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Kolumne 25. Februar 2006 - <br>Vom Heiligen haben wir wenig Ahnung

Traugott Giesen Kolumne 25.02.2006 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Vom Heiligen haben wir wenig Ahnung

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Wir hier im Westen winken nur müde ab beim Thema Gotteslästerung. Das Wort "Blasphemie" sagt uns nichts mehr, weil wir kein Heiliges mehr kennen. Unser Gott hier ist mein Besitz, meine Privatheit, mein Geiz, das berauschende

Sammlerobjekt, Freizeit, und die Wahlfreiheit zwischen 30 Fernsehkanälen. Außer Weihnachten und zu Festen des Lebenslaufes geht kaum ein Mensch zur Kirche. Es gibt keine Feste mehr, die uns ein Gemeindegefühl vermitteln, außer Fußball und Karneval, typisch, daß sie da das Halleluja singen. Religion ist ein heißes Medium, aber tabu - ist völlig der Einsamkeit des Einzelnen überlassen.

Ja, auch Kirche hat Ausnahmen. Hingebungsvolle Nachbarschaftsarbeit im Quartier, Taizé, folkloristisches Wallfahrtswalking im Fuldaer Land und Oberbayern. Und die Medienstars Woitila und Benedikt, die Menschen mitreißen und in die Knie zwingen.

Das öffentlich gültige Heilige ist uns abgebrannt. In Auschwitz, im Verhungernlassen, in Guantànamo - absurd, wie man einem christlichen Präsidenten durchgehen läßt, die Folter außer Landes zu verlegen. Vom Denken zersetzt scheint uns das Heilige, der Ironie zum Fraß gegeben. Aller Fortschritt ist augenscheinlich zweischneidig, alle Güte lockt auch zum Mißbrauch; das lähmt. Wir können Gott nicht beweisen, allerdings die Nichtexistenz Gottes auch nicht. So ist ein jeder freigesetzt und dazu genötigt, selber die ihm wahre Wahrheit zu finden. Die Kirchen haben da erfahrungsgesättigte Angebote. Garantien haben sie nicht.

Es bleibt die Sehnsucht nach dem ganz anderen, dem Wunder, dem Hohelied der Liebe vom eigenen Leib gesungen. Wir brauchen das Evangelium: Gut, daß du da bist, geliebt, gebraucht. Aber wer sagt es in Vollmacht? Die Völker anderer Weltgegenden sind von des Gedankens Blässe noch nicht so angenagt wie wir, die wir durch die Marx- und Feuerbäche hindurch mußten.

Dort ist der Mann noch Familienoberhaupt, Gottes Vertreter auf Erden. Sie glauben den Allmächtigen im Himmel mit Jungfrauen, dem Kämpfer zur Belohnung. Und bieten ihren Arm als Waffe des Herrn. Das hatten wir alles auch. Und die Katholische Kirche läßt immer noch zur Ehe das Wort aus dem neutestamentlichen Epheserbrief erklingen: "Der Mann ist das Haupt der Frau." Auch wir kannten eben noch Heilige Kriege.

Andere Religionen haben ihr Fundament in für sie heiligen Schriften und heiligen Personen. Und wer die Schriften mit Füßen tritt oder die Personen abbildet - dazu noch in abschätziger Darstellung - der ist gehaßt von Gott, wie sie ihn zu kennen meinen. Und sie meinen Gott zu verteidigen, wenn sie die Ungläubigen verachten. Sie haben noch, was ihnen heilig ist, sie haben eine Ehrfurcht von weit her. Um zu bestehen, brauchen wir eine menschenfreundliche Frömmigkeit - und Manieren. Der Prophet und die iranische Fußballmannschaft bei uns zu Gast - beide mit Waffen dargestellt - das ist fremdenfeindlich. Einige fanden das witzig, andere sind tödlich getroffen. Wir müssen verstehen lernen.

Traugott Giesen war Pastor in Keitum auf Sylt. Er schreibt in unregelmäßigen Abständen weiter am Sonnabend in der WELT.


 



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