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12.03.2001
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Traugott Giesen
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Tel. 04651/31713
Fax 04651/35585
 
 
Vortrag beim 24. Controller Congress 1999, München
„Optimierung von Controller-Effizienz durch soziale Wachheit
- einige Unarten, viele Lichtblicke“

Vision
Vision sei der Controller, die Controllerin als Kopf des lernenden Unternehmens oder wenigstens der lernenden Abteilung.
Dazu sind Selbstbewußtsein und Bescheidenheit nötig. Controller bringen immer andere auf gute Ideen, entwirren Knoten, schräddern Blockaden; besorgen, daß die Firma bleibt, so daß sie Löhne bezahlen und Projekte weiter finanzieren kann. Controller liefern immer anderen zu. Immer werden andere sich schmücken.
Doch Geburtshilfe leisten, ist viel. Sokrates war auch damit zufrieden, andere zu ergänzen und ihnen zu helfen, Ideen zu entbinden. Also entbinden, entfesseln Sie die Lust, effektiv zu werden. Etablieren Sie die Ehrfurcht, mit den Ressourcen Zeit, Kraft, Ideen, Geld, achtsam umzugehen.
Ihre Vorschläge werden Energien in Bewegung setzen. Sie bringen Menschen zu konzentrierter Arbeit. Sie haben die Begabung, die Fähigkeiten anderer zu bündeln und wirksam zu machen. So beschaffen Sie den Mitmenschen mehr Geachtetsein und stellen letztlich mehr Zeit für Freude bereit.
Bestehen Sie jedenfalls für sich auf diesen hohen ethischen Anspruch. Daß Sie Gewinne steigen machen, kommt hinzu; läuft so mit. Wichtiger ist, daß Sie anderen mehr Wirkung verschaffen.
Sie sind Dienstleister par excellence. Sie machen andere effektiver, Sie helfen anderen, zu gewinnen. Immer werden Sie andere zum Leuchten bringen. Bei aller Leistung müssen Sie bescheiden bleiben, um wirken zu können.

Behutsam
Man muß sich hüten, die Überzeugungen anderer zu durchkreuzen. Wer hat schon gern den großen Zampano vor sich, der zeigt, wo’s lang geht? Lieber bieten Sie sich an als Schrittmacher, der mit dem richtigen Werkzeug, Denkzeug willkommen ist. Und der erst mal Anerkennung zollt. - Eine Referenz unserem Dichterfürsten Goethe zu seinem 250. Geburtstag: In „Wahlverwandtschaften“ zeigen Eduard und Charlotte dem Neuankömmling die renovierte Parkanlage. Und da heißt es: „Er bemerkte jede Schönheit, welche durch die neuen Wege erst sichtbar und genießbar geworden. Er hatte ein geübtes Auge und dabei ein genügsames; und ob er gleich das Wünschenswerte sehr wohl kannte, machte er doch nicht, wie es öfter zu geschehen pflegt, Personen, die ihn in dem Ihrigen herumführten, dadurch einen üblen Humor, daß er mehr verlangte als die Umstände zuließen, oder auch wohl gar an etwas Vollkommeneres erinnerte, das er anderswo gesehen.“
Also bedenken: Die von Ihnen Controlling bekommen, sind schon länger an dem Projekt dran, haben schon viel versucht.
Diese Mühen erst einmal wahrnehmen, möglichst anerkennend. Sie kennen ja die goldene Regel des Jesus: „Was Ihr wollt von andern, das tut ihnen auch“ (Matthäus 7, 12.)

