, ohne Gegenüber  und ohne Zwiesprache.  Aber endlich- nachdem Gott schon einige Milliarden Jahre Entwicklung hat laufen lassen, spricht er. Und tut damit den Anfang, sich zu offenbaren. Er ist dabei, ein Sein zu schaffen, das vernehmbar ist; ja, das Antwort ist. Alles Sein ist Seinnehmend- nimmt sein Wesen vom Gewolltsein. Er aber ist Sein gebend, Er gebietet dem Sein zu sein.  

Es werde

„Es werde Licht!“ Und es ward Licht.

1.Mose 1,3b  

Sein erstes Wort  ruft eine Schöpfung herauf , die Erleuchtung bringt. Die Idee „Licht“  ist das erste aller Werke. Erst die Idee, später das das physikalische Ereignis, die Lichtköper sind einer späteren Entwicklungsstufe vorbehalten; sie kommen erst nach und nach ans Licht. Sicher schwingt in der Hochschätzung des Lichte als erste Schöpfung die Dankbarkeit für die Sonne mit. Ihre Heraufkunft lässt die Nacht weichen und richtet uns Menschen zum Tagwerk auf. Aber vor allem Ins- Werk- setzen muß Gott auf die Idee kommen. Hier werden die Weichen gestellt: Erst der Geist, dann die Materie. Erst auch  die Idee zu diesem bestimmten Menschen, dann  das Mischen der Chromosomen. So geht dem Leuchtstoff voraus die Idee, der Wunsch, der Wille: Licht soll es werden. Von diesem Willen lebt das Universum-  wir werden nicht verglühen sondern einmal in seinem „Licht vom unerschöpften Lichte“ stehen.    

 

Der erste Tag

Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. 1.Mose 1,4.5

Auf das Qualitätssiegel Gottes kommt es wohl an. Dass er Vorhandenes gut findet, gibt ihm Dauer und die rechte Zuordnung. Finsternis und Helle tun uns gut, sie stehen  uns bei, sie geben uns den Rhythmus des Gedeihens. Die Nacht soll für den Schlaf sein- eine der menschenfreundlichsten Erfindungen ist doch das kleine alltägliche Sterben. Dann Auferstehung zu neuem Tag;  Ich darf wieder hier sein auf eigenen Beinen und mit tätigen Händen- zu neuen Taten ruft  ein neuer Tag. Jeder Tag eine neu Berufung, auch das ist gut.

 

Zweitens: Das Himmelsgewölbe, die Erde, das Grün

Und Gott schuf im zweiten Schritt das Himmelsgewölbe, darunter das Wasser für die Erde. im dritten Schritt trennte er auf der Erde das Meer und das Land. Und sprach die Erde an, sie solle Gras und Kraut, das Samen bringe, aufgehen lassen und fruchttragende  Bäume  Und Gott sah, dass es gut war.

1.  Mose1, 6-13

Die Früheren dachten , es gäbe einen Himmelsozean, der von der irdischen Atmosphäre wie von einer gläsernen Glocke getrennt sei. Trennen war und ist überhaupt ein besonders wichtiger Akt: Dass dem  Meer eine Grenze gesetzt ist, macht ja erst, dass Erde mit Anwachs Raum hat. Herrlich, wie die Erde mit schöpferische Kraft ausgestattet ist: Gott macht, dass sich die Dinge selber machen (Luther). Jeder neue Baum und jede neue Sorte  ist aus Gottes Schatz und Willen ohne dass es eine  persönliche Entscheidung Gottes braucht. Sein Ansehen, sein Gutfinden macht die Schöpfung gut.

Die Lichter

Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeiten, Tage, Monate und Jahre- das war am vierten Schöpfungstag. Und Gott sah, dass es gut war.

1.Mose 1, 14-19

Gelehrte des Gottesglaubens  brachten  vor wohl 2500 Jahren das Schöpfungswerk  in diese Worte und in diese Abfolge. Ihnen war es dramatisch wichtig, die Götter der Nachbarvölker Sonne und Mond klein zu machen. Sie erniedrigten  die Gestirne des Tages und der Nacht zu „Lampen“.  Leuchtkörpern haben zu dienen und sind keine Verehrung wert. So sollen wir auch nicht der Sonne danken sondern für die Sonne. Und die Sterne sind Leuchten aber keine Schicksalsmächte.

 

Die Tiere

Und Gott sprach am fünften Welttag: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. Und im sechsten Abschnitt sprach Gott: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes. Und Gott sah, dass es gut war; Und segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser, die Luft, die Erde.

1.  Mose 1, 20-25 

Es muß uns doch begeistern, dass schon vor zweieinhalb Tausend Jahren die Frommen das Schöpfungswerk als ein „work in progress“ als in Arbeit ansahen, in Entwicklung.  Eins fußt auf dem anderen: Das Wasser als Wiege; nach den Fischen, aus den Fischen die Vögel, dann die Landtiere. „Die Erde bringe hervor!- heißt auch- Die Erde nutze das Vorhandene für neue Arten. Nicht  „Schöpfung oder Entwicklung“, sondern Schöpfung als Entwicklung, mittels Entwicklung; nicht die Entwicklung ist das Schöpferische, die Entwicklung ist kein denkendes Wesen wie auch das Kochen nicht das Essen macht. Was setzt das Werden in Gang? Wer setzt die Naturgesetze? Der Koch der Schöpfung entwickelt das Werden in Schritten und Gängen. Und zielt wohl auf  das Ihm Ähnliche.     

 

Zum Bilde Gottes

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Tiere. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

1.Mose 1,26. 27

Die Früheren dachten sich Gott als Summe vieler Gottheiten.  Da war ein gewaltiger Schritt in der Entwicklung des menschlichen Denkens getan- die uralten Gottheiten des Krieges und der Liebe, des Regens  und der Ernte, der Künste  und des Todes, des Meeres und der verschiedenen Stämme waren zusammengebunden. Aber in dem Einen klingen die vielen noch nach-„lasset uns Menschen machen“ –spricht Gott, der Viele, ja, der Alles ist.

Die dunklen Kräfte wurden früher einem Teufel, einem Gegengott zugeschrieben. Aber Israels Glaube ist auch darum groß, weil er an einen großen, an einen, den Einen, Ganzen glaubt. Der umfasst auch das Schattenhafte, Dunkle, Böse. „Gott ist mehr als nur der Gute, er ist der Ganze.

Der schafft sich ein Wesen, das er mit der Sehnsucht ausstattet, vollständig zu werden und Vollkommenes zu bauen, ja, einmal im Ganzen aufzugehen. Alle Lust strebt darum über das hier notgedrungen Bruchstückhafte hinaus und  will Ewigkeit. Der  Menschensinn strebt in Kunst und Wissenschaft und noch in seinem Schrebergärtlein Ganzheit an.

Das Wesen Mensch ist nicht wie das Tier eins mit seiner Natur. Sondern der Mensch sucht sein Gegenüber, mit dem er ein Ganzes bilden kann. Die Ellipse mit den zwei Brennpunkten, die mal weit auseinander treiben, mal zusammenfallen in einem Punkt und eine Kugel bilden, sind das Bild für das Menschenpaar.

Doch der Mensch ist so plastisch veranlagt, daß er nicht auf eine  Ergänzung festgeschweißt ist sondern sich weitläufig  befreunden und einen Reigen der Menschengeschwister bilden kann. Weil Gott in keiner Weise monoman ist, hat er uns so spannend in uns selbst gemacht.  Weil  Gott nicht autark, nicht glücklich in sich selbst ist, will er Wesen, mit denen er sprechen und schaffen kann.

 

Segen für Tier und Mensch

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.

1Mose 1, 28

Tier und Menschen bekommen den Segen. Der Segen ist Begabung mit passendem Auftrag. Allem Tierschutz voraus geht, daß Tier und Mensch dem gleichen Befehl unterstehen, sich zu mehren. Ob der Auftrag zu zeugen der Menschen höchste Pflicht ist, ist nicht gesagt. Die jetzige Überfülle bewirkt von Gott nicht gewolltes  Leid aus Mangel und Krankheit und Enge. Nicht Zeugen und Gebären ist höchstes Gebot sondern die Kinder zu nähren und an den Gütern des Lebens zu beteiligen.

Dem auf Gott hörenden Menschen ist geboten, sich die  Natur untertan zu machen. Dieser Auftrag hat angeleitet zu Wissenschaft und Technik mit all den Wohltaten und Schattenseiten. Der moderne Mensch hat Mittel zur Umwälzung der Natur sich zugelegt-  Verliert er sich als Mitarbeiter Gottes aus den Augen und  weiß  nicht mehr die höchste Instanz, vor der er verantwortlich ist, dann wird der Mensch sich und der Natur und der Mutter allen Seins zum Feind. Weil der Mensch selbstherrlich  die Natur ausbeutet, muß der Segen Gottes uns immer wieder neu zu geistvollem Handinhand mit der Natur anleiten.

Sehr gut

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

1.Mose 1,31

Uns beginnt der Tag am Morgen und geht abends zur Neige. Für Israel hebt der neue Tag am Abend an. Wir gehen vom Hellen ins Dunkle- Israel geht vom Dunkel ins Helle. Das ist ein starkes Bild für die Werdewelt, die erst noch licht wird.

Daß Gott alles Gemachte für sehr gut hält, meint nicht, daß die Welt schon perfekt sei. Sondern sie ist sehr gut für Weiteres.

Der alte theologische Text teilt noch das Weltbild: Was gut wird, ist am Anfang gut gewesen, darum hat es eine Chance. Der Baum muß aus guten Samen stammen. Das Goldene Zeitalter ist der Ursprung, dann kommt der Abfall, dann das Gericht und neuer Anfang auf höherer Ebene.  Wir denken heute anders: Sicher muß der Anfang gut sein, aber wir sind auf dem Weg, wir sind in einer guten Geschichte, die auf den Frieden Gottes mit aller Kreatur zugeht. Wir dürfen sagen: Gott segnet die Anfänge und den Weg und treibt das werden zum Ziel.

 

Gott wird feiern

Und am siebenten Tage ruhte er von allen seinen Werken. Und segnete diesen Tag besonders. 1.Mose 2, 1-3

Die Sieben Tage meinen nicht eine Woche Zeit. Zeit und Woche gehören zu den ganz wenigen Zeitmaßen, die im Bewusstsein schon fest verankert waren. Es sind ja Weltzeiten, diese Schöpfungstage. Es ist hier auch das Wissen von damals vorgestellt, aber es ist dargeboten als Lobgesang, als große Theologie der Anbetung. Es geht den Verfassern nicht um die Angabe der exakten Dauer sondern um den unbedingten Willen, den es zu lobpreisen gilt. Goethe sagt es spielerisch: „In wenigen Stunden hat Gott das Rechte gefunden“.  Natürlich ist diese Poesie dem naturwissenschaftlichen Denken zu ungenau. Es lässt nur Objektives –also in Wiederholung Zählbares, Messbares- gelten. Dieses Weltbild  ist nicht falsch aber eng, es kann auch von der Liebe nur ihre chemischen und physikalischen  Ausläufer erfassen. Materie ist eben nur eine von mehreren Sprachen Gottes, wie auch Sternkunde  und Mathematik neben der Bibel  den Willen Gottes  ausdrücken. 

Der siebte Tag wird keinen Abend haben. Es ist die Feierzeit Gottes mit aller Kreatur, „da Fried und Freude lacht“. Noch sind wir auf dem steinigen Weg zur Vollendung, sind noch am sechsten Tag, noch ist Arbeit, auch für Gott. Aber als Anbruch von Ewigem Glück hat Gott den Sabbat bzw. den Sonntag  gestiftet. Da soll der Mensch ruhen, und die Haustiere auch. Der Ruhetag nach sechs Arbeitstagen ist eine der frühesten sozialen Errungenschaften der Menschheit. Israel zählte ihn unter die drei Gaben, die der Mensch aus dem Paradies mitnehmen durfte: Die Sonne, der Sabbat und die Liebesumarmung.

 

Die Schöpfung anders erzählt

Als Gott der Herr Erde und Himmel machte, waren alle die Sträucher noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land.

1.  Mose 2, 4-6

Das ist eine andere Darstellung  vom Anfang als die schon wissenschaftlich zu nennende Reihung im ersten Kapitel. Kapitel 2 ist  wohl geschrieben 950 Jahre vor Christi Geburt, aber die Bilder reichen in graue Vorzeit zurück. Da konnte man sich an das Nichts nur herantasten, indem man aufzählte , was alles noch nicht da war, vor allem war noch nicht da der Mensch, durch dessen Feldarbeit recht eigentlich die Schöpfung anfängt, jedenfalls für ein Bauernvolk.   Gott verehren und das Land bebauen sind die zwei Seiten der einen Medaille, und haben im Lateinischen nur ein wort: colere- wovon Kultur kommt. Der Mensch ist Gottes einziger Zeuge.    

Der Boden ist schon da, aber der ist so gut wie Nichts, ist Wüste, die eigentliche Schöpfung  beginnt mit der Feuchtung. Die nordischen Menschen sehen den Anfang durch (Wieder)kommen der Sonne. Die Menschen am Rande der Wüste finden  das immer wieder sich erneuernde Schöpfungswunder im Aufblühen ihre Landes  nach dem großen Regen. 

Für uns fängt die Schöpfung damit an, dass eine absichtsvolle Intelligenz  die Welt irgendwann geschehen lässt. Und die Startbedingungen unfassbar genau einstellt, die Naturkonstanten, die Schwerkraft etwa und dann die koordinierte Mutation. Die Welt mit ihrer Geschichte von Zufall und Notwendigkeit ist selbst etwas uns Zufallendes, uns Zugeworfenes, ein Einfall, ein freies Geschenk Gottes.

 

Von Erde genommen

Da machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Atem des Lebens in seine Nase. Und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.

1.Mose 2,7 

Töpfe und Plastiken  waren die ersten Herstellungen des Menschen. Darum lag es den Früheren nahe, Gott sich als Töpfermeister und Künstler vorzustellen, der  liebevoll die Körper des ersten Menschenpaares formt. Als Material (Mater-Mutter) bot sich Erde an- schon aus dem Wissen, dass der Leib ja wieder zu Erde wird.  Aber zum Körper muss hinkommen der Atem, der auch für uns noch viel mit Seele zu tun hat- wieder dies liebevolle Zeichen, Gott gibt von seinem Atem dem Menschen ab.

Wir wissen heute, dass der Schöpfer statt Erdmaterial eine schon entwickeltere Sorte Natur genutzt hat. Ob Erde oder Menschenaffe- ob aus Erde geformt oder aus einer Affenherde liebevoll hochgezüchtet, ist mir gleich recht. Der  Sprung zum Affenmensch und dann zum Homo Sapiens ist ein einzigartiger Qualitätssprung: Etwas von Gottes Inwendigem muss dem Menschen implantiert sein, dass er gedeihen kann: Er gab uns von seinem Atem- das ist ein Bild für Zueinandergehören.

 

Garten Eden

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, daß er ihn bebaue und bewahre.

1.Mose 2,8.15 

Der Mensch inmitten gartenhafter Schöpfung, Gott selbst als Der große Gärtner!- Noch der Stolz  von Hobbygärtnern über die schönste Rose, den dicksten Kürbis erinnert von ferne an die Leidenschaft Gottes, dass wir gut gedeihen.

Wieder ist die Wüstenerfahrung Hintergrund für das Weltbild, in dem die Oase das Wunder und Glück ist. Ähnlich wir Modernen: Die Astronauten berichten von ihrem Dank, ihrer  Bewunderung für den  blauen Planeten inmitten von Schwärze und funkelnder Kälte.

Die Erde zu bebauen und zu bewahren ist schon vor 3000 Jahren dem Menschen aufgegeben. Dieser Auftrag muss mitklingen, wenn wir den Auftrag, die Erde uns untertan zu machen, noch hören: kein zerstörerisches Ausbeuten ist unsere Sache sondern das bewahrende Nutzen.

 

Aufs Du angelegt

Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm einen Gefährten machen, der mit ihn sei. Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre.

1.Mose 2, 18-20

Das ist ein Urwissen von uns allen. Und auch Gott erklärt es ausdrücklich für ein Defizit und nicht als eine Leistung, allein klar kommen zu wollen. „Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner ist, der ihm was tut“ (W. Busch), ist eine traurige Halbwahrheit. Sie wird behoben, dadurch, daß Gott uns beziehungsfähig macht. Wir sollen wissen, daß wir  für andere brauchbar sind und nötig und liebenswert.  Weil es nicht gut ist, allein zu sein, sollen wir auch nicht allein lassen.

Damals dachte man, erst habe Gott einen geschaffen- dann den anderen. In Israel war der erste Mensch als Mann gedacht, in andern Kulturkreisen ist die Frau zuerst da. Jedenfalls macht sich schuldig, wer mit der Geschichte von Adam und Eva einen Vorrang für den Mann begründet.   

Schon die Vorfahren wussten , daß Mensch und Tier aus gleichem Stoff sind. Der Mensch aber hat den Auftrag, die Tiere zu benennen, also sie  sich zuzuordnen. Früher war der Abstand zu den Tieren noch klein, es war ein langer Kampf, bis sich die Vorherrschaft des Menschen erwiesen hat; und die  Gefahr gebannt war, von den wilden Tieren ausgerottet zu werden. Die Vorstellung, daß der Mensch seine Ergänzung im Tier finden könne, ist in den Märchen noch bewahrt. Aber der Mensch braucht den Menschen. 

 

Ein Fleisch

Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch.

1.Mose 2,21-24

Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Gefährten anhangen, und sie werden ein Gutesganzes (ein Fleisch) sei. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.

Die erste Schöpfung wiederholt sich in jeder Biographie. Der Anfang ist der Ursprung, der immer wieder lebenschaffende Quell. Vom Start entfernt man sich, das Ursprüngliche widerfährt jedem: auf dem Weg zum Erwachsenwerden ziehen wir  mehrfach uns in uns selbst zurück.  Die Mädchen zieht es zu den Pferden, die Jungen zieht es zu Kampfspielen untereinander. Bevor wir offen werden fürs andere Geschlecht, müssen wir im Tiefschlaf aus dem Unbewussten schöpfen. Da tut sich Erkenntnis auf, wir müssen von uns abgeben, um doppelt zurückzubekommen.

Das Bild von der verlorengegangenen Rippe kann von einer der uralten Geschichte herrühren: Die Männer  am Feuer, erzählen sich von den Kämpfen der Vorfahren mit den wilden Tieren, und wie dem Urvater die Wahl gelassen war zwischen Unverwundbarkeit und der schönen Frau. So  gab er die Hälfte seines Körperpanzers, der ehemals auch den Bauch geschützt hat, für die Erschaffung seiner Frau. –Dieses Märchen bebildert ideal die Erfahrung der Liebe: das plötzliche Erwachen aus dem schlaf des Alleinseins, es  fällt einem wie Schuppen von den Augen: „Das ist ja Fleisch von meinem Fleisch“, das bin ich anders noch einmal: Du, meine bessere Hälfte!

Diese Geschichte erzählt nicht wie, sondern dass Gott den Menschen ergänzungsbedürftig und beziehungsfähig gemacht hat.  Irgendwann wird aus dem  Kind dieser Eltern, die Frau oder der Mann zu diesem Menschen, dem er zugehört und anvertraut und zugemutet ist. Obwohl zu jeder Trauung ganz zu recht dieser Text gelesen wird, ist er nicht die Gründungsakte unseres mitteleuropäischen Eheverständnis, geschweige denn das Einsetzungswort für ein „Ehesakrament“. Es gibt nicht die Ehe, es gibt viele Formen, einander Gehilfe und liebender Mensch zu sein.  

 

Erkenntnis

Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

1, Mose 2, 8, 16-18

Mindestens zwei Geheimnisse treiben den Menschen um: Warum können wir nicht ewig leben? Und: Kann ich das Gute tun und das Böse lassen? Auf beide Fragen antwortete je eine Erzählung aus uralten Zeiten.  Der Mensch  aß verbotenerweise vom Baum des ewigen Lebens. Und er aß vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen, konnte es nicht lassen.  Die ganz früher getrennten Erzählungen handelten von  zwei  Bäumen. Aber die Probleme, die an den Bäumen hingen gehören zusammen und es ist eine Strafe. So konnte man gut die beiden Bäume ineinandersehen.  Der Mensch ist sterblich. Weil er erkennt, dass er sterblich ist. Er gewinnt Erkenntnis; damit verliert er das den Tieren ähnliche ewige Kindsein. Er wird „Hirnhund“(G. Benn), muss denken, sich mühen, muss das Paradies des Nichtdenkenmüssens verlassen.  

 

Sollte Gott gesagt haben

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und die sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?

1.Mose 3,1-3

Der abgründigste Dialog der Menschheitsgeschichte steht in diesen knappen Zeilen. Die Schlange ist uraltes Symbol für Kommen aus dem Urgrund, für Erstickenmachen  durch (Jagd)List, aber auch für Häutung und Wandlung. Und für ein Denken, das nicht weiter  kommt: Die Schlange beißt sich in den Schwanz. – So ist die Schlange auch Symbol der ewigen Wiederkehr des Gleichen- ohne Fortschritt zu irgendeiner Heilung.

Die Schlange spricht- was der Mensch auch aus sich selbst sagen kann:  Ja., sollte Gott das wirklich gesagt haben? Sollte mein geliebter Vater seiner geliebten Tochter schönste Früchte vorenthalten- das kann doch nicht wahr sein: genießt was alleine, ohne mit seiner Tochter zu teilen. Die Schlange ist Bild für das menschliche Argwöhnen gegen Gottes Güte. Dies Argwöhnen haben die Alten durch das Auftreten der Schlange als von außen kommend beschrieben. Und tatsächlich ist der Argwohn gegen Gott- er könne uns quälen indem er uns Glück willentlich vorenthält und Unglück uns zufügt, himmelschreiend. Ist der Mensch zu diesem Argwohn fähig, ist er dazu fähig gemacht. Denn keiner hat sich selbst geschaffen. Durch  Auftritt der Schlange, die ja Gottes Geschöpf auch ist, zeigen die Alten: Gott ist mit „schuld“ an unserm Schuldigwerdenkönnen- und müssen? Wer handelt, muß auch Versäumnisse und Fehler und Schuld auf sich laden. Damit, daß Gott uns das Wissen einräumt, räumt er uns auch das Recht auf Schuld ein, nämlich nicht dem Wissen des Guten gemäß zu handeln.

 

Der verquere Dialog

Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!“

Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

1.Mose 3,4-5

Wissen, was gut und böse ist- ist eine Gottesqualität. Diese Menschenwürde hat uns Gott von immer her zugedacht. Tatsächlich kommen wir irgendwann im Kindesalter dazu, unsere Eltern zu belügen und zu bestehlen. Und fühlen in dem Augenblick uns stärker als sie. Jedenfalls fühlen wir unser Gewissen- wir wissen: das darfst du nicht. Und doch schmeckt es gut. Unsere Augen werden uns aufgetan für die Ahnung, wie schwer das Leben ist, wir lieben die Eltern und verletzen sie doch.  Diese Erfahrung von uns allen, haben unsere biblischen Vorfahren übertragen auf  Gott und eine Szene vom Garten und den verbotenen Früchten nachgestellt.

Immer wünschen wir auch, nicht schuld zu sein- im Angesicht der Hungernden dieser Welt  kann mein Vergeuden mich krank machen. Und wie mein Erfolg oft durch Scheitern anderer erkauft ist. Oder wie ich die anvertrauten Talente vergeude oder vergrabe. Wir wissen um uns, wissen daß wir vor Gott verantwortlich sind.

 

Sehen, was klug macht

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.

1.  Mose 3,6

Da ist ein Verbot von dem, dem alles gehört. Aber Frau Mensch sah. Ihre Lebensbereitschaft neigt  dazu, die Verhältnisse zu ihren Gunsten zu nutzen.  Sie lässt sich die Dinge zum Besten dienen. Sie geht davon aus, daß Gott klar ist. Der wird  nicht einen Baum in die Mitte des Gartens stellen, dessen Früchte Glück verheißen aber vergiftet sind.  Auch wird mein geliebter Vater –so Eva- keine Versuchsanordnung aufbauen, nur um mich zu testen. Er weiß doch. Also will er mich klug machen. Darum macht er, daß Lust mir in die Augen springt.

Als die Menschheit noch in den Kinderschuhen steckte, gab es eine Entwicklungsstufe ohne Gebote, ohne Gut und Böse, ohne Wahl. Die Schöpferkraft musste entscheiden, ob es beim Menschenaffen sein Bewenden haben sollte. Oder ob Gott sich ein Partnerwesen erziehen wolle. Dann muß es vor allem Spielraum haben, selbst zu wählen, was es für Gut und böse hält. Gott kann ihm zwar seine Sicht der Dinge sagen. Aber erst wenn der Mensch aus freiem Willen, das göttliche Maß für sich gelten lässt- und nicht etwa aus Angst vor Strafe- lebt er ebenbildlich mit Gott. 

Die Menschen vor uns legten für sich fest: Gott ließ den Erdling mitentscheiden , ob er mit Gewissen gekrönt und beladen sein will. So viel Schmerz und Haß und Gewalt kommt dadurch in die Welt, daß der Erdling Mensch wird- also nicht nur „das Findigste aller Tiere“ bleibt, sondern „Invalide höherer Kräfte“ ist.

Auch wollte Gott die Entscheidung, die Bitternis auch über ihn bringt,  nicht alleine treffen; natürlich leidet die Mutter des Lebens, wenn ihre Kinder ihr ins Angesicht widerstehen und sich gegenseitig  Böses antun. Hätte Gott uns schonen wollen, hätte er uns unwissend, uns Menschenaffen bleiben lassen. Aber der Blitz des Heiligen Geistes  half  ersten Affenmenschen zur Welt,  die lernten, aufrecht zu gehen und Gebote des Herrn zu vernehmen.

 

Sie gab ihm und er aß

Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

1.Mose 3,6b 

Das sollen wir uns so vorstellen: Lang steht Eva da, allein, wortlos, in ihr arbeitet es. Was die Schlange sagte, ist ja die andere Stimme in ihr. Ob sie nicht Gott näher komme, wenn sie das Gebot überspringt? Ob sie nicht vertraut werden soll mit dem Wissen von allem? Ob sie vielleicht Gott besser versteht, wenn sie ihn nicht wörtlich nimmt? Soll ich meine Fähigkeiten auszuweiten? Aber dann liegt Schuld und Unschuld glasklar offen, frei scheint sie wählen zu können wie man einen Apfel greift oder es sein lässt.

Eva vor dem verlockenden Baum- wir spüren das Gefälle hin  zum selbstverständlichen Tun des Verbotenen: köstlich die Augenweide, und dazu noch nötig fürs Klugwerden. Folgerichtig nimmt sie. Und die Verführte wird zur Verführenden. Sie nahm, aß, gab. Und er aß.-

Daß die Frau  den ersten Griff tut, ist kein Zeichen von Zweitrangigkeit, die der Frau so lange aufgedrückt wurde. Im Gegenteil scheint sie mehr Partner Gottes zu sein, schöpferischer und intelligenter, aktiver als der vor sich hinarbeitende Mann. Für ihn ist ja typisch, nichts verlieren zu wollen, während die Frau auf Gewinnen setzt. Die Frau scheint immer über das Geheimnis des Lebens zu walten, „durch Männer lernt man höchstens, wie die Welt ist, durch Frauen jedoch, was sie ist“ (C. Nooteboom). Die lange Geschichte männlicher Unterdrückung beruft sich auf die Verführung durch Eva und verlängert die  Dummheit des Adam.

 

Gewahr werden, was mit einem ist

Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

1.Mose 3,7

Ihnen wurden wahrlich die Augen geöffnet, aber sie fanden kein selbstbewusst erblühtes Ich. Die Unschuld war entzaubert, die Kindheit verloren. Es kommen die Mühen des Wissens auf sie: Sie lernen sich als Mängelwesen kennen, die geschlechtliche Stelle  legt die Ergänzungsbedürftigkeit bloß. Durch Verdecken schaffen sie die Angewiesenheit  nicht aus der Welt, es bleibt bei ihnen die Scham- eine innere Entherrlichung, ein Erschrecken, nicht leuchtend wie Gott für einander zu sein sondern zerrissen, argwöhnisch, selbstsüchtig. Hungrig nach Liebe werden sie, worin Gott sie für einen Augenblick erlöst.

 

Mensch, wer bist Du

Und Adam und Eva hörten Gott, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und sie versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten. Und Gott rief:  Adam, wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.

Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Du hast doch  gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen. Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß.

Da sprach Gott zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.

Da sprach Gott zu der Schlange: Weil du das getan hast, sollst du auf deinem Bauche kriechen dein Leben lang; Feindschaft soll sein zwischen deiner Brut und den Menschenkindern.

Und zur Frau sprach er: Unter Mühen sollst du Kinder gebären und Verlangen sollst haben  nach deinem Mann.

Und zum Mann sprach er: Unter Mühen sollst du den Acker bestellen, im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zur Erde zurückkehrst, davon du genommen bist. Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.

1.Mose 3, 8-20

„Adam, Mensch, wo bist du, wer bist du“- bleibt der Ruf nach mir selbst. Was ist mit mir los; ist es ein Glück , daß ich bin, bin? Es ist da das Andere, das mich zum Ich macht.- Durch Mitmenschen hindurch ruft Gott nach mir: Ich muß aus mir rauskommen, aus dem Dickicht des Unbewussten, ich muß mich outen, mich kenntlich machen durch das, wofür ich einstehe.

Mich verkriechen geht nicht, Scham vor der eigenen Dürftigkeit gilt nicht. Ich muß mich zeigen, anbieten, meine Begabung ausgeben, ich muß Ich werden in dauernder Empfindung von Gut und Böse.

Das Ableiten von Schuld ist menschlich; Adam belastet die  Frau, die Du, Gott mir gegeben hast,  belastet also letztlich Gott. Das macht auch die Frau: Die Schlange hast  Du doch auf mich angesetzt! Drei Menschenlasten  sahen die Vorfahren im Schuldigwerden begründet: Die Angst vor giftigem Getier; die Mühe mit dem Nachwuchs und  mit Geschlechtlichkeit. Und die Mühe ums tägliche Brot.

Beides gilt: Die Menschen sehen Gott letztlich doch haftbar für die schwierigen Umstände. Dann  ist ja auch noch  Hoffnung.   Und  Gott nimmt den Menschen in die Verantwortung: In den schwierigen Umständen wächst der Mensch, kommt zu sich selbst. Der Mann, der erst seine Frau von sich stößt, nennt sie dann Mutter alles Lebendigen- darin steckt Liebe und Trotz und Stolz: Der Mann sieht sich als Gefährten der Mitschöpferin, der Partnerin Gottes. 

 

Unser Wissen um Gut und böse ist unser Adel

Und Gott sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Das ist die Vertreibung aus dem Garten Eden, unter  Mühen soll er die Dienstreise Leben bestehen, die Erde unter Mühen bebauen. Und Gott machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. Cheruben versperren  mit flammenden Schwertern den Weg zurück zum Paradies.

1.Mose 3, 21 -24 

Das Wissen um Gut und Böse macht den Menschen zum „Hirnhund“ (G. Benn). Es geht nicht mehr, das Leben aus dem Bauch. Und wie es kommt, ist es gut- das ist vorbei. Von den vielen Möglichkeiten müssen wir die am wenigsten Schädliche ermitteln und tun. Einigermaßen nur wollen, was man darf und einigermaßen können, was man muß, das ist die alltägliche Gnade. Und Gelingen ist tägliches Wunder. Uns sind Felle mitgegeben, wir können uns schützen vor dem Erfrieren, auch seelisch.

Der Weg zurück ins Paradies ist uns verschlossen- wir müssen durch die Geschichte durch. Das Paradies liegt vor uns. Wir werden es durch den Tod hindurch zu schmecken bekommen. Auf der Rückseite der Zeit, hat Gott noch viel mit uns vor.

 

Bruder Kain

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie wurde schwanger und gebar den Kain. Danach gebar sie Abel. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann.

1.Mose 4, 1-2

Die deutsche Sprache hat für die Liebesumarmung eigentlich  nur das behutsame “Miteinander- Schlafen.“ Das  hebräische „Erkennen“ dagegen feiert das geistige Ereignis, das mit dem Lieben einhergeht: ausgeliefert aneinander nehmen wir uns echt wahr.

Der Mensch ist geliebter Sünder- dafür steht das erste Menschenpaar, das erste Brüderpaar ist einander feind- auch das kennzeichnet die von Anfang an bedrohte Schöpfung- sie muß erst noch heil werden. Schäfer und Bauer sind ehemals Konkurrenten- sie stehen für Rivalität aller Art. Der wirtschaftliche Kampf ums Überleben macht auch vor Geschwistern nicht Halt.

 

Zum Erntedank 

brachte  Kain dem Herrgott Opfer von den Früchten des Feldes, Abel brachte Jungtiere von  seiner Herde. Und der Herrgott  sah Abel und sein Opfer gnädig an, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.

1.  Mose 4, 3-5

Beide Brüder wissen, dass sie ihre guten Ernten Gott verdanken. Auch ihre Gesundheit, ihre Familien, die Zeit, die Freude verdanken sie Gott; ja, sich selbst. Aber wie ein Blitz aus eben noch heiterem Himmel fährt ein Hass in die Welt, fährt in des Menschen Herz.  Kain  sieht seine Sympathie bei Gott und dem Schicksal verloren. Vielleicht war es ein nichtiger Anlass nur- sein Opferfeuer qualmte, während Abels Feuer herrlich prasselte. Er sieht sich zurückgesetzt, sieht Abel bevorzugt. Und schon lodert Argwohn in Kain auf, Grimm überzieht seine Seele, Gewalt bricht hervor.

Die Geschichte lässt Gott den Urheber des Grimms sein, er verteilt seine Gunst ungerecht. Wir getrauen uns diese Schuldzuweisung nicht mehr. Nach Jesu Kommen sehen wir Gott nicht als Autor von Bösem sondern als Erleider und Erlöser.

  

Grimm

Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?

Es ist doch so: Wenn du ohne Arg bist, kannst du frei den Blick erheben. Sinnst du aber Böses, so lauert die Sünde an der Tür als Dämon.  Auf dich hat er es abgesehen. Du aber werde Herr über ihn.

1.  Mose 1,6.7

Kain ist nicht automatisch seiner Aggression ausgeliefert. Im Gewissen hört er sich infrage gestellt. Warum denn der Hass? Ist in dir ein Verlangen zu zerstören? Willst du gewinnen durch Kleinmachen und Vernichten? Monströs kann Sünde Macht über uns gewinnen, wir sehen uns als Opfer eines Dämons, der auf uns zufliegt, von uns Besitz ergreift Aber du Mensch, beherrsch deine Lust, zu unterwerfen. Benutz kein Böses, auch nicht als Mittel für angeblich gute Zwecke - so lockt Gott und würdigt uns eines ziemlich freien Willens.

Es gibt böse Mächte, Dämonen, Hexen- aber sie können nicht in dein Haus, es sei denn , du lädst sie ein. Schlimm dabei ist, jeder lädt sie ein, aber wir haben Entscheidungsspielräume, haben immer wieder Möglichkeiten, so oder so zu wählen. Wer A sagt, muß nicht B sagen.    

Bruders Hüter

Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.

Da sprach der Herrgott zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?

1.Mose 4,8.9

Abgründig, daß Menschen Ihresgleichen umbringen können. Dann sind alle Sperren überflutet von der einen Gier, diesen aus dem Weg zu räumen. Um  sich seine Lebenskraft, oder seinen Besitz, seine Würde, sein Wissen anzueignen. In uns wissen wir, daß wir einander zu Hütern bestellt sind. Mord ist fast Selbstmord. Lebenslänglich wird man das Töten bei sich haben, Sein Schrei, sein Niedersinken schiebt sich in jeden künftigen Gedanken. Die Räume des Schreckens wird an nie mehr los.  

 

Fluch

Gott  sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Verflucht seist du. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.

1.Mose 4,10-12

Das ist der Fluch der bösen Tat: Man kann sich seines Lebens nicht mehr freuen. Das Zusammenleben wird gemieden, seine  Arbeit wird von den Mitmenschen nicht gewollt. Die einzige Chance ist die garstige Fremde. Wo man ihn erkennt wird man Steine nach ihm werfen. Und er muß weiter. Es gilt das Wort aus Weisheit 11,16: „Womit einer sündigt, damit wird er auch bestraft.“ 

 

Todesstrafe abgelehnt

Aber Gott sprach: Totschlagen soll ihn keiner Und der Herrgott machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge. Und  Kain ging weit weg, jenseits von Eden, wo er meinte, er sei aus dem Blick des Herrn.

1.Mose 4,13-16

Die Sensation ist, daß schon ganz früh die Menschen wussten: Todesstrafe geht nicht. Das Leben , auch des Mörders, ist des Herrn. Auch Gott ist gezeichnet mit dem Kainsmal. Fürchterlich, daß sich doch immer wieder Menschen anbieten zu Henkern, um anmaßend „im Namen des Herrn“ Leben auszulöschen.

Das ist ein Vesprechen: Auch jenseits von Eden bleiben Gottes Augen über Bruder Kain. Und dem Abel ist ein unverbrüchliches Gedenken gewidmet  in all den Mühen um Geschwisterlichkeit.

Geschichten wie die von Kain und Abel zu erzählen, das kann man eigentlich nur, wenn man guten Mutes ist. Denn es braucht Kraft, die Räume des Schreckens zu vermessen und den Hang zur Gewalt in uns merken. Und nicht aufgeben. Mitten im Winter die Keime des Frühlings, kleine fröhliche Feuer der Liebe entzünden, dem Pflänzchen Humanität zum Überleben helfen.

Aus der Tiefe zu den Sternen

Ein Tiefpunkt  der menschlichen, männlichen Großmannssucht klingt auf in dem grölenden Triumphlied des Kain-Nachkommen Lamech: Ada , Zilla, meine Frauen! Merkt auf, was Lamech zu sagen hat: Ich erschlage  einen Mann für meine Wunde, einen Jungen für meine Beule. Na und? Kain sollte siebenfach gerächt werden- aber der große Lamech soll sieben mal siebzigfach gerächt werden.

1.Mose 4,23.24

Blind war Willkür und Gier. Wir kommen aus Zeiten, da galt das Recht des Stärkeren. Der nahm, was er wollte und stillte seine Mordlust, bis er erschöpft war.  Hunderttausend Jahre wohl brauchte Gott, um dem Menschen Gewissen zu geben: Ein Um- sich- selbst- wissen: Mensch, du bist für dein Tun verantwortlich. Du bist gewürdigt und verpflichtet, Antwort und Rechenschaft zu geben. Ein Meilenstein in der Erziehung des Menschengeschlechtes ist die Begrenzung der Rache auf ein strenges: „Wie du mir, so ich dir.“: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben“ (2. Mose 21, 23f). Nicht mehr, nicht weniger, kein Progrom aber auch keine Gnade. Die Zeitenwende brachte Jesus: „Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt,biete ihm auch die linke. Will einer deinen Mantel gib ihm auch dein Hemd.“ (Matthäus 5, 39). Der Mensch wird zur Feindesliebe fähig, wenn er an Jesu Hand  den Racheherrn und den Gesetzesrichter  hinter sich lassen darf und zum „Gott der Geduld und des Trostes“(Römerbrief 15,5) findet.

 

Die größte anzunehmende Traurigkeit

Als aber der Herrgott sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immer und immer, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. Aber...

1.Mose 6,5-7

Es ist vielleicht der gewalttätigste Satz der Menschheit. Niederschmetternder haben wir nicht von uns gesprochen und von Gott: Wir, unsere Spezies, ein Missgriff eines scheiternden , gebrochenen Gottes.  Der Satz, ist wie eine gewaltige Flut, mit der der Herr seinen Stall ausmistet, seine Welt hinwegspült.

Immer wieder kamen und kommen Fluten, Feuersbrünste, Hungerkatastrophen, Vulkanausbrüche über die Menschheit. Und Menschen fragen: Warum?  Und sagen, um Gott zu schützen: Wir sind selbst schuld. Wären wir Herrgott, hätten wir auch mit denen Schluß gemacht. Doch an den Vernichtungssatz schließt sich ein Aber, das leuchtendste Aber vielleicht, am Ende des Tunnels, Licht; nicht vom entgegenkommenden Zug sondern: Noah, Arche, Regenbogen, Bund.

 

Aber Noah fand Gnade

Noah war ein frommer Mensch und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott.

Zu ihm sprach er:  Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel von ihnen; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde.

Du aber, mache dir einen Kasten von dreihundert Ellen, dreißig Ellen Höhe, mit Stockwerken, Ställen, Kammern, Fenster. Ich will eine Sintflut kommen lassen. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. Aber mit dir will ich meinen Bund aufrichten, und du sollst in die Arche gehen mit deinen Söhnen, mit deiner Frau und mit den Frauen deiner Söhne.

In die Arche sollt ihr bringen von allen Tieren, von allem Fleisch, je ein Paar, Männchen und Weibchen, dass sie leben bleiben mit dir. Du sollst genug Verpflegung und Futter  mitnehmen.

Und Noah tat, was Gott gebot. Und die Tiere gingen sie zu Noah in die Arche paarweise. Dann  kamen die Wasser der Sintflut. Alle Brunnen der großen Tiefe brachen auf und es taten sich die Fenster des Himmels auf.  Es regnete vierzig Tage und vierzig Nächte.

1.Mose 6, 8-22; 7,1-12

Die Rettung liegt bei einem, der mit Gott lebt. Einer bleibt übrig, einer kehrt um, einer baut die Arche. Die Vielen können irren. Einer sieht Gott kommen, Einer weiß, was zu tun ist: Retten, Bergen, in Sicherheit bringen, alles verlassen um des eines Auftrages willen. So einen fand Gott; Und so einen findet Gott immer wieder in den großen und kleinen Katastrophen. Sagen wir nicht: „Nach uns die Sintflut“. Bauen wir Archen, Freundschaften, Chancen fürs Überleben.

 

Solange die Erde steht

Da gedachte Gott an Noah und an alles Getier, das mit in der Arche war, und ließ Wind auf Erden kommen und die Wasser fielen.

Noah wurde ungeduldig- er ließ einen Raben ausfliegen; der flog immer hin und her und kam zurück. Auch eine Taube fand nichts Trockenes und kam zurück. Später ließ er erneut eine Taube fliegen, die kam um die Abendzeit zurück, und trug einen Ölzweig in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hätten und Land in Sicht war.

Dann redete Gott mit Noah und sprach: Geh aus der Arche, du und die Deinen und alles Getier, auf dass sie sich mehren auf Erden.

So ging Noah heraus mit allem , was bei ihm war. Und baute dem  Herrgott  einen Altar und dankte und feierte ihn.  Gott aber sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen. Auch wenn das Machen und Tun  des menschlichen Herzens böse ist , will ich hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Und Gott segnete Noah und die Seinen und richtete einen Bund auf und mit Noah und seinen Nachkommen und mit allem lebendigen Getier: Es soll keine Sintflut mehr kommen, die die Erde verderbe. Ich setze meinen  Bogen in die Wolken. Den will  ich ansehen und gedenken und den sollt ihr ansehen und gedenken: Zeichen des Bundes zwischen Gott und Schöpfung.

