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Traugott Giesen Kolumne 27.03.1999 aus Hamburger Morgenpost

Das Morden beenden

„‘s ist Krieg, es ist Krieg – und ich begehre, nicht schuld daran zu sein!“ so schrie der Dichter Matthias Claudius auf, während Deutschland unter Napoleon blutete. Vor 85 Jahren und vor 55 Jahren zerriß es Millionen Menschen, man nannte den Wahn die „Weltkriege“. Dann gründeten die Völker die Vereinten Nationen und versprachen, ihre Konflikte fortan gewaltlos zu lösen. Aber die Eiszeit des kalten Krieges – und Korea, Vietnam und Kambodscha, Israel, Libanon, Uganda, Sudan, Irak und jetzt wieder Jugo-slawien – das Leid durch massenhafte Gewalt nimmt kein Ende.
Wir Menschen haben neben guten Eigenschaften wohl auch einen Haßvirus. Normalerweise bleibt er latent, wir bedrängen uns nur zur Not, drücken an die Wand per Geld, reden tot, stellen kalt durch Verachtung, lassen verhungern in der Ferne. Das alles ist schlimm genug. Aber die Inbrunst, die „ein Volk, ein Reich, ein Führer“ will, hat nachgelassen. Die Rangfolge wird weniger durch Waffen und mehr durch Zahlungsfähigkeit und Strafzölle und Schutzgelder festgestellt. Die Unterschiede der Reli-gionen und Völker verblassen. So langsam entdecken doch die Menschen den Menschen. Uns hier ist Krieg mit Nachbarvölkern doch endlich unvorstellbar. Nicht, daß wir bessere Menschen geworden wä-ren als Eltern und Großeltern. Aber Krieg scheint uns einfach unmöglich – uns ist ein Wunder gesche-hen. Wir lernen Toleranz, was ja von „dulden“ kommt, nicht von „lieben“. Den andern anders sein las-sen, ihm sein Glück gönnen, nicht mich in Frage gestellt sehen durch seinen Erfolg; Leben und leben lassen – lernen wir’s?
Aber Neid lauert immer. Die Decke der Zivilisation ist dünn. Es ist noch in uns die Ansteckungsgefahr, daß wir Mehrwertgefühle ziehen aus Unterschieden.
Und das leitet an zur gotteslästerlichen Seuche, zur Bosheit, die im Kosovo die Menschen zerreißt: Die einen sehen sich berufen, Gericht zu vollziehen. Rauben und Morden wird als Vaterlandsliebe verherr-licht. Ein Tyrann mit als machtbesessen geltender Ehefrau verschafft sich Hilfswillige in Scharen durch Teilen der Beute. Er ist „ein Spieler, der den Preis der Niederlage immer anderen zuzuschieben ver-steht“ (SZ). Seine nackte Zielstrebigkeit muß doch gebrochen werden. Wenn die Welt dem Morden und Vertreiben dort weiter zusieht, dann sind wir doch mit schuld – als wenn in der U-Bahn einer ne-ben uns erschlagen wird, und wir rührten uns nicht. – Ich denke fest zu denen hin, die auch in meinem Namen Bomben werfen. Und der Jammer der Fliehenden, Geängsteten ist zum Heulen. Aber Ver-blendete muß man doch vom Steuer reißen. – Nichts ist furchtbarer als der Anblick eines sterbenden Feindes. Allein daran schon müßte alle Feindschaft der Welt zu Ende gegangen sein (Canetti).
 


 



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