Interessen ausgleichen
Der Controller geht davon aus, daß die Mitarbeitenden sich nichts schenken lassen wollen sondern gute Arbeit geben wollen für gutes Geld. Der Controller wird nicht schlechter von andern denken als von sich selbst. Da auch er Erfolg bringen will, setzt er das gleiche Engagement bei andern voraus. Er wird sorgen, daß erfolgverhindernde, niederziehende, störende, ablenkende Strukturen abgebaut werden.
Also, zum Beispiel kurze Dienstwege, klare Bescheide, Roß und Reiter benennen. Fairneß, immer wieder der Versuch, gleich liebenswürdig zu sein zu jedermann, jederfrau; Rechenschaft als Pflicht auf allen Ebenen.
Vor allem muß das Klima stimmen, die Ressentiments, die Ehrhubereien, die Verletzlichkeiten müssen gemerkt sein, müssen zur Sprache gebracht werden. Viel Zeit muß der Controller anlegen in human relations - muß Kränkungen lindern und Eitelkeiten stillen, muß Rivalen auseinanderhalten, die Lauten dämpfen, die Stillen verstärken, muß Streithähne schonend trennen, Interessen ausgleichen und die verschiedenen Begabungen einbinden! Controller soll weniger Durchreißer sein, mehr Hirte, der den Haufen einigermaßen in Wegrichtung hält zu grüner Aue und frischem Wasser (Psalm 23).

Hirte und Interpret
Es ist doch so, die Fakten mögen stimmen. Aber was sie bedeuten, was sie anrichten, hängt von Ihrem Anrichten, Ihrer Darbietung ab.
Und Sie müssen gemocht sein um zu wirken. Chefs können anordnen, Controller aber müssen andere gewinnen, also müssen Sie zeigen können, daß Sie auf  der Seite derer sind, die das Controlling jetzt bekommen. Sie wollen wirklich sich mühen, Schrittmacher zu sein für deren bessere Zukunft (deren besseres Gebrauchtwerden, besseres Nützen).

Sprache bestimmt
Der Wirkstoff des Controllers ist die Sprache. Damit übt er Macht aus. Die Wertschätzungen auf den Begriff zu bringen und damit auch Mißbilligungen und Degradierungen in Wörter fassen, die dann an die Sachen geheftet sind und auch Menschen anhaften. Es bedeutet Macht, die Namen zu geben - schon Adam bekam im Paradies den Auftrag, den Tieren Namen zu geben: „Wie er sie nennen würde, so sollten sie heißen“ (1. Mose 3, 19).  Macht bedeutet auch, die Nachricht mit Kommentaren zu versehen, ja Sache und Bedeutung ineinander zu verweben. Achtsamkeit ist da nötig. Wenn eine Beratungsfirma sich anbietet, unter anderem die Liquiditätskosten zu ermitteln, dann ist das verheißungsvoll. Wenn daraus der Druckfehler  „Liquidationskosten“ wird, gerät man schon ins Erschrecken. Auch zum Beispiel das Wort „Fixkosten“ klingt doch nach festen Kosten, während, das sagt Dr. Deyhle immer: „Strukturkosten“ danach klingt, daß sie sehr veränderbar sind.
In Besprechungen ist die Grenze zwischen Argumentation und Aggression fließend. Jeder will überzeugen, ist aber meist mehr beschäftigt, den andern von seiner Position abzubringen. Wir müssen alle paar Minuten uns selbst einige Sekunden zuhören und klären, ob wir der sein wollen, den wir da hören, der sich da verbreitet; ob wir dem ein gebrauchtes Auto abkauften? Rufen wir uns zur Ordnung, daß wir zum Gespräch helfen, worin jeder das Seine hinzu tun kann.
Vor großen Runden werden Sie mit Einzelnen reden, und dann ist es die Kunst, den einzelnen nicht zu behaften mit dem eben unter vier Augen Gesagten. Sie werden jedenfalls nicht durch Zitieren eines andern den Nächsten aus dem Sattel heben. Klar, daß auch Sie Argumente suchen, die Ihre Vorlage stützen. Aber sie können es sich leisten, aufzufordern, man möge den Entwurf löchern. Belohnen Sie zündenden Widerspruch mit Ihrer Anerkennung. Klug ist, wer die Schlauen einbinden kann. Klug sollen wir sein, sagt Jesus. „Klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16).

Zuhören ist wichtiger als selbst reden
Vier Ohren muß der Controller schon haben. Sagt ein Assistent: „Ich bekomme die Kalkulation nicht fertig“, was meint dann er? Mit dem Appell-Ohr gehört, vernehmen Sie: „Hilf mir.“ Mit dem Sachohr gehört, vernehmen Sie: „Ich brauche mehr Zeit.“ Mit dem Selbstoffenbarungsohr gehört, vernehmen Sie eine Bitte: „Sprich mich los, ich tauge nichts für diesen Job.“ Mit dem Beziehungsohr gehört: „Du läßt mich sowieso immer allein.“ (Nach: Friedemann Schulz von Thun „Miteinander Reden“ rororo 1490.) Mindestens vier Ohren hat der Controller, übrigens auch in der Liebe, und wir haben keine Chance, nur auf der Sachebene zu verkehren. Nur mit Emotionen geht was los.