1.  Mose 8 -9,17

Böse von Jugend auf, der Mensch- wenn das der Grund für die große Vernichtung war, dann nie mehr wieder. Es ist doch Gottes Schöpfung, sind seine geliebten Pflanzen, Tiere, seine Menschenkinder. Gott will mit uns auskommen, auch wenn er an uns leidet. Das ist eine Art Bekehrung in Gott, ist aber eher  ein Quantensprung in der Gotteserkenntnis des Menschen.- Ja, tief zurück liegt die Zeit schauerlicher Göttervorstellungen. In vielen Schöpfungssagen der Menschheit steht eine Urflut am Anfang, alle Völker am Meer haben Sindfluten im Volksschatz, immer war Sünde schuld, um nicht ganz irre zu werden am Verhängnis. Immer war es göttliches Erbarmen, das neuen Anfang schuf.

 

Der Turmbau zu Babel

Von den Nachkommen Noahs kommen die Völker her. Und  alle Welt hatte einerlei Zunge und Sprache. Die nach Osten zogen, fanden eine Ebene im Lande Schinar und ließen sich dort nieder. Sie sprachen untereinander: Los, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und taten sich zusammen: lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; sonst verlieren wir uns in alle Länder.

Da fuhr der Herrgott hernieder, Stadt und Turm der  Menschen zu besehen. Und erschrak: Das ist erst der Anfang- wenn die so weitermachen, werden sie grenzenlos. Verwirren wir

Ihre Sprache, dass keiner des andern Sprache verstehe!

Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.

1 Mose 10,32; 11,1-9

Die lange vor uns lebten, dachten den Ursprung der Welt als Einheit: ein erster Mensch, ein erstes Menschenpaar, eine Urflut nach der Noah der erste Mensch war, von ihm zweigen alle Völker ab, am Anfang auch eine Ursprache; die verwirrende Vielsprachigkeit erklärte man sich als Strafe für Größenwahn der Ahnen.

Der Turm zu Babel  galt wie andere Weltwunder des Altertums  als Zeichen für die hohe Leistungsfähigkeit der gottverbundenen Vorfahren. Die Turmruine von Babel nahmen spätere Generationen als Zeichen , „sie wollten zu hoch hinaus“. Ihr Scheitern blieb  Mahnung, selbst nicht in Hybris zu fallen. Die „Babylonische Sprachverwirrung“ bleibt Warnung, die Sprache nicht zum Herrschaftsmittel verkommen zu lassen. Auch fängt der Friede mit der Wahrheit der Worte an. Wenn Menschen einander nur kommandieren und verhören, können sie sich nicht verstehen. Die stärkste Gegengeschichte ist die von Pfingsten (Apostelgeschichte 2)- der Heilige Geist der Kommunikation brennt in den ersten Christen.

 

Abraham-Vater des Glaubens

Gott erwählte sich einen Menschen, namens Abram (später Abraham) aus Haran. Den sprach er an:  Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deiner Eltern Hause in ein Land, das ich dir zeigen werde. Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein; ja, in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit an 

1.Mose 12, 1-3; 15,6

Im grandiosen Zeitraffer schildern die Schriftgelehrten vom Tempel Salomos (um 950 v. Chr) die Vorzeit. Nach Schöpfung und Zeit der Riesen (1.Mose 6) und Sindflut schließt Gott mit Noah den Schöpfungsbund: die Natur soll bewahrt bleiben: Und in Abraham schließt er den Bund des Glaubens. Abraham soll Vater Israels werden, des Volkes dem die Gottessorge bis zum Kommen Jesu aufgetragen wird. Der Segen über Abraham ist  aller Menschheit gewidmet: Die bewusste Gotteskenntnis ergießt sich von Abraham an in die Welt: Gott sich anvertrauen, realisiert, daß wir zu Gott gehören: Was bin ich in meinem innersten Innern? – „Kind Gottes“. Nicht weil ich so gehorsam bin sondern weil ich geliebt bin.

 

Wir sind doch Brüder

Da zog Abram aus mit seiner Frau Sara und aller ihrer Habe und mit seinem Schwager Lot und dessen Familie.  Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog, um im Land Kanaan zu wohnen. Er baute bei Sichem einen Altar und östlich der Stadt Bethel, danach zog Abram weiter mit ihm ins Südland. Bald war er  reich an Vieh, Silber und Gold. Lot aber, der mit Abram zog, hatte auch Schafe und Rinder und Zelte.

Aber  das Land konnte beide  nicht ertragen, immer war Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Es wohnten auch zu der Zeit die Kanaaniter und Perisiter im Lande.

Da sprach Abram zu Lot: Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten. Wir sind doch Brüder! Steht dir nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken

Da erwählte sich Lot die ganze wasserreiche Gegend am Jordan und zog nach Osten. Also trennte sich einer vom andern, Abram wohnte im Lande Kanaan und Lot in den Städten am unteren Jordan, bis nach Sodom zog er mit seinen Zelten. Die Leute von Sodom aber waren böse.

1.Mose 12,4 -13,13

Streit zwischen Brüdern, deren Familien und Mitarbeitern geschieht eben. Das Kunstwerk ist nur, wie damit leben? Abraham macht das vorbildlich. Er schlägt Trennung vor, lässt aber Lot die erste Wahl. Das Geheimnis seiner  und aller Großzügigkeit ist das Wissen, gesegnet zu sein. 

 

Sara und  Hagar- eine  Geschichte mit Folgen bis heute

Sara,  Abrahams Frau, gebar ihm kein Kind. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und Sara sprach zu Abraham: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abraham gehorchte der Stimme Saras.

Er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering. Da sprach Sara zu Abraham: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. Und Sara demütigte sie , da floh sie von ihr in die Wüste.

Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste und  sprach zu ihr: Den Sohn den du gebären wirst, sollst du  Ismael nennen.- was heißt: Der Herr hat dein Elend erhört, geh zurück Und Hagar nannte fortan den Herrn:  “Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Fortsetzung:

„Als aber Sara noch selbst ein Kind geboren hatte, sprach sie zu Abraham: Treibe Hagar von uns mit ihrem Sohn; denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohn Isaak. Das Wort missfiel Abraham sehr um seines Sohnes Ismael willen.

Aber Gott sprach zu ihm: Lass es dir nicht missfallen. (17,19) Ich will Sara segnen und nach Isaak soll dein Geschlecht benannt werden. Er soll zu einem großen Volk werden.

Aber auch den Sohn der Magd will ich zu einem Volk machen, weil er dein Sohn ist.

Da stand Abraham früh am Morgen auf und nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser und legte es Hagar auf ihre Schulter, dazu den Knaben, und schickte sie fort. Da zog sie hin und irrte in der Wüste umher bei Beerscheba.

Als nun das Wasser in dem Schlauch ausgegangen war, warf sie den Knaben unter einen Strauch und ging hin und setzte sich gegenüber von ferne, einen Bogenschuss weit; denn sie sprach: Ich kann nicht ansehen des Knaben Sterben. Und sie erhob ihre Stimme und weinte.

Da erhörte Gott die Stimme des Knaben. Und der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an deiner Hand; denn ich will ihn zum großen Volk machen. Und Gott tat ihr die Augen auf, dass sie einen Wasserbrunnen sah. Und sie tränkte den Knaben.

1.Mose16 u. 21.1-19

Riesig die Geschichte der zwei Frauen. Sara ist kinderlos. Sie gibt ihre Sklavin Hagar dem Abraham in die Arme: Er soll mit ihr als Leihmutter Saras Kind zeugen. Die stolze Ägypterin Hagar triumphiert wohl, Sara staucht sie zurecht. Das Kind wird geboren. Inzwischen ist Sara auch schwanger, sie gebiert den Isaak. Jetzt will  sie Hagar und deren Söhnchen aus den Augen haben. Sie veranlasst den Abraham, beide vom Hof zu treiben. Nah am Verdursten, rettet sie ein Engel, eine Quelle lag offen vor ihren Füßen. 

Gott gibt dem erst Kinderlosen zwei Söhne.  Auch Ismael soll auch ein großes Volk werden. Aber aus Isaak soll das Volk Gottes werden, ein Segen für alle Geschlechter auf Erden.

Der islamischen Tradition gilt Ismael als Ahnherr der Araber. Schon das alte Testament kennt den palästinensischen Stämmeverbund der Ismaeliten als Feinde Israels. Der Islam beruft sich auf den Segen, den Gott auch für Ismael hat. Beide –Israel und Araber haben in Abraham den einen gemeinsamen Stammvater des Glaubens, sie sind also Brudervölker.

Der Koran führt die Geschichte von Hagar in der Wüste so weiter: Als die Quelle Semsem vor Hagar aufsprang, wusste sie, daß Gott diesen Ort heiligte und ließ sich dort im Tal Kaaba nieder. Später baute Abraham und Ismael dort ein Heiligtum. Ismael empfing vom Erzengel Gabriel den bis heute in Mekka aufbewahrten Stein, der aus Trauer über den Götzendienst in der Welt zum „Schwarzen Stein“ geworden ist.

Die Rivalität der Weltanschauungen heute hat tiefe Wurzeln. Auch die Christenheit hat aufzuholen im Verständnis des Islams. Lange galt der Islam den christlichen Kirchen als Häresie oder böswillige Verdrehung christlicher Wahrheiten. Dabei gewann der Prophet Muhammed( +632) durch Visionen die Gewissheit, er müsse die Basis des jüdischen und des christlichen, ja des ganzen Menschheitsglaubens wieder zur Geltung bringen:  Die völlige Hingabe (das arabische Wort dafür:islam) an den allmächtigen und barmherzigen Gott.  Eine weltliche Sphäre jenseits von Gottes Heiligkeit und Ruf in den Gehorsam gibt es nicht: Der Mensch hat ungeteilt Gott zu dienen, alles Tun ist Gottesdienst und untersteht der Geistlichen Aufsicht.  Die Sensation gelang der Türkei unter Atatürk. In einem islamischen Land setzte er die Trennung von Moschee und Staat durch.  Bis heute kämpfen ungezählte Schattierrungen von Islam um die Wahrheit- Die der Moderne zugewandte Seite hält  Demokratie und Gleichberechtigung der Frau für durchaus vereinbar mit dem Islam, der Sufismus verehrt Gott als  die reine Liebe, im Iran gewinnt gerade eine Richtung die Oberhand, der Toleranz und Freizügigkeit gotteslästerlich ist.

Wir durch die Nietzsche-Marx- und Feuerbäche Gegangenen, die wir nichts Heiliges mehr wissen als unsere Ruhe, können beim Thema „Gotteslästerung“ nur müde lächeln.  Das Thema Gottesverachtung ist durch  Auschwitz und die Atombombe und die Millionen Hungertoten jährlich völlig aufgebraucht. Darum fiel  uns die Karikatur vom Propheten mit Bombe im Turban erst auf, als jetzt viele Moslems diese Zeichnungen als Schändung Ihres Glaubens lasen. Wir hier müssen verstehen lernen.

 

Gott bei Abraham in Mamre

Und Gott erschien ihm, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Da standen drei Männer vor ihm. Denen lief er entgegen und neigte sich zur Erde und sprach: Ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Und er trug Kuchen, Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum und sie aßen.

Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. Sie lachte bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen, und mein Abraham  ist auch alt! Der Herr sprach: Ihr werdet sehen, übers Jahr soll Sara einen Sohn haben.

1.  Mose 18  1-15

Eigentümlich diese Erscheinung: In drei Gestalten der eine Herrgott; ein starkes Inkognito. Abraham fremdelt nicht, er ist sofort gastfrei, sicher hat er die gottvolle Aura  gespürt. Ein Kind wird ihnen verheißen, Sara lacht, sie hält es wohlweislich für unmöglich.

Die Dreifach-Erscheinung hier hat später die  Kirche aufgenommen als Vorbild für die trinitarische (drei in eins) Idee von Gott. Auch , daß die Mutterschaft der Sara wunderbar ist, wiederholt sich  bei Maria.

 

Abrahams Handel mit Gott

Und Gott sprach zu Abraham: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, dass ihre Sünden sehr schwer sind. Ich will hinabfahren und sehen, damit ich’s wisse.

Abraham aber sprach: Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?

Der HERR sprach: Finde ich fünfzig Gerechte in der Stadt, so will ich um ihretwillen dem ganzen Ort vergeben. Abraham antwortete und sprach: Ach siehe, ich habe mir herausgenommen, zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich von erde genommen bin.

Es könnten vielleicht fünf weniger als fünfzig Gerechte darin sein; wolltest du denn die ganze Stadt verderben um der fünf willen? Er sprach: Finde ich darin fünfundvierzig, so will ich sie nicht verderben.

Und er fuhr fort mit ihm zu reden und sprach: Man könnte vielleicht vierzig darin finden. Er aber sprach: Ich will ihnen nichts tun um der vierzig willen.

Abraham sprach: Zürne nicht, Herr, dass ich noch mehr rede. Man könnte vielleicht dreißig darin finden. Er aber sprach: Finde ich dreißig darin, so will ich ihnen nichts tun.

Und er sprach: Ach siehe, ich habe mich getraut, mit dem Herrn zu reden. Man könnte vielleicht zwanzig darin finden. Er antwortete: Ich will sie nicht verderben um der zwanzig willen. Und er sprach: Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen.

1.  Mose 18, 20-32

Gott hält viel von Abraham, zieht ihn ins Vertrauen über Sodoms Schuld. Uralt ist die Vorstellung, Gott müsse erst mal an den Tatort, um zu wissen. Modern dagegen ist fast schon, daß Abraham wagt, wie ein Teppichhändler auf dem Bazar mit Gott zu feilschen. Es ist, als würde Gott vom Menschen lernen: Nicht mehr möglich ist die Kollektivhaftung; klar, daß Gott nicht die Gerechten mit den Ungerechten umkommen lassen darf. Aber vielleicht gibt es eine umgekehrte Kollektivhaftung: Die wenigen erlösen die vielen. Gott lässt mit sich reden- er braucht das Gespräch mit seinen Auserwählten.

 

Eine wüste Geschichte: Untergang von Sodom und Gomorra.

Zwei Engel kamen nach Sodom am Abend; Lot aber sah sie , stand er auf, ging ihnen entgegen und neigte sich bis zur Erde und sprach: Siehe, liebe Herren, kehrt doch ein im Hause eures Knechts und bleibt über Nacht.

Aber ehe sie sich legten, kamen Leute der Stadt Sodom und umgaben das Haus,

und riefen Lot und sprachen zu ihm: Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind diese Nacht? Führe sie heraus zu uns, dass wir uns über sie hermachen. Lot ging heraus zu ihnen vor die Tür und sprach: Ach, liebe Brüder, tut nichts Böses den Fremden!

Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch von keinem Manne; die will ich herausgeben unter euch und tut mit ihnen, was euch gefällt; aber diesen Männern tut nichts, denn sie sind unter den Schatten meines Daches gekommen.

Die Engel-Männer griffen aber hinaus und zogen Lot herein ins Haus und schlossen die Tür zu. Und sie schlugen die Leute vor der Tür des Hauses mit Blindheit, sodass sie es aufgaben, die Tür zu finden.

Und die Männer sprachen zu Lot: Hast du hier noch Verwandte? Die führe weg aus dieser Stadt. Denn wir werden diese Stätte verderben.

Als nun die Morgenröte aufging, drängten die Engel Lot zur Eile und sprachen: Rettet euer Leben und seht nicht hinter euch. Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra Und Lots Frau sah hinter sich und ward zur Salzsäule.

1.Mose 19

Es kann ein Vulkanausbruch gewesen sein, mittels dessen die Städte Sodom und Gomorra in Schutt und Asche fielen. Man verstand die Katastrophe als Strafe Gottes für die sprichwörtlich gewordene sodomitische Unzucht und Gotteslästerung.  Wir tun recht daran, Unglück mit unserem Tun in Verbindung zu bringen. Leben ist ja Konflikte lösen und Unglück ist auch immer ein Lehrstück für Versagen und  Bessermachen. Katastrophen sind ja immer auch menschgemacht, jedenfalls wurden immer Warnungen überhört aus Sorglosigkeit und Selbstsucht.  Man braucht nicht ein direkte Eingriffe Gottes ín die Geschichte anzunehmen, die Menschheitsgeschichte ist auch so Gottes Geschichte mit den Menschen.

Boten mit Vollmacht werden gesandt, um Lot und die Seinen zu retten. Die Boten werden von Leuten aus Sodom angegriffen. Lot bietet seine Töchter als „Freiwild“ an, die Gastfreundschaft war ihm den Verrat an den Töchtern wert.  Frauenhandel und Kindesmissbrauch scheinen üblich gewesen zu sein, um die patriarchalische Mannesehre zu sichern. Mag sein, daß die Frau des Lot an den ungeweinten Tränen ihrer Mitwisserschaft erstickte. Ihr Zurückschauen, ihr Gebanntbleiben von Vergangenheit wurde ihr zum Verhängnis.  

 

Kein Menschenopfer mehr

Gott stellte  Abraham auf eine fürchterliche Probe. Er sprach: Abraham! Und der antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.

Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte.

Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen.

Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander.

Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer?

Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete.

Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.

Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und [a]hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen.

Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.

Und Abraham nannte die Stätte »Der Herr sieht«. Daher man noch heute sagt: Auf dem Berge, da der Herr sieht.

1.Mose 22

Daß Gott uns auf die Probe stellt, um unser Gottvertrauen auszuloten, das soll uns unvorstellbar sein. Und doch  sehen sich Menschen in Versuchung geführt, sehen sich vor Entscheidungen gestellt, die nicht unschuldig lassen. Die klären uns, zeigen unser wahres Gesicht, zunächst uns selbst, dann auch den Mitmenschen und natürlich Gott, der um uns weiß. Sicher hat Gott nicht von Abraham den Sohn abverlangt, um ihn zu testen. Vielleicht haben Menschen sich mal so ausgeliefert gesehen wilden, herrischen Göttern: Es waren ja Menschenopfer gang und gäbe, an Götter oder fürs Vaterland oder den Familienclan. Jedenfalls ist dies die Geschichte von der Ablösung des Menschenopfer durch das Tieropfer, wenn auch verpackt in einen schauerlichen Befehl.

Israel und viele andere Menschen in Verzweiflung nahmen  „Vater Abraham“ zum Vorbild: Wenn Gott auch das Pfand seines Versprechens uns aus der Hand windet, hat er doch Wege, seine Verheißung zu erfüllen.

 

Eine Frau für Isaak

Abraham war alt geworden, seine Sara war gestorben, er hat sie im Erbbegräbnis der Höhle Machpela, östlich von Hebron, begraben. Überreich hatte ihn Gott gesegnet.     

Er sprach zu seinem Großknecht Elieser: Du ziehst zu meiner Verwandtschaft und nimmst meinem Sohn Isaak dort eine Frau; schwöre es.

Abraham sprach zu ihm: Der HERR, der Gott des Himmels, der mich von meines Vaters Hause genommen hat und von meiner Heimat, der mir zugesagt und mir auch geschworen hat: Dies Land will ich deinen Nachkommen geben -, der wird seinen Engel vor dir her senden, dass du meinem Sohn dort eine Frau nimmst. Wenn aber das Mädchen dir nicht folgen will, so bist du dieses Eides ledig.

So nahm der Knecht zehn Kamele von den Kamelen seines Herrn und zog hin und hatte mit sich allerlei Güter seines Herrn und machte sich auf und zog nach Mesopotamien, zu der Stadt Nahor.

1.Mose 24, 1-10

Abraham lässt bei seiner Verwandschaft in seiner alten Heimat nach einer Frau für Isaak suchen.  Er scheint sich des Findens sicher zu sein: Gott wird einen Engel vor dir hersenden. Traumhaft diese sonnige Gewissheit, daß die Richtige schon da ist. Herrlich auch der Respekt vor der Selbstbestimmtheit der Frauen: Wenn die Richtige aber nicht in die Fremde mit will, dann ist dort nichts zu machen. 

 

Wie sich die Richtige fand

Elieser ließ die Kamele sich lagern draußen vor der Stadt bei dem Wasserbrunnen des Abends um die Zeit, da die Frauen pflegten herauszugehen und Wasser zu schöpfen.

Und er sprach: HERR, du Gott Abrahams, lass es mir heute gelingen. Das erste Mädchen das zum Wasserschöpfen kommt, und bereitwillig mir zu trinken gibt und meinen Tieren, die sol mir gelten als  von Dir bestimmt.

Und ehe er ausgeredet hatte, kam ein  Mädchen heraus, schön von Angesicht, und trug einen Krug auf ihrer Schulter. Die stieg hinab zum Brunnen und füllte den Krug und stieg herauf. Und Elieser bat sie um Wasser.

Und sie sprach: Trinke, mein Herr! Und eilends ließ sie den Krug hernieder auf ihre Hand und gab ihm zu trinken. Dann sprach sie: Ich will deinen Kamelen auch schöpfen, bis sie alle genug getrunken haben.

Elieser aber betrachtete sie und schwieg still, bis er erkannt hätte, ob der Herrgott zu seiner Reise Gnade gegeben hätte. Dann  nahm er einen goldenen Stirnreif, sechs Gramm schwer, und zwei goldene Armreifen für ihre Hände, hundertundzwanzig Gramm schwer,

und sprach: Wessen Tochter bist du? Das sage mir doch!

Sie sprach zu ihm: Ich bin Rebekka, die Tochter Betuëls, des Sohnes der Milka, den sie dem Nahor, dem Bruders Abrahams geboren hat.  Und Raum zur Herberge haben wir viel genug. Da neigte sich Elieser und betete den Herrn  an. 

Das Mädchen aber lief und sagte dies alles in ihrer Mutter Hause. Und Rebekka hatte einen Bruder, der hieß Laban; und Laban lief zu dem Mann draußen bei dem Brunnen. Und sprach: Komm herein, du Gesegneter des Herrn!

Und man setzte ihm Essen vor. Er sprach aber: Ich will nicht essen, bis ich zuvor meine Sache vorgebracht habe. Sie antworteten: Sage an! Und Elieser sagte von Abraham, seines Herrn, Auftrag, daß er für den Sohn aus der Verwandschaft um eine Frau werben solle und es habe sich gefügt, daß diese junge Frau vom Herrn erwählt scheint, denn sie kam als erste zum Brunnen und stillte meinen Durst.

Da antworteten Laban und Betuël und sprachen: Das kommt vom HERRN, darum können wir nichts dazu sagen, weder Böses noch Gutes.

Da ist Rebekka vor dir, nimm sie und zieh hin, dass sie die Frau sei des Sohnes deines Herrn, wie Gott gesagt hat.

Am Morgen aber sprach er: Lasst mich ziehen zu meinem Herrn,

haltet mich nicht auf, denn Gott  hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Da sprachen sie: Wir wollen das Mädchen rufen und fragen, was sie dazu sagt.

Und sie riefen Rebekka und sprachen zu ihr: Willst du mit diesem Manne ziehen? Sie antwortete: Ja, ich will es.

Da ließen sie Rebekka, ihre Schwester, ziehen mit ihrer Amme, samt Abrahams Knecht und seinen Leuten. Und sie segneten Rebekka und sprachen zu ihr: Du, unsere Schwester, wachse zu vieltausendmal tausend, und dein Geschlecht nehme die Tore seiner Feinde ein.

So machte sich Rebekka auf mit ihren Mägden, und sie setzten sich auf die Kamele und zogen mit Abrahams Knecht davon. 

1.Mose 24,11 – 61

Diese freundliche Erzählung  hat noch die Anmut der orientalischen Märchenerzähler. Die wollen unterhalten und  belehren. Erst später wurde die ursprünglich selbstständige Geschichte in die Sammlung  der heiligen Schriften eingespannt. Spannend bleibt, wie Elieser rausfindet, daß Gott Gnade zu seiner Reise gegeben hat. Erstens geht er davon aus, daß er im Dienste des Herrn unterwegs ist. Und zweitens schlägt er Gott ein Erkennungs-Schema vor. Er wagt, Gott festzulegen, um sich Kenntnis zu beschaffen. Aber es bleibt die Freiheit Gottes gewahrt. Auch die Frau muß zustimmen. Ihr sofortiges Mitgehen zeigt, daß auch die Frau, sich von Gott auserwählt weiß und damit Geschichte nicht als  Leere sieht oder als klumpigen Haufen von Komplikationen. Geschichte leuchtet hier auf  als von Gottes Willen  und menschlichem Zutun Geschichtetes.

 

Zwillinge und so verschieden

Isaak nahm die Rebekka zur  Frau und sie gewannen sich lieb. Und Gott segnete sie. Und  Rebekka ward schwanger, es waren Zwillinge, die stießen sich schon im Mutterleib.

Der erste, der herauskam, war rötlich, ganz rau wie ein Fell, und sie nannten ihn Esau.

Danach kam heraus sein Bruder, der hielt mit seiner Hand die Ferse des Esau, und sie nannten ihn Jakob (d.h. Fersenhalter). Esau wurde ein tüchtiger Jäger, ein Mann der Natur.  Jakob aber wurde ein Mensch des Nachdenkens und der Häuslichkeit.

28 Und Isaak hatte Esau lieb, er aß gern von seinem Wildbret; Rebekka aber hatte Jakob lieb.

1.Mose 24,67; 25,1- 28

Von  Abraham und Isaak zu Jakob führt der Segen Gottes: Jakob wird zum Stammvater der zwölf  Söhne, aus denen die zwölf Stämme Israels entstammen. Wie verquer, wie am seidenen Faden, wie wunderbar  die Geschichte Israels von Anfang an lief, das erzählte sich Israel in seinen vielen bedrohten Zeiten: Es begann schon mit der langen Kinderlosigkeit des Abraham. Verheißen war, daß aus ihm ein Volk wird, aber ein Volk fängt mit zumindest einem Menschen an. Als der dann endlich kam, schien Gott ihn selbst zurückzuverlangen. Dann wurde Isaak erwachsen, Der Segen sollte weitergehen, aber schien schon bei den Zwillingen zu stocken. Schon im Mutterleib befehdeten sie sich. Und die Eltern befehdeten sich wegen ihrer jeweiligen Lieblingen. Der Segen der Väter steht dem Ältesten zu, hätte Gott den nicht gewollt, hätte er ihn ja als Zweiten zur Welt kommen lassen können. Es scheint schon im Mutterleib um die Rangfolge ein Wettrennen gegeben zu haben.

 

Für ein Linsengericht

Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde

und sprach zu Jakob: Lass mich essen das rote Gericht; denn ich bin müde.31 Aber Jakob sprach: Verkaufe mir deine Erstgeburt, jetzt.

Esau antwortete: Siehe, ich muss doch sterben; was soll mir da die Erstgeburt?

Jakob sprach: So schwöre mir zuvor. Und er schwor ihm und verkaufte so Jakob seine Erstgeburt. Da gab ihm Jakob Brot und das Linsengericht, und er aß und trank und stand auf und ging davon.

1.Mose 25, 29-34

Bis heute ist Esaus verächtlicher Umgang mit einem hohen Gut sprichwörtlich. Da stürmt dieser Raubautz ins Haus. Der Duft seiner Lieblingsspeise regt zur Gier an, die sofort befriedigt sein will. Jakob macht sich diese Verrücktheit zu Nutze, nimmt ihm den Eid ab, daß er als Ältester auf sein Erstgeburtsrecht verzichtet. Vielleicht war ihm die Verheißung Gottes vom großen Volk eine Nummer zu groß und erfühlte sich für die großen Pläne Gottes zu klein, wollte wohl nicht ins Rampenlicht, wollte gern sein eigener Herr bleiben. Gott schien ihn verstanden zu haben und ließ ihn auf andere Weise Karriere machen.

 

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Jakob gewinnt mit List den Erstgeburtssegen

Und dann, als Isaak alt geworden war und seine Augen zu schwach zum Sehen wurden, rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn!. Geh aufs Feld und jage mir ein Wildbret und mach mir ein Essen, wie ich’s gern habe, und bring mir’s herein, dass ich esse, auf dass dich meine Seele segne, ehe ich sterbe.

Rebekka aber hörte diese Worte, ging zu Jakob, ihrem Sohn, und sprach: Tu, was ich dir sage.

Geh hin zu der Herde und hole mir zwei gute Böcklein, dass ich deinem Vater ein Essen davon mache, wie er’s gerne hat. Das sollst du ihm hineintragen, dass er esse, auf dass er dich segne vor seinem Tod.

Jakob aber sprach zu seiner Mutter Rebekka: Siehe, mein Bruder Esau ist rau, doch ich bin glatt; mein Vater könnte mich betasten, und ich würde vor ihm dastehen, als ob ich ihn betrügen wollte, und brächte über mich einen Fluch und nicht einen Segen.

Da sprach seine Mutter zu ihm: Der Fluch sei auf mir, mein Sohn; verlass dich auf  mich. Da ging er hin und holte und brachte es seiner Mutter. Die machte  ein Essen, wie es sein Vater gerne hatte.

Und sie nahm Esaus Feierkleider und zog sie Jakob an. Und  Felle von dem Zicklein tat sie ihm um seine Hände und wo er glatt war am Halse. Dann  gab sie das Mahl in seine  Hand. Er ging hinein zu seinem Vater und sprach: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich. Wer bist du, mein Sohn? Jakob sprach zu seinem Vater: Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn; Komm nun, setze dich und iss von meinem Wildbret, auf dass mich deine Seele segne.

Isaak aber sprach zu seinem Sohn: Wie hast du so bald gefunden, mein Sohn? Er antwortete: Der Herr, dein Gott, bescherte mir’s. Da sprach Isaak zu Jakob: Tritt herzu, mein Sohn, dass ich dich betaste, ob du mein Sohn Esau bist oder nicht. So trat Jakob zu seinem Vater Isaak. Und als er ihn betastet hatte, sprach er: Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Und sprach: Bist du mein Sohn Esau? Er antwortete: Ja, ich bin’s.

Da sprach er: So bringe mir her, mein Sohn, zu essen von deinem Wildbret, dass dich meine Seele segne. Da brachte er’s ihm und er aß; und er trug ihm auch Wein hinein und er trank.

Und Isaak, sein Vater, sprach zu ihm: Komm her und küsse mich, mein Sohn! Er trat hinzu und küsste ihn. Da roch er den Geruch seiner Kleider und segnete ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der Herr gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle. Völker sollen dir dienen, und Stämme sollen dir zu Füßen fallen. Sei Herr über deine Brüder. Verflucht sei, wer dir flucht; gesegnet sei, wer dich segnet!

Als nun Isaak den Segen über Jakob vollendet hatte und Jakob kaum hinausgegangen war von seinem Vater Isaak, da kam Esau, von seiner Jagd und machte auch ein Essen und trug’s hinein zu seinem Vater und sprach zu ihm: Richte dich auf, mein Vater, und iss von dem Wildbret deines Sohnes, dass mich deine Seele segne.

Da antwortete ihm Isaak, sein Vater: Wer bist du? Er sprach: Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn. Da entsetzte sich Isaak über die Maßen sehr und sprach: Wer? Wo ist denn der Jäger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und hab ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben.

Als Esau diese Worte seines Vaters hörte, schrie er laut und wurde über die Maßen sehr betrübt und sprach zu seinem Vater: Segne mich auch, mein Vater! Isaak antwortete und sprach zu ihm: Ich habe ihn zum Herrn über dich gesetzt, und alle seine Brüder hab ich ihm zu Knechten gemacht, mit Korn und Wein hab ich ihn versehen; was soll ich nun dir noch tun, mein Sohn?

Esau sprach zu seinem Vater: Hast du denn nur einen Segen, mein Vater? Segne mich auch, mein Vater! Und er erhob seine Stimme und weinte. Da antwortete Isaak, sein Vater, und sprach zu ihm: Von deinem Schwerte wirst du dich nähren, und deinem Bruder sollst du dienen. Aber einst wirst du sein Joch von deinem Halse reißen.

Und Esau war voll Hass und sprach bei sich:  ich will meinen Bruder Jakob umbringen.

Das wurden Rebekka hinterbracht. Und sie ließ Jakob warnen: Dein Bruder Esau droht dir, dass er dich umbringen will. Mach dich auf und flieh zu meinem Bruder Laban nach Haran.

1.Mose 27

Wie Menschen falsch spielen können- dafür ist Rebekka ein Beispiel. Sie weiß, daß sie Unrecht einfädelt und will den Fluch, wenn er denn käme, auf sich ziehen. Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade- sagt man. Er nutzt unsere Taten und Untaten. Besessene Mutterliebe fädelt das Schurkenstück ein, das nötig ist, um den Vatersegen auf den Gottgewollten zu lenken. Wird Rebekka von Gott verführt zum Unrecht? Wir müssen davon ausgehen, daß Rebekka tat, was sie wollte. Und Gott damit machte, was er wollte. 

Wir sehen nicht. Uns bleibt nur die Hoffnung, daß vom Ende her das Geschehen seine Recht­fer­tigung findet, das Ende die Auflösung aller Verwick­lungen bringt. Schon Esau wird im Laufe der Zeit seinen Frieden mit dem Dieb machen, auch weil er lernt, daß Jakob nur tat, was er tun musste. Letztlich ist es doch Gott, der zusam­men­fügt das Finden des innersten Wesens und das Eintreffen der äußeren Zufälle.

 

Jakob schaut die Himmelsleiter

Jakob machte sich auf nach Haran und kam an eine Stätte, die zum Übernachten einlud, denn die Sonne war untergegangen. Und ihm träumte, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und Engel stiegen daran auf und nieder.

Und oben stand Gott und sprach: Jakob, ich bin der Gott Abrahams und Isaaks und will auch dein Gott sein. Das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben, die

sollen zahlreich  werden wie der Staub auf Erden, und durch dich und deine Nachkommen soll die ganze Menschheit gesegnet werden. Ich bin mit dir und will dich behüten und will dich nicht verlassen, bis alles eingetroffen ist, was ich dir zugesagt habe.

Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, schauderte ihn. In Ehrfurcht eingehüllt sprach er: Hier ist ein Ort Gottes, hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob nahm den Stein, auf dem sein Haupt geruht hatte, und richtete ihn auf  und baute einen Altar. Er  nannte die Stätte Bethel- Haus Gottes.

1.  Mose 28, 10-21

Im Traum die Leiter sehen, an denen die Engel auf und nieder steigen: Jakob sieht sich in einer  nicht enden wollenden Verbindung zu Gott. . Engel bilden eine Art Räuberleiter (Peter Handke). Ihm geschieht Verknüpfung Er beschafft sie nicht durch gute Taten oder Geheimwissen. Gott setzt sich mit ihm in Verbindung, erwählt ihn, überschüttet ihn mit Glücksverheißung. Und keiner geht darum leer aus,  alle Welt  soll davon profitieren. Auch uns kann der Weg zum Himmel offen stehen. Bedenk deine Bilder, in denen Gott sich dir nahte. Wo du leer vor Glück warst, da warst du gottvoll.

 

Jakob findet Rahel

Jakob ging weiter nach Osten. Nach langen Tagen kam er an einen Brunnen, Herden waren versammelt und Hirten. Jakob sprach zu ihnen: Liebe Brüder, wo seid ihr her? Sie antworteten: Wir sind von Haran.

Er sprach zu ihnen: Kennt ihr auch Laban, den Sohn Nahors? Sie antworteten: Ja, wir kennen ihn. Er sprach: Geht es ihm auch gut? Sie antworteten: Es geht ihm gut; und siehe, da kommt seine Tochter Rahel mit den Schafen.

Als Jakob aber Rahel sah, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, trat er hinzu und tränkte ihr die Schafe. Und er küsste Rahel und weinte laut.

Dann sagte er, dass er ihres Vaters Verwandter wäre und Rebekkas Sohn. Da lief sie und sagte es ihrem Vater. Als aber Laban hörte von Jakob, seiner Schwester Sohn, lief er ihm entgegen und herzte und küsste ihn und führte ihn in sein Haus. Da erzählte er Laban alles, was sich begeben hatte.

1.  Mose 29,1-12

Der Kranz der Jakobserzählungen ist hinreißend schön. Sie sind wahr. Sie sind Menschheitswissen. Beglückend- wie aus der Flucht eine Brautschau wird. Der Gottesliebling findet die richtige Frau, aber es sind zwei.  Jakob tut instinktiv das für den guten Weg Nötige- an der Meute der staunenden Hirten vorbei verschafft er der Richtigen Vortritt zum Wasser, dann tränkt er das Vieh, was gemeinhin als Frauenarbeit galt. Dann küsst er sie und jetzt erst stellt er sich als Verwandten vor. Er geht mit großem Selbstbewusstsein zu Werke, er weiß sich mit Gott im Bunde und nutzt diese Beziehung bedenkenlos.

 

Jakob dient um Lea und Rahel

Jakob war schon einen Monat im Haus und hatte sich nützlich gemacht. Dann sprach  Laban zu Jakob: Bleib hier, du machst gute Arbeit. Sage, was willst du an  Lohn haben?

Laban hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea, die jüngere Rahel. Aber Leas Augen waren ohne Glanz, Rahel dagegen war schön von Gestalt und von Angesicht. –

Jakob hatte Rahel schon liebgewonnen und sagte zu Laban:  Ich will dir sieben Jahre um Rahel dienen. Laban antwortete: Abgemacht. So diente Jakob um Rahel sieben Jahre, und es kam ihm vor, als wären’s einzelne Tage, so lieb hatte er sie.

Und nach sieben Jahren sprach er zu   Laban: Gib mir nun meine Braut; denn die Zeit ist da. Da lud Laban alle Leute des Ortes ein und machte ein Hochzeitsmahl. Am Abend aber nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu Jakob; und sie  feierten die herrliche Hochzeitsnacht. Am Morgen aber, siehe, da war es Lea.

Da sprach Jakob zu Laban: Warum hast du mir das angetan? Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Laban antwortete: Es ist nicht Sitte in unserm Lande, dass man die Jüngere weggebe vor der Älteren. Halte mit dieser die Hochzeitswoche, so will ich dir die andere auch geben für den Dienst, den du bei mir noch weitere sieben Jahre leisten sollst. Und so geschah es. Und er hatte Rahel lieber als Lea.

1.Mose 29, 13-30

Unvorstellbar für heutige Zeiten, wie  Vater Laban beide Töchtern an den Mann brachte. Aber die Mehrehe war (und ist) auch eine soziale Institution, sie geschah sicher im Einverständnis der Frauen. Und Jakob musste wohl zwei Frauen lieben um eben diese Kinder zur erden, die Gott genau durch Jakob und seine Frauen zur Welt gebracht haben wollte.

Verzaubernd die orientalischen Hochzeitsbräuche, die die Braut verhüllt sein lassen, bis es zu spät ist für Rücktritt und Rückgabe. Hier steht auch eine der wohl schönsten Liebeserklärungen überhaupt: Die sieben Tage Warten auf Rahel kamen ihm vor wie nur ein paar Tage, so lieb hatte er sie.

 

Jakobs Kinder

Und Lea wurde schwanger und schwanger. Sie gebar Ruben und Simeon,

Levi und Juda, Issachar und Sebulon. Und die Tochter Dina. Die von ihrer Magd Silpa geborenen Gad und Asser zählten auch als Leas Eigene. Rahel war lange kinderlos. Die von ihrer Magd Bilha geborenen Dan und Naftali zählten als Rahels Eigene, waren ihr aber nur ein schwacher Trost.

Dann gedachte Gott der Rahel und erhörte sie und machte sie fruchtbar. Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Gott hat meine Schmach von mir genommen; und sie nannte ihn Josef und sprach: Wolle doch  Gott mir noch einen Sohn dazugeben! Und sie gebar noch Benjamin (35,16)

1.Mose 29,31-30,24

Dramatisch hing früher  Wohl und Wehe der Frauenwürde von der Mutterschaft ab. Kinder galten als höchstes Gut des Mannes.  Darum wurde auch Jakobs Liebe zu Rahel auf eine harte Probe gestellt. Er musste auch Lea lieben lernen, denn „Kinder sind eine Gabe Gottes“ (Psalm 127,3)- die Mutter vieler Kinder galt als vom Herrn gesegnet. Später gebar auch Rahel noch; Jakob und Benjamin  wurden die Lieblingssöhne- und damit nimmt der Streit zwischen den Brüdern seinen Lauf.  Uns will nicht in den Kopf, und braucht es auch nicht, daß Gott so willkürlich mit der Zeugungs-und Gebärfähigkeit hantieren sollte. Unsere Vorfahren im Glauben hatten eine andere Tendenz: Nicht sind wir Spielball göttlicher Neigungen sondern: Gottes Wege sind wunderbar: Die Geliebte, Schöne hat keinen Nachwuchs, die nicht so Schöne strahlt durch Kinder. So sind die Gaben verschieden, aber es ist ein Geber. Und der hat in allem „die Hand im Spiel“ – Ob der Zug wirklich abgefahren ist, weiß man erst am Ende.

Die zwölf Söhne Jakobs gelten auch als die Gründungsahnen der zwölf Stämme Israels.  

 

Jakob kommt durch eine List zu Reichtum

Als nun Rahel den Josef geboren hatte, sprach Jakob zu Laban: Lass mich zurück  in mein Land gehen. Laban aber sprach zu ihm: Bitte, bleib. Ich spüre, dass mich Gott segnet um deinetwillen. Bestimme den Lohn, den ich dir geben soll.

Jakob sagte: Du weißt, wie ich dir gedient habe und was aus deinem Vieh geworden ist unter mir. Nun wird es Zeit, daß ich mich für mein Eigenes sorge.

Laban sagte: Ich gebe dir viel.

Jakob antwortete: Du sollst mir gar nichts geben; Lass mich machen, wie ich’s meine, so will ich deine Schafe weiter hüten. Alle Schafe und Ziegen sind Deine, nur das Gefleckte oder  Schwarze soll mein sein.  Und Laban: Es sei, wie du gesagt hast.

Und Jakob nahm frische Stäbe von Pappeln, Mandelbäumen und Platanen und schälte weiße Streifen daran aus, sodass an den Stäben das Weiße bloß wurde, und legte die Stäbe, die er geschält hatte, in die Tränkrinnen, wo die Herden hinkommen mussten zu trinken, dass sie da empfangen sollten, wenn sie zu trinken kämen. So empfingen die Herden über den Stäben und brachten viel mehr Gesprenkelte, Gefleckte und Bunte zur Welt. Daher wurde Jakob  über die Maßen reich, sodass er viele Schafe, Mägde und Knechte, Kamele und Esel hatte.

Da machte sich Jakob auf und lud seine Kinder und Frauen auf die Kamele

und führte weg all sein Vieh und alle seine Habe, die er in Mesopotamien erworben hatte, dass er käme zu Isaak, seinem Vater, ins Land Kanaan.

