L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001
0720496

Traugott Giesen Kolumne 20.02.1999 aus Hamburger Morgenpost

Einfach mal weg

Aussteigen, Sabbat haben, Türen zu und weg. Für kleines Geld geht das schon. Wichtig die Lust, mal zu sich selbst zu kommen und noch ein anderer zu sein als der Fleißige, Freundliche, immer Präsente. Neugierig muß man sein, wer man noch so ist. Dazu kann Verfremdung helfen, eine andere Gegend, ein anderes Land, in anderem Klima, anderem Bett, mit fremdem Essen, neuen Gebräuchen, anderen Menschen.
Willst du mal wer anderes sein als im Beruf, bei den Nachbarn, in den Pflichten? Dann überlaß Schlüssel, Stempel, Arbeit, Kunden den Kollegen. Sie werden dich gut vertreten. Sie werden dir aufheben, was nur du kannst. Sie werden dir deinen Platz nicht streitig machen, du hast ja auch sie fair vertreten, als sie vom Platz waren.
Oder hast du einen Menschen in Pflege? Dich bei ihm vertreten zu lassen ist schwieriger. Vielleicht mußt du lernen zu enttäuschen. Wen kannst du in die Pflicht nehmen? Wer hatte keine Gelegenheit, pflegend Gutes zu tun, weil du meintest, unersetzlich zu sein? Wage, dein Recht zu leben.
Und staune mal über deine Lust, wachen Geistes dir Freude anzutun. Halte dich für wichtig genug auszuspannen. Sink mal in eine andere Welt, laß dich gehen.
Raumveränderung erzeugt Vergessen. Sieh dich mal freigesprochen von Berufsrollen und Standespflichten. Ohne Schreibtisch, ohne Werkzeug, ohne Notdienst-Ruf bist du einfach nur Du. Hab keine Angst vor der kleinen Leere. Du gehst dir schon nicht verloren.
Und laß die Zeit gleiten, geh mal ohne Uhr. Du bist wichtig, auch wenn keiner nach dir verlangt, du niemandem nützt. Laß die Dinge an dich herankommen. Sie meinen nicht sofort und unabdingbar dich wie auf der Arbeit. Andere sind zuständig, andere wissen das Richtige, auch ohne daß du gefragt wirst. Halt mal aus, nicht verantwortlich zu sein. Das Telefon meint nicht dich, und das Klingeln an der Tür auch nicht. Und andrerleuts Kinder, die die Tischdecke beschlabbern, mußt du nicht erziehen. Widme dich deinem Ausruhen.
Und mach, was du gern tust, wozu du aber alltags wenig kommst. Es gibt nicht nur den Nutzen, es gibt auch Segen. Schönes sehen, Ungewohntes hören, das langvergessene Instrument wieder spielen, überhaupt spielen – sich verwandeln zum Kundschafter oder Hobbywinzer, zum Archäologen oder zur Detektivin – mittels der Rollenvorgaben aus Spielanleitung oder Lektüre oder mitgereisten Enkeln, wenn es gewährt ist. „Du sollst Feiertag halten“ – ist auch Freispruch für dich. Auch dir steht von Erhaltungssorge freie, also zweckfreie, sinnvolle Zeit zu.
 


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2021 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...  

 
Online 5