Mach Dich ehrlich
Unter einer Decke stecken, das kann unangenehm werden. Du weißt, die Sache ist faul; ich weiß, die Sache ist faul; Du weißt, daß ich es weiß; ich weiß, daß Du es weißt. Halten wir zusammen dicht? Oder geben wir zusammen den Auftrag zurück. Stellen wir dann uns oder Dritte bloß? Dazu müßte man reden. Aber oft wird das gemeinsame Wissen dumpf beschwiegen - und los geht Belauern, Beargwöhnen.
Seilschaften Connections, Sympathien laufen immer mit. - Breitest Du über mein Ressort den Mantel Deines Wohlwollens, dann schone ich auch Dein Budget. - Jedenfalls verlange nicht von anderen gläserne Taschen, während Du Deine Dunkelzonen weiter einnebelst. - Irgendwann ist der Punkt, aufzustehen und nein zu sagen; auch die Projektverliebtheit hat Grenzen. Gerade wenn man lange mittat und diverse Alarmsignale rauschend überfuhr, dann brich Du ab.
Ein Gebet paßt in solchen Situationen auch: „Schaue beim Loben nicht nur nach oben, schau mal zur Seite, dann siehst Du die Pleite.“

Vorausblicken
Als Controller muß man Lust an Planung haben, dazu muß man die Nase im Wind haben, hinter jeder Ecke lauern viele Richtungen. Also schon rausgehen, während andere noch in der warmen Stube hocken, noch die alte Cash Cow streicheln. Wohin es hinaus will, das wittern.
Vorausblicken. Galilei hat mit seinem ersten Fernrohr ein hübsches Vermögen gemacht, auf dem Campanile des Markus-Domes in Venedig hatte er es aufgebaut. Und konnte weiter blicken, konnte als erster die Segelschiffe und deren Herkunft identifizieren, wußte also früher als andere, aus welchen Ländern, und mit welcher Ware sie demnächst einlaufen - wußte also eher von dem Weizenschiff aus Ägypten, wußte also, daß bald Weizen reichlich vorhanden sei - und stieß noch zu gutem Preis seine Vorräte ab.
Der Controller soll Lotse sein zum Gewinn umfassenderer Daten, die mehr Wissenstiefe beschaffen. Dabei ist die Zukunftskonsistenz entscheidend. Nicht, was ist, ist gut für Weiterers, sondern was gut für Weiteres ist, das ist gut. Das Vorhandene ist Vorform für Kleineres, Kompatibleres, Essentielleres, Einfacheres, in wenigen Schriften Beschaffbares. Das Vorhandene ist Vorform für Raffinierteres, Erweiterbares, Fehler- und Benutzerfreundlicheres. Das Jetzige ist Vorform letztlich für Menschenfreundlicheres und damit auch Naturverträglicheres.
Erstrebenswert ist Wegbereiter für Weiteres.
Von der Vorläufigkeit allen Seins überzeugt sein, ist eine Art Frommsein für Controller. Auch mich als vorübergehend sehen, gehört dazu. „Wir bauen hier so feste und sind doch fremde Gäste, und wo wir werden ewig sein, da bauen wir so wenig ein.“ Da ist doch was dran.

Zukunftssüchtig
Zukunftssüchtig sollte der Controller auch sein. Auch Meinungen sind kostbar, nur sofern sie nicht das vorhandene Längstgewußte wiederkäuen, sondern Mögliches bebrüten, Künftiges ankündigen. Alle Meinungen müssen immer wieder durch das Nadelöhr „zukunftsschaffend oder verworfen“ hindurch. Unsere Meinungen sind nicht letzte Wahrheiten. Sie sind Annahmen, die im Dialog immer wieder als für jetzt noch haltbar sich erweisen müssen. Meinungen müssen falsifizierbar sein, also bis zu welchem Knackpunkt höchstens gilt das jetzt, das muß geklärt sein.