Jakob aber täuschte Laban damit, dass er ihm nicht ansagte, dass er ziehen wollte. So glich  sein Weggang eher einer Flucht. Auch hatte Rahel den Hausgott ihres Elternhauses heimlich mitgehen lassen.

Laban jagte mit einer Mannschaft  Jakob nach- und stellte sie am Gebirge Gilead.

Aber Gott war zu Laban im Traum gekommen und sprach zu ihm: Hüte dich, mit Jakob anders zu reden als freundlich.  Laban sprach zu Jakob:  Warum bist du heimlich geflohen und hast mich hintergangen und hast mir’s nicht angesagt, dass ich dich geleitet hätte mit Freuden, mit Liedern, mit Pauken und Harfen? Und hast mich nicht einmal lassen meine Enkel und Töchter küssen? Nun, du hast töricht getan.

Und wenn du schon weggezogen bist und sehntest dich so sehr nach deines Vaters Hause, warum hast du mir dann aber meine Gottheit gestohlen?

Jakob antwortete und sprach zu Laban: Ich fürchtete mich und dachte, du würdest deine Töchter von mir reißen. Bei wem du aber deinen Gott findest, der sterbe Jakob wusste aber nicht, dass Rahel ihn gestohlen hatte.

Da ging Laban in die Zelte Jakobs und Leas und Rahels und fand nichts.

Rahel aber hatte den Hausgott genommen und unter den Kamelsattel gelegt und sich darauf gesetzt. Da sprach sie zu ihrem Vater: Ich  kann nicht aufstehen vor dir, denn es geht mir nach der Frauen Weise. Daher fand er den Hausgott nicht, wie sehr er auch suchte.

Nach langem Hin und Her  kamen sie überein,  einen Bund zu schließen mit Gott als Zeugen: Und Laban sprach: Gott  wache als Späher über mir und dir, daß wir nicht in böser Absicht uns aufsuchen. Und dass du meine Töchter nicht bedrückst oder andere Frauen dazunimmst zu meinen Töchtern. Und sie aßen und gingen auseinander.

1.Mose 30,25-31,34

Warum bedient sich  Gott eines solchen Gauners? Und schützt ihn auch noch vor dem gerechten Zorn? Wird damit Gott nicht auch Handlanger von Hinterlist? Ja, doch. Es ist wohl so: Gott ist nicht nur der Gute. Er ist der Ganze. Unter dem resoluten Singular „Gott“ bricht sich im Menschenbewußtsein Bahn eine umfassende Energie. Die ist für alles zuständig, aus ihr kommt auch das von Menschen Vergewaltigte und Missbrauchte. Der durchtrieben Jakob mästet sich an fremdem Gut, damit er dann Vater vieler werden kann und selbst viele ernährt.  Gott ist ja ins Werden der Welt eingefleischt und ins Werden dieser Familensaga hineingebunden, er ist auch auf leidvolle Weise an die Hybris von Menschen gefesselt, eben weil er liebt, auch die Gauner.

 

Wie Jakob dem Esau die Wut abkauft

Am Morgen aber stand Laban früh auf, küsste seine Enkel und Töchter und segnete sie und zog hin in seine Heimat. Auch  Jakob zog seinen Weg. Und es begegneten ihm die Engel Gottes.  Er betete: Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, Du hast gesagt: Ich will dir wohltun und deine Nachkommen machen wie den Sand am Meer, den man der Menge wegen nicht zählen kann. Nun aber ist mein Bruder Esau mir entgegen, mich und die meinen umzubringen; rette mich Herr. 

Und er blieb die Nacht da und bereitete von dem, was er erworben hatte, Geschenke vor  für seinen Bruder Esau:zweihundert Ziegen und dreißig säugende Kamele mit ihren Füllen, vierzig Kühe und zehn junge Stiere, zwanzig Eselinnen und zehn Esel. Und beauftragte seine Knechte:

Geht vor mir her und lasst Raum zwischen den  Herden.

Und sagte dem ersten Knecht:  Wenn dir mein Bruder Esau begegnet und dich fragt: Wessen Eigentum ist das, was du vor dir hertreibst? sollst du sagen: Es gehört deinem Knechte Jakob, der sendet es als Geschenk seinem Herrn Esau und zieht hinter uns her. Ebenso gebot er auch dem zweiten und dem dritten und allen, die den Herden nachgingen, und sprach: Wie ich euch gesagt habe, so sagt zu Esau, wenn ihr ihm begegnet, und sagt ja auch: Siehe, dein Knecht Jakob kommt hinter uns.

Denn er dachte: Ich will ihn versöhnen mit dem Geschenk, das vor mir hergeht. Danach will ich ihn sehen; vielleicht wird er mich annehmen. So ging das riesige Geschenk vor ihm her; er aber blieb diese Nacht im Lager.

1.Mose 32,1-22

Nach wohl zwanzig Jahren wagt Jakob die Rückkehr. Und er rechnet damit, daß Esaus Wut über die Segenprellerei noch frisch sei wie am ersten Tag. Jakob fleht zu Gott, der möge ihm beistehen gegen seinen Bruder. Und gleichzeitig ist er höchst geschickt, seinen Bruder gnädig zu stimmen. Er schickt raffiniert gestaffelt Berge von Geschenken- in der Hoffnung, daß Esau erschöpft vom Staunen für  die Rache schlicht zu müde sei. Diese doppelte Vorsorge: Gott bitten und sich selbst mühen, schlägt sich auch in einem Bildwort aus unserer Zeit nieder: Bete zu Gott aber fahre fort, ans andere Ufer zu rudern.

 

Gesegnete hinken

Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und die Töchter und zog an die Furt des Jabbok,

und führte sie über das Wasser, sodass hinüberkam, was er hatte,

Er aber ging noch mal allein zurück.

Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als er sah, dass er ihn nicht niederringen konnte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Hüftgelenk Jakobs blieb  verrenkt.

Und er sprach noch dringlicher : Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

Er sprach: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. Und er segnete ihn daselbst. Und Jakob nannte die Stätte Pnuël: Ort, da ihm die Sonne aufging. 

1.  Mose 32, 23-33

Jakob brachte seine Familie und seine Habe ans andere Ufer, ging aber noch mal zurück, wollte wohl an der Schwelle zur Zukunft noch mal im Gebet stille sein und nächtigte allein.

Ein Flussgott soll mit ihm gerungen haben, Jakob weiß selbst nicht, wer genau; nur spürt er, daß es Segenskräfte sind, die Hand an ihn legen. Es ist eine heilende Energie, die er nicht fahren lassen darf- er muß kämpfen um sein Glück. Er bekommt Schläge, er wir zukünftig hinken- aber er will von Gott nicht lassen. Er verkrallt sich  richtig in das Gegenüber, presst ihm den Segen ab.  Dann- als ihm die Sonne aufging- ist er getauft auf seinen neuen Namen: Gotteskämpfer. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“-kann auch stehen für einen lebenslangen Kampf um das Gute oder um Gewissheit oder um Gottes-und Selbsterkenntnis.      

 

Jakobs Versöhnung mit Esau

Dann war es soweit- Jakob sah in der Ferne seinen Bruder Esau kommen mit vielen Männern. Da stellte er seine Frauen und Kinder auf und sich davor und sie gingen Esau entgegen, immer wieder sich bis zur Erde beugend. Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn und sie weinten.

Und Esau sprach: Du hast mir Herden entgegen geschickt, was soll das? Er antwortete: Ich möchte so gern Gnade finden vor meinem Herrn - ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen.

So nimm doch diese Segensgabe –er  nötigte ihn, dass er sie nahm. So zog Esau an jenem Tage wiederum seines Weges nach Seïr. Jakob aber siedelt sich bei Sichem an.

Er kaufte das Land um hundert Goldstücke und errichtete dort einen Altar  und betete an.

1.  Mose 33

Hinreißend, wie Jakob seine Familie als Schlachtreihe aufbaut. Er will dem Esau die noch vorhandene Wut abkaufen, will sein Gesegnetsein ihm vorführen. Er will Esau vor Augen führen, daß er es mit einem Schützling Gottes zu tun hat. Gleichzeitig hofiert er Esau gleichermaßen als  einen Günstling des Herrn, macht ihm geradezu ein atemberaubendes Kompliment: Nicht nur nähert er und seine Familie sich mit Kniefall, sondern er nimmt sein Antlitz als Spiegel Gottes. Er nimmt Esau in die Haftung für Gottes Freundlichkeit.  So kann Esau gar nicht anders als seinem Bruder vergeben.

Um Esau freundlich zu stimmen, hätte es der  vorauseilende Unterwürfigkeit Jakobs nicht bedurft. Esau weiß seinen eigenen Weg. Und kann darum leichten Herzens vergeben.

 

Jakob hatte Josef lieber

Jakob aber wohnte im Lande, in dem sein Vater ein Fremdling gewesen war, im Lande Kanaan. Er wohnte dort mit seinen Söhnen und deren Familien und sie hüteten die großen Herden.  Josef war siebzehn Jahre alt und war auch ein Hirte bei den Schafen, doch er brachte vor ihren Vater, wenn es etwas Schlechtes zu reden gab. Jakob-Israel aber hatte Josef lieber als alle seine Söhne, weil er der Sohn seines Alters war, und machte ihm ein edles Kleid.

Die Brüder aber konnten ihm kein freundliches Wort sagen. Und als Josef einmal einen Traum hatte und ihn seinen Brüdern erzählte; da wurden sie ihm noch mehr Feind.

1.  Mose 37,1-5

Der große Bogen der Geschichten von Josef und seinen Brüdern ist ein Meisterstück antiker Erzählung. Die 13 Kapiteln des 1. Mosebuches nahm Thomas Mann zur Basis für seinen dreibändigen genialen Roman: Joseph und seine Brüder. Josef wird der Retter des kleinen Gott verehrenden Stammes.- Aber wieder sind es menschliche Schwächen, die den Weg zur Größe gefährden und begleiten. Unheilvoll bevorzugt der alte Jakob den (zunächst )einzigen Sohn seiner über alles geliebten Rahel. Josef geht gekleidet in „einem bunten Rock“- vielleicht aus ihrem Hochzeitskleid geschneidert- dies dichterische Phantasie des Th. Mann. Jedenfalls setzt der Vater ihn als Informant über die Ungehörigkeiten der Brüder ein. Josef  bekommt früh beigebracht, sich für was besseres zu halten, dem auch mehr  an tiefen Erfahrungen und Ehrerbietung  zustehe.

 

Traumtänzer

Josef sprach zu seinen Brüdern: Hört doch, was mir geträumt hat.

Siehe, wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stand, aber eure Garben stellten sich ringsumher und neigten sich vor meiner Garbe.

Da sprachen seine Brüder zu ihm: Willst du unser König werden und über uns herrschen? Und er erzählte ihnen noch einen zweiten Traum; siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir.

Seine Brüder hassten ihn der Träume wegen. Sein  Vater aber nahm ihn sich vor: Was ist das für ein Traum, den du geträumt hast? Soll ich und deine Mutter und deine Brüder kommen und vor dir niederfallen?

1.  Mose 37,6-10

Dem Josef drängte sich in Träumen seine hervorragende Stellung auf. Gott werde viel vorhaben mit ihm- so musste er die Träume verstehen. Ja, Josef bekommt schon das Ergebnis der kommenden Erkenntnisabenteuer zu Gesicht- geradezu überrealistisch sinnlich wird sein kleines Ego aufgebaut: Einst wird man ihm zu Füßen liegen. Der Leser bangt mit, ob Josef die Hervorhebung ohne Hochmut bestehen wird. Aber daß er seine Träume rausposaunt, statt sie in sich reifen zu lassen, bedeutet nichts Gutes. 

 

Die Brüder hassen ihn

Wieder einmal sprach Jakob zu Josef: Geh hin nach Sichem zu deinen Brüdern und sieh, ob’s gut steht um sie  und das Vieh, und sage mir dann, wie sich’s verhält.

Als sie ihn von ferne kommen sahen, sprachen sie untereinander: Seht, da kommt der Träumer! Wir werden ihn uns vom Halse schaffen; wir sagen, ein böses Tier habe ihn gefressen; so wird sich zeigen, was seine Träume wert sind.

Ruben aber sprach zu ihnen: Vergießt nicht Blut, sondern werft ihn in die nächste Zisterne! Er wollte ihn aus ihrer Hand erretten und ihn seinem Vater wiederbringen. Als nun Josef zu seinen Brüdern kam, griffen sie ihn, zogen ihm seinen Rock aus  und warfen ihn in einen Brunnen, der gerade kein  Wasser hatte. Und sie setzten sich nieder, um zu essen.

1.  Mose 37,12-24

Josef wird  von den Brüdern zum Abstieg in den Brunnen gezwungen- und dann setzen die sich wie nach getaner Arbeit zum Essen nieder. Ihr Grölen wird noch lange dem Josef in den Ohren liegen, es dürstet ihn, er ist hungrig, er friert, er weint- aus den Träumen wird’s nichts werden, er wird seine Träume verfluchen. Oder aber die halten ihn aufrecht, stärken ihn wie ein Pfand. Er hatte ja schon viel von der Verheißung gehört , die von Abraham über Isaak zu Jakob gekommen war und jetzt doch bitte Gestalt gewinnen sollen in ihm.

Josef ist gewiß, daß er in Gottes Plänen eine wichtige Rolle zu spielen habe. Und so kann es nicht schon mit ihm aus sein, sein Leben fängt doch gerade an zu sprießen. Vielleicht legt ihn Gott in ein Grab, wie eine Raupe in eine Puppe, ehe sie zum Schmetterling wird. Nachts sieht Josef den gestirnten Himmel über sich und redet sich in Gott hinein und in den Schlaf, bis er Stimmen hört.

 

Verkauf nach Ägypten

Irgendwann sahen die Brüder eine Karawane von Ismaelitern kommen mit ihren Kamelen; die trugen kostbares Harz, Balsam und Myrrhe und zogen hinab nach Ägypten.

Da sprach Juda zu seinen Brüdern: Was hilft’s uns, dass wir unsern Bruder töten?

Lasst uns ihn den Händlern verkaufen, dann vergreifen sich unsere Hände nicht an ihm - er ist doch unser Bruder, unser Fleisch und Blut. Und sie gehorchten ihm und verkauften Josef

für zwanzig Silberstücke nach Ägypten.

Dann nahmen sie Josefs Rock und schlachteten einen Ziegenbock und tauchten den Rock ins Blut und ließen seine Kleider  ihrem Vater bringen und sagen: Dies haben wir gefunden; sieh, ob’s deines Sohnes Sachen  sind oder nicht. Jakob erkannte die Sachen und schrie Es ist meines Sohnes Rock; ein böses Tier hat ihn gefressen, ein reißendes Tier hat Josef zerrissen! Und Jakob zerriss seine Kleider und trug Leid um seinen Sohn lange Zeit.

Aber die Midianiter verkauften ihn in Ägypten an Potifar, des Pharao Kämmerer und Obersten der Leibwache.

1.Mose 37,25- 36

Wie sich Schicksal fügt. Aber wir sind Ruderer, wir fahren mit dem Rücken zur Zukunft. Erst im Nachhinein weist sich, wie notwendig diese, gerade diese Wege waren. Josef wusste in der Brunnentiefe nicht, was wird. Er konnte sich nur nicht denken, daß das alles gewesen sein soll. Auch Vater Jakob konnte es nicht glauben, daß Josef tot, aus und vorbei sei. Im tiefsten Winkel seines Herzens gab es eine Aussicht. Aber unter tiefer Trauer über Jahre war diese Hoffnung nur ein Flämmchen und keine Ahnung.

Die Brüder handeln verbrecherisch in ihrem Bruder. Wer, wenn nicht Geschwister, sind einander zur Hilfe gedacht? Doch „Scham macht Männer zu Gaunern“ R.Musil). Die Brüder sehen sich gedemütigt durch den Hochmut des Einen. Das erklärt nichts, aber macht es verstehbar. 

Eine traurige Geschichte

Und Juda gab seinem ersten Sohn namens Er eine Frau, die hieß Tamar. Der Mann starb, ohne Kinder zu hinterlassen. Tamar tat, was damals üblich war: Sie bat ihren Schwager, seinem toten Bruder Nachkommen zu zeugen. Er schlief auch mit ihr, zog sich aber zurück, sodaß sie nicht schwanger werden konnte. Das missfiel Gott und er ließ ihn auch sterben. 

1.Mose 38, 6-10

In jener alten Zeit war Kinderzeugen ein Dienst am Volk. Darum gehörte es sich nicht, daß die Witwe kinderlos blieb. Sie hatte geradezu ein Recht auf Nachwuchs aus der Sippe des verstorbenen Mannes. Diese und andere Sitten und Ordnungen galten als gottgegeben.  Damit ist nicht gesagt, daß Gott diese Anordnug getroffen und den Vollzug  verlangt hätte. Damit ist nur gesagt, daß die Menschen damals ihre Gesetze als vom Himmel diktiert hielten.  In unserer Zeit die Onanie als von Gott verboten zu erachten, ist absurd.    

 

Männer

Viele Tage waren verlaufen im Leben der Witwe Tamar. Da starb Judas Frau. Und nachdem Juda ausgetrauert hatte, ging er hinauf, seine Schafe zu scheren nach Timna.

Da wurde der Tamar gesagt: Siehe, dein Schwiegervater geht hinauf nach Timna.

Da legte sie die Witwenkleider ab, verhüllte sich mit einem Schleier und setzte sich vor das Tor an dem Wege nach Timna.

Als Juda sie nun sah, meinte er, es wäre eine Hure- sie hatte auch ihr Angesicht verdeckt.

Und er ließ sich mit ihr ein, nicht wissend, dass es seine Schwiegertochter war. Sie antwortete: Was willst du mir geben, dafür, daß du zu mir kommen darfst?

Er sprach: Ich werde dir einen Ziegenbock senden. Sie antwortete: So gib mir dein Siegel zum  Pfand, bis ich ihn habe. Da gab er’s ihr und kam zu ihr; und sie ward von ihm schwanger.

Später sandte Juda den Ziegenbock durch seinen Freund von Adullam, damit er das Pfand zurückhole von der Frau. Doch Adullam kam zurück zu Juda und sprach: Ich habe sie nicht gefunden; dazu sagen die Leute des Ortes, es sei keine Hure da gewesen. Juda sprach: Sie mag’s behalten, damit wir nur nicht in Verruf geraten! Siehe, ich habe den Bock gesandt, und du hast sie nicht gefunden.

Nach drei Monaten wurde Juda angesagt: Deine Schwiegertochter Tamar hat Hurerei getrieben; und siehe, sie ist davon schwanger geworden. Juda sprach: Führt sie heraus, dass sie verbrannt werde. Und als man sie hinausführte, schickte sie zu ihrem Schwiegervater und sprach: Von dem Mann bin ich schwanger, dem dies gehört. Juda erkannte sein Siegel und sprach: Sie ist gerechter als ich. Und bekannte sich zu seiner Vaterschaft.

1.  Mose 38, 11-26

Eine der Geschichten, um deretwillen das Alte Testament im üblen Ruf steht- völlig zu Unrecht. Das Alte Testament  ist herrlich ehrlich- also auch ein Abbild unserer menschlichen Schwächen.  Und betont , daß Gott sich einlässt auf genau diese verruchten und geschickten Menschen. Die Witwe weiß sich ihrem verstorbenen Gatten zum Erhalt der Familienehre durch Nachwuchs verpflichtet. Und erwirkt sich die Schwangerschaft durch List. Der Mann, der die Hure besuchte, spricht sie unter dem Siegel der Anonymität des Todes schuldig. Dann weist aber sie das Siegel vor, das der Freier als Pfand zurückließ. Beschämt bekennt Juda seine Verfehlung. Und setzt Tamar in ihre Rechte ein.

Es ist eine der Geschichten, die den Männern beibringen, daß sie die Frau zur Hure machen. Die Frau zu bestrafen, als wäre der Mann das Opfer geht nicht mehr. Es ist ein hohes Gut des Gottesglaubens,  daß diese Ehrung der Tamar geschrieben blieb, obwohl es den Stammvater des großen jüdischen (Nord)Reiches in schlechtem Licht zeigt. 

 

Ein Mensch, dem alles glückte

Josef wurde hinab nach Ägypten geführt. Der Haushalter des Pharao mit Namen Potifar,  kaufte ihn von den Ismaelitern. Und Gott war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles glückte.

Und sein Herr sah, dass Gott mit ihm war; und er setzte ihn über sein Haus; und alles, was er hatte, tat er unter seine Hände. Und kümmerte sich, da er ihn hatte, um nichts außer um das, was er aß und trank. Aber Josef war schön an Gestalt und hübsch von Angesicht.

So geschah es, daß, dass seines Herrn Frau ihre Augen auf Josef warf und sprach: Liebe mich.

Er weigerte sich aber und sprach zu ihr: Siehe, mein Herr hat mir nichts vorenthalten außer dir, weil du seine Frau bist. Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen? Sie aber bedrängte Josef tagtäglich mit heißen Worten. Aber er blieb stark und war ihr nicht zu Willen. 

Eines Tages war kein Mensch sonst im Haus. Und sie schnappte sich ihn und sprach: Komm jetzt! Aber er ließ sein Oberkleid in ihrer Hand und floh zum Hause hinaus.

Da war sie so sehr gekränkt, daß sie auf Rache sann.

Sie rief die Leute zusammen und sprach zu ihnen: Der hebräische Mann wollte mich vergewaltigen. Ich aber rief mit lauter Stimme, so floh er –sein Gewand hielt ich fest. Da ist es. Und sie legte sein Kleid neben sich, bis sein Herr heimkam,

Als sein Herr nach Hause kam und die Anklage  seiner Frau hörte, wurde er sehr zornig.

Sein Herr nahm ihn und warf ihn ins Gefängnis, in dem des Königs Gefangene waren.

1.  Mose 39,1-20

Daher ja das Wort vom keuschen Josef. Er wollte einfach das Vertrauen seines Herrn nicht ausnutzen. Eigentlich reicht in heiklen Situationen das einfache Wort „nein“ und jeder vernünftige Mensch stellt bei handfester Klarheit das Werben ein. Josef als Glückskind wird sich noch oft bewähren müssen. Wem viel anvertraut ist, dem wird viel abverlangt (Lukas 12,48). Auch die Gnade hat ihren Preis.

 

Josef  hat auch im Gefängnis Glück

Aber Gott war mit Josef und neigte die Herzen ihm zu. Auch das Vertrauen  des Gefängnis-Vorstehers gewann er schnell , bald waren ihm alle Gefangenen unterstellt und ohne sein Wort passierte gar nichts. Es geschah aber, dass sich der Mundschenk des Königs von Ägypten und der Oberste Bäcker versündigten an ihrem Herrn. Und der Pharao ließ sie ins Gefängnis werfen, wo Josef auch war. Und es träumte ihnen beiden Träume voller Bedeutung. Und sie erzählten Josef ihre Träume. Bald darauf kamen sie frei- was Josef aus den Eingebungen entnommen und ihnen in Aussicht gestellt hatte.

1.Mose 39,21-22; 40, 1-5 

Verfasser dieses wunderbaren Erzählreigens sehen den Verlauf der Geschichte normal ablaufen. Keine Gottheit greift mit Blitz und Donner von außen ein, wie man sich in grauer Vorzeit etwa des Geschickes Mächte gewalttätig vorstellte. Hier in der vergleichsweise modernen Novelle ist Josef von guten Mächten wunderbar geborgen. Hinter den Kulissen ahnt man einen „guten Vater“, der langfristig die guten Energien stärkt und die bösen Kräfte schwächt.

Gott neigte dem Josef die Herzen zu. Ist das nicht das Geheimnis aller Sympathie, alles Charmes- das sie nicht erklärlich sind, sondern Zuneigung wird von höheren Ortes verfügt, sie zählen zu den Rohstoffen des Herzens und sind eigentlich Gemeineigentum. Warum auch niemand sich etwas einbilden sollte auf die Zuneigung, die er findet.
Josef deutet den Mitmenschen Träume- wir sollten damit sehr behutsam sein. Am besten kann man ja seine Träume selber deuten, wenn man nur hinfühlt und achtet auf die im Traum vorweggenommene Entschlossenheit.

 

 

Josef fällt nach oben

Und nach zwei Jahren hatte der Pharao einen Traum, der ihn furchtbar berührte. Er ließ alle Wahrsager in Ägypten rufen und alle Weisen und erzählte ihnen seine Träume. Aber da war keiner, der sie dem Pharao deuten konnte.

Da redete der oberste Mundschenk zum Pharao und sprach: Ich muss heute an meine Sünden denken: Als der Pharao mich mit dem obersten Bäcker ins Gefängnis legte, da träumte uns beiden in einer Nacht einem jeden sein Traum. Es war bei uns ein hebräischer Jüngling, des Amtmanns Knecht, dem erzählten wir’s. Und er deutete uns unsere Träume. Und wie er uns deutete, so ist’s gekommen.

Da sandte der Pharao hin und ließ Josef rufen, und sie holten ihn eilends aus dem Gefängnis. Er ließ sich frisieren und zog andere Kleider an und kam hinein zum Pharao.

Da sprach der Pharao zu ihm: Ich habe einen Traum gehabt und es ist niemand, der ihn deuten kann. Ich habe aber von dir sagen hören, wenn du einen Traum hörst, so kannst du ihn deuten.

Josef antwortete dem Pharao und sprach: Das steht nicht bei mir; doch lege sie dar.

1.Mose 41,1-16

Die Erzählung von Josef, der  die Träume des Pharao deutet, nimmt einen langen Anlauf. Weit ist der Umweg übers Gefängnis, doch „es gibt keine Zufälle“. Josef musste dorthin, weil Jahre vorher dort ein Probelauf in Traumdeutung ihm abverlangt wurde. Daraufhin konnte später der Mundschenk sich an den Kundigen erinnern.

Gott gestaltet Geschichte mit großer Übersicht. Von langer Hand wird die Rettung in die Wege geleitet. Dabei muß nicht jeder Schritt einzeln von Gott konstruiert sein, die  Allmacht ist auch wirksam, indem sich die Dinge selber machen. Einer hat seinen Traum gut gedeutet bekommen, vergisst dieses Wunder undankbar, aber zur rechten Zeit erinnert er sich und kann die Fügung weiter anschieben.      

Die fetten und die mageren Kühe

Der Pharao sprach zu Josef: Mir träumte, ich stand am Ufer des Nils und sah aus dem Wasser steigen sieben schöne, fette Kühe; die gingen auf der Weide im Grase. Nach ihnen stiegen sieben dürre, sehr hässliche und magere Kühe heraus und fraßen die sieben fetten Kühe.

Und ich sah noch einen andern Traum: Ich sah sieben Ähren auf einem Halm wachsen, voll und dick. Danach gingen auf sieben dürre Ähren, dünn und versengt. Und die sieben dünnen Ähren verschlangen die sieben dicken Ähren.

Und die Wahrsager können’s mir nicht deuten.

Josef antwortete dem Pharao: Die sieben schönen Kühe und die siebenguten Ähren sind sieben gute Jahre fetter Ernten. Die sieben mageren Kühe und die sieben versengten Ähren stehen für sieben Jahre des Hungers. In beiden Träumen verkündet Gott dem Pharao, was er vorhat: Nach sieben Jahre Fülle  wird sieben Jahre Hunger über Ägypten kommen.

Nun suche  der Pharao einen verständigen und weisen Menschen, den er über Ägyptenland setze. Der sorge dafür, dass er Amtleute verordne im Lande und nehme den fünften Teil in Ägyptenland in den sieben reichen Jahren und lasse sie sammeln den ganzen Ertrag der guten Jahre, die kommen werden, dass sie Getreide aufschütten in des Pharao Kornhäusern zum Vorrat in den Städten und es verwahren. Damit für Nahrung gesorgt sei für das Land. 

Und der Pharao sprach zu Josef: Weil dir Gott dies alles kundgetan hat, ist keiner so verständig und weise wie du. In keinem der Geist Gottes wie in dir.

Du sollst über mein Haus sein; Siehe, ich habe dich über ganz Ägyptenland gesetzt. Und er tat seinen Ring ab von seiner Hand und gab ihn Josef an seine Hand und kleidete ihn mit kostbarer Leinwand und legte ihm eine goldene Kette um seinen Hals

und ließ ihn auf seinem zweiten Wagen fahren und ließ vor ihm her ausrufen: Der ist des Landes Vater! Und setzte ihn über ganz Ägyptenland. Und Josef war dreißig Jahre alt.

1.Mose 41,17-46

Prophezeiende Wahrträume geschehen. Verstehende Menschen nehmen sie als Wink des Schicksals, Vorkehrungen zu treffen. Träumend schärfen sich mir die Sinne für Nötiges. Zu Gesicht gebracht wird mir möglicherweise Kommendes.

Wir sind zuständig im Rahmen unserer Kräfte. Da steht es in eines Regierenden Pflicht, vorausschauend vorzusorgen. Aber eine so klar umrissene Prognose ist Gnade, ebenso Wissende zu finden für verantwortliches Handeln. Die richtigen Dinge zu tun, lehrte Josef. die Dinge richtig zu tun, wurde Josef aufgegeben.

Alles zieht unablässig und miteinander verkettet weiter, die einen Dinge reißen die anderen mit, und alle wissen sie nichts voneinander. Doch letztlich ist es, damit Sein Wille geschehe.

 

Josefs der Ernährer

Und das Land trug in sieben reichen Jahren die Fülle, brachte Getreide wie Sand am Meer. Und Josef ließ sammeln die ganzen Ernten der sieben Jahre des Überflusses und verwahrte sie in Kornhäusern.

Und Josef und seiner Frau Asenat wurden zwei Söhne geboren: Manasse- das heißt: Gott hat mich vergessen lassen all mein Unglück, und Ephraim- das heißt: Gott hat mich wachsen lassen in dem Lande meines Elends.

Als nun die sieben reichen Jahre um waren im Lande Ägypten, da fingen die Hungerjahre an, auch in den Ländern ringsum.  Als nun ganz Ägyptenland Hunger litt, schrie das Volk zum Pharao um Brot. Da tat Josef die Kornhäuser auf und verkaufte den Ägyptern; und der Hunger wurde je länger je größer im Lande. Und alle Welt litt Hunger und sie kamen nach Ägypten, um bei Josef zu kaufen.

1.  Mose 41, 47-57

Josefs Blick in die Geschichte beschaffte dem Pharao unermesslichen Reichtum, die Bevölkerung aber verarmte. Ganz Ägypten geriet in die Leibeigenschaft. Dank Josefs Strategie des Hortens in den Zeiten des Überschusses, konnte er bei Anziehen der Nachfrage nach Belieben den Preis anheben, auch die Ware verknappen. Und immer mehr mussten die Menschen geben, um immer weniger, aber doch wenigstens das Nötigste bekommen zu können.

Hier wird zum ersten mal  Kapitalismus im großen Stil betrieben. Einer hat die bessere Information und das Startkapital und den festeren Willen, die Zukunft mit zugestalten. Einer häuft Reichtum –also Gestaltungsmöglichkeit- an, andere verarmen. Sicher eine fragwürdige Art des Umgangs mit Menschen, den Gott da fördert. Immerhin entstehen so Völkerzusammenschlüsse, Austausch, Handel, Wandel. In Ägypten geschah eine Blüte der Menschheit an Geist, Religion und Kunst. Und das Volk und vor allem  auch Israels Ursprungsfamilie  überlebte.

 

Erste Reise der Brüder

Auch in Kanaan und in Sichem bei Jakobs Familie  wurden die Mittel knapp. Es hatte sich aber rumgesprochen, daß in Ägypten Getreide noch zu haben sei. So sprach er zu seinen Söhnen: Was sitzt ihr hier und macht lange Gesichter; zieht hinab und kauft uns Getreide, dass wir leben und nicht sterben.

Da zogen Brüder Josefs los um in Ägypten Getreide zu kaufen. Aber den Benjamin, Josefs kleinen Bruder, ließ Jakob nicht mit seinen Brüdern ziehen, aus Sorge, es könnte ihm ein Unglück beschehen.

So kamen die zehn Söhne Jakobs mit andern aus ihrer Heimat nach Ägypten. Josef leitete auch den Verkauf und gewahrte seine Brüder schon von ferne. Sie fielen dann vor ihm nieder zur Erde auf ihr Antlitz- Er erkannte sie, aber sie erkannten ihn nicht.

Er stellte sich fremd gegen sie und redete hart mit ihnen: Woher kommt ihr? Sie sprachen: Aus dem Lande Kanaan, Getreide zu kaufen. Er verdächtigte sie: Spione seid ihr und seid gekommen zu sehen, wo das Land offen ist.

Sie antworteten ihm: Nein, Herr! Deine Knechte sind gekommen, Getreide zu kaufen.

Wir sind alle eines Mannes Söhne; redlich und keine Spione. Wir, deine Knechte, sind zwölf Brüder, eines Mannes Söhne im Lande Kanaan, und der jüngste ist noch bei unserm Vater, und einer ist nicht mehr vorhanden.

Josef sprach zu ihnen: Und doch seid ihr Spione. Aber ich  will euch prüfen: So wahr der Pharao lebt: Ihr sollt nicht von hier wegkommen, es komme denn her euer jüngster Bruder!

Sendet einen von euch hin, der euren Bruder hole, ihr aber sollt gefangen sein. Und sie

gingen darauf ein.

Sie sprachen aber untereinander: Das haben wir an unserem Bruder verschuldet! Denn wir sahen die Angst seiner Seele, als er uns anflehte, und wir wollten ihn nicht erhören; darum kommt nun diese Trübsal über uns. Nun wird sein Blut von uns gefordert.

Sie wussten aber nicht, dass es Josef verstand; denn er redete mit ihnen durch einen Dolmetscher. Und er wandte sich von ihnen und weinte.

Als er sich nun wieder zu ihnen wandte und mit ihnen redete, nahm er aus ihrer Mitte Simeon und ließ ihn binden vor ihren Augen. Und gab Befehl, ihre Säcke mit Getreide zu füllen und ihnen ihr Geld wiederzugeben, einem jeden in seinen Sack, dazu auch Zehrung auf den Weg; und so tat man ihnen.

Sie aber erschraken, als sie unterwegs das Geld fanden. Und sprachen: Warum hat Gott uns das angetan?

1.Mose 42, 1-28

Dies Kapitel will lehren, daß Böses seine Strafe findet. Man sieht sich immer zweimal. Und dann sind die Verhältnisse umgekehrt, dann hat das Leben, hat Gott die herrischen Brüdern zu demütig Bittenden umgekehrt. Und der Flehende wird Herrn über Leben und Tod. Gespannt soll der Leser auch sein, ob der Freund Gottes mit seiner Machtfülle großmütig umgehen wird. Josef wird hoffentlich Gott am Werk sehen, auch im unrechten Tun der Brüder-und darum nicht anders können, als vergeben. Und ja- Schritt für Schritt wird die Versöhnung vorbereitet, die Brüder werden geängstet wie sie ängsteten und werden sich geläutert zeigen.

 

Zögerlich schickt sich Jakob in die Realität

Als sie nun heimkamen zu ihrem Vater Jakob ins Land Kanaan, sagten sie ihm alles, was ihnen begegnet war, und sprachen: Der Mann, der im Lande Herr ist, ist hart. Er will Benjamin auch sehen- und behielt Simeon als Pfand.

Da sprach Jakob: Ihr beraubt mich meiner Kinder! Josef ist nicht mehr da, Simeon ist nicht mehr da, Benjamin wollt ihr auch wegnehmen- das geht alles über meine Kräfte.

Irgendwann aber drückte die Hungersnot zu sehr und der Vater schickte sie los: Kauft ein wenig Getreide. Nur mit Benamin, sprach da Juda; Zu sehr hat uns der fremde Herr eingeschärft:  Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder ist mit euch.

Da fing Jakob noch einmal an zu jammern: Warum habt ihr so übel an mir getan, dass ihr dem Mann sagtet, dass ihr noch einen Bruder habt? Sie antworteten: Der Mann forschte so genau nach uns und unserer Verwandtschaft und sprach: Lebt euer Vater noch? Habt ihr auch noch einen Bruder? Da antworteten wir ihm, wie er uns fragte. Wie konnten wir wissen, dass er sagen würde: Bringt euren Bruder mit herab?

Da sprach Juda zu Vater Jakob: Lass den Knaben mit mir ziehen, dass wir nicht sterben, wir und du und unsere Kinder. Ich will Bürge für ihn sein; von meinen Händen sollst du ihn fordern. Aber jetzt lass uns endlich gehen. Hätten wir nicht gezögert, wären wir wohl schon zweimal wiedergekommen.

Da sprach Jakob: Wenn es denn so ist, so tut’s und nehmt von des Landes besten Früchten in eure Säcke und bringt dem Manne Geschenke hinab, ein wenig Balsam und Honig, Harz und Myrrhe, Nüsse und Mandeln. Dazu nehmt euren Bruder. Aber der allmächtige Gott gebe euch Barmherzigkeit vor dem Manne, dass er mit euch ziehen lasse Simeon und Benjamin. Ich aber muss sein wie einer, der seiner Kinder ganz und gar beraubt ist. Da nahmen sie die Geschenke und doppeltes Geld mit sich, dazu Benjamin, machten sich auf, zogen nach Ägypten und traten vor Josef.

1.Mose 42,25-38; 43,1-16

Ein Kampf tobt zwischen Vater und den Söhnen. Nur der schiere Hunger ließ Jakobs Hartnäckigkeit erlahmen. Irgendwann blieb ihm nichts übrig, als sie ziehen zu lassen und sie Gott und der Barmherzigkeit des Brotherrn anzubefehlen. Der Vater weiß noch nicht, daß seine Söhne ihn des Josefs beraubt haben. Aber er setzt sich und die Brüder und ihre Familien  lange dem Hunger aus und lässt lieber den einen Täterbruder im Gefängnis in der Fremde schmoren- nur, um  Benjamin bei sich behalten zu können,  der ja von der selben Mutter ist wie Josef, von der geliebten, früh gestorbenen Rebekka. Jakobs blinde Leidenschaft zu seiner ersten Liebe und den zwei Kindern aus dieser Ehe verursachen zunächst den Neid der älteren Ehefrau Lea, dann den ihrer Söhne. Jetzt wird viel gebüßt. Auch Jakob versteht sein Loslassenmüssen als Strafe: „Ich muß sein, wie einer, der seiner Kinder ganz und gar beraubt ist.“ Strafe annehmen ist wohl ein heiliges Werk.

 

Josef nähert sich den Brüdern

Als Josef sie kommen sah mit Benjamin, sprach er zu seinem Haushalter: Führe diese Männer ins Haus und schlachte und richte zu, denn sie sollen mit mir essen.

Sie fürchteten sich aber um des Geldes willen, das in den  Säcken das vorige Mal obenauf lag. Der Hauhalter aber sprach: Seid guten Mutes, fürchtet euch nicht! Euer Gott und eures Vaters Gott hat euch einen Schatz gegeben in eure Säcke. Und er führte Simeon zu ihnen heraus.

Dann gab er ihnen Wasser, dass sie ihre Füße wuschen, und gab ihren Eseln Futter.

Sie aber richteten das Geschenk zu-  sie hatten gehört, dass sie dort essen sollten.

Als nun Josef ins Haus trat, fielen sie vor ihm nieder zur Erde. Er aber grüßte sie freundlich und sprach: Geht es eurem alten Vater gut, von dem ihr mir sagtet? Lebt er noch? Sie antworteten: Es geht deinem Knechte, unserm Vater, gut und er lebt noch.

Und er hob seine Augen auf und sah seinen Bruder Benjamin und  sprach: Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr mir sagtet? Und Josef eilte hinaus; denn sein Herz entbrannte ihm gegen seinen Bruder, und er suchte zu verbergen, daß er weinte. Als er dann sein Angesicht gewaschen hatte, ging er heraus und hielt an sich und sprach: Serviert die Speisen!

Und man setzte sie ihm gegenüber, den Erstgeborenen nach seiner Erstgeburt und den Jüngsten nach seiner Jugend. Darüber verwunderten sie sich untereinander.

Und man trug ihnen Essen auf von seinem Tisch, aber Benjamin bekam fünfmal mehr als die andern. Und sie tranken und wurden fröhlich mit ihm.

1.Mose 43,16-34

Der Haushalter Josefs verkündet ihnen ein Zeichen dafür, daß letztlich die Geschichte gut ausgehen wird: Gott selbst hat ihnen den Kaufpreis erstattet. Dann kann ja keine Strafe warten: die Scheu weicht. Josef ist so gerührt vom Wiederfinden seines jüngsten Bruders- er muß sich erst mal zurückziehen. Und dann werden Die Brüder genau nach Alter an der Tafel platziert, das legt doch ein Mitwissen des Josef oder Göttliche Fügung nahe. Sie werden fröhlich miteinander, Josef gibt ein Stück seiner Unnahbarkeit auf. Dann aber zeigt sich: Das Wechselbad aus Fremdheit und neuer Vertrautheit hält an.  

 

Entsetzen und Offenbarung

Und Josef befahl seinem Haushalter und sprach: Fülle den Männern ihre Säcke mit Getreide, soviel sie fortbringen, und lege jedem sein Geld wieder oben in seinen Sack.

Und meinen silbernen Becher lege oben in des Jüngsten Sack mit dem Gelde für das Getreide. Der tat, wie ihm Josef gesagt hatte.

Am Morgen ließen sie die Männer ziehen mit ihren Eseln. Als sie aber zur Stadt hinaus waren und noch nicht weit gekommen, sprach Josef zu seinem Haushalter: Auf, jage den Männern nach und wenn du sie ereilst, so sprich zu ihnen: Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten? Warum habt ihr den silbernen Becher gestohlen? Ist das nicht der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er wahrsagt? Ihr habt übel getan.

Und als er sie erreicht hatte, gebot er ihnen, Halt zu machen und verfuhr mit ihnen wie abgesprochen.

Als sich  der Becher in Benjamins Sack fand, waren sie entsetzt und zogen zurück in die Stadt.Und sie fielen vor Josef nieder auf die Erde. Josef aber sprach zu ihnen: Wie habt ihr das tun können? Juda sprach: Was sollen wir meinem Herrn sagen oder wie sollen wir reden und womit können wir uns rechtfertigen? Gott hat die Missetat deiner Knechte gefunden. Siehe, wir und der, bei dem der Becher gefunden ist, sind meines Herrn Sklaven.

Er aber sprach: Das sei ferne von mir, solches zu tun! Der, bei dem der Becher gefunden ist, soll mein Sklave sein; ihr aber zieht hinauf mit Frieden zu eurem Vater.

Da trat Juda zu ihm und sprach: Mein Herr, lass deinen Knecht ein Wort reden vor den Ohren meines Herrn, und dein Zorn entbrenne nicht über deinen Knecht, denn du bist wie der Pharao.

Mein Herr fragte seine Knechte und sprach: Habt ihr noch einen Vater oder Bruder? Da antworteten wir: Wir haben einen Vater, der ist alt, und einen jungen Knaben, in seinem Alter geboren, und sein Bruder ist tot und er ist allein übrig geblieben von seiner Mutter, und sein Vater hat ihn lieb.

Da sprachst du zu deinen Knechten: Bringt ihn herab zu mir, ich will ihm Gnade erweisen.

Wir aber antworteten meinem Herrn: Der Knabe kann seinen Vater nicht verlassen; wenn er ihn verließe, würde der sterben.

Da sprachst du zu deinen Knechten: Wenn euer jüngster Bruder nicht mit euch herkommt, sollt ihr mein Angesicht nicht mehr sehen.

Da zogen wir hinauf zu deinem Knecht, meinem Vater, und sagten ihm meines Herrn Rede.

Da sprach unser Vater: Zieht wieder hin und kauft uns ein wenig Getreide.

Wir aber sprachen: Wir können nicht hinabziehen; nur wenn unser jüngster Bruder mit uns ist, wollen wir hinabziehen; ich werde für ihn bürgen.

Darum lass deinen Knecht hier bleiben an des Knaben statt als Sklaven meines Herrn und den Knaben mit seinen Brüdern lass hinaufziehen. Ich könnte den Jammer nicht sehen, der über meinen Vater kommen würde, käme ich ohne Benjamin heim.

1.  Mose 44, 1-33

Josef lässt die Brüder nachleben, was sie ihm einst angetan haben. Doch sie haben gelernt.  Einst opferten sie den Einen zur Genugtuung für ihr Zurückgestelltsein beim Vater. Nun stehen sie gemeinsam für den Jüngsten, den Schwächsten ein. Noch einmal werden sie in Versuchung geführt, fein davon zu kommen. Doch sie schlagen das Angebot, den (vermeintlich )schuldigen Benjamin seiner gerechten Strafe zu überlassen, aus. Juda bietet sich als Opfer an. Damals hatte es ihnen nichts ausgemacht, dem Vater die furchtbare Nachricht vom zerrissenen Sohn Josef zu überbringen. Jetzt will Juda lieber lebenslänglich Sklave sein, als das Leid des zu Tode erschrockenen Vaters über den Verbleib des Jüngsten in Ägyptens Gewahrsam mitzuerleben.

 

Josef gibt sich seinen Brüdern zu erkennen

Da konnte Josef nicht länger an sich halten und rief: Lasst mich mit den Männern allein. Und kein fremder war Zeuge, als sich Josef seinen Brüdern zu erkennen gab.

Er weinte laut, sodass es die Ägypter und das Haus des Pharao hörten,

und sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.

Lebt mein Vater noch? Und seine Brüder konnten ihm nicht antworten, so erschraken sie vor seinem Angesicht.

Er aber sprach zu seinen Brüdern: Nun bekümmert euch nicht mehr und denkt nicht, dass ich darum zürne, dass ihr mich hierher verkauft habt; denn um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch hergesandt. Es sind nun zwei Jahre, dass Hungersnot im Lande ist, und sind noch fünf Jahre, dass weder Pflügen noch Ernten sein wird. Gott hat mich durch euch hier her geschickt, dass er euch übrig lasse auf Erden und euer Leben erhalte zu einer großen Errettung.

Nun eilt und zieht hinauf zu meinem Vater und sagt ihm: Das lässt dir Josef, dein Sohn, sagen: Gott hat mich zum Herrn über ganz Ägypten gesetzt; komm herab zu mir, säume nicht!

Du sollst im Lande Gosen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine Kinder und deine Kindeskinder, komm mit allem, was du hast. Ich will dich dort versorgen.

Eilt, verkündet meinem Vater alle Herrlichkeit Ägyptens und kommt herab mit meinem Vater hierher.Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und küsste alle seine Brüder und weinte an ihrer Brust. Danach redeten seine Brüder mit ihm.

Und als das Gerücht kam in des Pharao Haus, dass Josefs Brüder gekommen wären, gefiel es dem Pharao gut und allen seinen Großen.

Und Josef gab ihnen Wagen nach dem Befehl des Pharao und Zehrung auf den Weg

und gab ihnen allen, einem jeden ein Feierkleid, aber Benjamin gab er dreihundert Silberstücke und fünf Feierkleider. Und seinem Vater sandte er zehn Esel, mit dem Besten aus Ägypten beladen. Damit entließ er seine Brüder und sie zogen hin. Und er sprach zu ihnen: Zankt nicht auf dem Wege!

1.Mose 45,1-24

Jetzt war Josefs Strafaktion auch genug. Sie hatten ihr Lehrgeld bezahlt. Und Josef konnte seiner Liebe freie Bahn lassen. Da standen sie, die Brüder, “wie Klötze“(Th. Mann). Josef musste erst mal den Schauder von ihnen nehmen. Was er für sich längst erkannt hatte, offenbarte er seinen Brüdern: Euern Neid, eure Wut auf mich Bevorzugten hat Gott genutzt: Um euer Leben zu retten, hat Gott mich vor euch her gesandt.- Großmütig entschuldet Josef die Brüder, er behaftet Gott, daß letztlich er diesen Deal eingefädelt habe. Und dann ist große Versöhnung und überirdische Freude. Väterchen soll nachgeholt werden. Zuletzt wird Josef wieder der Mahner: Haltet Frieden auf dem Weg.

 

Jakobs Reise nach Ägypten.

So kehrten die Brüder heim zu ihrem Vater Jakob und verkündeten ihm: Josef lebt noch und ist Herr über ganz Ägyptenland! Aber sein Herz blieb kalt, er glaubte ihnen nicht.

Da sagten sie ihm alle Worte Josefs, und als er die Wagen sah, die ihm Josef gesandt hatte, um ihn zu holen, wurde der Geist Jakobs lebendig. Und er sprach: Ich will hin zu Josef und ihn sehen, ehe ich sterbe.

Und er brachte Opfer dar dem Gott seines Vaters Isaak. Da geschah ihm des Nachts eine Offenbarung: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zum großen Volk machen. Ich will mit dir hinab nach Ägypten ziehen und will dich auch wieder heraufführen, und Josef soll dir mit seinen Händen die Augen schließen.

Da machte sich Jakob auf von Beerscheba mit allem Eigentum und alle Seelen des Hauses Jakobs, die mit nach Ägypten kamen, waren sechsundsechzig..

1.Mose 45,25-28; 46,1-4.26

Die Nachricht, Josef sei am Leben, kann den versteinerten Jakob nicht gewinnen. Erst  die Geschenke aus Ägypten  überzeugen und erwecken die Lebensgeister wieder. Die Zumutung, als alter Mensch das von Gott gesegnete Stück Erde zu verlassen, mußte von Gott selbst gewollt sein- Nur die direkte Willenskundgabe von oben her war so verpflichtend, daß sich der alte Herr langsam zur Reise anschickte. Er will Josef sehen wenn er gewiß sein darf, jedenfalls in Heimaterde begraben zu werden. Der tiefere Grund der Reise aber ist die Heilsgeschichte: An Jakob, Sohn von Isaak und Rebekka und Enkel von Abraham und Sara soll sich doch erfüllen, was „der Gott der Väter und Mütter“ verheißen hat: Daß sie zu einem großen Volk werden. Diese Großfamilie Jakobs mit Lea (und im Gedächtnis die verstorbene Rahel) bilden die Urzelle des Volkes Israel. – Die Patriarchen sind aber mythische Figuren. Die Historie der Stammväter Abraham, Isaak und Jakob liegt im Dunkel der Geschichte. Die Glaubens –und Lebenserfahrungen von Jahrhunderten sind literarisch verdichtet in diesen idealen Gründerfiguren. Kern des Glaubens von Jakob und Josef ist: Gott geht mit ihnen, auch ins fremdgläubige Ägypten- es ist der Anfang des Jesus-Vertrauens daß Gott auch mit in den Tod geht.

 

Jakob segnet seine Söhne

Und  Josef ließ seinen Wagen anspannen und zog seinem Vater entgegen. Und als er ihn sah, weinte er lange an seinem Halse. Da sprach Jakob zu Josef: Ich will nun gerne sterben. Ich habe dein Angesicht gesehen.

Josef ging zu  Pharao und sagte ihm an: Mein Vater und meine Brüder, ihr Kleinvieh und Großvieh und alles, was sie haben, sind gekommen aus dem Lande Kanaan. Der Pharao sprach zu Josef: Es ist dein Vater und es sind deine Brüder, die zu dir gekommen sind.

Das Land Ägypten steht dir offen, lass sie am besten Ort des Landes wohnen, lass sie im Lande Gosen wohnen, und wenn du weißt, dass Leute unter ihnen sind, die tüchtig sind, so setze sie über mein Vieh.

Josef brachte auch seinen Vater Jakob hinein und stellte ihn vor den Pharao. Und Jakob segnete den Pharao. Der Pharao aber fragte Jakob: Wie alt bist du?

Jakob sprach zum Pharao: Die Zeit meiner Wanderschaft ist hundertunddreißig Jahre; wenig und böse ist die Zeit meines Lebens und reicht nicht heran an die Zeit meiner Väter in ihrer Wanderschaft. Und Jakob segnete den Pharao und ging hinaus von ihm. Aber Josef ließ seinen Vater und seine Brüder in Ägyptenland wohnen und gab ihnen Besitz am besten Ort des Landes, im Lande Ramses, wie der Pharao geboten hatte. Und er versorgte seinen Vater und seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters mit Brot, einen jeden nach der Zahl seiner Kinder. Und sie wuchsen und mehrten sich sehr. Und Jakob lebte noch siebzehn Jahre in Ägyptenland, dass sein ganzes Alter wurde hundertundsiebenundvierzig Jahre.

Und Josef brachte seine in Ägypten geborenen Kinder zu ihrem Großvater. Und Jakob segnete Ephraim und Manasse.  Und er segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak gewandelt sind, der Gott, der mein Hirte gewesen ist mein Leben lang bis auf diesen Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Übel, segne dich und die Knaben. Siehe, ich sterbe; aber Gott wird mit euch sein und wird euch zurückbringen in das Land eurer Väter.  Und Jakob segnete auch all seine anderen Söhne mit einem besonderen Segen und verkündigte ihnen ihre Zukunft.

1.Mose 46,28-30; 47,1-49,28

Majestätisch fast schreitet Jakob beim Pharao ein. Der mag mehr Macht haben, aber Jakob verfügt über eine hellsichtige Gottesbeziehung. Zweimal segnet der Viehbesitzer  ungebeten den, der sich als Gottkönig weiß. Der aber scheint über eine abgeklärte  Größe zu verfügen, daß er den Segen des ihm fremden Gott sich geschehen ließ. Als es zum Sterben ging segnete Jakob  Söhne und Enken –man hofft und weiß ja, daß der weibliche Teil der Familie auch nicht unbehütet blieb. Jakob verbürgt sich für die große Zukunft der zwölf Stämme Israels. Er bezeugt mit seiner Erfahrung Gott als Hirten , als Engel, als Erlöser. Das hohe Alter ist genannt als Qualitätssiegel für ein gottgemäßes Leben.  

 

Jakobs und Josefs Tod

Als Jakob verschied und zu seinen Vätern versammelt wurde, da bestattete man ihn mit großem Geleit im Grab der Vorfahren, der Höhle Machpela, östlich von Mamre im Lande Kanaan. Als sie ihn nun begraben hatten, zog Josef mit seinen Brüdern wieder nach Ägypten

Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, jetzt könnte Josef zur Vergeltung schreiten. Darum sagten sie ihm, es sei des Vaters letzter Wunsch gewesen, daß er Vergebung walten lasse. Sie baten ihn: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat, dass sie so übel an dir getan haben. Und Josef weinte, als sie solches zu ihm sagten.

Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt?

Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.

Und Josef sprach zu seinen Brüdern: Bald werde ich sterben; aber Gott wird sich euer annehmen. Und wird euch aus diesem Lande führen in das Land, das er Abraham, Isaak und Jakob zu geben geschworen hat. Und Josef starb, hundertundzehn Jahre alt.

1.  Mose 50

„Zu den Vätern (und Müttern) versammelt werden“ ist frühes Zeugnis für eine Jenseitserwartung, wie auch immer. Jedenfalls hatten die Gottgläubigen schon früh eine größere Hoffnung, als das Familiengrab; auch wenn es ihnen wichtig war, in jener Höhle Makpela begraben zu werden. Die hatte Abraham als einzigen Grundbesitz im künftigen Gelobten Land erworben, ein Grab als Pfand für ein großes Reich.

Josef vergibt den Brüdern endgültig. Festgehalten bleibt, daß Schuld benannt werden muß, sie sich nicht einfach auflöst.  Und Versöhnung will gelebt werden. Dazu leitet Josef sich und die Brüder an durch Verweis auf Gott. Der läßt mittels des Bösen Gutes werden. Was  nicht heißt: Der Zweck heiligt die Mittel. Höchstens heiligt Gott das Mittel, den Verkauf in die Fremde, zum edlen Zweck der Bewahrung vor Hunger. Wir würden uns an Gottes statt stellen, wenn wir Böses säen zum Zwecke einer  Ernte des Guten. Dafür sind wir zu klein, und haben zu wenig Überblick.

Josef stirbt schon in weniger hohem Alter als Jakob und die davor. Damit deuten die Theologen dieses Buches an, daß sie die goldene Zeit der Gottesvertrautheit der Patriarchen schon ablaufen sehen.

2.Buch Mose

Israels Bedrückung in Ägypten                                                                                                        Josef und seine Brüder waren schon lange gestorben.- Doch  die Nachkommen Jakobs zeugten Kinder und mehrten sich und wurden überaus stark, sodass von ihnen das Land voll wurde. Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk Israel ist mehr und stärker als wir. Wir müssen sie kurzhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen. Und man bedrückte sie mit Zwangsarbeit. Sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses.                                                               2.Mose 1                                                                                                                                  Wie im Zeitraffer werden Jahrhunderte der Volkwerdung Israels in Ägypten zusammengezogen in wenigen Zeilen: Und ein neuer König, ein Neuer Pharao wusste nichts von Josef. Schnell vergilben Verdienste. Vergünstigungen hängen an Personen: Wechseln die Herrschaften, wechseln auch die Bevorzugungen.                                                                        Auch die Eingewanderten der nächsten Generation sind anders dran: Sie müssen sich in der Gegenwart ihre Stellung erkämpfen. Die Kinder Israels bleiben in Ägypten Fremde, sie machen wegen ihres vielen Nachwuchses den trägen Eingesessenen Angst. Man zwingt sie zu niedriger Arbeit, dann zum Frondienst wohl an den Pyramiden.                                                    Das zweite Buch Mose ist hochwichtig. Legt das erste Buch Mose (Genesis- Die Werdung) den Grundstein unseres Denkens- der Mensch von  Gott geschaffen und zum Mitgestalten berufen- dann weist  das Zweite (Exodus- Der Auszug) die Richtung: Wir, Israel und die Menschheit mit Gott auf dem Weg aus der Gefangenschaft, aus der Sklaverei unter Sünde und Tod und Vergeblichkeit hin ins „Gelobte Land“.

Entdeckt wird für die Menschheit, daß wir nicht zum Zeitvertreib hier sind, sondern schwanger gehen mit Leid und Segen; unsere Seelen sind ausgespannt  auf Fülle, Ausdehnung des Glücks ist der Sinn der Schöpfung. Der Auszug aus der Gefangenschaft in die Freiheit der Kinder Gottes  ist ein Projekt jeder Generation und jedes Einzelnen. Wir sind zu einem Lebensgefühl erhoben, das aus der Idylle in das Drama und aus der Behaglichkeit in das Gestalten von Freiheit  gerufen ist. Die politische und persönliche Freiheit schimmert als großer Wurf Gottes an die Menschen auf. Es wird denkbar, daß wir nicht als Material der Geschichte, nicht als gesichtslose Verbrauchende gedacht sind, sondern Gedankenfreiheit, Schönheit und Liebe leben dürfen- weil kein anderer Gott ist als der, der aus der Knechtschaft herausführt. Immer noch. Der Auszug Israels ist Modellfall für die Menschheit unterwegs mit dem vorausgehenden Gott. Mit dem Schritt zu halten immer neuer Auftrag ist.

Liebevoll erzählt Israel fünf bis acht  Jahrhunderte nach dem dunklen Aufbruch ihrer Pilgerväter – und Mütter die Rettung aus Ägypten. Wie bedrohlich auch die jeweilige Gegenwart scheint, sie ist ein Stück Weg, den Gott mitgeht.

 

Moses wunderbare Errettung                                                                                              Und der König von Ägypten befahl den hebräischen Hebammen- eine hieß Schifra hieß, die andere Pua - : Wenn ihr den hebräischen Frauen helft und bei der Geburt seht, dass es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist’s aber eine Tochter, so lasst sie leben.                                              Ein Mann vom Hause Levi aber  nahm ein Mädchen aus dem Hause Levi zur Frau. Und sie ward schwanger und gebar einen Sohn. Und sie  verbarg ihn drei Monate.                            Als sie ihn aber nicht länger verbergen konnte, machte sie ein Kästlein von Rohr und verklebte es mit Erdharz und Pech und legte das Kind hinein und setzte das Kästlein in das Schilf am Ufer des Nils. Und  seine Schwester hielt Wache, um zu erfahren, wie es ihm ergehen würde.                                                                                                                    Einmal ging die Tochter des Pharao hinab und wollte baden im Nil, und ihre Freundinnen gingen am Ufer auf und ab. Und sie sahen das Kästlein im Schilf und holten es.                  Und als sie es auftaten, sahen sie das Kind- es weinte. Da jammerte es sie und sie sprach: Es ist eins von den hebräischen Kindlein. Und doch soll es leben.                                                 Da trat die  Schwester aus dem Schilf zu der Tochter des Pharao und sprach: Soll ich eine hebräische Frau rufen, die gerade stillt, dass sie dir das Kindlein stille?                                 Die Tochter des Pharao sprach zu ihr: Tu das. Das Mädchen ging hin und rief die Mutter des Kindes. Da sprach die Tochter des Pharao zu ihr: Nimm das Kindlein mit und stille es mir und zieh es groß; ich will es dir lohnen. Die Frau stillte und zog das Kind groß.                         Und als das Kind groß war, brachte sie es der Tochter des Pharao, und es ward ihr Sohn und sie nannte ihn Mose; was heißt: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.                       2.Mose 1,15; 2, 1-10                                                                                                                          Dem großen Mose gebührt eine wunderbare Geburt. Die Rettung im Schilfkorb ist starkes Zeichen der Bewahrung und der Erwählung. Und auch ein Lobgesang auf die Mütter dieser Erde, die oft genug ihre Kinder unter widrigsten Umständen gebären und durchbringen. Mose ist natürlich von Herkunft aus jüdischer Familie. Gleichzeitig ist er am ägyptischen Hof erzogen. Die Findelkindgeschichte flechtet beide Wahrheiten zusammen. 

 

 

Moses Flucht nach Midian

Als Mose herangewachsen war, ging er öfter hinaus zu seinen hebräischen Brüdern und litt mit unter ihrem Frondienst.  Einmal schlug ein ägyptischer Aufseher einen Hebräer.  Das brachte Mose so auf, daß er- kurz nach allen Seiten prüfend, ob es Zeugen gäbe- den Ägypter

erschlug, ihn im Sande verscharrte und davon ging.

Am nächsten Tage ging er wieder hin und sah zwei hebräische Männer miteinander streiten und sprach zu dem, der im Unrecht war: Warum schlägst du deinen Nächsten?

Er aber sprach: Wer hat dich zum Aufseher oder Richter über uns gesetzt? Willst du mich auch umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast? Da fürchtete sich Mose und floh ins  Land Midian. Da setzte er sich nieder bei einem Brunnen.

2.  Mose2, 11-15

Dass dieser einzigartige Religionsheld so unbeherrscht war und dies auch noch spätere Generationen  nicht schönten, spricht für die große Menschlichkeit der Bibel und ihres Glaubens. Wieder macht Gott eben kein Heiligenbild zu seinem großen Sprecher, sondern ruft einen aus dunkler Herkunft: ungeduldig, jähzornig, zerrissen in sich selbst- als Hebräer auf Seiten der Geschundenen, als Adoptivenkel des Pharaos gewöhnt, kurzen Prozess zu machen. Mose hatte sicher gemeint, die Sympathien der Hebräer gewinnen zu können. Aber Mordblut an den Händen ist nicht abzuwaschen; man geht auf Distanz zu dem, der zurecht bringen will mittels Unrecht. Der Zweck heiligt die Mittel nicht. 

Kain wird der große Städtebauer;  dem Helden Mose nach wagen Jahrtausende den Ausbruch aus Knechtschaft; Gründer von Jerusalem und Israel, Vater des Tempelbauers Salomo ist David, hatte morden lassen, um Batseba zu erlangen-  Gott reduziert Menschen nicht auf ihre böse Tat. Er schafft Vergebung und neuen Anfang.   

 

Fremdling sein steht am Anfang

Ein Priester aber in Midian hatte sieben Töchter; die kamen, Wasser zu schöpfen, und füllten die Rinnen, um die Schafe ihres Vaters zu tränken. Da kamen Hirten und stießen sie weg. Mose aber stand auf und half ihnen und tränkte ihre Schafe. Und als sie zu ihrem Vater Reguël kamen, sprach er: Warum seid ihr heute so bald gekommen? Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann stand uns bei gegen die Hirten und schöpfte für uns und tränkte die Schafe.

Er sprach zu seinen Töchtern: Wo ist er? Warum habt ihr den Mann nicht eingeladen? Lauft, bittet ihn zu uns. Und Mose willigte ein, im Haus des Pristers von Midian zu bleiben. Und er gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau. Die gebar einen Sohn und er nannte ihn Gerschom; denn, sprach er, ich bin ein Fremdling geworden im fremden Lande.

2.  Mose 2,16-22

 

Der große Mose muß wie Jakob und Josef erst in die Fremde, muß dort seine Frau finden und um sie dienen.  Zweierlei ist aus diesen Anfängen prägend: Mose drängt auf Gerechtigkeit, er hilft den Frauen; und seine Frömmigkeit gedeiht in der Fremde, er hat keine Berührungsangst vor der Interpretation des Göttlichen  in ägyptischer und midianitischer Spielart. Das Fremdlingsein ist mühsame aber kostbare Chance, das Eigene zu finden.   

 

Moses Berufung

Mose hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian. Einmal trieb er die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Gottesberg Horeb.

Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er bei sich: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.

2.  Mose 3,1-4

 

Eine der tiefgründigsten Gotteserscheinungen bahnt sich an. In der Wüste Sinai an einem „Unort“, weglos, wasserlos- nur Felsen und bizarre Luftspiegelungen- sieht Mose eine Glut, die sprüht und leuchtet. Vielleicht ein Dornbusch in Blütenpracht- und er will nicht normal werden: Mose geht, die wunderbare Erscheinung zu sichten. Da geht ihn eine Stimme an, ein Ruf stülpt sich über ihn, er hört sich bei seinem Namen gerufen. Er weiß sich aufgerufen, ist gemeint, ist erkannt. Er sieht sich gestellt vom Geheimnis der Welt.

 

 

Wenn einem etwas die Schuhe auszieht

Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

2.Mose 3,5.6

Nicht, daß Moses den Herrn gesehen hätte. Der brennende, sich nicht verzehrende Dornbusch ist ein Bild für die Anwesenheit Gottes. Dabei ist Er nicht ansehbar, wohl aber seine Aura, seine Energie, sein Indienstnehmen ist erfahrbar. Es mag in etwa so sein, wie mit der Sonne: wir können nicht in die Sonne sehen, können nur ihre Wirkung spüren; ja, wir leben mittels ihrer. Orte der Gottesbegegnung sind energetisch aufgeladen, sind heilige Bezirke- Das Ausziehend er Schuhe ist ein Zeichen von Entwaffnung und Verehrung.

 

 

Verheißung des Landes voll Milch und Honig

Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.

Ich will sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführen aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.

So  will ich dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. 2. Mose 3, 7-10

Hier legt Gott dem Mose seinen Rettungsplan dar und spannt ihn ein. Es scheint, als wache Gott erst langsam auf und  als brauchte er Zeit, um die Tiefe der Leiden gewahr zu werden. Als müsse das Gewissen der Welt erst sehen und hören! Wir müssen immer wissen, daß unser Meinen über Gott  nur ein Ahnen ist auf den Schultern derer, die vor uns Erfahrung mit ihm machen. Die uns den Bericht vom Auszug Israels geben, sind ja die Anfänger unseres Glaubens. Und wir, die wir so viel Rückblick auf passierte, gedeutete Geschichte haben, tasten auch noch, wie das Geleit Gottes geschieht bei uns.

Das erste Zeichen

Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. 2. Mose 3,11+12

Das blieb über die Jahrhunderte der nur mündlichen Weitergabe deutlich erhalten: Moses drängte sich nicht, Gottes erster Mann werden. Er scheute sich, hielt sich für unfähig, sicher auch für unwürdig. Aber Gott überspringt dessen Einspruch: Mit mir kannst du alles, bist du alles.  Gott nimmt Moses mit ans Ziel, malt ihm den Erfolg  glühend vor Augen: Du wirst nach gelungener Mission hier opfern. Die Zukunft bürgt für die Gegenwart. Weil Jetzt die erste Stufe Richtung  Heile Welt ist, ist Jetzt die Ouvertüre für Heilwerdendes. Wie ich im Gegenwärtigen Heilendes mit anbahne, das ist meine Sache. Wenn die mich voll beschäftigt, rücken viel Fragen hinter mich zurück.

Moses drängt auf den Namen

Doch, spricht Moses weiter zum Herrn, wenn ich zu den Israeliten komme und sage  zu ihnen: Der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt!, dann werden sie mir sagen: Wie ist sein Name? Und was soll ich ihnen dann sagen?

2.  Mose 3,13

 

Mose gibt sich nicht zufrieden mit dem Erinnerungsgott, dem Herrn der Vorfahren. Heute soll er sich erweisen, als eben ihr Gott und nicht sich zitieren als „Der von Damals“. Es nützt uns auch nichts, Gott als Starter am Anfang der Welt zu wissen. Sein Schaffen heute und unser Mittun jetzt muss gedeckt sein durch einen Namen, der jetzt Gottesenergie abstrahlt. Darum dank an Moses, daß er drängt.

 

Der „Gott bei uns“

Gott sprach zu Mose: „Ich werde für euch da sein, der ich für euch da sein werde“. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde für euch da sein«, der hat mich zu euch gesandt.

2.  Mose 3,14

 

Die Selbstoffenbarung ergeht in der Sprache Israels und heißt: „Jahve.“ Das übersetzt die griechische (alttestamentliche) Septuaginta (etwa um 300 v. Chr): „Ich bin der Seiende.“ Lebendiger und liebevoller aber ist das dynamische „Ich bin für euch da“. – „Ich bin der für euch Existierende, wie auch immer ich mich euch zeigen werde“. 

Sicher ist Gott auch Das Seiende, aber er ist noch mehr, ist auch Das Werdende. Vor allem aber ist er für uns da. Wie verschlungen unsere Wege auch sind, er geht sie mit.   Zuneigung ist sein Wesen. Schade, daß sich als Eigenname bei uns das „Jahve“- „Der Gott mit uns“ nicht durchgesetzt hat. Aber “Vaterunser“ meint das Selbe.

 

Zweifel bleiben

Und Gott sprach weiter zu Moses: Versammle die Ältesten von Israel und sprich zu ihnen: Der „Ich bin für euch da“, der Gott eurer Väter, ist mir erschienen, und hat gesagt: Ich habe mich euer angenommen und gesehen, was euch in Ägypten widerfahren ist. Ich will euch aus dem Elend Ägyptens führen in das Land, darin Milch und Honig fließt.

Danach sollst du mit den Ältesten Israels hineingehen zum König von Ägypten und die Freigabe der Kinder Israels  fordern. Aber Pharao wird euch nicht ziehen lassen. Und Moses: Und die Kinder Israels werden nicht auf mich hören, sie werden sagen: Der HERR ist dir nicht erschienen.

2.  Mose 3,15- 4,1

 

Moses erweist sich als ebenbürtiger Gesprächspartner Gottes. Der Herr legt sich mächtig ins Zeug, um  Moses zu begeistern: Er soll doch gern Botschafter dessen zu werden, der den Geknechteten ein Eigenland, da Milch und Honig fließt, verheißt. Doch Gott weiht seinen Helden in die künftigen Mühen ein und Moses den Herrn auch.

Wird Moses ein Spiegelbild Gottes- vor Jesus schon eine Art Abbild?  Was muß sich Gott mühen, Israel frei zu bekommen; was muß sich Mose mühen, das störrische Israel auf dem Weg zu halten. Man wird den Eindruck nicht los, daß sie sich beide nicht um ihren  Job reißen- Gott stöhnt oft bei Moses und Moses beim Herrn- Es wird spannend, zu sehen, wie  sie sich gegenseitig gerade halten. 

 

Berufene drängeln sich nicht

Aber erst mal widersteht Moses noch: Ach, mein Herr, ich bin von jeher nicht beredt gewesen, auch jetzt nicht, seitdem du mit deinem Knecht redest; denn ich hab eine schwere Sprache und eine schwere Zunge.

Gott sprach zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen? Oder wer hat den Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich’s nicht getan, der Herr der Welt? So geh nun hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst. Mose aber sprach: Sende, wen du senden willst, aber nicht mich. Da wurde der Herr zornig.

­2.  Mose 3,10 –14

 

Das Widerständige des Moses ist eine Kraftquelle. Wir dürfen mit Gott streiten, unsere Bedenken haben vor ihm Platz. Wenn uns aber Gott in die Pflicht nimmt, dann sind nicht unsere Begabungen der Grund sondern Gottes Wahl. Weil Gott den Moses will, taugt der für sein Amt. Das aber kann Moses nicht begreifen, der noch sich sieht mit den abschätzigen Augen der Andern. Das ist es, was in den Gedanken der Gläubigen den Herrn empört: Moses vertraut seiner und der Leute Meinung mehr als Gottes Berufung. Und wird halsstarrig.

 

Fürsprecher einander

Gott sprach: Dein beredter Bruder Aaron wird mitgehen. Du sollst zu ihm reden und die Worte in seinen Mund legen. Und ich will mit deinem und seinem Munde sein und euch lehren, was ihr tun sollt. Und er soll für dich zum Volk reden; er soll dein Mund sein und du sollst für ihn „Gott“ sein. Und diesen Stab nimm in deine Hand, mit dem du die Zeichen tun sollst.

2.  Mose 3,15-17

 

Ich glaube nicht, daß Gott zürnt. Es schmerzt ihn unsere geistlose Schwerfälligkeit, er weiß doch , daß wir „Staub „ sind, nur durch seinen Willen über dem Chaos gehalten. So stellt Gott dem Mose dessen Bruder zur Seite; eine berühmte Partnerschaft wird begründet: Mose ist Gottes Knecht; Aaron ist des Mose Erfüllungsgehilfe. Das Gefälle zwischen Menschen kommt auch daher, daß Menschen mehr oder weniger Nähe zu Gott haben. Wir sollen mit unsern verschiedenen Gaben gemeinsame Sache machen. Spannungen sind programmiert. Kein von Gott Beauftragter geht ungerüstet. Moses  erhält einen Stab- Hirtenstab, Marschallstab, Hohheitszeichen, wunderträchtig, machtvoll- er geht nicht mit leeren Händen.  

Moses Rückkehr nach Ägypten

Und  der HERR sprach zu Mose: Geh und zieh wieder nach Ägypten, tritt vor Pharao und sprich zu ihm: So spricht der HERR: Israel ist mein erstgeborener Sohn; ich gebiete dir: Lass du meinen Sohn ziehen, dass er mir diene. Wirst du dich weigern, so will ich deinen erstgeborenen Sohn töten. Mose aber hörte Gott auch sagen: Ich will des Pharaos  Herz verstocken, dass er das Volk nicht ziehen lassen wird.

Und sie gingen hin und versammelten alle Ältesten der Israeliten. Und Aaron sagte alle Worte, die der HERR mit Mose geredet hatte, und Mose tat Zeichen vor dem Volk. Und das Volk glaubte. Und als sie hörten, dass der HERR sich der Israeliten angenommen und ihr Elend angesehen habe, neigten sie sich und beteten an.

2.  Mose 4

 

Hochdramatisch ist Moses Auftrag: Er weiß, daß Pharao Israel nicht ziehen lassen wird. Und zwar, weil Gott ihn verstockt. Kann das angehen, daß  Gott Menschenherzen versteint?  Ja, müssen wir  hoffen, daß letztlich die Mörder nicht freien willens ihre Untaten tun sondern auch Hitler „nur“ Gottes „Geschirr“  ist. Die Menschheit hat immer gewusst, daß die Leiden der Zeit „verhängt“ sind, Nicht die Schuld Einzelner bilden das Gewicht der Welt sondern wir häufen und tragen alle den überpersönlichen Schuldberg; das kommt „ans Licht der Sonnen“ in Klimakatastrophe und Massenelend.

Wir sind Verstockte, das merken wir selbst am „weiter so“, obwohl wir es bejammern. . Ob Gott uns so hinfällig macht  oder nur zulässt, daß wir böse werden? Die Geschichte vom verstockten Pharao lehrt , daß letztlich Rettung kommt, auch wenn über Tod und Ruinen hin.

 

Noch härtere Bedrückung Israels

Dann gingen Mose und Aaron hin und sprachen zum Pharao: So spricht der HERR, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen, dass es mir ein Fest halte in der Wüste.

Der Pharao antwortete: Wer ist der HERR, dass ich ihm gehorchen müsse und Israel ziehen lasse? Ich weiß nichts von dem HERRN, will auch Israel nicht ziehen lassen.

Geht hin an eure Dienste!

Und  der Pharao befahl am selben Tage den Aufsehern: Ihr sollt dem Volk nicht mehr Häcksel geben, dass sie Ziegel machen, wie bisher; lasst sie selbst das Stroh dafür zusammenlesen. Man drücke die Leute mit Arbeit, dass sie zu schaffen haben und sich nicht um falsche Reden kümmern.

Mose aber kam wieder zu dem HERRN und sprach: Herr, warum tust du so übel an diesem Volk? Denn seitdem ich hingegangen bin zum Pharao, um mit ihm zu reden in deinem Namen, hat er das Volk noch härter geplagt, und du hast dein Volk nicht errettet.

2.  Mose 5

 

Mit voller Überzeugung geht Moses zum Pharao und sagt ihm an: Lass mein Volk ziehen. Es ist einer der stärkste Befreiungsrufe der Menschheit geworden: „Let my people go!“  Viele Befreiungsbewegungen berufen sich auf diese Szene Mose vor Pharao. Noch meint  der ahnungslose Herrscher, den Befreiungsruf  wegwischen zu können. Pharao ist Modell für die die Blindheit der Mächtigen: Wie einst Lenin schnippisch fragte: “Wieviel Divisionen hat der Papst?“- so hielt Pharao das Freiheitsbegehren nur für Einflüsterung, für „falsches Reden“; Mehr Bedrückung würde das Volk schon wieder zum dummen Schweigen bringen.     

Aber Pharao wird den Herrn Israels kennen lernen. Das muß auch Moses glauben- er muß in das zukünftige Wirken Gottes hoffen. Aber statt dessen beschwert er sich, er will die Rettung sofort.  

 

Schlangen als Zeugen

Da sprach der HERR zu Mose und Aaron: Die Ägypter sollen innewerden, dass ich der Herr bin- ich werde meine Hand über Ägypten ausstrecken und die Israeliten aus ihrer Mitte wegführen. Geht hin, mit  dem Pharao zu reden. Der Pharao wird dann verlangen: Weist euch aus durch ein Wunder! Dann sag zu Aaron: Nimm deinen Stab und wirf ihn hin vor dem Pharao, dass er zur Schlange werde!

Da gingen Mose und Aaron hinein zum Pharao und taten, wie ihnen Gott geboten hatte. Und Aaron warf seinen Stab hin vor dem Pharao und vor seinen Großen und er ward zur Schlange. Da ließ der Pharao die Weisen und Zauberer rufen und die ägyptischen Zauberer taten ebenso mit ihren Künsten: Ein jeder warf seinen Stab hin, da wurden Schlangen daraus; aber Aarons Stab verschlang ihre Stäbe. Doch das Herz des Pharao blieb  verstockt.

2.  Mose 7,5- 13

 

Es blieb im Gemeinschafts- Gedächtnis Israels haften, daß der Pharao mit viel Kraftaufwand überwunden werden musste. Gott musste sich mit aller Macht ins Zeug legen, um sein Völkchen in die Freiheit zu führen. Und weil er solche Mühe mit Pharao hatte, ist die Rettung dann ja auch eine Zweite Schöpfung: Gott erschafft  Israels durch Erhebung aus dem Sklavenstand hinauf  zur Gotteskindschaft. Darum ist auch im Nachhinein die Mühe um die Rettung so detailliert erzählt;  erst  ziehen die ägyptischen Zauberer mit Aarons Stabwunder  gleich- dann siegt Gottes Bote doch noch durch eine gesteigerte Demonstration.  Ausgesuchte Qualen mussten auf Pharao gehäuft werden, ja Gott musste seine ganze Fiesheit aufbieten, um letztlich zu triumphieren.   Erst Jesus Christus hat Gott gelehrt- anders gesagt: hat uns offenbart- daß der Zweck die Mittel nicht heiligt, Gott nicht durch Strafen bekehrt.

Die ägyptischen  Plagen

Mose schlug mit seinem Gottesstab aufs Wasser, da verwandelte der Nil sich in stinkendes Blut, sieben Tage lang. Dann wimmelte der Nil von Fröschen, die bis in die Backtröge und die Betten krochen.Und dann kamen Mücken, setzten sich an die Menschen und an das Vieh; aller Staub der Erde ward zu Mücken in ganz Ägyptenland.

Als  vierte Plage kamen die Stechfliegen, dann die Viehpest. Dann kamen als sechste Plage die Blattern, dann Hagel, dann führte der Ostwind die Heuschrecken herbei. Sie fraßen alles, was im Lande wuchs und ließen nichts Grünes übrig an den Bäumen und auf dem Felde in ganz Ägyptenland. Dann fiel eine so dicke Finsternis auf  das ganze Land drei Tage lang, dass niemand den andern sah noch weggehen konnte von dem Ort, wo er gerade war. Aber bei allen Israeliten war es licht in ihren Wohnungen. Da rief der Pharao nach Mose und sprach: Zieht hin und dient dem Herrn.

Dann aber verstockte der Herr das Herz des Pharao, dass er sie doch nicht ziehen lassen wollte. Und  Gott  sprach zu Mose: Eine Plage noch will ich über den Pharao und Ägypten kommen lassen. Dann wird er euch von hier wegziehen lassen, und nicht nur das, sondern er wird euch von hier sogar vertreiben. Und Mose sagte Pharao an: Um Mitternacht will Gott durch Ägyptenland gehen, und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt, und alle Erstgeburt unter dem Vieh. Und es wird ein großes Geschrei sein in ganz Ägyptenland, wie nie zuvor gewesen ist noch werden wird; aber gegen ganz Israel soll nicht ein Hund mucken, auf dass ihr erkennt, dass der HERR einen Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel.

2.  Mose 8-11

 

Die ägyptischen Plagen sind sprichwörtlich geworden für Naturkatastrophen zuhauf. Es ist diese Häufung sicherlich erzählerisches Mittel und nicht historische Abfolge. Auch das Auf und Ab zwischen der himmlischen und der weltlichen Macht ist dramatische Gestaltung. Pharao ist jedermann. Mitten im Schrecken gibt Pharao klein bei; sobald das Leid etwas gelockert ist,  zieht er sein Wort zurück, bis eine weitere Plage ihn zur Einsicht bringt. Doch  sobald der Druck nachlässt, fühlt sich Pharao wieder machtvoll. Braucht es da viel Verstockung? Ist es nicht unsere banale Sünde, von der Macht, vom Gewohnten nicht lassen zu wollen. Wieviel Plagen brauchte es, um Deutschland 1945 zur Kapitulation zu zwingen? Wann gestehen wir Scheitern? Erst wenn das Unbehagen ganz und gar gesättigt ist, sind wir wohl zur Umkehr bereit. 

Einsetzung des Bundesfestes

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm und schlachte es gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen.  So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen mit ungesäuertem Brot.

Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für mich, den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung. Und Mose berief alle Ältesten Israels und sprach zu ihnen:

Und wenn ihr in das Land kommt, das euch der Herr geben wird, wie er gesagt hat, so haltet diesen Brauch. Und wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was habt ihr da für einen Brauch?, sollt ihr sagen: Es ist das Passaopfer des Herrn, der an den Israeliten vorüberging in Ägypten, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser errettete. Da neigte sich das Volk und betete an.

Und zur Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron saß, bis zum ersten Sohn des Gefangenen im Gefängnis und alle Erstgeburt des Viehs.

Da stand der Pharao auf in derselben Nacht und alle seine Großen und alle Ägypter, und es ward ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, in dem nicht ein Toter war.

Und er ließ Mose und Aaron rufen in der Nacht und sprach: Macht euch auf und zieht weg aus meinem Volk, ihr und die Israeliten. Nehmt auch mit euch Schafe und Rinder und Schmuck, nehmt was ihr braucht. Und geht hin und bittet auch um Segen für mich.

Und die Ägypter drängten das Volk und trieben es eilends aus dem Lande; denn sie sprachen: Sonst sind wir alle des Todes. Also zogen die Israeliten aus von Ramses nach Sukkot, sechshunderttausend Mann zu Fuß und die Frauen und Kinder.

2.  Mose 12

 

Das wichtigste Fest Israels –das Passa- ist gestiftet in der Rettung Israels aus Ägypten. Das Blut des geschlachteten Lammes an den Balken ließ den Todesengel   die jüdischen Häuser verschonen. Das ungesäuerte Brot erinnert an die in Eile Aufgebrochenen, die keine Zeit mehr hatten für ordentlich gereiftes Brot. Das jährliche Passafest versammelt die jüdische Familie und nächste Freunde zu gebratenem Lamm und grünen Kräutern und weißem Brot. Kompott wird dazu gereicht aus Feigen und Trauben, die Symbol sind für die Backsteine, die die Hebräer in der ägyptischen Gefangenschaft herstellen mussten. Das Mahl beginnt mit einem Becher Wein, über den der Hausvater zwei Segenssprüche spricht, anschließend wird der Becher weitergereicht. Ein Wasserbecken geht vorher von hand zu hand für die vorgeschriebene Reinigung, Der Senior erklärt dem jüngsten Tischgenossen die verschiedenen Riten, dann bricht er das Brot, das Mahl beginnt- es wird gerahmt von Lobgesängen aus den Psalmen.

Jesus hat mit seinen Jüngern das Passamahl gehalten. Die Christen haben dann das letzte Mahl Jesu zu ihrem Abendmahl- (kath: Eucharistie)  umgeformt: Paulus setzt Jesus mit dem Lamm gleich. Brot und Wein geben sich die Menschen weiter in Vorfreude auf das  gemeinsame Fest im Reich Gottes. 