Mut zu Fehlern
Controller stehen für Fehler ein und halten sich keinen Watschenmann. Sie lassen auch andern nicht durch, Fehler abzuschieben - sie bewegen auch den Chef, auf Gescholtene zuzugehen. Früh ein Quantum Mitschuld am Fehler einräumen, ist einfach klug. Fehler sind auch Stolpersteine auf dem Weg, sie zeigen, man ist unterwegs. Würdigen wir Irrtümer als Lernstoff, etwa Gefahren zu beseitigen, und wenn nicht verhinderbar, dann ist die Lage doch zu entschärfen, jedenfalls wird sie ab sofort alarmierender gekennzeichnet.
Sie wissen, daß Aufmerksamkeit nach Zeit das höchste Gut ist. Wenn wir viel verallgemeinern, brauchen wir wenig Aufmerksamkeit und wenig Staunen und können viel nebenher noch tun. Fehler kommen zustande, weil wir so viel verallgemeinern und zuwenig die Tücke des Objekts wahrnehmen. Also lernen wir aus Fehlern, die Überheblichkeit uns abzuschminken, und die Sperrigkeit der Dinge, die Komplexität läßt sie uns merklich merken. Ich Menschlein schneide mich beim Kartoffelschälen, kann kaum einen neuen Schlipsknoten lernen. Wie oft brennt mir beim Telefonieren etwas an. Also paß auf, Menschlein.
Und Humor entspannt. Sich selber freigeben zum Belachen ist stark - überhaupt die Schärfe rausnehmen mit Ablenken durch Humor und: „Verzeih, ich hab’s nicht bös gemeint.“ Auch die Zeichen des Eingestehens lesen können. Der kluge Hund, scharf getadelt vom Herrchen, daß er ihn angebellt habe, wendet den Kopf und bellt die Wand an! Und beide wissen Bescheid.

Menschenliebe
Ohne Menschenliebe geht nichts. Eigentlich darf Controller nur werden, wer sich und andere mag. Also glaubt das: Gott, das Schicksal, das Leben liebt Dich und braucht Dich, Du bist gewollt vom Geheimnis der Welt. Vielleicht nicht als Controller, sondern als Kneipenchef/in in St. Tropez oder als Familienvater/Mutter im Albert-Schweizer-Kinderdorf. Aber Du bist geliebt, gewollt, gebraucht - Du wunderbar, einzigartig, Du begabt und findig, bist kompetent, glücklich zu werden und glücklich zu machen. Du, denke gut von Dir und anderen. Merk, was Dir gut tut. Tu was Du willst, wirklich von innen willst - dann kannst Du nicht viel falsch machen. In Dir ist nichts Nur-Böses. Glaub das. Und Du wirst auch Lust haben, anderen Gutes zuzutrauen. Fördere Menschen, daß sie im Rahmen ihrer Kräfte wirken. Fördern, das ist größtes Glück. Darum habt Ihr Controller einen wunderbaren Beruf, fast so schön wie Pastor sein, wenn man Lust daran hat.

Haushälterlich
Mit Fähigkeiten, Deinen und der Mitarbeitenden, gehe ökonomisch um, also haushälterlich. Es kommt von eukos nomos - das Gesetz des Hauses. Vor allem mit dem wichtigsten Gut: der Zeit. Jede Stunde ist einzigartig, nie wiederholbar, endgültig ist sie davon. Da muß schon was bei rumkommen, wenn Sie jemanden zum Gespräch holen - besser zum Gespräch gehen. Auch diese ½ Stunde Lebenszeit, die Sie hingeben - hoffentlich können Sie sich ein, zwei Früchte pflücken.
 