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Die Wolken- und Feuersäule

Als nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte sie Gott nicht den Weg durch das Land der Philister, der am nächsten war; denn Gott dachte, es könnte das Volk gereuen, wenn sie Kämpfe vor sich sähen, und sie könn- ten wieder nach Ägypten umkehren.

Darum ließ er das Volk einen Umweg machen und führte es durch die Wüste zum Schilfmeer. Und Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland.

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.

Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer [a]Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

2.Mose 13, 17,18,20-22

Warum bewahren die Erzähler den Umstand, daß Gott das Volk auf Umwegen ans rote Meer führte.- Sollte Gott mehr Interesse an der Befreiung Israels gehabt haben, als diese selber. Es ist ganz menschlich, daß die Freiheit unter Kämpfen mehr Mühe macht als das gewohnte Elend. Es ist anrührend, wie Gott sein Völkchen an der Strippe hat, sie keinen Augenblick mit ihren Ängsten alleine lässt.  Wir dürfen uns auch der Gegenwart Gottes sicher sein in den Alltäglichkeiten und den dramatischen Zeiten. Wie sich uns Wolken- und feuersäule gestalten, dafür bekommen wir keine Schnittmuster im Voraus. Aber im Nachhinein haben wir die Treue Gottes erfahren, doch sicher.   

 

Israels Weg zum Schilfmeer

Als es dem König von Ägypten angesagt wurde, dass das Volk geflohen war, wurde sein Herz verwandelt und das Herz seiner Großen und sie sprachen: Warum haben wir Israel ziehen lassen, sodass sie uns nicht mehr dienen? Und er spannte seinen Wagen an und nahm sein Kriegsvolk mit und sechshundert auserlesene Kampfwagen.

Die Israeliten waren unter der Macht einer starken Hand ausgezogen. Doch  Pharao war ihnen auf den Fersen und kam ihnen nahe. Da schrien sie zu dem Herrn und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber genug in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, es ist  besser, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.

Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

Und der HERR sprach zu Mose: Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen. Und der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.

2.Mose 14, 5-20

Wieder dies Murren und Schwanken- jetzt, fürchten sie,  stehen ihnen Gräber in der Wüste bevor- da wären sie lieber in Unfreiheit altgeworden. Aber Mose steht ihnen ein für den Rettenden Gott. Der wird für sie streiten. Wir brauchen auch solche Bürgen, Prediger, Seelsorgende- die uns den Engel des Herrn geben: der beleuchtet die Szene, daß uns das Böse nicht fressen kann und wir uns im Erleuchteten wahrnehmen.   

 

Die wunderbare Rettung

Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der Herr zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken und die Wasser teilten sich. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer.

Als nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der Herr auf das Heer der Ägypter aus der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer und hemmte die Räder ihrer Wagen und machte, dass sie nur schwer vorwärts kamen. Da sprachen die Ägypter: Lasst uns fliehen vor Israel; der Herr streitet für sie wider Ägypten.

Aber der Herr sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass das Wasser wiederkomme und herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Männer. Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der Herr sie mitten ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

So errettete der Herr an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand. Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen.

2.Mose 14, 21-30

Die Nachkommen Jakobs und Leas, Rahels waren in fünf bis zehn Generationen zu einem Völklein herangewachsen. Sie wurden mehr und mehr versklavt und beim Pyramidenbau geschunden. Dann riefen sie zu Gott und der führte sie aus dem „Knechthaus“ Ägypten. Unter Moses Führung  gelang ihnen die Flucht durchs Rote Meer.

Ob das Meer wie Mauern rechts und links Spalier stand, ist nicht sicher. Vielleicht war der historische Kern ein Seenebel, der  den Ägyptern die Sicht versperrte auf die Furt durchs Wattenmeer. Und als sich der Nebel verzog, war Israel schon am anderen Ufer, während die Streitwagen Ägyptens in der heranbrausenden Flut untergingen.

Jedenfalls bedeutete Israel die Tatsache dieses Auszugs den Aufbruch ins Gelobte Land der Verheißung. Tatsache und Bedeutung-  das eine ist das Geschehen, das andere: was es mir bedeutet. Der Glaube stützt sich auf Fakten, die dem Menschen Rettendes bedeuten; ohne Glauben aber nur nackte physikalische Sachverhalte sind.

Der Anfang von Rettung wird immer leuchtender dargestellt, je düsterer die Gegenwart drückt. Und weil der Anfang so voller Zauber war, muß das Gelobte Land endlich erreicht werden. So ist unser denken veranlagt.

Der Durchzug durchs Rote Meer ist ähnlich bedeutungsschwanger wie Jesu Auferweckung von den Toten: Wenn das Rote Meer Grüne Welle hat – so ein Kirchentagsschlager der siebziger Jahre, und der Tod uns vor Gott hinträgt, ist der Weg gesegnet, wie mühevoll er auch gerade ist.  

 

Triumphlied des Moses und der Mirjam

Ich will dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan;

Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

Der Herr ist meine Stärke und mein Heil. Der Herr ist der rechte Kriegsmann,

Des Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer,

seine auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer.

Die Tiefe hat sie bedeckt, sie sanken auf den Grund wie die Steine.

Herr, deine rechte Hand tut große Wunder; Durch dein Schnauben türmten die Wasser sich auf, die Fluten standen wie ein Wall; die Tiefen erstarrten mitten im Meer.

Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern?

Wer ist dir gleich, der so mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig ist?

Und Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und sie sangen: Lasst uns dem Herrn bejubeln, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

2.Mose 15,1-20

Gott ist mehr als der Gute, Gott ist der Ganze. „Mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig“ -  meint so was Umfassendes. Aber Gott als „Kriegsmann“?  Wenn wir gerettet werden aus Krankheit, feiern wir Gott als Arzt, wenn wir gesättigt werden, ist er unser aller Mutter. Wenn er uns vor unsern Feinden in Sicherheit bringt, ist er unser Schirm und Schild. Israel fand seinen Gott unter Wogen und Wind. Fortan feiern sie ihn als den Kriegshelden vom Roten Meer. Und die Ägyptischen Soldaten liegen geschlagen zuhauf. Eine jüdische legende geht so: Als das Volk so ausgelassen den Sieg feierte, sprach Gott: Und ich weine über meine erschlagenen ägyptischen Kinder. Das ist eine Warnung: Wir dürfen Gott nicht auf unsere Fahnen schreiben, er ist kein Vereinsgott. Unsere Feinde sind auch seine Menschen. 

Die Wüste fängt an

Mose ließ Israel ziehen vom Schilfmeer hinaus zu der Wüste Schur. Und sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser.

Dann kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war sehr bitter. Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken?

Er schrie zu dem Herrn und der Herr zeigte ihm ein Holz; das warf er ins Wasser, da wurde es süß.

Und Israel vernahm: Wirst du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der Herr, dein Arzt.

2.Mose 15,  22-26

Schon nach drei Tagen geht ihnen das Wasser aus. Die eben wunderbar Geretteten murren zu Gott wie verwöhnte Kinder. Sie werden noch lernen, daß es nicht bequem ist, Gottes Lieblingskinder zu sein. All die Rettungen müssen nicht auf die zauberähnlichen Weisen passiert sein, wie die Jahrhunderte später entstandenen Texte es sagen. Diese Texte sind geschrieben, nicht um zu sagen, wie es gewesen war, sondern um der gegenwärtigen  Gemeinde Vertrauen zu geben in seinen von Gott geführten Alltag: Was damals so groß anfing, das versickert jetzt nicht im banalen Scheitern. In der Herausführung aus Ägypten, die zahlreichen Bewahrungen des Wüstenweges eingeschlossen, hat Israel für alle Zeit die Garantie, daß Gott zu ihm steht. Besonders für Zeiten der Anfechtung ist diese entfaltete Rettungserzählung geschrieben- Ursprünglich fand Israel endlich Wasser- das begeisterte Erzählen schmückte dann die Rettung aus.

Die ausführliche Darstellung der Rettung aus Ägypten geschieht wohl als Israel ein Königstum und einen  Tempel hatte mit  Priesterschaft und Theologen und gebildeten Schreibern. Da , als der Staat gegründet war suchte man nach seinen Ursrpüngen, fand etwa im Miriamlied und den Geboten die ältesten Texte, aber zu einem großen Gesamtwerk fand man erst die Kraft, als ein zweiter Auszug bevorstand- nämlich die Rückkehr Israels aus dem Exil von Babylon und dann die Neuaufrichtung des Tempels. Also vielleicht tausend Jahre liegen zwischen Auszug aus Ägypten und der Buchwerdung dieser Geschichte. Und das mit der Tendenz: Der Gott , der soviel Rettung schon an Israel vollbracht hat, der hat ein neues vor, neue Rettung, neue Größe.

Auch uns  Heutigen können die Rettungsgeschichten Israel noch Mut machen: Gott ist mit dir unterwegs zu Heil und Frieden. Und er sagt dir: Mittels  aller Medikamente, Mediziner und Helfenden – ich bin der Herr, dein Arzt.

 

Speisung mit Wachteln und Manna

Und einige Zeit später murrte die ganze Gemeinde wieder gegen Mose und Aaron in der Wüste. Und sie sprachen: Wären wir doch in Ägypten geblieben und da dann auch gestorben Wir saßen an  den Fleischtöpfen und hatten Brot die Fülle. Was habt  ihr uns herausgeführt in diese Wüste, dass ihr uns hier  an Hunger sterben lasst.

Da sprach der Herr zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen,

und werde euch am Abend Fleisch zu essen geben. Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag’s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde und Israel fragt: Man ha? So nannten sie dann das Wüstenbrot „Manna“, es schmeckte nach Semmeln mit Honig und Koriandersamen.

Und Mose sprach zu ihnen: sammelt nur, was ihr heute esst. Niemand hebe etwas auf bis zum nächsten Morgen. Aber etliche ließen doch davon übrig bis zum nächsten Morgen; da wurde es voller Würmer und stinkend.

Und die Israeliten aßen Manna vierzig Jahre lang, bis sie in bewohntes Land kamen; bis an die Grenze des Landes Kanaan aßen sie Manna.

2.Mose 16

In diesem Schlusswort ist Wunder und Verzweiflung gebündelt. Die Wüstenzeit war Plackerei- da hat Israel sich zwischendurch oft zurückgesehnt nach dem zwar unfreien aber doch versorgten Alltag in Ägypten. Und Gebot war, immer neu am neuen Tag ausgeliefert zu sein der Gnade Gottes.

Erst im Zusammenleben mit Gott und den Zehn Geboten lernte Israel (und damit die Menschheit) Freiheit und Menschenwürde zu schätzen. Aber der Weg in die Freiheit war Maloche, ist immer Mühe: Wie das Leben in freier Wildbahn verglichen mit dem Zoo, wenn dieses Beispiel unserer nahen Verwandten gestattet ist.  

 

Wie Mose stark blieb

Es kam das Volk Amalek und kämpfte gegen Israel in Refidim.

Da sprach Mose zu Josua: Erwähle uns Männer, zieh aus und kämpfe gegen Amalek. Morgen will ich oben auf dem Hügel stehen, und euch segnen.

Und Josua tat, wie Mose ihm sagte, und kämpfte gegen Amalek. Mose aber und Aaron und Hur gingen auf die Höhe des Hügels.

Und wenn Mose seine segnenden Arme  emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Arme sinken ließ, weil sie ihm schwer wurden, siegte Amalek.

Da  nahmen die beiden einen Stein und legten ihn so, dass Mose sitzen konnte. Aaron aber und Hur stützten ihm die Arme, auf jeder Seite einer. So blieben seine Arme  erhoben, bis die Sonne unterging. Und Mose baute einen Altar und nannte ihn: Der Herr ist mein Siegeszeichen.

2.Mose 17,8-15

Für uns ist es schwierig, Gott als Kriegsherrn zu denken. Wir haben als Deutsche  selbst viel zu viele  Kriege geführt , die wir auch gefördert von  Kirche mit  Gottes Namen gehängt haben. „Mit Gott für Kaiser und Vaterland“ hieß die Parole; und eine andere:„Gott strafe England“. Und wir sind umgeben von Fundamentalisten, die im Namen Allahs den Krieg gegen westliche Freizügigkeit ausrufen und andererseits die, die „Das Reich des Bösen „ meinen niederschlagen zu müssen.

Israel hat aus kleinsten Anfängen sich sein Gelobtes Land erobern müssen, tut es bis heute noch. Israel sieht sich von seinem Gott angetrieben und befördert. Israel geht davon aus, daß ihm das Land vom Urbesitzer der Erde versprochen ist. Völker, die diesem Vorhaben Gottes im Weg stehen, wurden (und werden?) von Israel beiseite gedrängt. Israel sieht sich kämpfend an der Seite des für Israel kämpfenden Gottes. An Jesus geschult, sagen Christen: Krieg darf nicht sein. Ob wir aber uns selbst daran halten, ob wir nicht etwa durch unsere Zahlungskraft die Tische anderer leer essen? Gerade steigt in Mexiko der Preis für Mais dermaßen, daß die Armen fürchten, auf ihre Tortillas verzichten zu müssen- warum? weil die wohlhabenden Länder den Mais aufkaufen als Futtermittel für ihr Vieh.

Doch es ist ein starkes Bild, wie Mose mit segnenden Armen seine Krieger stärkt, und wie ihm Helfer die Schultern darbieten, daß er gestützt, die Arme weiter zum Himmel heben kann. Der Segen ist eine bittende Gebärde, welche die Kräfte Gottes auf die Mitmenschen herableitet, herabfleht. Ob tatsächlich gute Kräfte auf uns kommen, das bleibt Gott vorbehalten; uns bleibt nur starkes Bitten und Vorarbeiten in Richtung des Erhofften.

 

Gott nimmt den Sinai zu seinem Sitz

Sie lagerten in der Wüste am Berg Sinai. Der aber rauchte, der Herr fuhr herab auf den Berg im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen und der ganze Berg bebte sehr. Und der Posaune Ton ward immer stärker.

Als nun der HERR herniedergekommen war auf den Berg Sinai, berief er Mose hinauf auf den Gipfel des Berges und Mose stieg hinauf.

2.Mose 19, 18-20

Die Geschichte Israels hat hier ihre Mitte. Es hat all der Kämpfe bedurft, all die Mühen und Verzichte waren nötig, auch Gottes Langmut war letztlich nur gewährt für dies eine Ziel: Die Zehn Gebote. Gott schenkt Israel und durch Israel der Menschheit  die Grundlagen der Humanität. Israel sieht sich als Hüter des Willens Gottes. Der gipfelt  in diesen Geboten und dem menschlichen Vermögen zum Gehorsam. Noch viele andere Gebotskataloge bewahrt die Bibel, sie bewahrt Reinigungsgebote und Essensgebote und Baugebote und Sabbatgebote die Fülle, daß nur ja nicht die Heiligkeit Gottes beschmutzt werde. Aber die Zehn Gebote, der Dekalog  ist ethischer Sockel für die ganze abendländische Gesetzgebung.

Majestätisch ist die Szene. Nicht einfach vom Himmel gefallen sind die ehernen Worte. Sondern das Volk lagert um den Gottesberg. Mose steigt dem Herrn entgegen, Wolken entziehen dem Volk den Blick in die Höhe.

 

Die Zehn Gebote

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.  Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2.  Mose 20, 2.3

 

Wer darf das sagen: „Ich bin dein Gott“? Damit steht und fällt doch unser Selbstbewusstsein, daß kein Mensch sich als unser Herr aufwerden kann. Und wenn ein Mensch uns zwingt, ihm zu Willen zu sein, dann tut er Unrecht. Und ich tu Unrecht, ihm aus der Hand zu fressen. Ich darf keinen Menschen aufblähen und verzerren zu Gottähnlichem. Gott definiert sich als der, „Der dich aus der Knechtschaft Ägyptens erlöst hat. Das galt zuerst für Israel, aber meint jeden Menschen, gerettet aus der Nichtigkeit, aus dem Totgeweihtsein. Ich bin der Herr dein Gott, der ich dich aus dem Nichtsein erlöst hat.  Gott ist der, der dich ins Sein gerufen hat. Nur der ist es wert, seinen Willen zu tun. Gemessen an Ihm,dem Erschaffer aller dinge, ist alles andere Nichtgott. Dies erste Gebot sichert die gleiche Würde aller Menschen, sie können mehr Geld haben oder mehr Einfluss, aber jeder soll sich wichtig nehmen. Keiner soll sich kommandieren lassen, nicht sich abfüllen lassen mit Parolen, keiner verächtlich denken von sich nicht, von andern nicht, keiner soll eines andern Herr sein. Wir haben nur einen Herrn , alle andern sind wir Brüder und Schwestern. Aus diesem Grundsatz gilt es, auf eine geschwisterliche Menschheit hinzu leben. 

 

Das zweite Gebot

Du sollst dir kein Bildnis von Gott machen, bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.

2.  Mose 20, 4.7

 

Kein Abbild von Gott, kein Imitat, kein Ideal, keine Vision! Wir sollen uns Gott nicht vorstellen, da ja alle Vorstellungen aus dem Irdischen genommen sind und nur ein gesteigertes Irdisches darstellen. Gott ist kleiner als ein Sandkorn und doch ist im Sandkorn die ganze Energie Gottes präsent. Gott geht auf kein Bild, weil er größer ist als die Welt in ihrem Jetztzustand. 

Die Ikone Gottes ist Jesus Christus, mit ihm haben wir Gott vor Augen, wie er zu uns ist; Und vielleicht hält sich Gott Jesus Christus vor Augen, wenn er mal wieder an den realen Menschen irre zu werden droht.

Keiner darf sich zum Helden Gottes ausrufen oder zur Diva, keiner darf Unterwerfung verlangen oder genießen. Im Überschwang kann der Reporter schon mal den Schützen des Siegestores einen Fußballgott nennen- aber wie schnell diese Größen vom Sockel gestoßen werden, das zeigt den himmelweiten Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf.  

 

Bedrohlich -barmherzig

Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter und Mütter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,

aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. 2.Mose 20, 5.6

Gott ist Treiber des Werdens, er betreibt die Geschichte als Weg zum Reich Gottes, wo Fried und Freude lacht.  Geschichte ist immer noch das Gegeneinder von Skrupellosen und Wehrlosen aber mit scharfem Drang zur Versöhnung. Denn Gott will uns heil machen will. Diesem Ziel dient auch die Bestrafung der Missetaten der Väter und Mütter noch an den nächsten Generationen. Offenkundig ist die Verachtung  Deutschlands in der Welt nach Hitler für, zwei, drei  Generationen.  Und die Umweltkatastrophe fordert mit Wucherzinsen zurück, was unser In- Saus- und Brausleben verdarb. Diese Heimsuchungen sind nicht willkürlich prasselnde  Strafen sondern Folgen unseres Tuns. Gott setzt uns den Folgen unseres Tuns aus. Dies jedoch  mit unvergleichlich starker Tendenz zum Retten und Zurechtbringen. Ungeheure Energien von Liebe strahlen in die menschliche Gesellschaft ein; wir werden doch alle mehr geliebt, als wir lieben.  

 

Sonntag

Du sollst den Feiertag heiligen

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.

Aber am siebenten Tage ist der Tag des Herrn. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. In sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und ruhte am siebenten Tage und  segnete ihn.

2.  Mose 20,8-11

 

Die Woche zu sieben Tagen ist eines der ältesten Zeitschemata. Es ist unveräußerliches Kennzeichen des Menschlichen, daß er einen Rhythmus für Arbeiten und Ausruhen und gemeinsames Feiern braucht. Auch ist es ein Akt des Vertrauens in die Lebensgrundlagen, daß sechs Tage Arbeit genügen für das Auskommen  an sieben Tagen.

Und der Mensch braucht Zeit für die Seele, für Meditation, Gebet, Feier, Freude, zweckfreie Gemeinschaft. Es ist ein hohes Gut, daß in unser aller Kalender der Sonntag (der Sabbat) rot angestrichen und herausgehoben ist. Auch wenn wir nicht zum Gottesdienst gehen, werden wir wollen, daß Gottesdienst gehalten wird und das „Vaterunser“ auch in unserm Namen gesprochen wird.

Unsere Gesellschaft hat viele persönliche Wünsche ausgebildet und lässt der persönlichen Freiheit breiten Raum. Darum sind Dienstleistungen auch am Sonntag nötig- etwa 15 Prozent der arbeitenden Bevölkerung arbeitet auch sonntags- ihnen sei Dank.

 

Das 4. Gebot

Du sollst Vater und Mutter ehren

2.Mose 20, 12

 

Eltern achten , schätzen, ehren als die ersten Mitarbeiter Gottes- dies Gebot ist die Brücke vom  Gott achten und den Nächsten. Denn die Eltern haben uns empfangen, haben uns auf die Welt gebracht und großgezogen- weil wir ihnen anvertraut und zugemutet sind.

Eigenartig, daß schon vor dreitausend Jahren dies Gebot mit ehernen Lettern den Erwachsenen ins Herz gewuchtet wurde- anscheinend, war es immer nötig, der im Saft stehenden Generation die Alten fürsorglich ans Herz zu legen.

Aber auch die Alten werden noch besser lernen müssen, die Jungen zu ehren. Vielleicht stehen die rüstigen Rentner auf und lassen in der Vorortsbahn den Platz der müden Alleinerziehenden oder dem Erschöpften mit dem fahlem Gesicht.

„Wer ein Jahr jünger ist, hat keine Ahnung.“ (M. Walser)- Ehren wir die Alten für ihre Erfahrung und die Jungen für den weiten Raum, den sie noch zu bestellen haben.

Leben schützen

Du sollst nicht töten. 2. Mose 20,13

So rigoros, so ganz ohne Einschränkungen steht das Tötungsverbot auf den Gesetzestafeln der Menschheit. In Indien heißt das Gebot: Du sollst nichts Lebendigem den Atem nehmen- und meint auch die Tiere. 

Schon aus Eigeninteresse muß ich die Verpflichtung hochhalten, niemandem ans Leben zu gehen. Aber wenn einer sich schon wie tot fühlt, zombiehaft, ,seelenlos, verachtet, dann wiegt ihm des Andern leben auch nicht schwer. Wir müssen einander zum Leben helfen, schon, weil jedes Leben Gott gehört.

 

Liebe! Und schütze Ehen

Du sollst nicht ehebrechen.

2.  Mose 20 ,15

 

In der ersten Fassung der Gebote ging es nicht um die Liebe sondern um Besitz; die Frau galt als Besitz des Mannes. Inzwischen haben wir von Jesus gelernt und wissen, daß wir einander nicht gehören. Bestenfalls gehören wir zueinander, wissen uns einander anvertraut, wollen uns schützen für Herzeleid. Die Ehe, hat mal einer gesagt, ist das letzte große Abenteuer: Daß zwei sich immer wieder einig werden wollen, die Freuden und Mühen des Lebens –inklusiv Kinder, wenn sie gewährt sind- gemeinsam tragen, und gemeinsam  alt werden -wenn es gewährt ist. Denn die Liebe ist Gottes Atem, und der weht, wo er will. Wir können bestenfalls jetzt (im Trauversprechen) sagen: „Ich will dich lieben und ehren bis daß der Tod uns scheidet.“ Ohne dieses intensive Wünschen, darf man doch gar keine Ehe eingehen. Aber ob wir uns solange lieben können, das ist offen.

Wieviel Befreundung neben der Ehe möglich ist, muß jeder Mensch, jedes Paar selbst erfahren. Wichtig ist es, keinen, auch nicht sich selbst, aus seiner Ehe herauszubrechen, sondern gerade auch des anderen Ehe zu schützen.

Das siebte bis zehnte Gebot

Du sollst nicht stehlen, lügen, gieren, rauben

2.Mose 20,15- 17

 

Dem Andern das Seine nicht nehmen sondern „ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten“ (M. Luther), ist uns aufgegeben. Sein Hab und Gut nicht anrühren und seine Ehre nicht- aber es ist ein dauerndes Ringen um Mein und Dein. Schon die Liebe der Eltern, die Anerkennung der Freunde, die Zuneigung steht immer auf dem Spiel und ob ich erarbeiten kann, was ich meine, nötig zu haben, muß in Konkurrenz zu andern gewonnen werden. Anerkennung und Zeit und berufliche Chancen sind knappe Güter, da kann man schon in Versuchung sein, mit rauem Ton und harten Bandagen  das Seine besorgen. Am meisten wegnehmen lässt sich mit Sprache- über den Mund fahren, die Früchte der Arbeit für sich reklamieren,  Beziehungen spielen lassen, anschwärzen, den Vorteil sich zurechtlügen. Wie lassen wir dem Andern Seins, und sind mit dem Eigenen zufrieden?- Es ist eine Lebensarbeit.

Die Gebote zeigen Gottes Handschrift

Und als der HERR mit Mose zu Ende geredet hatte auf dem Berge Sinai, gab er ihm die beiden Tafeln des Gesetzes; die waren aus Stein und beschrieben von dem Finger Gottes.

2.Mose 31,18

Uralt ist die Vorstellung, Gott habe eigenhändig die Gebote in Stein gegraben. Es ist dies ein starkes Bild für die heilige Urheberschaft. Die Gebote tragen die eigene Handschrift Gottes und haben höchste Autorität bei sich. Sie sprechen für sich.

Versucht auch die Moderne, die ethischen Gebote ohne Gotesbezug hochzuschätzen, so bilden die theologischen Gebote 1-3 doch den Sockel für alle Übrigen. Aus dem Zugottgehören folgt, daß ich keinen Menschen aus seinem Gotteszusammenhang reißen darf. Ist Besitz, Ehe und Ehre eine Gabe, dann ist Diebstahl auch ein Angriff auf Gottes Verfügung.  

 

Anbetung des goldenen Stieres

Als aber das Volk sah, dass Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sprachen sie zu Aaron: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat.

Und Aaron gebot: Reißt ab die goldenen Ohrringe eurer Frauen, Söhne, Töchter und bringt sie zu mir. Und er nahm das Gold von ihren Händen und bildete eine  Form und goss ein Goldnes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat! Und sie brachten dazu Dankopfer dar. Dann setzte sich das Volk, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf zu wilden Spielen.

2.Mose; 32,1-6

Auch wieder eine Menschen-Urgeschichte: Der große Führer scheint verloren gegangen und mit ihm der Garant für die Nähe des Unsichtbaren Gottes. Das Nichtgreifbare , das Unbegreifliche Gottes, ist auszuhalten, wenn wir uns an das Geliebte halten. Gott ist unsichtbar, aber seine Wohltaten sind erkennbar. Gut, wenn ein Mittler da ist,  der die Gottesgnade im Konkreten benennen kann. Mose war einer der größten Mittler der Menschheit. Int ihm geschah die Heiligkeit anfaßbar, unter seiner Führung wurde aus dem Herumirren ein Weg und aus dem Schreien zu Gott die Ahnung von Rettung.

Aber sobald das Bild Gottes, seine Ikone bei den Menschen fehlte, wurden sie ungeduldig und unsicher und wollten ein Faustpfand für Gott, wollten einen Gott zum Anfassen. Und so „verwandelten sie die Herrlichkeit Gottes in das Bild eines Ochsen, der Gras frisst (Psalm 106,20).

Besitz und Zeugungsfähigkeit sind des Menschen stärkste Mächte. Besitz gibt Herrschaft und Sexualität gibt Leben. Der Stier steht für  Zeugungskraft und ist  Sinnbild dafür,  ins Leben zwingen zu können.  Gold steht für macht und Herrlichkeit. Der „Tanz ums Goldne Kalb“ ist sprichwörtlich geworden für Anbetung von nackter Gier.

Moses Fürbitte

Als Mose vom Berg herabstieg und das Spektakel sah, wandte er sich an Gott. Der sprach: Das Volk vergisst schnell, was ich ihm Gutes tat, ich zürne über sie.

Mose aber flehte: Ach Gott, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte? Lass dich des Unheils gereuen. Und Gott ließ ab von seinem Zorn.

2.Mose 32,7-14

Es ist die rettende Erfahrung Israels: Der Grund aller Dinge ist oft enttäuscht über seine Menschenbrut. Aber er kann sie nicht von sich stoßen, er hat zuviel Herzblut an sie –besonders an Israel- verwandt. Mose spricht diesen inneren Konflikt in Gott an. Und wir zehren ja auch von Gottes Großmut- Er darf die Erde nicht verloren geben, sonst steht er ja als Verlierer da. Wir dürfen aber daraus kein Geschäft machen. Die Liebe leidet, das ist ihre Tragik. Wehe. wir sind nur lachende Zuschauer des Niedergangs der Erde.  

Gestopfte Mäuler

Als Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn und er nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und ließ es im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gab’s den Israeliten zu trinken.

2.Mose 32,19

Auch ein Urbild der Menschheit: Daß man den eigenen Mist fressen muss, den man angerichtet hat: Das Gold, mit der Asche zu Pulver vermahlen, wird denen, die Gott vergessen haben eingetrichtert. Sie müssen an dem Ersticken, was sie zu ihrer Glorie aufrichteten. Es ist eine andere Art des zerbrochenen Babylonischen Turmes.  Turm und Stier sollten Bauwerke sein, die der Menschen Größe demonstrierten. Aber Größe aus Gottvergessenheit kann nur zu fall kommen. So müssen sie ihren eigenen Unrat löffeln.

 

Gott wissen  aber nicht sehen

Gott  redete mit Mose wie ein Mensch mit seinem Freunde redet. Gott sprach zu ihm: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen. Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen! Und Gott sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun mein Wesen: Gnade und Erbarmen ist mein Wesen. Aber  mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Irdischer kann mein Antlitz aushalten. Aber meine Nähe sollst du erfahren.  Es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin.

Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen .

2.Mose 33, 11,17-23

Wir können nur seine Wohltaten sehen, nicht Ihn von außen. Grandios, wie Mose das „gesteckt bekommt“-für uns mit. Obwohl Mose  einer der Nächsten zu Gott ist, lässt Gott sich ihm nicht blicken. Den Abglanz seines Antlitzes legt er auf die Gesichter der Säuglinge und der Liebenden, aber er will verborgen bleiben in allen Gesichtern und Blumen und allem Sonnenleuchten. Es gibt Ereignisse, da haben wir Gottes Nähe unmittelbar gespürt, da ist uns  die Beglückung der Gegenwart Gottes geschehen- es ist, als wären wir in einem Spalt gesessen, den Gott beim Erscheinen uns verdunkelt hat. Es ist seine Hand, mit der er sich uns verstellt. Wir können Gott hinterhersehen - wie er uns das Kind in den Arm gelegt hat oder uns neu geboren hat nach einem Unfall. Das ist doch viel. Manchmal schon zu viel.

Nächstenliebe

Und der HERR redete mit Mose und sprach:Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR. Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.

Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat.

3.Mose 19.1.2.18b,33.34

Viele Gebote und Gesetzessammlungen aus verschiedenen Epochen  werden unter die Autorität des Mose gestellt. Besonders wichtig ist das Gebot der Nächstenliebe und das der Fremdenfreundlichkeit.  Den Nächsten lieben wie man sich selbst liebt- das rückt den Andern sehr, sehr nahe. Jedenfalls ist es eine eherne Messlatte: Was wünschst du dir an seiner Stelle? Es bleibt Auftrag, auch die dir Lästigen zu achten und dem Rivalen fair zu begegnen. Mitgesetzt mit diesem Gebot ist: Du sollst dich selbst lieben. Du sollst dich achten als Gottes geliebte Schöpfung- also meine es gut mit dir und stell dir nicht oft selbst ein Bein.

Als Testfall für die Nächstenliebe wird uns der Fremde aufgegeben. Sein Bedürfnis zu spüren und sein obdachloses Außenseiterdasein zu wenden, ist Menschenpflicht. Wir waren ja auch  schon Fremde - und wie gut tat da der eine, der uns herwinkte und Platz anbot und einfädelte in Gesprächsrunde oder Nachbarschaft.

 

Der große  Segen

Gott redete mit Mose und sprach:

Sage Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

„Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

4.  Mose 6,22-27

 

Segnen fleht die heilenden Kräfte Gottes auf Menschen herab. Mit großer Inbrunst spannt der Segenspender die Arme aus, oder berührt mit beiden Händen seitlich den Kopf des zu Segnenden, er spricht diese intensiven Behütungsworte als Widmung, als Weihe, als Gebet, als Gelübde fast. Und Christen schlagen zur Bekräftigung das Kreuz über Gemeinde oder Paar oder dem Einzelnen.

Die Bibel sagt es noch genauer: Es gilt, den Namen Gottes aufzulegen, daß Gott segne. Also nicht die Priester oder Eltern segnen, sie bitten um den Segen, sie stellen unter Gottes Schutz, unter dem der Betroffene ohnehin steht, aber sie vergewissern, sie benennen nocheinmal das Haus aus Segen, das Gott tagtäglich neu errichtet mit seiner Segensenergie.

Gut, wenn wir beim Abschied dem geliebten Menschen mehr zu bieten haben als die Mahnung: “Pass auf dich auf.“ Geben wir ihm mit: „Bleib behütet; sei und bleibe von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Sehnsucht nach dem verheißenen Land

Nach vielen Jahren Wüstenzug schickte Mose Kundschafter los in Richtung Gelobtes Land.

Und sie kamen bis an den Bach Eschkol und schnitten dort eine Rebe ab mit einer Weintraube und trugen sie zu zweien auf einer Stange, dazu auch Granatäpfel und Feigen.

Und nach vierzig Tagen, als sie das Land erkundet hatten, kehrten sie um,

und brachten Kunde, wie es stand, und ließen sie die Früchte des Landes sehen:

Und sie erzählten ihnen und sprachen: Wir sind in das Land gekommen, in das ihr uns sandtet; es fließt wirklich Milch und Honig darin und dies sind seine Früchte.

4. Mose 13, 23,25-27

 

Durch das Volk Israel hat Gott viel der Menschheit beigebracht: Gott ist ohne Abbild, darum ist auch die Natur nicht als  „Double“ Gottes zu ehren, sondern sie ist dem Menschen zu Nutz freigegeben (und anvertraut). Und die Gebote. Und eine Befreiung vom Ring der ewigen Wiederkehr hin zu einer Geschichte mit Ziel; die Menschheit wird ausgerichtet auf die Zukunft und stark mit Hoffnung imprägniert. Israel verdanken wir starke Bilder zukünftiger Freude: Etwa das Goldene Jerusalem, von dem gutes Recht ausgeht. Und die völlig dem Menschen dienende Natur, abgebildet in der nur von zwei Männern zu tragenden Traube und dem Land, darin Milch und Honig fließt. So stark die Bilder auch sind- sie werden an die Wand der Zukunft geworfen. Sie wollen eingelöst werden in Befreundung von Gott und Mensch. Sie sind Utopie (ou topos= hat noch kein Ort), die Verheißungen Gottes gelten jeder Generation und brauchen in jeder Generation die passende Verwirklichung.

Das verheißene Land rückt in weite Ferne

Aber die Männer, die nach Kanaan gezogen waren, sprachen: Wir vermögen nicht hinaufzuziehen gegen dies Volk, denn sie sind uns zu stark.Wir sahen dort auch Anaks Söhne aus dem Geschlecht der Riesen, und wir waren in unsern Augen wie Heuschrecken und waren es auch in ihren Augen.

Da fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie, und das Volk weinte die ganze Nacht. Und alle Israeliten murrten gegen Mose und Aaron und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach dass wir in Ägyptenland gestorben wären oder noch in dieser Wüste stürben!

Warum führt uns Gott in dies Land, damit wir durchs Schwert umkommen? Ist’s nicht besser, wir ziehen wieder nach Ägypten?

Und Gott sprach zu Mose: Wie lange lästert mich dies Volk? Und wie lange wollen sie nicht an mich glauben trotz all der Zeichen, die ich unter ihnen getan habe? Ich will sie mit der Pest schlagen und sie vertilgen und dich zu einem größeren und mächtigeren Volk machen als dieses.

Mose aber sprach zu Gott: Dann werden’s die Ägypter hören und sagen:

Ihr Gott vermochte es nicht, dies Volk in das Land zu bringen, das er ihnen zu geben geschworen hatte; darum hat er sie hingeschlachtet in der Wüste. So lass nun deine Kraft, o Herr, groß werden.

Vergib nun die Missetat dieses Volks nach deiner großen Barmherzigkeit. Und Gott  sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast. Aber so wahr ich lebe und alle Welt der Herrlichkeit Gottes voll werden soll: Keiner von denen, die auszogen, soll einziehen in das gelobte Land. Eure Leiber sollen in dieser Wüste verfallen. Eure Kinder aber, von denen ihr sagtet: Sie werden ein Raub sein, die will ich hineinbringen, dass sie das Land kennen lernen, das ihr verwerft.

4.Mose 13, 28.30 ; 14,1–31(in Auswahl)

Diese Erzählung  ist sechshundert bis tausend Jahre jünger  als der Wüstenaufenthalt Israels. Die Priester-Schreiber haben ihre Gegenwart im Blick. Wieder wartet Israel als verlorener Haufen im Exil, wieder kommt die Kriegsgeneration nicht heim, aber hoffentlich die Enkel, die Urenkel. Wieder kann es nicht sein, daß Gott sie vergessen hat, wie würde Er sonst vor den Völkern blamiert dastehen, daß Er sein Volk  an den Wassern Babylons sich tot weinen lässt.  Wieder lehren die Propheten wie vorher Mose, daß mangelndes Gottvertrauen das ganze Schlamassel heraufgeführt hat.

Die Wüstenzeit ist für Israel  im Ideal die Verlobungszeit des Volkes mit seinem Gott. Dort lernten sie: „Gott wird für euch streiten und ihr werdet stille sein“ (2. Mose 14,14). Aber die ferne Wüstenzeit war auch Vorbild für eine Hoffnung mit bitterem Geschmack. Was  nur Übergang  sein sollte, Wegstück vom Auszug aus dem Knechtshaus Ägypten bis zum Einzug  nach Kanaan- wurde Schmerzenszeit, zerdehnte Zeit- man war des ewigen Anfangs müde geworden (M. Sperber).

Ganze Generationen lagen wüst, ohne Gottesdienst, ohne Aussicht, Gott und ein gelobtes Land zu schauen, ohne überhaupt Spuren zu hinterlassen. Aber irgendwann schlug eine Generation Feuer aus der Asche, ein Heerführer hörte Gottes Ruf: Jetzt geht’s über den Jordan.

Heute und uns gibt Gott die Gebote

Der Herr, unser Gott, hat einen Bund mit uns geschlossen am Sinai

und hat nicht mit unsern Vätern diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir heute hier sind und alle leben. Er hat von Angesicht zu Angesicht mit euch aus dem Feuer auf dem Berge geredet.

5. Mose 5,2-4

 

Schon  früher hatten die Gläubigen das Problem, dass ein „garstig breiter Graben“(Lessing)  sich auftut zwischen ursprünglicher Gottesbegegnung und dem heutigen Zehren davon. Die lange Historie hat die Kraft der ersten Liebe ausgeglüht. Da muss eine neue Erweckung geschehen, die Gegenwärtigen sind gleichgestellt mit den ersten Zeugen: Heute hören wir Gottes Stimme in den Geboten. Und wir leben in Gottes Gegenwart, vor seinem Angesicht. Die Vorigen waren nicht näher dran. Wir sind Gottes Kinder, jetzt.

Den Priestern im 6. Jahrhundert vCh war die aktuelle Gottesbegegnung so wichtig, daß jetzt die wahre Gesetzesverkündigung geschieht. Das muß uns ein Beispiel sein, heute Gott gegenwärtig zu finden. Jetzt ist Sinai, und ich gehorche oder nicht.

 

Jetzt mit in Ägypten

Wenn dich nun deine Kinder morgen fragen werden: Was sind das für Vermahnungen, Gebote und Rechte, die euch unser Gott, geboten hat?  (5. Mose 20) ,Dann sollst du sagen vor: Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf.

Da schrien wir zu dem Herrn, dem Gott unserer Väter. Und der erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen und Wunder, und brachte uns an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt.

5.Mose 26,5-9

Unseren Glauben schütteln wir uns nicht aus dem Ärmel. Wie man die Stadt nicht gebaut hat, in der man wohnt, so ist man auch in den Glauben eingezogen, der einen trägt, an dem man auch weiterbaut, der aber jedenfalls seine Basis  in denen vor uns hat. Heute mit schnellem Internet und Patch-workfamilien verflüchtigt sich die Tradition. Wer erbt schon einen Jahrhunderte alten Bauernhof mit eingeschnitztem Stammbaum der Vorfahren. Allein schon das Verlorengehen der Gräber zeigt ein vollkommenes Aufgehen in der Gegenwart. Jetzt gilt es die Chancen zu ergreifen, jetzt muß man überzeugen, jetzt flexibel und gewinnend sein. Als wäre die einzige Tradition, die zählt, das Geld.

Und doch haben wir Sehnsucht zu einem guten Ganzen zu gehören. Aber die Fußballbegeisterung und Vereinstreue können einen nicht tragen. Gut, wer seine Familie hat, und weiß, wo er hingehört. Aber auch die Kleinfamilie kann nicht ewig bleiben. .

Gibt es was, was immer hält? Was mich immer hält?

Als der Rest des zerschlagenen Israels nach Vertreibung und Exil wieder in seine alte Heimat kam, war die verwüstet und leer.  Was hatte man da an innerem Halt? Was konnte einem Kraft für Zukunft geben? Die Priesterschaft rief den Bau eines neuen Tempels aus und erklärte die Rückkehr aus Babylon  als erneuten Auszug aus Ägypten und  als neue Verkündung des Bundes mit seinem Gott. Dazu half es, daß Israel sich identifiziert mit den Vätern und Müttern des Glaubens und dem Volk Israel, das ins gelobte Land Einzug hält.

Ähnlich sangen sich die schwarzen Sklaven auf den Tabak-Feldern Virginias ihrer Befreiung entgegen, indem sie sich gleichsetzten mit dem Israel, das vor Pharao auszog.

Wir sind  mit der Kirchengliedschaft auch zugehörig dieser langen Tradition. Darum ist es so wichtig, daß wir Eltern und Großeltern unsere Kinder und Enkel einweihen in das Zusammengehören mit Israel und den frühen Christen und  den Generationen, in denen Kirche die Gesellschaft mitgeprägt hat.

Der große Mose bleibt zurück

Und Mose stieg aus dem Jordantal auf den Berg Nebo, gegenüber Jericho. Und Gott zeigte ihm das ganze Land Gilead bis hin nach Dan und das ganze Naftali und das ganze Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das Meer im Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar.

Und Gott sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. - Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber hinübergehen sollst du nicht.

So starb Mose im Land Moab, und Gott begrub seinen Knecht dort. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag.

Mose war hundertundzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden und seine Kraft war nicht verfallen. Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, mit dem Gott sprach  von Angesicht zu Angesicht,

5.  Mose 34

 

Mit Wehmut schließt die große Geschichte von Moses. Viel Idealisierung ist im Laufe der Jahrhunderte an seine Person angewachsen. Doch schon die Urfigur muß große Kraft gehabt haben. Mose hat für immer Gott mit Zukunft und Verheißung und Gebot verbunden und hat Israel an Gott gebunden, Mose ist der Architekt des Bündnisses: „Ich will euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein.“ Bei allem Ungehorsam gibt er Israel und damit der Menschheit ein Existieren vor Gott „auf Augenhöhe“. Gott muß ihm sehr  geliebt haben. Und doch hat Moses gemordet, hat gezweifelt und gehadert. Dem Volk Israel blieb immer im Gedächtnis, daß dieser  Große draußen  vor der Tür bleiben musste. Aber Gott hat ihn von eigener Hand beerdigt- was meinen kann, Gott hat ihn mitgenommen; Mose ist immer bei ihm. 

 

Die Landnahme

Nachdem Mose gestorben war, sprach Gott zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener:

Mein Knecht Mose ist gestorben; so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, zugesagt habe.

Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein.

Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Josua 1,1-6.9

Josua („Gott ist Retter“) ist die sagenhafte begnadete Figur, mit der Gott seinem Volk Heimatland beschafft. – Das biblische Buch Josua ist Teil des großen Geschichtswerkes, das die fünf Bücher Mose, die Bücher Josua, Richter, Samuel und Könige  umfasst- 417 von den 906 Seiten des Alten Testamentes. Es hat die Zeit vom Schöpfungsanfang bis zum Ende des Reiches Israel zu, Thema. Es wurde geschrieben in der babylonischen Exilgemeinde-  nach 587  war ja Jerusalem und sein Tempel zerstört und die gesamte Oberschicht war nach Babylon verschleppt worden. Dort hatte die Priesterschaft Zeit, nachzudenken den Weg Gottes mit seinem störrischen Volk und eine Prophetie zu wagen auf künftige Heimkehr und neues Erstarken unter Gottes Führung. So nahm man die ferne Erinnerung an die Landnahme als Hoffnungsmaterial für den Blick nach vorn. Man wartete auf einen neuen Führer und einen erneuerten Glauben.

Natürlich haben die Geschichten des Josua einen historischen Kern. Der aber ist nicht mehr isoliert zu finden. Was uns geblieben ist, ist das starke Gewebe des Glaubens an den geschichtsmächtigen Gott, der mit seinem Volk durch Leid zur Freude geht. Darum sind auch uns die Erfahrungen Israels ,sei es aus dem 12. oder 6. jahrhundert v. Chr , hilfreich. Jeder Einzelne ist eingeladen,  sich in der wiederholten Geschichte eingebettet zu finden.

Jeder darf auf sich beziehen die wunderbare Zusage Gottes an Josua. Etwa bei der Konfirmation wird dieses starke Segenswort weitergesagt in die nächste Generation: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn Gott, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“-

„Gott mit dir!“ Du bist nicht allein. Es ist eine starke Energie bei dir. Du kannst beherzt an deine Sache gehen. Natürlich ist Gottes Beistand kein Freibrief für Dummheit und Angeberei. „Gott bei dir“-das  macht dich sanft, klug, barmherzig, es entfeindet dir die Welt, du provozierst nicht. Aber es braucht  eine lange  Zeit in der Schule Gottes, ihn eben nicht als Volks-Gott, oder Deinen Privat-Gott -als Garant für deine Vorteile zu sehen. „Gott mit dir“ macht dich nicht zum Sieger.- Das  hat Israel in seiner langen Geschichte mühsam gelernt, das hat Deutschland gelernt, dessen Soldaten einst Koppelschlösser mit der Aufschrift „Gott mit uns„ trugen. Und das muss ich lernen, der ich meinte, auf  Erfolg und Gesundheit ein Recht zu haben.  

 

 

Die Kundschafter in Jericho

Josua sandte zwei Kundschafter aus: Geht hin, seht das Land an, auch Jericho. Sie gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten dort ein.

Das wurde dem Fürst von Jericho angezeigt. Der ließ  Rahab auffordern, die Männer herauszugeben, es seien Spione. Aber die Frau verbarg die beiden; Sie hatte sie aufs Dach steigen lassen und unter Flachsstängeln versteckt.

Und ehe die Männer sich schlafen legten, stieg sie zu ihnen hinauf auf das Dach

und sprach zu ihnen: Ich weiß, dass Gott euch das Land gegeben hat; denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen; wir haben gehört, wie Gott das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat für euch. Seitdem ist unser Herz verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn euer Gott ist allmächtig.

So schwört mir nun bei Gott, weil ich an euch Barmherzigkeit getan habe, dass auch ihr an meines Vaters Hause Barmherzigkeit tut, und gebt mir ein sicheres Zeichen,

dass ihr leben lasst meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern und alles, was sie haben, und uns vom Tode errettet.

Die Männer sprachen zu ihr: Tun wir nicht die Treue an dir, wenn uns Gott das Land gibt, so wollen wir selbst des Todes sein, sofern du unsere Sache nicht verrätst.

Da ließ Rahab sie an einem Seil durchs Fenster hernieder; denn ihr Haus war an der Stadtmauer. Die Männer sagten „Lebewohl“ und vesprachen:

Wenn wir ins Land kommen, so sollst du dies rote Seil in das Fenster knüpfen, durch das du uns herniedergelassen hast, und zu dir ins Haus versammeln deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und deines Vaters ganzes Haus.

Sie sprach: Es sei, wie ihr sagt!, und ließ sie gehen. Und sie gingen weg. Und sie knüpfte das rote Seil ins Fenster. Die Männer kamen heil zurück zu  Josua und sprachen: Gott hat uns das ganze Land in unsere Hände gegeben. Das Land steht offen für uns.

Josua 2

Rahab, die „Männerfreundin“ hat im Jüdischen Heiligenkalender einen guten Namen. Sie hat Gott geholfen, seinem Volk zur Heimat zu verhelfen. Rahab spiegelt, wie Israel das Heilswerk gerne sieht:  So gewaltig ist Gottes Einsatz für sein Israel, daß die andern Völker nur zittern können, ja, zur Verfügungsmasse  „Heiden“ herabgestuft werden.  Die sehen Israels Gott als allmächtig- im Vergleich zu ihren kleinen Lokalgöttern und sagen: „Unser Herz ist verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn euer Gott ist allmächtig.“-

So darf es Israel wohl sehen, aber der an Jesus geschulte Glaube weiß, daß Gott nicht das Glück der einen Kinder mit dem Unglück seiner anderen Kinder erkauft. Wohl sind die Vorräte an Land, Wasser, Nahrung knapp, und wir Menschen finden uns in  Volks- und Interessenverbänden zusammen –um unseren Anteil uns zu sichern, auch gegen andere. Aber  Gott will nicht Krieg, will auch nicht vereinnahmt werden als „unser“ Gott.

Und doch haben immer Menschen für Siege gedankt und für Niederlagen Buß-und Bettage ausgerufen. Israels Einzug ins gelobte Land war ein Jahrhunderte lang dauerndes langsames Einsickern und Sichfestkrallen. Erst im Rückblick wurde es zum kurzen großen Triumphzug, wobei die Einnahme Jerichos und die Hilfe Rahabs ein Markstein war.

Eine kleine Kostbarkeit am Rande:  Der rote Faden, den wir oft brauchen, hat hier einen frühen Ort.

 

 

Die Einnahme Jerichos

Unter Josua waren sie ins Land Kanaan gezogen. Sie hatten den Jordan durchquert, indem sie die Bundeslade mit den Gesetzestafeln mitten im Fluss absetzten. Und die Fluten stauten sich, daß sie hindurchzogen . Und sie kamen zur großen Stadt Jericho. 

Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Israeliten, sodass niemand heraus- oder hineinkommen konnte.

Aber Gott sprach zu Josua: Sieh, ich habe Jericho samt seinem Fürsten und seine Kriegsleuten in deine Hand gegeben. Lass alle Kriegsmänner rings um die Stadt herumgehen einmal und tu so sechs Tage lang. Und lass sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt und lass die Priester die Posaunen blasen. Und wenn man die Posaune bläst und es lange tönt, so soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei erheben, wenn ihr den Schall der Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer einfallen und das Kriegsvolk soll hinaufsteigen und die Stadt einnehmen.  Und so geschah es.

Josua 6,1-5

Die Posaunen, die Jerichos Mauern umbliesen, sind berühmt. Sie stehen für die Hand Gottes, die auch das Unmöglichscheinende möglich machen kann. Wenn sie will. Dürfen wir Gott bitten, zu unserm Vorteil und anderer Nachteil ins Geschehen einzugreifen? Gottes Wesen ist Kraftvergeudung, ist Verschwenden von Liebe. Gott weiß auch unsere Wünsche zu sortieren. Er tut nichts Unrechtes. Darum erfüllt er unsere Wünsche mehr, indem er es anders macht als von uns erhofft.  Hinterher sehen wir, was richtig war.

Ob die Mauern wankten durch den Hall der Posaunen? Israel erzählt es.  Wenn ein hoher Ton Gläser splittern lassen kann, können auch Posaunen Mauern eindrücken, warum nicht? Israel erzählt, daß der Einzug ins gelobte Land eine Kette von Wundern war. Ist mein, dein Leben nicht auch wunderbar?

Die „Posaunen von Jericho“ sind auch ein Bild für Geistige Kraft, die siegt. Nicht nur „Heer oder Macht“ sondern Gottvertrauen und Willen  und  geistiges Ringen bewegen die Welt.

Welche Mauern müssen bei dir einstürzen, daß dir neues Leben blüht?

Entscheidet euch

Josua sprach zum Volk. Achtet Gott, dienet ihm recht und lasst die falschen Götter fahren., Gefällt es euch aber nicht, dem einen Gott zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: Ich aber und mein Haus wollen Gott, dem Herrn dienen.

Josua 21, 13.14

Entschieden werden muß sein. Gott dienen- das ist zuerst ein Nein zum Dienen dem Geld, der Karriere, dem Siegersein. Gott dienen ist seiner Schöpfung dienen- Mitmensch, Mitkreatur sein- nicht zertreten sondern zum Gedeihen helfen, was mutmaßlich der Herr gedeihen lassen will. Gott dienen- ist auch, sich seiner Wohltaten bedienen, Taugen, jenseits von Leistung; sich schwach zeigen dürfen; neu anfangen können. Täglich gibt es ein Entweder-Oder. Machen wir es richtig.

Josuas letzte Vermahnung

Und nach langer Zeit, als Gott  Israel Ruhe gegeben hatte vor allen seinen Feinden ringsumher und Josua nun alt war, berief er ganz Israel und sprach zu ihnen: Ich bin alt und hochbetagt, und ihr habt alles gesehen, was euer Gott, getan hat an allen diesen Völkern vor euch her; denn euer Gott, hat selber für euch gestritten.

Seht, ich hab euch diese Völker, die noch übrig waren, durchs Los zugeteilt, einem jeden Stamm sein Erbteil, alle Völker, die ich ausgerottet habe vom Jordan an bis zum großen Meer, wo die Sonne untergeht.

Und der Herr, euer Gott, wird sie vor euch ausstoßen und vor euch vertreiben, und ihr werdet ihr Land einnehmen, wie euch euer Gott, zugesagt hat.

So haltet nun ganz fest daran, dass ihr alles tut, was geschrieben steht im Gesetzbuch des Mose, und nicht davon weicht, weder zur Rechten noch zur Linken, damit ihr euch nicht mengt unter diese Völker, die noch übrig sind bei euch, und nicht anruft und schwört bei dem Namen ihrer Götter noch ihnen dient noch sie anbetet,

sondern dem Herrn, eurem Gott, anhangt, wie ihr bis auf diesen Tag getan habt.

Der Herr hat vor euch große und mächtige Völker vertrieben, und niemand hat euch widerstanden bis auf diesen Tag. Einer von euch jagt tausend; denn der HERR, euer Gott, streitet für euch, wie er euch zugesagt hat. Darum achtet ernstlich darauf um euer selbst willen, dass ihr den Herrn, euren Gott, lieb habt.

Josua 23

Israel blickt zurück auf seine glücklichste Zeit: Die Zeit der Landnahme – die aber so ideal und schnell gar nicht vonstatten ging.  Als Israel sesshaft geworden ist unter seinen Königen ab 1000 vor Chr., da war im traumhaften Rückblick Gott der wunderbare Held gewesen, der den zwölf Stämmen Israels Heimstatt gab.

Unter dem Namen Josua ist eine Landnahme von Jahrhunderten zusammengezogen. Die hat Gott hervorgebracht für sein Volk –und ein Leben in Gehorsam wäre die einzige richtige Antwort. Die Priester des 6. Jahrhunderts schreiben das große Geschichtswerk von der Schöpfung bis zum Heimatfinden Israels im Gelobten Land. Gerade weil  die Gegenwart anders aussieht, sie ist gezeichnet von Armut, Mutlosigkeit, Ungehorsam und Verweltlichung. Die Propheten müssen Schwerstarbeit leisten, um Gott noch Gehör zu verschaffen. Ein Wiedererrichten des Tempels steht an. Da ist es gut zu erinnern, welchen allmächtigem Gott Israel an seiner Seite hat, auch wenn die goldnen Zeiten innigen Einvernehmens weit zurückliegen. 

Richter

Es sollen umkommen, Gott, alle deine Feinde! Die ihn aber lieb haben sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!

Richter 5,31

Im Buch Richter sind Geschichten der Eroberung Kanaans durch Israel versammelt. Immer wieder taucht der Satz auf „und sie konnten nicht einnehmen“. Doch auch ermutigende Geschichten sind hier überliefert. Groß ist der Stoßseufzer: „umkommen sollen alle Feinde Gottes!  Israel sieht sich als Streiter für die Ehre des Allmächtigen. Israel hält es für ausgeschlossen, diesem Gott nicht die Ehre zu geben. Aus Sicht Israels ist es ein Gott zum Lieben, weil er sich für dieses kleine Volk so müht.  Und sie selber sollen strahlen, die Gottes Namen zum Strahlen bringen.  Die Verheißung gilt auch uns. Gott lieben macht schön- es verklärt die Züge, nimmt den Hass, es schafft Frieden. Gott lieben hilft, sich selbst annehmen und den Nächsten. 

1.      Samuel

 

Hanna, die Frau von Elkana hatte keine Kinder. Aber nach viel Warten und Beten empfing sie und gebar Samuel-„ich habe ihn von Gott erbeten“.

Sie jubelte  und sprach:

Mein Herz ist fröhlich in Gott,

mein Haupt ist erhöht.

Niemand ist heilig wie der Herr, außer dir ist keiner,

und ist kein Fels, wie unser Gott ist.

1.Samuel 1.20; 2,1.2

 

Eine ganz persönliche Not wird gewendet. Und ein jauchzendes Lied findet ins Freie, ein Triumphlied, in das ein Volk seine Not und Rettung mit einzeichnen kann. Es ist ein Heilsruf voller Kraft bis heute.

Die Geburt eines Kindes wird als Schöpfungswerk erlebt. Hanna sieht ihren persönlichen Mangel gewendet, sieht sich als Mitarbeiterin Gottes, als Mitschöpferin. Hat nicht jede Frau, die ein Kind geboren hat, dieses grandiose Gefühl, den Sohn, die Tochter Gottes zur Welt gebracht zu haben? Hanna jedenfalls sieht sich „erhöhten Hauptes“. Und erlebt sich als Verkünderin des Glanzes Gottes. 

Der das Wechselbad des Lebens anrichtet

Der Bogen der Starken ist zerbrochen,

und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.

Die da satt waren, müssen um Brot dienen,

und die Hunger litten, hungert nicht mehr.

Die Unfruchtbare hat sieben geboren,

und die viele Kinder hatte, welkt dahin.

1.  Samuel 2,4.5

 

Es ist eine besondere Leidenschaft Gottes, die Erniedrigten aufzuheben. Und die Hungrigen wieder zu sättigen. Starke sollen nicht stark bleiben, schwache nicht schwach. Wandel treibt die Geschichte. Die Mächtigen haben keine Garantien; “ein Wörtlein kann sie fällen“ (M.Luther). 

Beides

Der Herr tötet und macht lebendig,

Er führt hinab zu den Toten und wieder herauf.

Der HERR macht arm und macht reich;

er erniedrigt und erhöht.

Er hebt den Dürftigen aus dem Staub

und erhöht den Armen aus der Asche,

dass er ihn setze unter die Fürsten.

Denn der Welt Grundfesten sind des Herrn.

1.Samuel 2,6-8

 

Alle Macht, alle Energien gehören Gott. Leben anrichten, es erhalten und dann auch ausgehen lassen ist seine Sache. Aber er hat keine Freude an Schmerzen, Jammer, Tränen. Seine Leidenschaft ist Freude, Liebe, Gelingen. Doch der Lauf der Natur zerstört auch, und seine geliebten Menschen können zu Mördern werden. Und es ist seine Natur und es sind seine Menschen.

Gott übernimmt für alles letztlich die Haftung, der Fluß des Lebens fließt in ihm, alles Grauen  fällt auf Gottes Seele. Darum aber hat aller Jammer Hoffnung bei sich, alle Tränen der Nacht warten auf den neuen Morgen. Schon ist Aussicht auf  Besserung. Schon werden viele Arme gerettet. Schon ist viel mehr Freude als Hass, sonst wären wir längst untergegangen. Das kommt davon, daß Gott eine Tendenz zum Guten ins Werden eingesät hat. Sie aufspüren, sie mehren, sie feiern ist unser Auftrag, 

 

König Saul

Der Prophet Samuel sprach zu Saul: Gott hat mich gesandt, dass ich dich zum König salben sollte über sein Volk Israel. Jahre nach der Herrschaft Sauls geschah Gottes Wort zu Samuel:

Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt. Darüber wurde Samuel zornig und schrie zu Gott die ganze Nacht. Dann ging er zu Saul und richtete ihm Gottes Wort aus: Du hast Gottes Weisung verworfen. Weil du sein  Wort verworfen hast, hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König seist.

Und Samuel wandte sich um zum Weggehen. Da ergriff ihn Saul bei einem Zipfel seines Rocks; aber der riss ab. Da sprach Samuel zu ihm: Gott hat das Königtum Israels heute von dir gerissen und einem andern gegeben, der besser ist als du. Und Samuel sah Saul fortan nicht mehr bis an den Tag seines Todes. Aber doch trug Samuel Leid um Saul, weil es den HERRN gereut hatte, dass er Saul zum König über Israel gemacht hatte.

1.  Samuel 15,1.11,23,27.28.35

 

Das  Werden des Königstums in Israel liegt im Dunkeln. Es gab VolksStämme mit charismatischen Führern, Irgendwann vor etwa 1000 bis 1100 Jahren v.Ch. hatten die Stämme Israels soweit zusammengefunden, daß sie einen Bund unter einem König, entsprechend den Ländern ringsum wollten. Der erste König Saul war glücklos. Der Prophet Samuel, der eigentlich im Königtum den Abfall vom einzigen König: Gott allein sah,hatte widerwillig Saul zum König gesalbt. Als er jetzt diesem die Kündigung überbringen sollte, war ihm Saul ans Herz gewachsen und er haderte mit Gott, fügte sich dann aber doch.

Israel hatte ein einzig inniges Verhältnis zu Gott, Israel konnte mit Gott schimpfen und ihm auch unterjubeln, er sei wankelmütig. Wenn Israel annimmt, Gott könne auch Fehler machen, dann ist es nur menschlich von Gott gedacht, daß ihn auch was reuen kann. Seit Jesus denken wir da anders drüber. Gott weiß, was aus was wird. Und er will nicht mehr sich die Schöpfung des Menschen gereuen lassen. Er steht zu seinem Werk und wird es vollenden. Bis dahin leidet er die Grausamkeiten seiner Menschen und das Leid aller Kreatur mit. 

 

David wird zum König gesalbt

Und Gott sprach zu Samuel: Fülle dein Horn mit Öl und geh hin: Ich will dich senden zu dem Bethlehemiter Isai; denn unter seinen Söhnen hab ich mir einen zum König ersehen.

Und Samuel kam nach Bethlehem. Und sprach: Mein Kommen bedeutet Heil. Kommt mit mir zum Opfer. Da heiligte er den Isai und seine Söhne.

Als sie nun kamen, sah er den Eliab an und dachte: Fürwahr, das ist der Gesalbte.

Aber Gott sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs. Menschen sehen, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.

Da rief Isai den Abinadab und ließ ihn an Samuel vorübergehen, ebenso seine anderen Söhne. Aber Samuel sprach zu Isai: Gott hat keinen von ihnen erwählt.

Und Samuel sprach zu Isai: Sind das alle Knaben? Er aber sprach: Es ist noch übrig der

jüngste; der hütet die Schafe. Da sprach Samuel zu Isai: Sende hin und lass ihn holen; Da sandte er hin und ließ ihn holen. Und Gott sprach: Auf, salbe ihn, denn der ist’s.

Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist Gottes geriet über David von dem Tag an.

1.Samuel 16, 1-13

Eine Geschichte mit Hintergrund: Schon bald entwickelt sich in Israel ein Königstum der Erbfolge- die Erinnerung entschwand, daß Gott selbst der König Israels sei und sogar als Heerführer dem streitbaren Volk vorausging. Die ersten beiden Könige werden noch erwählt durch den Propheten. Der weiß, wen Gott meint. Doch auch er ist bedroht, durch augenscheinliche Begeisterung. Auch er muß lernen, dass für Gott die inneren Werte zählen. Hinter der Herde hervorgegriffen wird der später so große David. Es soll eingeschärft bleiben, daß der Mensch zum Helden wird, indem Gott ihn besetzt, ihn begeistert.

„Von Jesse kam die Art“ singt das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“- Die „Wurzel Jesse“ aus Bethlehem weist zurück auf die Vorfahren, die glaubensstarke Ruth, Jakob und Abraham- den „Vater des Glaubens“. Durch Jesu Geburt in Bethlehem wird später klargestellt, daß der leibliche Vater Jesu, Josef „aus dem Hause und Geschlechte Davids“ stammt, also von weit her gewollt ist. 

 

David kommt an Sauls Hof

Der Geist des Herrn aber wich von Saul und ein böser Geist von Gott her ängstigte ihn.

Da sprach Saul zu seinen Leuten: Seht euch um nach Einem, der des Harfenspiels kundig ist, dass er mir spiele, wenn der böse Geist Gottes über mich kommt. Einer der Berater Sauls wusste, daß ein Sohn Isais  Harfe spielen konnte. Man rief ihn und so kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb und er wurde sein Waffenträger.

Und  sooft der böse Geist von Gott über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf. So wurde es Saul leichter und es ward besser mit ihm und der böse Geist wich von ihm.

1.  Samuel 16,14-23

 

Bedrückend ist der Verfall, den ein Mensch erleiden muß, sehenden Auges. Saul weiss um sich. Er fühlt seine guten Kräfte schwinden und dass böse Ängste ihn besetzen. Ist Gott Urheber aller Macht, ist auch böser Geist  aus seinem Schatz- und wenn es nur so ist, daß der gute Geist nachlässt und dadurch die von Gott erfundenen dunklen Instinkte durchbrechen. Wenn alle guten Kräfte von Gott kommen, ist der Mangel guter Kräfte auch von Gott – er bleibt zuständig und verantwortlich. Wahrlich schwer ists- Gott zu sein.

Zu den guten Kräften gehört sicher die Musik.  Ein guter Gesang wischt die Angst vom Herzen- schon mitsingen, mitklingen dürfen, verschafft Luft gegen die Erstickung an sich selbst. Luther sagte: „Die Musik ist aller Bewegung des Herzens eine Regiererin. Nichts auf Erden ist stärker, die Traurigen fröhlich, die Fröhlichen nachdenklich, die Verzagten mutig zu machen und die Überheblichen zum Maßhalten zu führen- und  Neid und Hass zu lindern als die Musik.“

 

Immer noch David gegen Goliat

Die Philister sammelten ihr Heer zum Kampf und auch die Männer Israels unter König Saul kamen zusammen und rüsteten sich zum Kampf. Da trat aus den Reihen der Philister ein Riesenkerl auf mit Namen Goliat.  Der war mit  Helm, Schuppenpanzer und Bein-Schienen geschützt, er trug einen eisernen Wurfspieß auf seiner Schulter, ein Schildträger ging ihm voran.

Der Riese baute sich vor Israels Heer auf und rief: Erwählt einen unter euch, der zu mir herabkommen soll. Kann er gegen mich kämpfen und erschlägt mich, so wollen wir eure Knechte sein; vermag ich aber über ihn zu siegen und erschlage ihn, so sollt ihr unsere Knechte sein und uns dienen. Als Saul und ganz Israel diese Rede des Philisters hörten, fürchteten sie sich sehr.

Es gab da aber einen Jüngling namens David; der war der Sohn des Isai aus Bethlehem Efrata in Juda. Der hütete noch  die Schafe der Eltern. Einmal brachte er wieder seinen Brüdern, die in den Diensten Sauls standen, zu essen. Und als er noch mit ihnen sich unterhielt, da kam der Goliat herauf und redete Hohn und Spott  gegen  Israel.

König Saul  aber lobte hohe Belohnung aus: Wer ihn erschlägt, den will der König reich machen und ihm seine Tochter geben und will ihm seines Vaters Haus frei machen von allen Steuern.

Da sprach David zu den Männern: Bringt mich vor Saul und man brachte ihn zum König.

Und David sprach zu Saul: Seinetwegen lasse keiner den Mut sinken; dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen. Ich hab als Hirte Löwen und den Bären erschlagen, und der Gott, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister. Und Saul sprach zu David: Geh hin, der HERR sei mit dir!

Und David nahm seinen Stab in die Hand und wählte fünf glatte Steine aus dem Bach und tat sie in die Hirtentasche, die ihm als Köcher diente, und nahm die Schleuder in die Hand und ging dem Philister entgegen.

Der sprach zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit Stecken zu mir kommst? Und der Philister fluchte dem David bei seinem Gott

David aber sprach zu dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen Gottes, des Herrn der himmlischen Heerscharen, den du verhöhnt hast.

Heute wird dich Gott in meine Hand geben. damit alle Welt innewerde, dass Israel einen Gott hat,und damit diese ganze Gemeinde innewerde, dass Gott nicht durch Schwert oder Spieß hilft; denn der Krieg ist Gottes Sache und er wird euch in unsere Hände geben.

Und David tat seine Hand in die Hirtentasche und nahm einen Stein daraus und schleuderte ihn und traf den Philister an die Stirn, dass der Stein in seine Stirn fuhr und er zur Erde fiel auf sein Angesicht.

So überwand David den Philister mit Schleuder und Stein und traf und tötete ihn. Als aber die Philister sahen, dass ihr Stärkster tot war, flohen sie alle.

1.Samuel 17 in Auswahl

David gegen Goliat –das ist bis heute Muster für das feindliche ungleiche Paar. Der Riese steht für Macht, der Junge für Gewitztheit. Der eine für Getöse und große Reden, der Kleine für Gottvertrauen. David ist auch der Held für steinewerfendes Jungvolk gegen Militär und Panzer; der entgegenstürmende David steht auch  für Partisanen, die die große Militärmaschine überrumpeln. Und David steht für alle, die für eine Überzeugung  streiten; ja, die im Namen ihres Gottes kämpfen.

Fraglich ist, ob David einen oder vier Steine bei sich hatte- ob er also alles auf eine Karte setzt. Wenn Gott diesen Krieg kämpft, reicht einer. Aber auch der zweite oder dritte Versuch kann gesegnet sein.

Diese Geschichte ist auch Modell für das Nichtunterkriegenlassen  in scheinbar aussichtlosen Lagen. Wenn Gott für dich den Krieg kämpft, dann setz auf Geduld, Vernunft, Entgegenkommen. Argumente statt Waffen. Alle Zukurzgekommenen haben immer noch Gott auf ihrer Seite. Da kann ein Wörtlein die Sache wenden. Im Lutherfilm spielte Peter Ustinow den Kurfürsten Friedrich, der  mit Geschick und List und Zeitverzögerung dem großen Kaiser Maximilian  den Mönch abluchste und in die Sicherheit der Wartburg verbrachte. Und so wurde die Reformation.

2.SAMUEL

Saul  hatte den Krieg gegen die Philister verloren, auch sein Sohn Jonatan war umgekommen. Da wollte Saul nicht mehr leben und stürzte sich in sein eigenes Schwert. David aber hielt Trauer um Saul und Jonatan . Dann wurde er König über Israel und Jerusalem, er wurde groß und mächtig.

Gottes Verheißung für David und sein Königtum

Eines Tages, als der König in seinem Hause saß und Gott  ihm Ruhe gegeben hatte vor allen seinen Feinden, sprach er zu dem Propheten Nathan: Das kann doch nicht angehen: ich wohne in einem Zedernhause, und die Lade Gottes wohnt unter Zeltdecken. Ich will dem Herrn ein Haus bauen.

Aber Gott ließ ihm durch Nathan ausrichten: Wenn deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich deinem Nachkommen dein Königtum bestätigen.

Der soll meinem Namen ein Haus bauen. Dein Haus und dein Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein Thron soll ewiglich bestehen. Ich will sein Vater sein und er soll mein Sohn sein.

Als Nathan dies dem David gesagt hatte, da fiel der König vor Gott nieder und sprach: Wer bin ich, dass du mich bis hierher gebracht hast? Und was soll ich dir noch sagen? Du kennst ja deinen Knecht, Herr mein Gott

Und du hast dir dein Volk Israel zubereitet, dir zum Volk für ewig, und du bist ihr Gott geworden.

Mit deinem Segen wird deines Knechtes Haus gesegnet sein ewiglich.

Aus 2. Samuel 7

Das ist ein großes Stück Theologie, ein abschließendes Denkstück  von der Vertrautheit Davids mit Gott und dessen weitreichender Verheißung.

Gut möglich, daß David voll überschäumender Dankbarkeit mal Gott ein großes Haus bauen wollte. Dieser gute Wille aber wird von Gott selbst vertagt auf den Nachfolger- eine entscheidende Korrektur wird festgeschrieben: Nicht Gott bekommt ein Haus- höchstens der Name bekommt – eine Schatulle? Dies legt fest, daß die Gegenwart Gottes nicht hinter schloss und Riegel genommen werden kann.

Aber Gott legt sich fest auf Israel als „sein Volk“- und den König als seinen Sohn. Der König wird zum Sohn Gottes adoptiert- was später ein Denkmuster für die Gottessohnschaft Jesu abgibt.

 

 

Davids große Schuld

Eines Tages gab  er dem Kriegsherrn Joab den Befehl, mit seinen Truppen Krieg zu führen gegen die Ammoniter. David aber blieb in Jerusalem. Eines Abends erging sich David auf dem Dachgarten des Königshauses; da sah gegenüber eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt. Und David ließ nach der Frau fragen und man sagte: Das ist Batseba, die Frau des Hauptmanns Urias.

David ließ sie holen und schlief mit ihr. Und die Frau wurde schwanger und ließ David das ausricheten. David aber sandte zu Joab: Gib Uria ein paar Tage frei, daß er sich um seine Frau kümmere, gib ihm Geschenke mit.

Aber Uria legte sich schlafen vor der Tür des Königshauses, wo alle Kriegsleute seines Herrn lagen, und ging nicht hinab in sein Haus.

Als man das dem David ansagte, ließ er Uria kommen und fragte ihn, warum er es sich nicht gut gehen lasse bei dem kurzen Heimaturlaub.

Uria aber sprach zu David: Die Kameraden liegen auf freiem Felde, und ich sollte in mein Haus gehen, um zu essen und zu trinken und bei meiner Frau zu liegen? So wahr Gott lebt: Ich tue so etwas nicht. David aber lud ihn ein, und machte ihn betrunken. Und  er ging trotzdem nicht hinab in sein Haus.

Am andern Morgen schrieb David einen Brief an Joab und sandte ihn durch Uria.

Er schrieb in dem Brief: Stellt Uria an die vorderste Front; dort, wo der Kampf am härtesten ist, und zieht euch hinter ihm zurück, dass er erschlagen werde und sterbe.

Als nun Joab die Stadt belagerte, stellte er Uria dorthin, wo er wusste, dass dort eine Übermacht war. Und Uria starb, wie geplant.

Und als Urias Frau hörte, dass ihr Mann Uria tot war, hielt sie die Totenklage um ihren Ehemann. Sobald sie aber ausgetrauert hatte, sandte David hin und ließ sie in sein Haus holen, und sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Aber Gott  missfiel die Tat, die David getan hatte.

Aus 2. Samuel 11

Auch der von  Gott Erwählte ist nicht vor Sünden geschützt. Ja,  bei den großen Lichtern  des Herrn ist auch viel Schatten. Aber Gott geht mit dem Menschen und seiner Last. Es bleibt die Frage, warum  Gott so in die Falle von Schuld tappen lässt. Das ist wohl des Menschen Glanz und Elend- daß ihm vorgelegt wird gut und böse und er entscheiden muß.

An David zeigt sich die Versuchung der Macht. Er ist gierig, die Frau sich zu Willens zu machen; die Liebesnacht bringt eine Zeugung hervor. Der im Krieg weilende Ehemann wird nach Haus beordert, das Lieben der Eheleute soll den Seitensprung vertuschen.  Der Mann  will aber keine Vorzugsbehandlung, er geht nicht nach Hause- so wird er leider umgebracht. Und der Feldherr kuscht und die Frau kuscht und der König feiert nach der Schamfrist Hochzeit mit der Witwe des von ihm Ermordeten.

Gut, daß Gott weiß. Wäre Gott nicht, wäre alles erlaubt, so Dostojewski. Aber Gott missfiel.. ist die Rettung, daß wenigstens Böses böse genannt wird.

Nathans Strafrede.

Und Gott sandte den Propheten Nathan zu David. Der sprach zu ihm: Höre zu:  Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm.

Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß würde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß und er hielt’s wie eine Tochter.

Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er’s nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten- sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.

Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr Gott lebt: Der Mann ist des Todes, der das getan hat!

Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann!

So spricht Gott: Es soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen und auch dir soll die Frau genommen werden. Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen Gott. Nathan sprach zu David: So hat auch Gott deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.

Aber weil du die Ungläubigen durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.

Aus 2. Samuel 12,1-14

Grandios ist Nathans Bußpredigt- ein Muster der Entlarvung Der eben noch meinte, Richter zu sein, erkennt sich als Täter. Sein Richtspruch trifft ihn selbst. David bekennt sich schuldig und bereut. Er übernimmt Strafe. Er geht an ein anderes Leben.

Das Sterben des Kindes als Strafe ist uns nicht nachzuvollziehen. Aber die Früheren billigten dem Kind noch keinen Eigenwert zu. Die Frau war noch Besitz des Mannes und das Kind Besitz des Vaters. Erst in längerem Umgang Gottes mit den Menschen wird erkennbar, daß die Würde jedes Menschen unantastbar ist.

David führte Krieg um Krieg, er gründete das Königreich Israel , mit „seiner“ Stadt Jerusalem als Mittelpunkt und Klammer der beiden Reiche Israel und Juda. Israel hatte eine Ausdehnung die nie mehr übertroffen wurde, was Grundlage war für die später  aufkommende Sehnsucht nach der Wiederkunft eines neuen Davids. Die Söhne Amnon und Absalom starben, nachlangem Zögern in hohem alter setzt er seinen Sohn Salomo als Nachfolger ein. Sein heilsames Singen und Saitenspiel war berühmt, viele Psalmen sollen auf ihn zurückgehen.  

 

1.Könige

Und Salomo nahm die Tochter des Pharaos von Ägypten zur Frau und brachte sie in die Stadt Davids, aber es brauchte  noch viel Zeit, bis er sein Haus und Gottes Haus und die Mauer um Jerusalem gebaut hatte.

Salomo aber hatte Gott lieb. Und Gott  erschien Salomo im Traum des Nachts und sprach: Bitte, was ich dir geben soll!

Salomo sprach: Ich bin noch jung und ahnungslos.

Gib du deinem Knecht ein gehorsames Herz, damit er dein Volk richten könne und verstehe, was gut und böse ist.

Das gefiel dem Herrn gut. Und Gott sprach zu ihm: Du bittest klug. So ich gebe dir ein weises Herz Und dazu gebe ich dir, worum du nicht gebeten hast, nämlich Reichtum und Ehre.

Und wenn du in meinen Wegen wandeln wirst, dass du hältst meine Satzungen und Gebote, so werde ich dir ein langes Leben geben.

Und als Salomo erwachte, siehe, da war es ein Traum. Und er kam nach Jerusalem und trat vor die Lade des Bundes des Herrn und opferte Brandopfer und Dankopfer und machte ein großes Festmahl.

1.      Könige 3, 1-15

König Salomos Regierungszeit von 962-926 war Israels große Zeit. Das Reich erlebte die größte Ausdehnung. Der Tempel wurde in Jerusalem am Königssitz gebaut. Die Stadt wird die Klammer für Israel und Juda. Salomo muß wohl klug und fromm gewesen sein- eine glückhafter Mischung. Klugheit lehrt, die Wirklichkeit zu nutzen in den Grenzen des Erlaubten. Die Gebote sind ihm Leitlinien für gelingendes Leben. Großmut und Dankbarkeit gegen Gott und das Leben zeichnen ihn aus. Er kann Dienen und Genießen zusammenhalten, kann leuchten ohne zuviel Schatten zu werfen. Seine Weisheit ist sprichwörtlich geworden.

 

Salomos Urteil

Es kamen zwei Frauen mit einer Klage zu König Salomo. Und die eine sprach: Ach, mein Herr, ich und diese Frau wohnten in einem Hause und ich gebar dort.

Drei Tage später gebar auch sie. Und der Sohn dieser Frau starb in der Nacht; sie hatte ihn im Schlaf erdrückt. Sie stand in der Nacht auf und nahm meinen Sohn von meiner Seite, als deine Magd schlief, und legte ihn in ihren Arm, und ihren toten Sohn legte sie in meinen Arm.

Und als ich des Morgens aufstand, um meinen Sohn zu stillen, siehe, da war er tot. Aber ich  sah ihn genau an, und ich erschrak- es war nicht mein Sohn, den ich geboren hatte.

Die andere Frau sprach: Nein, umgekehrt: mein Sohn lebt, doch dein Sohn ist tot. Und jene: Nein, dein Sohn ist tot, doch mein Sohn lebt. Und so redeten sie vor dem König.

Und der König sprach: Diese spricht: Mein Sohn lebt, doch dein Sohn ist tot. Jene spricht: Nein, dein Sohn ist tot, doch mein Sohn lebt. Holt mir ein Schwert! Und als das Schwert vor den König gebracht wurde, sprach der König: Teilt das lebendige Kind in zwei Teile und gebt dieser die Hälfte und jener die Hälfte.

Da sagte die Frau, deren Sohn lebte, zum König - denn ihr mütterliches Herz entbrannte in Liebe für ihren Sohn - und sprach: Ach, mein Herr, gebt ihr das Kind lebendig und tötet es nicht!  Da antwortete der König und sprach: Gebt dieser das Kind lebendig und tötet’s nicht; die ist seine Mutter.

Und ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie fürchteten den König; denn sie sahen, dass die Weisheit Gottes in ihm war, Gericht zu halten.

1.      Könige 3,16-28

 

Vernunft und gesunder Menschenverstand, Menschenkenntnis und hellsichtige Wachheit sind Gaben Gottes- König Salomo wurde weise genannt, Seine “Sprüche „, seine Sentenzen und diese Geschichte machten ihn weltberühmt.

Zwei Frauen streiten um ein Kind, beide geben sich als die Kindsmutter aus.  Im „Kaukasischen Kreidekreis“ (nach B. Brecht) sollen die Mütter eine Entscheidung herbei führen, indem sie eigenhändig das  Kind zu sich ziehen sollen. Ob Schwert oder Reißen- eine Frau gibt nach: Lieber will ich verzichten , als dem Kind Leid zuzufügen.  Und der weise König ernennt sie zur wahren Mutter.

Damit ist ein Grundsatzurteil zugunsten des Kindes gefällt: Mutter ist , wer mütterlich mit dem Kind umgeht, nicht unbedingt die, die geboren hat. Nicht Fleisch und Blut sondern die Liebe macht einander verwandt.

Das ist die zweite Schwächung des Blut- und Bodenrechtes der Urzeit. Vorangegangen war schon das Verbot des Kindesopfers. Abraham darf den Sohn Isaak nicht opfern, selbst wenn er den Befehl dazu von seinem Gott erhalten haben sollte; das ist Gottes Auftrag. 

Sowohl bei Abraham als bei Salomo bricht sich die Erkenntnis Bahn: Die Eltern sind für die Kinder da, die Gegenwart soll der Zukunft Chancen einräumen. Ein weites Feld.

 

Salomo baut den Tempel

Salomo war Herr über alle Königreiche vom Euphratstrom bis zum Philisterland und bis an die Grenze Ägyptens. Er hatte Frieden mit allen seinen Nachbarn ringsum,

Juda und Israel wohnten sicher, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, Und Salomo ging daran, dem Namen des Herrn, seines Gottes, ein Haus zu bauen.

Es wurde sechzig Ellen lang, zwanzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch,

dazu eine Vorhalle und Umgang mit  Seitengemächern. Salomo überzog das Haus innen und außen mit reinem  Gold.

Auch ließ Salomo alles Gerät machen, das zum Hause Gottes gehörte: den goldenen Altar, den goldenen Tisch, auf dem die Schaubrote liegen. Zwei goldene Cherubim spannten ihre Flügel aus von einer Wand zur andern.

Dann versammelte der König Salomo die Häupter der Stämme und Obersten der Sippen in Israel nach Jerusalem, um die Lade des Bundes einzubringen im  Allerheiligsten, unter den Flügeln der Cherubim.

Und es war nichts in der Lade als nur die zwei steinernen Tafeln des Mose, die er hineingelegt hatte am Horeb, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel schloss, als sie aus Ägyptenland gezogen waren.

1.      Könige 5-8

 

Der erste jüdische Tempel war ein Werk edler Baukunst und ehrfurchtgebietender Ausstrahlung. Er löste die vielen kleinen Kultstätten im Land ab und gab den zentralen Ort für den dort zur Blüte gebrachten  jüdischen Glauben. An diesem Zentralort  gab es in enger Bindung ans Königshaus eine starke Priesterschaft. Neben Gottesdiensten und Opferhandlungen war die Rechtsauslegung beim Tempel angesiedelt. Eine  wissenschaftliche Elite sammelte erstellte kopierte die Heiligen Schriften und stritt um die Theologie- das rechte Verständnis von Gottes Geschichte mit den Menschen  und um das rechte Menschsein im Alltäglichen. Später ging es immer mehr um die korrekte Anwendung der Gebote. Vor allem durch immer genauere Unterscheidung von rein und unrein hoffte Israel das besondere Rechtsverhältnis mit Gottes sichern zu können. Die Propheten kämpften bald für einen Herzensgehorsam, jenseits von  Zeremonien und opernhaft dargebrachten Opfern.  

 

Wo wohnt Gott

Bei der Weihe des Tempesl  erfüllte die Wolke das Haus des Herrn-

die Herrlichkeit Gottes erfüllte das ganze Haus.