Frieden schaffen Zuhaus
Arbeiten Sie an einer guten Aufteilung Ihrer Kräfte: Arbeit, Familie und noch etwas Eigenes; achten Sie auch auf Schutz und Geliebtsein von Zuhause. Dann sind Sie davor behütet, Dienst und Privat zu vermischen. Fordern Sie nicht zuviel Zuneigung von Kollege/Kollegin.
Der Controller muß die Schwachstellen finden. Seine eigenen stehen gewöhnlich nicht zur Debatte. Das ist Zuhause ganz anders. Zuhause ist jeder Laie. Vater/Mutter kommt jeden Tag gnadenlos auf den Prüfstand.
Die Liebe verlangt Gleichwertigkeit; Großmut, Lust auf Nähe - wenn man da aus der Firma kommt und will Ruhe haben, stürzen rücksichtslos die Probleme auf den Heimkehrer ein. Der soll es richten, s´ gehört zu seinen Pflichten - Großmut walten lassen und nie vom Geldnachhausebringen Privilegien ableiten, das ist schon starker Lernstoff.

Scheitern können
Noch ist uns gut in Erinnerung, wie bei der letzten Fußball WM Berti Vogts und die deutsche Mannschaft schlechte Verlierer waren. Die Bayern waren eben zweimal gute Verlierer. Woher die Stärke nehmen zur guten Miene und zum Verzicht auf Sündenbock-Theorien? Immer ist es erhebend, Sieger zu sein oder wenigstens mit Siegern zu feiern. Aber wichtiger wird es, mit Scheitern zurecht zu kommen. In Zukunft werden mehr denn je diejenigen gewinnen, die auch zu verlieren verstehen (SZ 157/98). Denn eingespielte Strukturen werden sich weiter verflüssigen. Das eigene Leben muß mehr gewagt, geplant und verantwortet werden. Wechsel von Hochs und Tiefs werden üblich, Höhenflüge und Abstürze werden eher die Regel, wobei die Abstiegsraten zunehmen.
Mehr und mehr werden Teams für Projekte angeheuert, auch mehrere Teams nebeneinander, die auf dieselbe Aufgabe angesetzt sind. Nur das Siegerteam wird auch an die nächste Aufgabe geschickt, die anderen Teams werden aufgelöst - Sieg und Erfolg werden wichtiger denn je. Um so nötiger auch wird das Verlierenkönnen.
Jeder wird, wenn er weiter kommen will, öfter auch zurückstecken müssen und wird Abschied nehmen von Illusionen. Gut verlieren können, wird eine der wichtigen Zukunfts-Qualifikationen sein. Nur die werden gewinnen, die auch zu verlieren verstehen.
Wir müssen lernen, daß Niederlagen nichts Peinliches haben. Peinlich ist, sich auf einem Sockel zu wähnen, der sicher in der Brandung steht. Peinlich ist, mich für unfehlbar zu halten. Peinlich ist, wenn ich erst durch eigene Niederlage von Hochmut loskommen. - Aber dann hat sich’s wenigstens zu etwas gelohnt. Und das Unglück ist nicht ein ganzes Unglück, eben weil es mich was lehrte.
Ich erlebte in Paris, wie Taschendiebe mich abgeerntet hatten. Ich stand sehr blaß da vor Frau und Kindern, die ich alle mit Brustbeutel ausgerüstet hatte, nur mich hielt ich wohl für unverletzlich. Wie der Vater endlich mal schwach war, und die Kinder mit ihrem Postsparbuch uns lässig aus der Patsche holten - ein Beispiel mit - daß ich nicht nur Sieger sein muß, die Familie hat Kraft, auch mich zu tragen. Und wir können auch auf niedrigerem Finanzniveau klarkommen. - Arm ist letztlich, wer viel braucht.

Neuanfang
Wichtig ist, daß Neuanfang möglich ist, daß ich mir Neuanfang zutraue, daß ich nicht Quälgeist des Beharrens  werde, nicht in der Liebe, nicht in der Firma. Was nützt es mir in der Liebe, auf Treue zu pochen, wo ich doch Liebe will. Was nützt es mir in der Firma, mitgeschleppt zu werden, weil ich noch nicht entlassen werden kann. Setz drauf, daß Du gut genug bist; aber jetzt gerade die Firma nicht gut genug ist, Dich angemessen zu nutzen. Und stilisier Dich nicht zum Opfer böser Mächte. Entwickle keine Verschwörertheorien, wähne Dich nicht verfolgt. Und wenn es bessere Beziehungen waren, die dem andern den Vorzug einbrachten? Dann lerne doch daraus, in Zukunft mehr Beziehungen zu pflegen, oder stell Dir in Rechnung den Genuß des ungeselligen autonomen Lebens.
Flops nimm als Anschub, als Anfang. Aus Kindertagen haben wir dazu eine stärkende Erinnerung gespeichert: Zum Laufenlernen gehörte Hinfallen und Aufrappeln - oder poetisch: „Und wäre dir auch was verloren, kannst immer tun wie neugeboren“ (Goethe). Also Niederlagen müssen wir schultern lernen.
Und Kampf der Schadenfreude. Wie es drinnen aussieht, geht niemanden was an, aber nach außen tragen ist Schadenfreude der Triumph kleiner Geister.