Aber Salomo sagte: Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt, von sich aber hat er gesagt: (zu Mose im 2. Buch Mose, 20,21): „Im Dunklen will ich wohnen“.

Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe.

Und zu Gott sprach er: Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Tag und Nacht.

Sei mit uns, wie du mit unsern Vätern gewesen bist. Verlass uns nicht und ziehe die Hand nicht ab von uns.

Neige du unser Herz zu dir, dass wir wandeln in allen deinen Wegen und halten deine Gebote. Ungeteilt sei unser  Herz bei dem Herrn.

Aus 1. Könige 8

Wir gehen von der Anwesenheit Gottes in seiner Gemeinde aus, das Wort Jesu im Sinn: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Matthäus 18,20). Das schließt aber Gott nicht ein inden Versammlungsraum. Die Herrlichkeit Gottes kann bei uns sein ohne woanders nicht auch voll da zu sein. Salomo wehrt mit seiner Mahnung „alle Himmel können Gott nicht fassen“, die volkstümliche Vorstellung ab, daß der Tempel die ausschließliche Wohnung des Herrn sei. Wir können die Präsens Gottes nicht auf einen Ort festlegen, weder sitzt Gott auf der Bundeslade mit den Zehn Geboten,  noch steckt er in den Buchstaben der Bibel. Keine Biblische Formel kann Gott in  Brot und Wein  hineinbannen. Aber natürlich ist Gott in seiner Schöpfung, die Schönheit der Rose, auch die vergehende, ist Gottes Wesen.  Aber für Israel hat der Tempel eine einzigartige Bedeutung: An der Klagemauer, dem Rest des zweiten zerstörten Tempels, weiß sich jeder Jude, jede Jüdin nah an Gottes Ohr.

                   

Elia der Große

Prophet  Elia sagte König Ahab an: Wegen eures Götzendienstes entzieht euch der wahre, der einzige Gott den Regen, ein  ganzes Jahr lang. Dann floh Elia –Gott hatte ihm geboten, zum Bache Krit zu gehen, der werde Wasser bereit haben für Elia und Raben sollen ihn versorgen.

1.Könige 17,1-3

Es war 100 Jahre nach dem Tempelbau in Jerusalem: Israel ist groß geworden und hat sich weite Teile von Kanaanäer-Land zugeschanzt. Dort aber, auf dem Land, glaubte man an  Baalsgötter, die in Zeugen und Gebären ihren heiligen Ort hatten. Elia aber war berufen, den Glauben an den Gott Israels auszubreiten; der war auch Schöpfer, aber vor allem ein Fordernder, Erziehender: Die Gebote sollten das Volk zu einem Gottesstaat heranentwickeln.

Elia bleibt Israel im Gedächtnis als rigoroser mächtiger Gottesstreiter. Er muss Gott klar auf seiner Seite gewusst haben, darum hat er für den wahren Glauben so geberserkert. Drei Geschichten zeigen den Weg der Erkenntnis Elias: Es ist der Weg vom herrischen zum behutsamen Gott und vom Gewalt- Propheten zum meditativen Schweiger.   

Elia muss fürchterliche Dürre ansagen vom strafenden Gott. Elia selbst wird wunderbar erhalten.

Dann kam das Wort des Herrn zu ihm:

Mach dich auf und geh nach Zarpat - ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen. Und er machte sich auf und ging hin. Doch die Witwe sagte: Ich habe nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich will ein letztes Brot backen, das wir essen - und sterben.

Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! So spricht der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr wieder regnen läßt. Und sie buk und das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Krug ging das Öl nicht aus  – wie Elia es gesagt hatte.

1.  Könige 17, 10-13

Gott kann aus nichts was machen- und seinen Getreuen soll die Hoffnung nicht ausgehen. Es sollen seine Geliebten nicht  hungern.  Die Wehmut ist groß, wenn die Hoffnung doch versiegt. Und Menschen trauern sehen über ihre Enttäuschung an Gott muss in gläubigen Menschen alle Kräfte mobilisieren. Elia sagt Nahrung zu. Er wettet gegen den Augenschein der leeren Töpfe auf  Rettung. Wir müssen auch bis zum letzten Augenblick auf Rettung setzen und uns in diese Richtung mühen mit allen Kräften.

Versuchen zu heilen

Und der Sohn der Witwe wurde krank, sosehr, dass kein Atem  mehr in ihm blieb.

Und sie sprach zu Elia: Was hab ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes?

Er sprach zu ihr: Gib mir deinen Sohn! Und er nahm ihn von ihrem Schoß und ging hinauf ins Obergemach, wo er wohnte, und legte ihn auf sein Bett

und rief Gott  an: Mein Gott, was tust du der Witwe, bei der ich ein Gast bin, so Böses an?

Und er legte sich auf das Kind drei Mal und rief Gott  an und sprach: Lass sein Leben in dies Kind zurückkehren! Und Gott erhörte die Stimme Elias und das Kind  wurde wieder lebendig.

1.  Könige 17, 17-21

Vom Leid überhäuft werden –das gibt es. Gerade auch kann es Menschen treffen, die Gottes nahe Mitarbeiter zu sein scheinen. Elia wird der Witwe unheimlich. Erst beschafft der die Gottes Güte in Gestalt des nicht ausgehenden Brotes. Und dann scheint er nichts mehr zu können, oder schlimmer noch- ist er gleichzeitig einer, an dem man sich verbrennt?

Elia ist mit verzweifelt über den Tod des Knaben. Er sieht die Willkür eines Gottes , der mit der einen Hnd schenkt, mit der anderen nimmt. Und will dies Gottesbild nicht mehr.  Will nicht mehr Prophet eines gut-bösen, bös-guten  Weltenherrschers sein. Und kämpft mit ihm. Identifiziert sich mit dem Toten, will ihn wiederbeleben. Tatsächlich kehrt das Leben in das Kind zurück. Es ist, als wandele sich  hiermit das Gottesbild: Es kann nicht sein und  wir dürfen es nicht mehr denken, daß Gott mutwillig  ein Kind sterben macht. Gott tut nichts Böses. Gott lässt geschehen die in die Schöpfung gelegten Regeln, eingeschlossen schmerzliche Komplikationen. Aber wir sollen bis zum Erweis des Gegenteils auf Rettung setzen und in diese Richtung wirken.

 

Das Gottesurteil auf dem Karmel

Elia erhielt den Auftrag: Versammle zu mir ganz Israel auf den Berg Karmel und auch die heidnischen Propheten Und als sie versammelt waren, trat Elia vor das Volk und sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Was neigt ihr euch mal Gott zu, mal den Götzen. Entscheidet euch.  Tut die Götzen und ihre Diener von euch.

Hilfe zur Entscheidung liefere ein Gottesurteil: Wir wollen zwei Stieropfer bereiten  und wollen sehen, wer feuer vom Himmel sendet. Und die Priester  Baals riefen an vom Morgen bis zum Mittag: Baal, erhöre uns! Aber es war da keine Stimme noch Antwort. Da sprach Elia zu allem Volk: Kommt her zu mir! Und rief  Gott an: Du,  Gott Abrahams, Isaaks und Israels, lass heute kundwerden, dass du Gott bist und ich dein Knecht. Da fiel Feuer des Herrn herab und fraß das Brandopfer.

Und  alle  fielen auf ihr Angesicht und sprachen: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott!

Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, dass keiner von ihnen entrinne!

Und der Himmel wurde schwarz von Wolken und Wind und es kam ein großer Regen.

Aus 1.Könige 18

Aus weiter Ferne  gesehen wird Elia zum grandiosen Gottesstreiter. Aber gerade seine Machtdemonstrationen haben das alttestamentliche Gottesbild entstellt. Und haben Zauberei und die heillose Praxis der mittelalterlichen Gottesurteile befördert. 

Man sollte diese Geschichte lesen als Museumsstück aus der Frühzeit des Glaubens. Da hielt man Gott versehen mit dem  Machogehabe der anderen Götter im Umfeld Israels. Doch im Laufe der Geschichte Israels stellte Gott sich in anderen Bildern vor.  Und ließ erkennen, daß er seine Sache nicht durch Machtspielchen betreibe.

Das Schlachtfest des Elia am Berg Karmel passt noch zu dem alten götzenähnlichen Gottesbild. Schon in der nächsten Geschichte gibt es eine völlige Abkehr von den alten gottheitlichen Gewaltpraktiken.

 

Elia am Horeb

Königin Isebel sandte einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mich vernichten, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!

Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.

Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Eltern.

Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.

Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

1.Könige 19,1-8

Elia hat genug von der Spirale der Gewalt. Das soll sicher auch Zeichen sein, daß auch Gott der Gewalt müde ist.  Elia will nicht noch ein Gottesurteil herausfordern. Statt sich mit blanker Brust der Königin ans Messer zu liefern und dann wohl unter Blitz und Donner  Sieger zu bleiben- will er lieber sterben. Er will nicht mehr der Draufhauer eines Oberdraufhauers namens „Gott“ sein.

Aber Gott braucht ihn genau für diese Verwandlung des Gottesbildes hin zum großherzigen, guten Gott. Dazu rüstet ihn ein Engel mit Himmelsbrot. Manchmal braucht man einen zweiten Stups, um wach zu werden. Doch legt uns Gott eine Last auf, so hilft er auch tragen (Psalm 68,20). Das Mahl, das vierzig Tage Kraft gibt, ist ein Symbol für Gottes Schutz in allem Schweren.

 

Gott kommt leise

Elia blieb über Nacht in  einer Höhle. Und Gott sprach ihn an: Was machst du hier, Elia?

Er sprach: Ich habe geeifert für dich, den großen, einzigen Gott. Aber  Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten auch mir nach dem Leben.

Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg. Dort will ich dir erscheinen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor Gott her, her; der Herr aber war nicht im Sturm. Nach dem Sturm aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.

Als das Elia vernahm, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und bedachte das Ganze.

1.Könige 19,9-13

Elia hatte Sturm, Feuer, Erdbeben entfacht, hatte Wasserfluten herabgerufen- uns sie waren gekommen als Gesandte Gottes. Die Naturmächte galten nicht nur als vom Herrn geschickt sondern als Äußerungen Gottes, in denen er sich auf sein Volk stürzte um es zur Raison zu bringen. Aber was hat es genützt? Elia ist der Machtdemonstrationen müde, er hat eigenhändig die Götzendiener umgebracht, aber statt dies als Bevollmächtigung des Propheten zu lesen und   als Strafgericht des Herrn hinzunehmen, ist Elia jetzt allein und dem Tod ausgesetzt. Gott hätte dem Müden ein Feuerwerk  der Lebensfreude aufführen können. Oder noch mal seine Mächte tanzen lassen. Aber sie erschienen nur mit Minuszeichen, „da ist Gott nicht drin“- riefen die Naturgewalten. Gott kommt nicht mehr als Blitz oder als Flut oder als Freudengeheul. Gott will im Stillen vernommen werden, im  Zarten, im Lächeln des Säuglings, im Streicheln, im Flüstern, im Auf- und Abblühen, in Sprache.  Gott will erlauscht sein. Das eröffnet ein neues Wissen vom Göttlichen. Das weist auf die behutsame Klarheit des Jesus hin.          

Prophetenwechsel

Und Gott gebot ihm: sprach zu ihm: Salbe Elisa  aus  Abel-Mehola zum Propheten an deiner statt. Und Elia fand Elisa, den Sohn Schafats, als er pflügte. Und Elia ging zu ihm und warf seinen Mantel über ihn. Der ließ die Rinder zurück und folgte Elia nach.

Aus 1.Könige 19, 15- 21

Mit uraltem Ritus bestimmt der Prophet seinen Nachfolger: Der derzeitige Prophet hört von seiner Abberufung durch Offenbarung des Namens des neuen. Und da gibt es kein Fackeln: Der Prophetenmantel hat die Macht der Wahrheit an sich-wem er übergeworfen wird, der ist der Würdenträger und Wahrsager, er ist ummantelt von Gottesgeist. Ein Recht auf Wiederspruch ist nicht vorgesehen. Der Ritus der Einkleidung versinnbildlicht die Idee des Amtes: Das Amt bekleidet den an sich Unwichtigen mit „Amtsgnade“. Die Volksweisheit  „Kleider machen Leute“ unterstreicht die Verwandelmacht der Erwartung. Zutrauen verschafft Ansehen, Ansehen Prestige.

Nabots Weinberg

Ein Mensch mit Namen Nabot hatte einen Weinberg bei dem Palast Ahabs, des Königs von Samaria. Und Ahab redete mit Nabot und sprach: Gib mir deinen Weinberg; ich will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt.

Aber Nabot sprach zu Ahab: Ich will nicht  meiner Väter Erbe zu Geld machen.

Da kam Ahab heim voller Unmut und und klagte seiner Frau Isebel: Nabot will mir seinen Weinberg nicht verkaufen, er lässt nicht mit sich reden. Da sprach seine Frau Isebel zu ihm: Du bist doch König über Israel! Ich werde dir den Weinberg Nabots verschaffen.

Und sie schrieb Briefe unter Ahabs Namen und versiegelte sie mit seinem Siegel und sandte sie zu den Ältesten und Oberen. Und sie schrieb: Schafft uns Nabot vom Hals. Und sie  taten, wie ihnen Isebel aufgetragen hatte: Sie  verklagten Nabot wegen Königsbeleidigung und steinigten ihn.

Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf, um hinabzugehen zum Weinberge Nabots, um ihn in Besitz zu nehmen. Da kam das Wort Gottes  zu Elia. Und der tat, wie ihm aufgetragen war: Er ging zum König, sagte ihm auf den Kopf zu: So spricht Gott: Du und deine Frau haben sich verkauft, Unrecht zu tun vor dem Herrn. Du hast gemordet, dazu auch fremdes Erbe geraubt! An der Stätte, wo Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen Hunde auch euer Blut lecken. De Herr hats gesagt.

Aus 1. Könige 21

Eine frühe Brandrede gegen Tyrannenwillkür und die Droge Macht. Schmerzlich ist die Erfahrung, daß Obrigkeit immer welche finden kann, die willfährig sich die Hände schmutzig machen.  Gelockt zur Unterwürfigkeit sind wir durch die Aussicht  auf Kumpanei und Einfluss. Was uns retten kann, ist, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten, auch  durch Kontrolle von Macht.-  Gottes Gebote sind eine große Heilstat- sie stehen dafür, daß Recht vor Macht geht.

 

Elia und der feurige Wagen

Elia ging mit Elisa. Sie wussten, daß die Zeit hier zuende ging.

Und als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter gen Himmel. Elisa aber sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und seine Reiter- und sah ihn nicht mehr.

Aus 2. Könige 2

In einer Art Himmelfahrt wird Elias von hier entrafft- eine grandiose Ehrung für diesen Gottesstreiter. Kein Grab, kein Verwesen, sondern von hier nach da in einem Nu, auffahrend  mit Flügeln wie Adler, eingeholt vom Himmel im Sonnenwagen mit feurigen Rossen-  ein leuchtendes Traumbild, wie Gott uns in sein Reich holt. Ob wir  auch mal so von hier abgeholt werden, so leicht sich unsere Seele von hier löst? Hier ist eine leibliche Himmelfahrt gedacht- aber wenn unser ausgedienter Körper auch hier bleibt- unser Ich wird emporgehoben und verwandelt. Mögen einige derer, die zurückbleiben, uns eine Träne nachweinen. Es braucht nicht so rauschend sein wie bei Elia, aber einigen sollen wir wichtig gewesen sein, das wäre schön.

 

Hiob

Gott verletzt und verbindet; er zerschlägt ,und seine Hand heilt

Hiob 5,18

Gott hat meinen Weg vermauert, hat Finsternis auf mein Geschick gelegt. Er hat mir mein Ansehen ausgezogen, hat mich zerbrochen, hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum. Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Der wird mich zuletzt aus dem Staub erheben. Wenn auch mein Fleisch von mir abfallen wird, werde ich doch Gott sehen. Und er wird mir kein Fremder sein- danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Hiob 19, 8-10,25-27

Hiob ist die Kunstfigur eines begnadeten Dichters: Der von Gott, hilfsweise von einem Chefteufel, bis aufs Blut geprüfte Mensch, wird wegen seiner Glaubenstreue zuletzt hoch erhoben. Das ist starke Alttestamentliche Überzeugung.

Tausend Jahre später ereignet sich Jesus Christus. Er sieht sich nicht von Gott geprüft- sondern seine Passion ist ihm der einzig mögliche Weg,  gegen die Herren der Welt seine Gottesgewissheit zu leben. Allgemein rät er, im Windschatten von Klugheit und Gnade  zu bleiben. „Ich bin nicht zum Richten sondern zum Retten da“ (Johannes 12,47), Genau so Gott.

Gott sich vorstellen als „Riesin“- (wie im Gedicht : Das Riesenspielzeug“ von Chamisso) die mit den Menschen rumfuhrwerkt, Steine in den Weg legt und schaut, wie sie sich  bewähren- das ist Ausfluss einer verängsteten Seele.  Ja, es kann sein, daß ich mich ans Schicksal so ausgeliefert sehe wie ein Maikäfer, den rohe Jungen zappeln lassen. Es kann sogar sein, daß einen die Angst so schluckt, daß ich meine, ein auf dem Rücken liegender Käfer zu sein.

Hiob ist der heroisch leidende Mensch, der Gott anklagt- und eigentlich gerechter, liebevoller , treuer scheint als Gott selbst. Diese Überzeugung braucht aber als Basis das Wissen vom Allmächtigen, der wie ein Marionettenspieler die Puppen tanzen lässt. Und davon hat sich Jesus losgesagt. Für Jesus ist Gott alle Energie und alle Liebe- beides, alle Macht- auch die von Menschen missbrauchte und alle Liebe, auch die von Menschen einander gewährte. Daß letztlich die Liebe die Macht übrwindet, und Gott als Erlöser uns aufscheint, hat Jesus uns vorgewusst.

Hiob ist noch ganz befangen im „iustaljon“-„Wie du mir, so ich dir“ - Gottesbild: Dem Frommen soll es belohnt sein; wem es schlecht geht, der büßt Strafe ab. Jesus treibt uns in ein Wissen vom liebevollen Gott, der noch leidet an und mit seiner Schöpfung, aber sein Reich kommen lässt auf alle Fälle. Hiob hat auch schon einen Schimmer dieser Hoffnung: Gegen den Monstergott appelliert er an den Großmütigen Gott, der  wird ihn letztlich aus dem Staub erheben.

Etwas von dieser Zuversicht brauchen wir alle: vor uns Heil und Frieden für unsere wunden Seelen. Und daß im Rückblick  „Licht nach und nach über das Ganze aufgeht“ (Wittgenstein), vielleicht Gott alle Schuld auf sich nimmt- das deutet  doch der Opfertod Jesu an. Ob das der Fall ist? Jedenfalls kann keiner für sein Lieblossein alle Schuld alleine tragen. Und jetzt schon werden wir mehr geliebt als es unsere Gene sich erwerben. 

Bonhoeffer hat gesagt:“ Ich bin lieber in Gottes Hand als in den Händen Hitlers“. Also letzten Endes ist ihm Hitler nicht so wichtig, der steht nur für das Schwarze der Nazizeit. Bonhoeffer glaubt sich in Gottes Hand, auch wenn die schwarz und gewaltsam zuschlägt. Das heißt nicht, annehmen zu müssen, daß Gott aktiv verletzt und zerschlägt. Aber es ist Gottes Energie, die auch in der Gewalt zur Geltung kommt, Kain  ist Gottes Kain; Hitler ist Gottes Kind, wie kaputt auch immer. Das scheint  tröstlich in allem Grauen. 

Die Psalmen

Psalm 1  Wie ein Baum

Glücklich dran ist der, der  Abstand hält zu den Gottlosen. Und der vom Sündigen loskommt. Und wer Menschen nicht verlacht und nicht abfällig  redet vom Leben.

Glücklich dran ist, wer  Lust hat am Willen Gottes und sinnt über das was gut ist nach, Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.

Starke Bäume sind uns ein Bild für gelingendes Leben. Nun können die Bäume selbst für sich wenig tun, wohl aber der Mensch. Wir können für uns sorgen. So  können wir, erwachsen geworden, unsern Umgang weitgehend selbst bestimmen. Meiden sollte man die, die großmäulig sich für Erfolge auf ihre Schulter klopfen, die ihre Gesundheit für selbstgemacht halten, sich mit harten Bandagen und lästerlicher Zunge durchsetzen, und die zynisch alles Gute kleinreden.

Glück aber ist bei dem, der sich um Gott müht. Der sich Arbeit macht mit der Gemeinschaft und das Vorwärtskommen aller mit betreibt.

Der ist gern er selbst. Er steht am richtigen Platz. Und wenn ihm dann noch gutgestimmte Nerven zufliegen, hat er Talent, zu nützen und zu erfreuen. Sich um Gott kümmern, weil man weiß, daß er sich um mich kümmert. Wenn  ich einigermaßen kann, was ich muß und einigermaßen nur will, was ich darf, dann ist mein Leben im Lot, dank dir, lieber Gott.

 

Psalm 8  Fast Gott gleich

Gott- wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

Du zeigst deine Größe am Himmel!

Und aus dem Munde Säuglinge

richtest du eine Macht dir zu gegen deine Verächter.

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,

den Mond und die Sterne, die du bereitet hast

·        Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,

und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

So unscheinbar und hinfällig ist er und doch hast du ihn kaum niedriger gemacht als dich selbst. Mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Wesen allüberall!

Jauchzend ist dieses Lied- aber ist es noch unseres ? Auf vielfache Weise wirkt Gottes Wesen, aber wissen wir es noch, wissen wir es schon?  Doch, auch  wenn unter verschieden Namen angerufen und in verstreut vielen Gottesdienstformen geehrt, zieht Frömmigkeit durch unsere Seelen.  Kunst hält die Sehnsucht nach dem Höchsten wach und weiß, sie  kann sie nicht erfüllen. Selbst die Wissenschaft blickt tiefer und ist dem Geheimnis der Welt mittels Zahlen und Kurven auf der Spur. Das Staunen über die Schöpfung nimmt zu mit jeder Erkenntnis- Die Wunderbarkeit der Schöpfung ist unermesslich.

Im Großen ist Gott wie im Kleinen. Die Weltmeere und das Wässerchen des Säuglings erzählen von seiner Grandiosität. Im Grollen der Bomben und in den Stimmchen der Kinder bist Du Gott der Grund. Wir Menschen sind von dir ins Gespräch gezogen, sind in dein Wirken eingearbeitet. Du tust durch uns Deins. Grandios, du Herz und Hirn und Leib der Wirklichkeit.

 

Psalm 18 Herr, meine Stärke

Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!

Mein Fels, meine Burg, mein Erretter; auf den ich traue,

mein Schild, mein Heil, mein Schutz!

Es umfingen mich des Todes Bande,

und Fluten des Verderbens erschreckten mich.

Mir war so sehr angst. Da schrie ich zu meinem Gott.

Der erhörte meine Stimme, er streckte seine Hand aus und fasste mich

und zog mich aus großen Wassern.

Er errettete mich von meinen starken Feinden,

Er führte mich hinaus ins Weite,

er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.

Mit meinem Gott will ich Mauern überspringen.

Ich will dir danken und deinem Namen lobsingen.

Verse 2.3.5.7.17.18.20.30.50

 

Es ist was Starkes, Liebevolles, das mich umgibt, wie die Luft; wie Wasser den Fisch. Unausforschbar, nicht ausmessbar, aber das gültiges Gegenüber- mein großes Du, das mich anspricht und zum Ich macht. Es rütteln namenlose Kräfte an mir, sie schütteln mein Selbst, sie lassen mich erstarren in Unsinn und Banalem. Da schreie ich zu dir. Und du nährst mich wieder mit Vertrauen, du gibst mir neue Aufgaben und die nötige Kraft dazu. Du gibst mir wieder Lust zur Gemeinde, und neigst mich wieder Menschen zu. So rettest du mich vor meinen Feinden, den Niedermachern meinerselbst.

Du führst mich ins Weite, ich denk dich wieder großherzig- das spannt meine Seele aus und macht sie frei zur Güte. Das Verbohrte kann  ich lassen. Ich kann Mauern überspringen ,die Menschen trennen, kann Gräben überbrücken, daß Menschen wieder Gefühle und schätze tauschen.  Und du, Gott solltest Lust zu mir haben? Das ist doch eine Liebeserklärung. Ich bin glücklich. 

 

Psalm 22 Verlassen?

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Vers 2

  

Diesem Gebet ist die Kreuzigung des Jesus nacherzählt. Viele Szenen von Golgatha  sind  hier vorgebildet. Das heißt nicht, daß man sich bei Jesu Kreuzigung an Psalm 22 als Drehbuch hielt. Aber der „leidende Gerechte“ war hier (und in Jesaja 53) als  Muster vorgegeben. Und als der rettende Tod dann geschehen war und die herrliche Auferstehung- da fiel es der Urgemeinde, die ja diesen Psalm kannte, wie Schuppen von den Augen. Darum starb Jesus  sicher nicht nur mit dem ein erschütternden Wort:  „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“. Dieser Vers steht in den Passionsgeschichten als Überschrift des Sterbepsalmes, und er betete sicher den ganzen Psalm- der ja eine große Gebets-Leiter ist zu Gott hin.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich;

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Vers 3-6

 

Der Beter hält an dem Gott fest, der verlassen hat und der nicht antwortet. Sollte der Leidende gerechter sein, der Verlassene treuer? Der Beter ruft sich zur Ordnung, verbietet sich den Mund. Die Lobgesänge der Gemeinde halten die Anfragen des Zweiflers kurz. Und schon ist der Leidende wieder auf Linie, ist an die Leine genommen durch Erinnerung.  

Die Gemeinde, die Heiligen Schriften,  das Gelernte von Zuhause hat den Beter in ein Wissen eingeweiht, das um ein Bündnis kreist. Gott und Israel, dann auch die Menschheit, sind sich verbunden in Liebe und Gehorsam. Im Rückblick, erinnert der Beter sich und die Gemeinde, hat sich Gott immer als Retter erwiesen- auch wenn der Weg  durch die Hölle ging.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke.

Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«

Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;

du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; es ist hier kein Helfer.

Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst;

mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.

Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen,

und du legst mich in des Todes Staub.

Aber du, Gott, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile, mir zu helfen! Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern,

ich will dich in der Gemeinde rühmen.

Verse 7-12.15.16.20.23

 

Dem Beter  scheint jetzt Höllenzeit: Ihn will keiner. Er hat keine Gefährten. Zum Schaden kommt der Spott. Er sieht sich selber jämmerlich. Dann aber findet der Beter in sich einen Schatz: Er hat sich ja nicht selbst erfunden. Er ist ja Gottes Projekt: Er erinnert Gott an seine Verantwortung, Gerade weil der Mensch den Schmerz so erleiden kann und muß, soll Er zu Hilfe kommen. So denken wir ja auch und bitten und fordern Hilfe von Oben. Und fanden wir nicht viel mehr Hilfe, als dass wir hilflos blieben? Eigenartig, sind wir gerettet, verflattert das Danken schnell. Sind wir aber in Not, ist die Klage groß. Und letztlich denken wir immer Gott schuldig. Dabei tut Gott Niemandem Leid an- wir  sind ja Verkörperungen seiner Ideen. Vielleicht geschaffen, daß Gott sich fühlt im Spiegel unserer Gefühle, und er sehnt sich danach, von uns gesegnet zu werden- indem wir ihn rühmen.  

Psalm 23 Mein Hirte

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und muß ich auch durch  Finsternisse,

so fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Hand und Wort trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Heilsöl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen,

ich werde bleiben im Hause Gottes auf immer. 

 

Der Herr ist mein Hirte, mein Pilot, mein bester Freund, mein Heiler, mein Trainer, mein Vorbild, mein Leitstern, mein Code, mein Engel. 

Mir wird nichts mangeln, ich werd nicht verrückt, ich geh nicht verloren, in allem Mangel wird mir nichts mangeln,  ich bleibe Ich- der Behütete. 

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er hält mich, er stärkt mein Bewusstsein, er beschafft mir Anerkennung, er hilft mir zu nötigem Wissen.

Er erquicket meine Seele. Er richtet mich auf durch Freude, er flüstert mir Gebete, die die Welt bedeuten; er macht mich glücklich, hilft, daß ich glücklich mache.  

Er führet mich auf rechter Straße. Er lässt mich richtig gehen, er lockt meine Liebe an die Oberfläche, er hält mich in Balance, er lehrt mich ausräumen, was die Freude am Tag behindert, er beleuchtet mir meinen Zustand, daß, wenn die  Schatten kommen, sie keine Macht über mich haben.

Um seines Namens willen, weil er es sich schuldig ist, mich, sein Kind nicht verkommen zu lassen. Er will die Verderbnis seiner Schöpfung verhindern, er will mich als Retter mitziehen. Und sein Name ist Heil und Hilfe, Sonne und Schild, Vatermutter, Lebensgrund. Sein Name werde geheiligt.

Und muß ich auch durch  Finsternisse, so fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Hand und Wort trösten mich. Du hast Menschen zur Hand für mich, Rettungsdienste, Ärzte, Anwälte, ADAC, Rotes Kreuz, Nachbarn, die Kirchengemeinde, Nächste und Allernächste, in deren Hände steckst du dich zu mir hin. Die Worte der Mütter, der Liebenden, der Dichter, die Zeichen der Künstler trösten; du bist in ihnen bei mir.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du nimmst mich aus dem Schussfeld, du lenkst die Angriffe von mir ab, du schickst die rettende Ausrede, du lässt mich meinen Teil abbekommen. Du nimmst mich in Schutz auch gegen die feindlichen Gedanken aus meinem Inneren, du überlässt mich nicht den nächtlichen Gespenstern, du lädst mich an den Tisch in der Sonne.  

Du salbest mein Haupt mit Heilsöl und schenkest mir voll ein. Du berufst mich zu deinem Kind und setzt mich in das Amt deines Mitarbeiters ein. Du gibst mir dein Zeichen an die Stirn, ich bleibe gesalbt und gezeichnet von dir und für dich. Du schenkst mir voll ein an Freude, an Ehre, an Gebrauchtwerden.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen, man wird nicht hinter mir herfluchen, nicht mich wie eine Last beseitigen. Spuren sollen von mir bleiben, die Zeichen aufstellen für guten Lebensweg. Ob du Bäume pflanzt oder Kinder erziehst oder einen Weg gefahrloser gestaltest oder ein tröstendes Lied anstimmst oder versöhnende Sprache hinterlässt- es soll gut gewesen sein, daß du da warst. 

Ich werde bleiben im Hause Gottes auf immer. Ich werde zu Gott gehören, werde ihm nicht entfallen, werde sein Gefährte sein, wenn die Schöpfung ganz und heil wird, und die Liebe allen Haß verdaut hat. Und Friede wird sein im All, Das All wird ganz Haus Gottes sein.

Ich habe in meinem Leben viele kluge und gute Bücher gelesen. Aber ich habe in ihnen allen nichts gefunden, was mein Herz so still und froh gemacht hätte,  wie die vier Worte aus dem 23. Psalm:

„ Du bist bei mir.“ Immanuel Kant

 

Psalm 24 Machet die Tore weit -siehe Neues Testament A1

Psalm 30, ein Lied zur Rettung aus großer Not

Ich preise dich, Herr; denn du hast mich

aus der Tiefe gezogen und läßt das Feindliche  nicht  über mich siegen

Als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund.

Du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten.

Vers 2-4

Wir Menschen sind eine Erfahrungsgemeinschaft.  So sind in unserm Nervensystem die Schrecknisse und Freuden all derer vor uns als unwillkürliche Reflexe gespeichert. Unsere Sprachen haben viel vermessene Welt in sich. Lieder und Gedichte sind Schiffe voll Erlebnisfracht. So besingt das Liedchen „Hänschen klein“ die Mutter-Kind-Trennungsschmerzen jeder Generation, „Die Gedanken sind frei“ sichern trotzig ein Menschenrecht. Und Psalm 30 besingt wegweisend die Auferstehung aus Abgrundstiefen.

Es ist da ein Verantworter aller Realität, ein Schöpfer der Universen, das große Du für alle Iche dieser Welt. Du rufst die Ichs in ihr Personsein, du Ganzer, du Ganze, von der wir die Atome sind; du, die Weltseele, von der wir  die Relais sind, du die Zeit und wir die Phasen, wir die Worte, du das Lied.

Du hast mich aus dem Nichtsein gezogen. Du hältst mich ins Sein. Weil  du mich willst, bin ich vorhanden. Und weil du mich als genau diesen Menschen willst mit genau diesen Genen und Wegen, bin ich, wer ich bin. Und werde noch immer mehr Deiner bis ich ganz in dir ruhe. Ich preise dich, Dich, brauche dazu selten Festgottesdienste, im Ein-und Ausatmen, im Schlagen des Pulses, im Verdauen der Nahrung zu Energie , im Spiel der Liebe bist Du da, „das Lebendige in allem Fleisch“.

Und doch ist es gut, dich mir zu benennen, damit Dank und Staunen mich Schwerfälligen leicht machen. Ich will merken, will wahrnehmen die Wunderbarkeit deiner Wege mit mir. Allein schon das Überwintern der Knospen und mein Auf- die-Beine-Kommen am  Morgen, das Wegwischen des Missmutes, und wie das Grämliche schmilzt unter Einstrahlung von Sympathie- Gott , mein Gott, wie rettest Du mich stündlich vor dem Nichtigen.

Du hast mich aus den Tiefen gezogen, fast wäre ich ertrunken, verblutet, hätte mich weggeworfen, wäre verstoßen, verarmt, verhärmt. Doch du hast mich über Wasser gehalten durch einen Menschen, du hast Hilfe bringen können, du hast mich wiederbeatmet mit Lebensmut. Du hast mich zu dir schreien machen, Du hast mir schluckweise Zuversicht eingespeist, du hast mir vor dem Erstarren etwas Wärme von der Hand eines Andern zukommen lassen.

Ich war mir schon tot, mir war die Welt schon vergangen, da hast du mich wieder berufen zu noch ganz anderem Leben.

Lobsinget dem Herrn, ihr seine Heiligen,

und preiset seinen heiligen Namen!

Denn sein Verdunkeltsein währet einen Augenblick

Lebenslang dagegen  seine Gnade.

Den Abend lang währet das Weinen,

aber des Morgens ist Freude.

Vers 5-8

 

Und dann braucht man doch Gemeinde, Freunde, Mitfeiernde, braucht doch beschwingte Gottesdienste- den Chor, der die eigen Stimme mitträgt. Allein kann man nicht recht haben, nicht auf Dauer. Darum gib ein Fest zu deiner Rettung., schreib auf  dein Erstarken, erzähl deine Wiederkehr zu den Lebenden, bekenne deine Dankbarkeit. Ruf es hinaus, wie ganz und gar unselbstverständlich dir deine Genesung ist.

Gott wird so viel verklagt,  meist von außen, nicht von denen, die noch mit Gott ringen, ihn als Mitleidenden ahnen. Aber du, du hast doch erfahren, dir war er nur eine Strecke verdunkelt, dir war er nur eine Zeit lang abhanden kommen. Schlimmst genug war das. Aber gegen deine Rettung und die dann glückliche Zeit ist  doch sein Dunkel dir nur ein Schreck lang gewesen. Lasse das Zagen, verbanne die Klage, Maule nicht, mach es gut.

Und auch - wenn du zur Nacht weinst, morgen ist ein neuer Tag seiner Gnade. Freude wird dir blühen, halt dich bereit.

Vers 6  heißt im Urtext:“ Sein Zorn währet einen Augenblick“-  Das kann man so verstehen: Da ist einer überglücklich einem Leid entronnen und fordert seine Sinne und die Menschheit auf, Gott zu loben. Er hat sein Leid mit eigenem Versagen in Verbindung gebracht, aber es ist ihm eine Ehre, daß er wahrgenommen ist vom ewiggültigen Gott. Dieser muß ihm zürnen, wie er ja selbst über ich zürnt. Zorn ist viel mehr Zuwendung als matte Toleranz, Zorn ist Zeichen des Getroffenseins- wäre ihm der Beter egal, hätte er ihn einfach nur abgetan. Kann zur Liebe auch Zorn gehören- einen Augenblick lang? Die vor uns meinten, Zorn ist die Kehrseite der Verunehrung, und muß sein. Aber jedenfalls sind die Proportionen wunderbar: Ein Nu das Dunkel zwischen Gott und uns, aber lebenslang seine Gnade. Herrlich, mit Tränen in die Nacht, manchmal muß es sein. Aber des Morgens ist Freude, auf Gott ist Verlass.

Ich aber sprach, als es mir gut ging:

Ich werde nimmermehr wanken.

Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen

hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt.

Vers 7.8a

 

Vor dem Fall kommt der Hochmut. Geht’s uns schlecht, sind wir mit Klagen schnell dabei. Geht’s uns aber gut, werden wir leicht selbstgefällig und fahrlässig. Meinen sogar, die Gunst des Schicksals gepachtet zu haben. Meinen wir, als Liebling des Herrn erhoben zu sein auf Sockeln aus Beifall? Sehen uns erhoben „über denen da unten“? Es gibt eine Arroganz, die Dank benutzt um sich den Hausgott gefügig zu halten, nach dem Motto: „Ich danke Gott, dass ich nicht so bin, wie die andern“(Lukas 18,11) .

Aber als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich.

Dann rief ich wieder zu dir und flehte:

Herr, sei du mein Helfer!

Verse 8b.9.11

 

Es ist wohl so: „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil“ (Schiller). Weil ja die Ressourcen begrenzt sind, und alles seinen Preis hat,  Und die Welt voll Doppeldeutigem und Doppelbödigem ist. Und wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Ein tiefer Fall wird von uns verstanden als habe Gott weggeguckt und nicht aufgepasst. Als würde Gott auch mutwillig uns in Fallen tappen lassen, uns Krankheiten anhängen. Aber Gott ist gut. Was geschieht, geschieht ihm. Es kann sein, dass wir den Blickkontakt zu Gott verlieren, auch weil wir ihn an falschen Orten, in falschen Verpackungen suchen.

Gut, wenn wir dann zurückgehen zu biblischer Erfahrung und etwa an Jesu Geschichten die wahre Spur aufnehmen  zum Gott in den Mühen und im Teilen und Bitten.

Erstaunlich ist ja immer wieder die Selbstgewissheit. Kaum ist man aus dem Schlamassel raus, da strunzt er wieder: „Mir kann keener“ , „et es noch immer god jejange“, „Wanken? Nimmermehr“. Hat Gott Wohlgefallen an einem mit so aufgeblasenen Backen, der sich rühmt ihn zum Schutzpatron zu haben? Im Augenblick kann es sein, daß er sein Antlitz verbirgt. Eine Kälte durchflutet die Gedanken, Die Wärme der Verlässlichkeit ist dahin. Man steht allein. Dann, wohl mir, wenn ich durch die Verzweiflung hindurch flehen kann. Und dann –so bezeugen die Heiligen von alters her- wird er die Klage verwandeln.

Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen,

du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen

und mich mit Freude gegürtet,

dass ich dir lobsinge und nicht stille werde.

Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Vers 12.13

 

Wenn das doch die Beute meines Erdendaseins wäre, die ich mir auf den Grabstein wünschte. Das Leben ist gekennzeichnet als Auftakt, als Weg zur Heilung, als Heimweg, auch das Leben als Erziehung zum Frieden- in den Abschnitten und als Ganzes: Von der Klage zum Reigen, von der Trauer zur Freude. Die Klage hat ihr Recht- bewahrt sie doch dem Gepeinigten die Würde, nicht gut finden zu müssen , was ihm abgebrochen und entwunden ist. Aber Gott als letzte Adresse für Klage und Dank fädelt uns wieder ein in den Reigen der Freude.

Trauerkleider haben ihre Zeit. Weil wir die uns Entnommenen als Hingegangene zu Gott wissen, und weil der Reigen, den Gott mit seiner Schöpfung vorhat, noch in Arbeit ist, darum sind wir auch noch mit am Bau des Herrn und legen die Hände noch nicht in den Schoß beim Loben.

Verheißen ist: Du wirst zurückblicken, deine Seele ist  erstarkt,  du bist wie zum Tanz geleitet in glücklicher Runde, Klagelieder ade! Schamzeit, Schuldzeit - abgetan, Du strahlst vor Freude. Gott will, dass du es so erlebst.

 

 

Psalm  31 In Gottes Händen geborgen

Gott, auf dich traue ich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden,

errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Denn du bist mein Fels und meine Burg,

und um deines Namens willen leite und führe mich.

Zieh mich aus dem Netze, Du meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist;

Du stellst meine Füße auf weiten Raum, meine Zeit steht in deinen Händen.

Verse 1,3,4,6,9b, 16

 

Morgens will ich mich orten, abends mich münden lassen in den Großen Ganzen, Gott genannt. Wir brauchen doch Orientierung. Ein Schiff kann auch nicht Kurs nehmen an der Mastleuchte, es braucht den Leuchtturm von außerhalb. Auch wir können uns nicht an uns ausrichten. Mein Gewissen muß sich gebunden wissen an eine letzte Instanz, mein Vertrauen sucht das Herz aller Dinge.

Mein Fels, meine Burg, meine Stärke sind die Ankerworte der Menschheit für den Ewiggültigen. Der errettet mich, weil ich sein bin. Nicht ich bin seiner besonders würdig, nicht gut und gerecht. Sondern seine Liebe macht mich ihm recht. Seine Güte deckt meine Schwächen; Sein Verzeihen zieht mich aus den Verstrickungen, mein Geist wird neu verständig durch Sprechen mit ihm.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum, ich kann wieder ausschreiten und sicher gehen. Meine Zeit nehme ich aus deinen Händen, meine Wege sind in deine Hände gezeichnet. Ich kann nicht verfallen.

Darum wird der Tag gut, und die Nacht lässt mich sicher ruhen. 

 

Psalm 37 Er wird’s wohl machen

Hoffe auf Gott und tu Gutes, habe deine Lust an Gott; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.

Von Gott kommt es, wenn eines Menschen Schritte fest werden.

Fällt er, so stürzt er doch nicht; denn Gott hält ihn fest an der Hand.

Lass ab vom Bösen und tu Gutes.

Bleibe fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird es zuletzt gut gehen.

Verse 3-5,23,24,27,37

Gott meinen Weg in die Verantwortung geben, das ist es.- Natürlich bin ich verpflichtet, Gutes zu tun, redlich zu handeln und mich nicht blöde anzustellen. Aber Lust an Gott haben, ist die größte Kunst. Die Dinge mit ihm in Beziehung sehen, mit ihm zu tun haben in allem und jedem, ihn auf dem Spiel stehen sehen, ihn sprießen sehen in allem - das ist faszinierend. Warum blühen die Blumen in so prächtigen Farben? Nicht nur zur besseren Vermehrung sondern weil Gott  farbenfreudig ist. Warum bist du da? Nicht nur, weil die Eltern ein Kind wollten sondern weil der Weltwille dich will und in dir was Besonderes ausrichten will.- Den Zusammenhang glauben von allem und jedem mit Gott, dem Ganzen- das ist gut.