Das Recht auf die nächste Gelegenheit, laß sie gelten. Der Controller ist auch Prophet und Anwalt der zweiten Chance. Also Ziele verabreden, und dann die Ergebnisse auf den Tisch tun - Sie sind ja zur Probe. Sie müssen riskant sein. Der Controller sei Trainer des „stop and go“. Die Einzelarbeit muß ausgesetzt werden der Gruppenwahrnehmung. Die Pfadfinderstudie des Vordenkers muß dem Know-how des Teams standhalten. Immer wieder anerkennende aufbauende Worte! Und Optimismus tanken aus dem „Trial and error“. Es wird was hängenbleiben!

Angst nehmen
Unter Angst suchen wir Menschen auf dem kürzesten Weg, dem Druck zu entrinnen durch Fliehen oder Kämpfen. Controller erkennen frühzeitig die Dollpunkte und steuern so, daß wohl ein hochgeladenes Energiefeld das Tableau bildet, doch ohne Hauen und Stechen. Teamgeist wächst aus der Gewißheit, zusammenzugehören und gemeinsam den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und daß keiner allein für den Erfolg der Gruppe kassiert.
Ein Satz für die morgendliche Meditation - doch ja - Sie gönnen sich doch die Konzentration, die nicht Regeln braucht; nur dies Sichvergewissern: Ich bin verankert in gutem Sein. Und dabei tauche Ihnen Ihr Schutzbild auf: Madonna oder Lebensbaum, Ihr Kind oder Kreuz, Kreis, Welle, Ying Yang, Ihr Schutzbild stärke Sie.
Nicht daß Sie Ihrem PC zum Laden mehr Zeit lassen als Sie sich geben. Daß Ihre innere Batterie wieder erstarke, dazu ein Tip: Jedes technisch bedingte Warten, an der Ampel oder am PC, nimm es als Gelegenheit für großes Aufatmen und gutes Ausatmen. Und auf dem Grund des Ausgeatmethabens verweilen - bis es in Dir wieder Atem schöpft. Und Du hast Beseeltheit getankt. Und die halbe Miete für gelingendes Leben ist beisammen für die nächsten Stunden, wenn Sie dazu noch den ethischen Minimal-Satz von Laotse als Ihren inneren Code gelten lassen: „Mit unsauberen Mitteln können wir keine sauberen Ergebnisse erzielen.“ Nicht mehr Recht behalten wollen, ohne es zu haben - ein herrlicher Lernstoff, je älter wir werden.
Jeder ist zuständig für ein faires Umfeld. Daß niemand verlockt ist, kleine Depots zum Eigenbedarf abzuzweigen, kleine Sicherheitsdisketten zu bunkern, Tonbandaufzeichnungen für jeweilige Beweislagen zu fabrizieren - kurz: Sollen Menschen Hochleistungen vollbringen, müssen sie den Kopf frei haben durch ein verläßliches Umfeld.