Ihm meine Wege anbefehlen, meint, ihm mein Schicksal anzuvertrauen: Also beten um Geleit und Schutz vor allem vor eigenen Verrücktheiten.  Es ist soviel  Irrung und Wirrung möglich, unter jedem Dach ein „Ach“- doch, mindestens eine Mühsal, , ein Gebrechen, eine Schwäche, eine Unart. Und wie damit zurechtkommen? Gott, gib mir Hirn und Mut und Einsicht und Chancen. Und Balance, Maß, Freude an Harmonie. Hinfallen, aber noch aufstehen können, und wenn nicht, daß dann Hilfe komme von  Gott, „Schutz und Schirm vor allem Argen“- so weit wie möglich.

Bleibe fromm- also vertrauensvoll in Gott. Wisse, daß Du mit allem zurechtkommst, weil und solang du es mit Gott in Beziehung siehst. Gottes Hand kann drücken, aber es ist seine.

 

 

Was betrübst du dich, meine Seele?

Und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott. Ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Psalm 42,6

Darauf setzen- immer wieder wird das die Ernte sein: Du wirst danken. Lass doch die Wege steinig sein, sie münden im Guten. Lass die Tränen rinne, sie werden von Sonne weggeküsst. Lass Menschen dich enttäuschen, du wirst letztlich gerettet und heil werden. Keine Angst. Bitte. Du wirst hindurchgetragen.

 

Will dich nicht fürchten

Ich will auf Gott hoffen und mich nicht fürchten. Was können mir Menschen tun?

Psalm 56,5

Menschen können Menschen viel  antun, das weißt man von sich selber, man weißt von seinem Raubtierpotenzial, wenn man gekränkt bist.  Doch sag dir das täglich: Ich will mich nicht fürchten, was können mir Menschen tun? Sieh die vor dir nicht bedrohlich aber suche nicht Gefahren. Räum Missverständnisse aus. Sieh dich nicht verfolgt, nicht ausgegrenzt.  Genieße unbefangen deine Welt. Nimm hin, was geschieht, es ist kein Vorwurf an dich, wohl aber Lockruf, mit zu spielen und das Beste für dich daraus zu machen. Denn es ist Gottes Geschichte, in der du mittust. Es soll dir gut gehen, das ist Gottes Projekt: Rettung.

Entdeck deine wünsche wieder

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein ganzer Mensch verlangt nach dir

aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

Psalm 63, 1-9

 

Daß deine Seele nach Gott dürstet- das merkst du an innerer Verwahrlosung: Langeweile, Lähmung, wunschloses Unglück, keine Gemeinde, kein Trost, keine Freude, kein Ruf.   Es ist schon der ganze Mensch , der sich leer fühlt, unnötig, verlassen, verarmt. Aber wenn du noch deinen Mangel merkst, ist Hoffnung. Bitte, entdeck  deine Wünsche wieder. Wenn du Dich nach Leuchten und Freude sehnst, hältst du nach Gott Ausschau.

Du hast ja von Gott gehört. Wenn die Welt sein Haus ist, dann hat er viel zu bieten. Seine Güte ist ja, daß er Macht und Herrlichkeit teilen will. Er will auch dich beglücken. Es ist seine Leidenschaft, dich loben zu machen.

Darum sinne wieder über ihn nach, sinne dir nach im Gespann mit ihm. Unter dem Schatten seiner Flügel erspüre dir ein neues Lebensgefühl: Du- gehalten, getröstet, gebraucht, geliebt.

Freude und Wonne sollst du ausstrahlen, Gott wird nicht ruhen, bis Du soweit bist. Und wenn er dich erst durchs Sterben fädeln müsste, du wirst ihn finden. 

Ein intensives Loblied

Singet Gott, lobsinget seinem Namen! Freuet euch vor ihm!

Er ist Vater der Waisen und Helfer der Witwen, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, der die Gefangenen herausführt.

Als du vor deinem Volk herzogst in der Wüste, da bebte die Erde, und die Himmel troffen vor Gott - am Sinai.

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet. Immer wieder gibt er den Menschen Macht und Kraft. Gelobt sei Gott!

Psalm 68, 5-9, 20, 21,36b

Ein Schatz an Lebenserfahrung in sieben Sätzen: Freude ist unser Auftrag. Dem die Welt gehört, der hängt vor allen anderen an den Beschädigten und Verlassenen. Die am meisten entbehren, haben am meisten noch von ihm zu erwarten.

In jedem Leben soll es Zeiten geben, die von Gott „triefen“, von Glück, Fülle, Liebe, Verwöhntsein. Jeder Mensch soll zurückblicken können auf Heilszeit.

Eine Heilszeit der Menschheit war wohl die Zeit Israels in der Wüste, als sie auf dem Weg waren aus der Knechtschaft Ägyptens ins Gelobte Land.- Da am Sinai troff der Himmel von Gott- Fülle um Fülle fiel uns zu in den Zehn Geboten- dem Masterplan für gutes Zusammenleben. 

Gott gibt. Er ist der Quell aller Güter, auch der Brunnen aller Güte- Gott betreibt das Lebenkönnen seiner Schöpfung mit dauernder Ausschüttung guter Gaben und Kräfte. –Aber es ist auch Mangel, Irrtum, Gier, Schuld, Schaden,Verbrechen. Ich möchte alle Last als von Gott aufgelegt sehen können, also sie annehmen als nötig. Nicht als Strafe oder  Prüfung, sondern als Mühe , die getragen sein muß. Und das mir auferlegte Quantum soll ich tragen, weil an diesem Ort zu dieser Zeit ich da bin, und andere für andere Mühen gebraucht werden, ich aber für dieses, mein Leid.  Schon das wissen, daß nicht blöder Zufall Spott mit uns treibt, hilft. Und mir hilft zu wissen, daß mit der geschulterten Mühe  ich Gott beistehe, mit Hier fertig zu werden. Mehr als die Mühen zählen, dass  alle Macht, alle Kraft, die uns zuströmt, von ihm ist, dem Liebhaber des Lebens.   

 

Das große Dennoch

Dennoch bleibe ich stets an dir;

denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

du leitest mich nach deinem Rat

und nimmst mich endlich mit Ehren an.

Psalm 73, 23.24

 

Allen Katastrophen und Schmerzen begegnet der Beter mit seiner Dennoch-Posaune. Was auch an Fürchterlichem auf mich niederprasselt, könnt ich doch auch dies Dennoch anstimmen. Nicht weil ich so stark bin oder stur, so fromm oder beharrlich. Sondern das große Du hält mich. Auf unbeschreibliche Weise bin ich geborgen, gehalten, bin gebunden an dich, weil du, Gott, mich nicht lässt. Mit dem Rücken zur Wand bleib ich an dich gelehnt, bleib in deine Hände gepresst, auch wenn sie hart sind, jetzt. Du leitest mich, ohne mir meinen Freiraum zu nehmen und ohne die Bosheiten des Lebens vor mir wegzublasen. Ich gehe im Gehege deines Willens, das ist mir wichtig, auch wenn die Räder des Schicksals und dein Rat für mich auseinanderdriften. Ich sehe mich auf einem langen Lebensweg, der bei dir mündet. Und das ist tröstlich wunderbar: Du nimmst mich endlich mit Ehren an. Wenn dies das Ziel des Lebens mit dem Sterben am Ende ist, ist alles gut. Weil alles gut wird. 

 

Wenn ich nur dich habe,

so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Psalm 73,25

 

So kann ich es nicht sagen, Gott. Zu fest hast du mich an Erde und Stoff und Menschen gebunden. Aber alles, was ich liebe, ist mir doch Pfand geworden für dich. Noch habe ich dich nur in den von dir aufgegebenen Pflichten und Freuden, in den anvertrauten Nächsten, in den Sonnenstrahlen, im Liebesgeflüster. Gerade weil ich dich habe, oder du mich hast, frage ich nach deinem Himmel und deiner Erde.  

 

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,

so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Psalm 73,26

Noch ist mir nicht Leib und Seele verschmachtet, aber ich war auch schon hart am Rande. Und ich hatte keine Sprache mehr zu dir hin, es wurde leer in mir. Da schenktest du mir Fisseln von Glaube, dämmernde Hoffnung, Rinnsale von Geliebtsein, Gedächtnishauche  der Vorigen mit dir. Du ängstigtest dich um mich. Auch wenn ich an dir zweifelte, du hieltest durch, Du hieltest mich. Gott, du meines Herzens Trost, ich bleib mit dir verwickelt, bleib an dich angedockt, bleib mit dir im Konvoi- wie Leonardos Adam mit dir Finger an Finger blieb.

 

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte

und meine Zuversicht setze auf Gott,  dass ich verkündige all dein Tun.

Psalm 73,28

Freude schöpfen aus der Zuversicht auf Gott- sie gibt jedenfalls langen Atem. Und Menschenbefreundung- wir sind doch einander zur Erfreuung gedacht. Was zählt da aller Ärger und alles augenlose Aneinandervorbeihasten.

Ich will von dir aufgeweckt sein, will für dich eine gute Reklame sein. Dein Tun verkündigen heißt ja vor allem von deinem Tun eingenommen zu sein und  dein Tun mittun. Und das ist die reine Freude. Wenn wir das mitdenken, dass wir dein Tun mittun, mitleiden, mitgenießen, sind wir gerettet, sind wichtig, sind der Leere entronnen. 

 

Freude am Hause Gottes

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, mein Gott

Meine Seele verlangt nach den Vorhöfen des Herrn;

mein Leib und Seele freuen sich

in dem lebendigen Gott.

Der Vogel hat ein Haus gefunden

und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen -

deine Altäre, mein König und mein Gott sind mein Haus und mein Nest.

Psalm 84,2-5

 

Du, ich in Gott- das uns die Heimat sein lassen. Die Welt sein Haus- wir hier nicht fremd. Aber wir sind auch von Erde, wollen besitzen, wollen zu etwas sagen können: „meins“, „Meins und nicht deins“. Und dann hängen wir an Haus und Grund, an Konten und Sachen, wie festgeklebt.- Würden wir doch uns leichter tun mit dem Irdischen, es nutzen und pflegen , es teilen und auch mal lassen können.

Vielleicht sind die Kirchen und Altäre Zwischenräume- Irdisches, mit deutlich himmlischem Anstrich; besonders ausgegrenzte Orte ,an denen sich Gott und Mensch gut treffen können. Einige Kirchen und Altäre geben deiner Seele besonderes Heimatgefühl. Such sie wieder auf.    

 

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachleben!

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, /

wird es ihnen zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Sie gehen von einer Kraft zur andern

und schauen den wahren Gott.

Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; /

Psalm 84,6-8,12

 

Gott für meine Stärke halten- das macht: Mein Zugottgehören  hält mich. Mein Machen und Können sind Kräfte von seinem Energiestrom, Noch im Dürren kann ich Brunnen bauen, noch im Dunklen das Licht des Mutes entzünden. Sieh, wie du Kräfte nimmst, als gingest du von einer Blüte zur nächsten- und du bist ein Segen für dein Umfeld. Lass dir Gott Sonne und schild sein, die Kraft zu allem Guten, der Schutz in allem Schweren. Er ist Sonne- alle Energie: er ist Schild, Schutz, Hilfe.  Gott –alle Energie, alle Liebe- was müssen wir mehr wissen. 

 

Der Gott „Zuflucht“

Gott, du bist unsre Zuflucht für und für.

Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,

bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Du lässt die Menschen leben, lässt sie dann auch sterben. Und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

Psalm 90,1-3

Einer der innigsten Namen für Gott ist „Zuflucht“. Du Gott bist mir Zuflucht, Ziel, Halt, Schutz. Wenn es nicht weiter geht bist Du da; Du bist die Mündung von allem. Wenn mir die Seele ausfließt, fließt sie in Dich. Geh ich mir verloren, rufst du mich heim. Du bist schon immer da, wirst auch nach uns kommen. Du bist. Du bist das Meer, das uns Strudel bildet, die eine Weile bleiben. Dann rufst du uns aus unserer irdischen Gestalt zurück: kommt wieder, Menschenkinder. Dies macht uns einmalig; Statt anonymer Energie- Strudel sind wir Deine Kinder. Du rufst uns –also bleiben wir vor Dir. Bleiben also auch für uns wer. Wer, was bleiben wir? Deine.

 

Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtstunde. Du lässt uns dahinfahren wie einen Strom, wir sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst; das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

Das macht dein Wille, dass wir kommen, ein Stück bleiben, wieder gehen,

Uns ist es ein Schrecken, wenn wir plötzlich dahinmüssen.

Dann stehen wir vor Dir- mit  Sünden. Aber stehen im

Lichte deines  Angesichtes.

Psalm 90,4-8 

Die Zeitmaße sind verschieden.  Schmerz zerdehnt die Zeit, Glück macht sie pfeilschnell. Unsere Lebenszeit fließt erst mal wie  ein breiter Strom- das ist in Kindheit und Jugend. Dann geht es wie im Schlaf- zügig, hindurchpreschend in Arbeit, Liebe, Kinder oder auch nicht, Standgewinnen, Hausbau. Im Nu sind wir alt, sind wie ein Gras, das hinfällt. Je älter wir werden, desto schneller fließt die Zeit ab: dann ist es plötzlich zu spät, dann ist hier Schluss mit Wandel.  Doch wir verfallen nicht. Wir haben Aussicht: Du stellst uns vor Dich. Das Licht deines Antlitzes wird uns schön machen.

 

Alle unsre Tage

werden durch dich angetrieben. Dein Unwille gegen das Böse macht dich auch zornig, so müssen wir denken. Wir bringen ja auch unsre Jahre meistens zu wie ein Geschwätz.

Unser Leben, wenns gewährt ist,  währet siebzig oder achtzig Jahre,

und wenns hoch kommt, noch etwas mehr.

Wenn es  köstlich gewesen ist, ist es doch

voll Mühe und Arbeit gewesen. Es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.

Psalm 90,9.10

Der Treiber des Lebens ist Gott. Mittels der Zeit tätoviert er uns, wir werden geprägt vom Geschehen und gestalten es mit. Darum ist unser Gehen in der Zeit so wichtig, der Umgang mit Zeit so dramatisch entscheidend. Ob wir unsere Tage zubringen in freudloser Eile, geschwätzig- leer  oder in hemmungsloser Zärtlichkeit –was an uns ist, lasst uns doch gern hier sein, auf dieser schönen armen Erde. Zuletzt wird uns alles zu kurz gewesen sein. Und wir wünschen uns davonzufliegen in das, was  bleibt.

Klug werden

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Psalm 90,12

Klug werden angesichts des Sterblichseins: Wir sind nur auf Zeit hier. Also lauter letzte einmalige, wunderbare, teure, schützenswerte, gut zu nutzende Tage. Und Nächte. Also Lachen, Lieben, Beistehen, Nehmen, Geben, Probleme lösen, Schmerzen und Lasten tragen, Schuldigwerden und Verstehen. Und „Wenn du weißt, was du willst, musst du machen, daß du hinkommst“ (Mißfits) Und „Man muß die Notwenigkeiten lieben und pflegen lernen, muß das Starre und Unversöhnliche eben zu erweichen versuchen; und darf sich nie verstoßen vorkommen“(R. Walser). Wir können unsere Zeit nicht vermehren, können uns aber vervielfachen, indem wir uns ins Lebendige und in seine Seele: Gott, vertiefen. Und ja, bei den Zurückbleibenden mal einen guten Nachgeschmack hinterlassen.

 

Fülle uns frühe mit deiner Gnade

So wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

Nach Unglück erfreue uns wieder.

Zeige uns deine Werke, deine Herrlichkeit deinen Kindern.

Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich /

und fördere das Werk unsrer Hände bei uns.

Ja, das Werk unsrer Hände und Gedanken wollest du fördern!

Psalm 90,14-17

 

Was genau für dich Lebensklugheit ist, mußt du selbst erfahren auf deinem Weg. Sicher hilft es, sich vor Gott auszusprechen und zu bitten: Fülle uns mit deiner Gnade: also mit Heiligem Geist, mit Begabungen, Menschenfreundlichkeit, Humor, Staunen, Dankbarkeit. Freude ist sichtbares Zeichen von Gnade, Fröhlichkeit ist Hilfe. Eine starke Form göttlicher Freundlichkeit sind Hände und Gedanken, die ein Werk gestalten. Wir alle brauchen die Förderung von oben. Beten wir, daß wir heute brauchbar sind fürs Leben.

 

Lobe den Herrn, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Psalm 103,1

Es lobt sich also nicht selbstverständlich. Mein nachdenklicher Geist muss mein Ich anfeuern, muss meine Person, meine Seele antreiben, sich aufzuschwingen, Gott zu loben. Vielleicht sind wir ja wie Kinder, die meinen , ein Anrecht zu haben auf Verwöhntwerden. Sind wir unleidlich, wissen wir schnell uns beim Herrn zu beschweren. Aber ihn loben? Ihn anerkennen als großen Künstler, ihn bewundern als Freund des Lebens? Ihm Dank sagen? Wir haben kein Recht auf den nächsten Atemzug und bekommen ihn doch eingegeben. Wie überirdisch fühlt sich das Lieben an? Wie grandios ist der Herrgott, der macht, daß wir bei der Schöpfung mitmachen. 

Danken , Loben ist zuerst mal staunen. Also nicht wie Klötze durchs Leben zu stolpern sondern merken, wie wunderbar ist, was ist.

 

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat und tun wird:

Psalm103,2

Nimm wahr  und merke dir, was dir Gutes widerfährt. Allein ein schlichter Tag, den man ohne Aufzeichnung schon übermorgen vergessen hat, birgt eine Fülle von Glückserlebnissen, von Behagen, Wohlgefallen, Zufriedenheit, Genuss und Bewahrung, Einfällen, Lachen, Gesprächen. Ein einziger Tag ist in seiner Wunderbarkeit unausschöpfbar. Ich will von jedem Tag ein zwei , fünf Eindrücke behalten, am besten schriftlich, auch um das Gute zu behalten.  

 

Der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Psalm103,3-5

Die Sünden vergeben bekommen, beschafft offene Zukunft. Schwer lastet Schuld, begangene und erlittene. Begangene Schuld rumort in mir, bis sie beglichen ist. Erlittenes Unrecht  bleibt offene Wunde, bis Gespräch stattfand, Eingeständnis gelang, ein Stück Wiedergutmachung angeboten ist.

Ich darf meine Schuld von Gott vergeben glauben- das ist dramatisch wichtig, denn er ist das Wesentliche aller Wesen; was jeden trifft, trifft ihn erst recht- er muß alles aufnehmen und verdauen. Vergibt er, muß ich und kann ich auch vergeben und gutmachen.

Alle Gebrechen, Mühen, Leiden sind Stationen auf dem Weg zur Heilung, gegen keinen wird er sich entscheiden. Jedes Leben ist auf Fülle, Freude, Erlösung aus.  Vor uns Krönung. Vor uns Teilhabe an seiner Vollkommenheit. Darum sterben wir auch nicht ins Leere sondern werden abgekeimt vom Lebensköper, heimgetragen in Gott. Gegen das Bewußtsein vom allmählichen Einsinken in den Tod will ich dies Lied singen je älter, je lieber: Es steht bevor: Gekrönt werden. Und das macht fröhlich und jung, quer zu unsern Erfahrungen von einst.

 

Barmherzig und gnädig

Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

Barmherzig und gnädig ist Gott, geduldig und von großer Güte.

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

So hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über uns.

Wie sich Vater, Mutter  über Kinder erbarmen, so erbarmt sich der Herr über die Seinen.

Psalm 103,6.8.10.13

Gott schafft Recht. Dann wissen wir ja auch, was er von uns erwartet. Und seine Barmherzigkeit  ist das Schmieröl, uns an die gemeinsame Sache zu bringen.  Aber er handelt nicht mit uns, er ist großmütig, er weiß wie brüchig wir sind.

 

Er weiß, was für ein Gebilde wir sind;

er gedenkt daran, dass wir von Erde genommen sind.

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da,

und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

Die Gnade Gottes aber währt von Ewigkeit zu Ewigkeit

über denen, die ihm gehören.

Lobe den Herrn, meine Seele!

Psalm 103,14,15,16,17,22

Der wahre Grund für Gottes Güte ist, daß wir ihm gehören und aus seiner bestmöglichen Materie sind. Wenn trotzdem wir so egoistische, kleinliche, raffige Menschen sind, ist es unsere einzige Chance, daß Gott zu uns hält. Loben wir, so  feiern wir Gottes Großmut. Er freut sich, wenn er nach uns schaut.

 

Gott, mein Gott, du bist herrlich

Du bist schön und prächtig geschmückt.

Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;

du baust deine Gemächer über den Wassern.

Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen

und kommst daher auf den Fittichen des Windes,

du machst Winde zu deinen Boten

und Feuerflammen zu deinen Dienern;

Psalm 104,1-4

 

So von Gott schwärmen: Er der wunderbare Liebhaber von Allem, die Schöpfung – sein Schmuck- (So auch im griechischen Denken: kosmos =Schmuck Gottes), Licht als sein Kleid- wohl die hintergründigste Bestimmung dieser Sache. –Eine andere Übersetzung: „Der das Licht sich umschlingt wie ein Tuch“-.Eigentlich ist ja Licht die Erleuchtung die Gott in  die Welt setzt mittels all der Gase und Atomsonnen.

Das Himmel als Zelt, Wolken als Wagen, Winde als Flügel des Herrn, als Boten; Feuer als Diener- nichts ist mit seiner physikalischen Bedeutung zufrieden.- Alles  ist sein Stoff, ist ihm untertan, steht ihm zur Verfügung- auch wenn es seine eigene Würde hat. Aber Gott braucht auch sein Geschaffenes. Es gibt eine Verabredung zwischen Gott und seinem Werk: alles ist zum Dienst für alles da, in diesem Zusammenhang aber hat jede Sache ihre Selbstständigkeit.

 

Machtwort

Du hast das Erdreich gegründet auf festen Boden,

dass es bleibt immer und ewiglich.

Mit Fluten decktest du es,

die Wasser standen bis über die Berge.

Aber vor deinem Machtwort wichen sie.

Die Berge hoben sich,

die Täler senkten sich herunter.

Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt, sie

dürfen nicht wieder das Erdreich bedecken.

Aus Quellen lässt  du Bäche fließen,

zwischen den Bergen eilen sie dahin,

Sie bieten Trank den Tieren des Feldes

und das Lebendige löscht davon seinen Durst.

Du feuchtest die Berge von oben her,

du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

Auf den Bäumen sitzen die Vögel des Himmels

und singen unter den Zweigen.

Psalm 104,5-13

 

Das Wasser könnte Konkurrenz des Lebendigen sein. Wir erleben es als Urstoff, der Leben erst  möglich macht, und als  Stoff, der tötet. Welch ein Glück, daß wir das Wasser von  Gottes Hand gedämmt sehen. Wenn wir uns wissend in den Kenntnissen der Natur bewegen, können wir die Wasser gut nutzen. Aber wie tollkühn befahren wir die Ozeane und siedeln am äußersten Meer. Dann Gott zu beschuldigen der Orkane und Überschwemmungen, steht uns nicht zu. Aber Gott kann es verkraften.

 

Du lässt Gras wachsen für das Vieh

und Saat zu Nutz den Menschen,

Brot bringst du aus der Erde hervor, daß es des Menschen Herz stärke

und mit Wein erfreust du sein Herz,

und  sein Antlitz wird schön vom Öl.

Psalm 104,14.15

 

Wir sind ja geneigt, die Natur als Macher des Natürlichen zu halten. Aber die Natur ist das Gewese, nicht der Anrichter- wie die Gerichte das Angerichtete sind, nicht der Koch. So bringt Gott das Brot aus der Erde hervor mittels seiner Landwirte und Bäcker. Und  die bekommen Lohn –der Dank aber ist  höheren Orts abzustatten; warum ja Erntedankfest als Markierung so wichtig ist. Wein zur Freude, Öl und Kosmetik zur Schönheit- herrlich, daß wir einen Gott glauben dürfen, der Lust hat, uns zu erfreuen und schön zu machen.

 

Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen;

die Sonne weiß ihren Niedergang.

Du machst Finsternis, dass es Nacht wird;

da regen sich alle wilden Tiere,

die jungen Löwen, die da brüllen nach Raub

und ihre Speise suchen von Gott.

Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon

und legen sich in ihre Höhlen.

Dann  geht der Mensch an seine Arbeit

und an sein Werk bis an den Abend.

Gott, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

Da ist das Meer, das so groß und weit ist,

da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere.

Dort ziehen Schiffe dahin;

da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen.

Psalm 104,19-26

 

Die Löwen suchen ihre Speise von Gott- ja jeden Morgen wacht der Löwe auf und macht sich auf die Jagd nach einem Zebra. Jeden morgen wacht das Zebra auf und muß schneller sein als der Löwe. Die meisten Zebras sterben an Altersschwäche und nicht am Löwen. Aber die Löwen  ihre täglich Portion Zebra. Und das ist weise von Gott geordnet. Leben heißt auch, sein leben lassen, ob als Zebra oder als Löwe oder als Mensch. Wir müssen uns ans Leben drangeben, und letztlich den Preis bringen: von hier gehen und Beute bringen. Gut, daß die Erdenzeit ablesbar ist und wir einen gemeinsamen Kalender haben, uns verabreden können,  Zeit messen können macht, daß Arbeitzeit gleich lang ist- eine starke form von Gerechtigkeit. Große Fische, gemacht, daß Gott was hat, damit zu spielen? Wer die Buckelwale und Delphine  sich vergnügen sieht, kann auch denken, daß Gott dran seine Freude hat.

 

Es warten alle auf dich, Gott,

dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.

wenn du deine Hand auftust,

so werden sie mit Gutem gesättigt.

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;

nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

Sendest du aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,

und du machst neu die Gestalt der Erde.

Ich will dem Herrn singen mein Leben lang

und meinen Gott loben, solange ich bin.

104,27-30,33

 

Letzten Endes ernährt Gott sie Alle. Alle Energie ist sein Atem. Auch unser Atmen ist eine heilige Handlung. Der Kuß der Liebenden und die Atemspende, wenn sie gelingt, hat was vom Himmel. Irgendwann geht uns hier der Atem aus, weil wir nur auf Zeit hier sind. Aber wir bleiben ausgestreckt, daß die Gestalt der Erde neu geschaffen wird  und wir begeistert bei Gott bleiben, weil wir es nicht lassen können, ihn zu feiern.

 

Der treue Menschenhüter

Ich hebe meine Augen, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird auch deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

Gott behütet dich; Er  ist nah wie dein Schatten neben dir.

Gott  behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Er  behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Psalm 121

 

Der dich behütet, schläft nicht- ein magisches Wort der Treue und des Schutzes. Diese Wachheit und Gegenwärtigkeit, Gottes flirrende geistige Präsenz in Allem ist glückhaft. Ich will mich darin sicher wissen: Gott behütet mich. Auch wenn ich stürze, fängt er mich auf. Auch wenn ich sterbe, geh ich ihm nicht verloren und mir damit auch nicht.

Keinem soll Leid geschehen, keinem. Und doch sind wir zerbrechlich, verletzbar an Leib und Seele, sind nicht aus Stein sondern aus dem Herzen Gottes entworfen. Auch Gott leidet. Mit dem hungrigen Löwen und dem zum Fraß werdenden Zebra, mit dem roh gemachten Prügler und dem stummen Opfer. Glaub ihm, daß er dich behütet. Setz deine Hoffnung ganz auf Schutz von oben und biete du dem Himmel deinen kleinen Schub Fürsorge an.

 

Die mit Tränen säen

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens

und unsre Zunge voll Rühmens sein.

Dann wird man sagen unter den Heiden:

Der Herr hat Großes an ihnen getan!

Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Wir gehen hin und weinen und streuen Samen

und kommen mit Freuden und bringen unsre Garben.

Psalm 126

 

Dies ist zuerst ein Gebet Israels, dann aber auch eins für uns alle. Israel ist das Muster für die Sehnsucht, nach Hause zu kommen und für den langen Weg hin zur Erlösung. Auch wir werden sein wie Träumende, wenn uns der Himmel eröffnet wird. Und wir werden mit Gott die Vollendung seiner Schöpfung feiern- Da wird alles Weinen in Freude verwandelt und alle Schuld wird geheilt.

Gefangen sind wir  in vielerlei Schlingen. Jeder weiß seinen Mangel und muß auch weinen, manchmal auch ohne Tränen.. Dies ist schon rettend: Unter Tränen vollzieht sich auch Saat, Anfang, Wende, Rettung. Das aber dürfen wir erwarten: Wir werden mit Freuden ernten. Wie mühsam wir uns auch plagen mussten, das Ziel unserer Wege wird sein, Gott zu preisen, daß er Großes an uns getan hat. Träumen wir doch schon  von unserm geheilten Ich. Sollen Menschen doch jetzt schon mal von uns sagen: Du Glückskind, du Gotteskind.  

 

 

An Gottes Segen ist alles gelegen

Wenn der Herr nicht das Haus baut,

so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Gemeinschaft behütet,

so wacht die Polizei umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht

und hernach lange sitzet

und esset euer Brot mit Sorgen;

denn seinen Freunden gibt’s der Herr im Schlaf.

Vor allem Kinder- Kinder sind eine Gabe Gottes.

Psalm 127

 

Nicht wir machen, daß Gott unserer Dasein segnet. Aber sein Segen will mit uns wirken, wir müssen die guten Kräfte Gottes wollen, müssen sie heranbitten, sie freundlich aufnehmen. Beim Hausbau z.B ists hochwichtig, daß gutes Einvernehmen herrscht zwischen allen Gewerken. Und alle müssen wissen, daß sie einem Werk verpflichtet sind  und gerechten Lohn erhalten. Die Gesellschaft  braucht Gottes Segen in Gestalt von Friedenswillen. Schaute jeder nur auf Seins, gäb es nur Unordnung.  

Schon richtig, daß wir uns mühen. Aber Wachstum und Gedeihen sind Geschenk, sind Gnade. Auch Geschick ist Begabung, Erfolg lässt sich nicht erzwingen. Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf-  Also nicht sich zersorgen sondern gut schlafen, Gott am Abend das Tagwerk in die Hände geben und morgenfrüh aus seinen Händen wieder nehmen, was heute ansteht.  Da wird was draus.

Vor allem Kinder sind nur als Gabe Gottes zu denken. Wir „machen“ sie nicht , wir empfangen sie, sie kommen bei uns zur Welt, Gott erdet sie in uns durchschnittlichen brauchbaren Menschen. Kinder gibt’s genug, es gibt nicht genug mütterliche, väterliche Menschen- also, lass Kinder an dich ran, sei ihnen zum Segen. 

Psalm 130 Aus tiefer Not

Aus der Tiefe rufe ich, Gott , zu dir. Herr, höre meine Stimme!

Merke auf die Stimme meines Flehens!

Wenn du, Gott, Sünden anrechnetest, Herr, wer wird bestehen?

Bei dir ist die Vergebung, dass man dich liebe.

Ich harre des Herrn, ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn

mehr als die Schlaflosen  auf den Morgen;

Hoffe auf den Gott! Denn bei ihm  ist die Gnade und viel Erlösung.

Und er wird seine Menschheit erlösen aus allen ihren Sünden.

Manchmal zerreißt es uns aus eigener Schuld. Es zerreißt unsere Seele vor Scham, wie konnten wir so tief sinken? Dann taten wir etwas, das aller Vernunft und Sittlichkeit Hohn spricht, das die Beziehung und die Ehrbarkeit und das Ansehen auf Jahre zerstört. Und wir schwanken zwischen Todessehnsucht und Lebenswillen, suchen uns vor uns selbst zu entschuldigen, suchen Ausflüchte für unsere Grausamkeit. Wir spüren die Macht des Unergründlichen- und beten, daß kein Satanisches uns vollends verschlinge.

Um der Schwärze zu entkommen müssen wir Gott anrufen. Wir müssen doch einen  letzten Grund haben, der uns Halt gibt vor dem Versinken in Wahn. Wer soll die reißende Bestie in mir still bekommen, wenn nicht Der Schöpfer des unerschöpfbaren Lichtes.

Also rufe ich, flehe zu ihm, will umkehren , bereuen und Buße tun.  Ich will Gott seine Erlösung glauben und ein besseres Leben erarbeiten.

 

Gott, du kennst mich

Ich sitze oder stehe- du weißt;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Psalm 139,1.2

 

Das ist das Gegenteil der Drohung: „Der liebe Gott sieht alles“. Gott weiß mich, dich- das ist Trost und Glück. Der Universale kennt mein Innerstes, weil es Teil seines Innersten ist. Ich bin seine Filiale, mein Denken geschieht auf seiner Frequenz. Mein Denken flimmert durch sein Gehirn. Ich habe einen Mitwisser, so bin ich nicht allein. Gott haftet für mich. Wenn auch ich mich nicht verstehe, und meine Mitmenschen nur ein Kopfschütteln für mich übrig hätten, so erschlägt mich das nicht. Weiß ich, dass Gott weiß, kann ich nicht verloren gehen-auch mir selbst nicht.

 

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

Du gehst meine Wege mit.

Alle Worte, die mir auf die Zunge kommen,

weißt du schon vorher.

Psalm 139,3-4

 

Gottes Allgegenwart und Allwissen darf ich auf mich  persönlich münzen. Sie stärken mein Selbstbewußtsein sehr, wüßte und  behielt ich’s nur. Ich blieb auf leuchtenden Pfad, käm nicht unter die Räder; bevor ich ganz versinke, müsste ich umkehren. Ein Mensch tät mich retten vor dem Wahn. Wenn ich’s nur behielt, dass Gott mich behält. Auch Worte des Verrates und der Kränkung müssen im letzten Augenblick sich bekehren. Denn Gott weiß.  

 

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Psalm 139,5.6

Das Bild ist genommen vom Kind im Mutterleib, über das die Mutter noch ihre schützenden Hände breitet. Du, ich in Gott. Nicht so sehr ist Gott über uns, oder in uns- sondern wir in ihm. Die Welt der Leib des Herrn- die Milchstraßen kreisen in seiner Blutbahn- nicht zu fassen das alles.   

 

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;

bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein -,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Psalm 139,7-12

 

Dass ich in Gott bin, kann ich nicht fassen.  Ich kann auch vor ihm nicht fliehen. Er ist immer schon da. auch meine Fluchten geschehen in ihm: Wenn ich mich von Gott abkehre, kehre ich mich von mir ab- Gott aber bleibt immer vor mir, um mich, eben. Selbst Morgenlicht und Todsein geschehen in ihm. Wie tief ich auch falle, bin ich gehalten. Und was für mich schwarze Nacht ist-  ich stehe doch in seinem Licht der Liebe.

 

Denn du hast mir Herz und Nieren bereitet

und hast mich gebildet im Mutterleibe.

Ich danke dir dafür,

dass ich wunderbar gemacht bin;

wunderbar sind deine Werke;

das erkennt meine Seele.

Deine Augen sahen mich,

als ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,

die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!

Wie ist ihre Summe so groß!

Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:

Am Ende bin ich noch immer bei dir.

Psalm 139,13.14.16.17.18

 

Der Anfang aller Wege zu und mit Gott ist das Staunen. Das Einzigartige jeder Erscheinung, das Wunderbare jedes Wesens – bitte, lass mich aufmerken. Die Vielfalt des Lebensstoffes lässt erzittern, wenn man nur mit erfrischten Augen wahrnimmt. Das abgründig Einzigartige ist man selbst, mittels der Eltern ins Sein gehoben, schon die Daumenkuppe des Säuglings zeigt eine unverwechselbare Riffelung. Wie viel einzigartiger noch sind die Antlitze der Menschen und ihre Seelen.

Ich bin gewollt, ins Sein gerufen von Gott. –alles Tage, also alle Chancen sind schon in Fülle da. Nicht zu fassen, wie viele Gedanken  wert wären, gedacht zu werden- in wachsenden

Ringen kreisen sie um den guten ganzen Einen.  

 

 

Sprüche Salomos

Die Achtung gegen Gott ist der Anfang der Erkenntnis.

Sprüche 1,7

 

Keinesfalls sollen wir uns vor Gott ängsten. Er schüchtert nicht ein, straft auch nicht, er ist lauter Segen und Liebe. Früher hieß es: „Die Furcht vor Gott ist der Anfang der Weisheit“. Doch Gott will Achtung, will geliebt werden. Das schafft uns eine leuchtende Existenz.

Der Anfang von Gottes-und Welterkenntnis ist das Staunen, wie wunderbar die Welt ist. Sschon das Kind fühlt sich erhoben, weil es ja schreien kann und Mutter naht, es weint und schon kommt Hilfe. Dieses Geliebtsein ist der Anfang der Erkenntnis, und darin ist der Grund gelegt für Geliebt- und Gewolltsein vom Herz der Welt. Diese Gefühl schafft das Wissen, gehalten zu sein-was Anfang und Kern aller Erkenntnis ist.

 

Geh hin zur Ameise,

du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr. Wenn sie auch keinen Herrn über sich hat, so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte. Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?

Steh auf, sonst wird dich die Armut übereilen.

Diese sieben Dinge sind Gott ein Gräuel:

Stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,

ein Herz, das Ränke schmiedet, Füße, die behände sind, Schaden zu tun,

ein falscher Zeuge, der freche Lügen redet, und wer Hader anrichtet zwischen Brüdern Sprüche Salomo 6

Dauernde Faulheit ist unter unserer Würde. Es gehört zu unserm Wesen,  unser Leben durch eigener Hände und Kopf Arbeit zu  ernähren. Wir mißbrauchen die Gaben des Schöpfers, wenn wir statt Gutem Sünde produzieren. Und damit Gott selbst reinreißen. Wären wir ameisenmäßig verfasst, täten wir automatisch das Richtige. Aber wir Menschen haben Spielraum für Wille und Erkenntnis und ja- Faulheit. Gott leistet sich den hochriskanten Menschen. 

 

Liebe deckt Übertretungen zu

Sprüche Salomo 10,12

 

Liebe hält den Geliebten hoch, traut ihm Besserung und Heilwerden zu. Liebe sucht zu verstehen, zu entschuldigen. Liebe tritt stellvertretend ein. Zieht zunächst nicht zur Rechenschaft sondern geht erst mal von einem Irrtum aus, von Über die Stränge schlagen“. Liebe macht ernst mit Jesu Wort: „Sie wissen nicht was sie tun.“ Liebe ist geduldig, lässt sich nicht erbittern, deckt auch mal zu. Allerdings muß Güte auch eine scharfe Kante haben, damit sie nicht mit Dummheit verwechselt wird.

 

Die bessere Rechenart

Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, und wird doch ärmer.

Wer reichlich gibt, wird in der Not gelabt. Und wer Korn zurückhält, dem fluchen die Leute; aber Segen kommt über den, der es verkauft.

Wer sich auf seinen Reichtum verlässt, der wird untergehen; aber die Gerechten werden grünen wie die Bäume, gepflanzt an Wasserbächen (Psalm1).

Sprüche Salomo 11

Geschäfte muß man damit machen, daß andere auch gut davon haben. Nützen wir einander, ein jeder mit der Gabe , die er empfangen hat. Und wer reichlich empfangen hat, der hat auch reichlich zu verteilen. Wehe, bei ihm stockt der Wohlstand und die Güter häufen sich bei ihm. Er droht an ihnen zu ersticken; letztlich wird er Diebe als Befreier feiern.

Es geht darum, die Begabungen und Waren wechselseitig zu nutzen. So gesehen ist übermäßiges Sparen Entzug von Energie und der wahre Luxus;  besser ist, was man nicht selber braucht- richtige Alterssicherung inklusive- loszugeben, daß andere damit was anfangen können. Fürs Überleben durch eigener Hände und Kopfarbeit das Startkapital geben, ist groß. Wer grünen lässt, gedeiht mit.

 

Kostbar das richtige Wort

Trage deine Sache mit deinem Nächsten aus, aber verrate nicht eines andern Geheimnis.

Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen. Ein Weiser, der mahnt, und ein Ohr, das auf ihn hört, das ist wie ein goldener Ring und ein goldenes Halsband.

Sprüche Salomo 25

Wunderbar, daß wir Menschen Sprache haben, um uns verständlich zu machen. Und es können Worte gelingen, „erhaben wie eine Offenbarung, mächtig wie donner, warm wie die Liebe, gnädig wie der Himmel, weit wie die Erde , fruchtbar wie der Acker, süß wie eine süße Frucht“ (Joseph Roth). Manchmal reden wir rau und abfertigend oder verhaaren in wortloser Blödheit. Aber wie herrlich, wenn Menschen ihren schmerzerfüllten Seelen Ausdruck verleihen und sie einander sich frei sprechen.

Anderer Menschen Geheimnis verraten, das macht mitverantwortlich für die Folgen. „Alles zum besten kehren“- rät Martin Luther. Schweigen kann behüten. Lassen wir einander  Privatsphäre, auch durch Wegschauen. Prahlen wir vor allem nicht mit Wissen, das auszubreiten, andere schmerzt. Nehmen wir unsere Sensationslust in Zaum.

 

Armut und Reichtum gib mir nicht;

mein Teil Speise, das du mir beschieden hast, lass mir zukommen.

Sprüche Salomo 30,8

Reichtum kann mich des Mitleids entwöhnen, einfach dadurch, daß ich mich vor Begegnung mit Armut und ihren Forderungen schütze. Ich kann mir Privilegien beschaffen an Heilmitteln, an Rechtsbeistand, an besseren Konditionen bei der Bank. Aber auch Armut ist kein Heilmittel. Sie kann mich auf Hunger reduzieren, kann alle Kräfte binden für ein Dach überm Kopf, kann alle sonstige Phantasie austreiben.

Eine Mitte aus Zuviel und Zuwenig wäre gut. Aber mit welcher Mitte wäre ich zufrieden? 

 

 

Der Prediger Salomo

Alles Irdische sucht nach Sinn

Alles ist auf der Kippe zum Sinnlosen. Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? Generationen vergehen, Generationen kommen. Ja, die Erde ist standhaft. Die Sonne geht auf und geht unter und geht wieder auf. Der Wind dreht sich. Die  Wasser laufen ins Meer, eigenartig- das Meer wird nicht voller.

Reden ist so mühsam, es  kommt nicht zu Ende. Das Auge sieht sich nicht satt, das Ohr hört sich nicht voll. Was man getan hat, das tut man wieder. Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.

Prediger Salomo 1,1-9

Einer der großen Klagetexte der Menschheit. Sanft klingt die Melancholie, bitter klagt die Depression. Aber dazwischen leuchten Sätze tiefer Poesie, ähnlich dem Trostwort der Mascha Kalèko „Die Nacht, in der der Kummer wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.“

Viel ist die Mühe und klein die Beute.  Aber die Freude am Gelingen könnte uns retten, bei aller Wiederholung. Und geschieht wirklich nichts Neues unter der Sonne? Ist nicht jedes Neugeborene, jeder Tag eine neue Schöpfung?