Zukunft beschaffen, Tempo machen
Das Radio existierte 38 Jahre, bevor es 50 Millionen Zuhörer hatte, das Fernsehen brauchte 13 Jahre, um diese Zahl zu erreichen. Das Internet schaffte das in vier Jahren. Wir leben in rasanten Zeiten. Eine Firma wie Siemens holt jeden Tag für 300 bis 400 Millionen Mark Aufträge rein, ähnlich viel muß die Allianz jeden Tag anlegen. In USA gehört schätzungsweise 60 % der Anteile institutionellen Investoren - die vierteljährlich Erfolge nachweisen müssen und darum kurzfristig anlegen - 1960 betrug die durchschnittliche Verweildauer in den Portefeuilles noch sieben Jahre, mittlerweile weniger als zwei Jahre, las ich. - Nur ein paar Beispiele, daß wir uns ranhalten müssen.
Investitionen in neue Produkte und Verfahren werden bereitgestellt, nicht weil so schön verdient wurde, sondern weil Gewinn erwartet wird. Die Controller müssen aus den Köpfen die Behäbigkeit blasen; wer sich auf Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle.
Arbeit wird auch in Zukunft genug sein. Mehr Menschen müssen essen, ein Dach überm Kopf haben, und erstreben Behagen, Bequemlichkeit, Luxus. Solange Menschen da sind, werden sie Waren und Dienste wollen. Und sie werden sich die nötige Kaufkraft für diese Nachfrage erarbeiten, werden also konkurrieren mit uns um Arbeit. Darum muß unsere Arbeit gut sein. Bleibt Ware liegen, wird Arbeitsbereitschaft nicht abgerufen, ist sie zu teuer - auch weil Controller nicht ihres Amtes walteten.

Controller müssen mehr zu sagen haben
„Unternehmer - verzweifelt gesucht“, hieß eben eine Schlagzeile: Allein in den nächsten eineinhalb Jahren brauchen 120.000 mittelständische Betriebe mit 1, 6 Millionen Beschäftigten einen neuen Chef. An jedem einzelnen Arbeitstag müßten danach 270 neue Leute ans Ruder kommen. Doch sagt das „Kölner Institut der deutschen Wirtschaft“ voraus, ein Viertel der Firmen werde wohl erfolglos suchen und damit seien 400.000 Arbeitsplätze gefährdet - auch weil Controller nicht genug zu sagen hatten.
Die hochwertige Begabung der Controller ist, der Firma Zukunft zu sichern. Man müßte Sie Controller um Ihre Hilfe bitten, statt Sie zu scheuen. Sie machen doch fit. Eigentlich müßten Sie privat zu konsultieren sein, wie man einen Coach, einen Therapeuten oder Seelsorger aufsucht, um sich Durchblick zu verschaffen. Vielleicht muß in ihren eigenen Köpfen das Selbstbewußtsein von Lebensrettern/Firmenrettern noch heller leuchten.
Arbeit ist genug da, weil Probleme genug in der Welt sind und Wünsche. Probleme lösen, jedenfalls besser lösen als die Konkurrenz - dazu haben Sie in unfehlbares Rüstzeug: Die Ziele formulieren, die machen, daß Umsatzrendite, Investitionsquote, Personalkosten, Marktanteil, Deckungsbeitrag stimmen. Und ob die Firma morgen noch gut dasteht.

Sich überflüssig machen
Dahin müssen Sie kommen: Nach genügender Trainingszeit mit Ihnen suchen die Mitarbeiter sich eigene Projekte und bearbeiten sie erfolgreich. Ihre Kunst sei, anzuschieben, Köpfe freizuräumen von zynischem Larifari, als genüge Gehorsam und Wegtauchen schon. Sie verankern Kosten-Nutzen-Denken, Sie treiben die Lust aus an „Sozialem Faulenzen“. Sie leiten die Mitarbeiter an zu Unternehmer-Denken - daß diese selbst Freude haben, effektiver zu sein.
Einen Trick gilt es da zu durchschauen: Die Passiven forcieren gern die Aktiven, um selbst hübsch passiv bleiben zu können. Passive genügen sich selbst, ihnen genügt das eigene Erleben. Künstler malen dann für sich selbst. Man muß sie ans Licht ziehen, sie zum Verkauf schleppen. - Das ist schwierig: Wer nicht Biß hat, nicht wirken will, kann nicht verkaufen. Man kann auch keinen Hund zum Jagen tragen. Dabei haben auch passiv-getönte Menschen viel drauf. Aber sie pressen es nicht raus, formulieren es nicht. Controller haben an ihnen einen besonderen Auftrag: Auch ihr Wissen zu verflüssigen durch Absprachen, Vorgaben, Termine, durch Hingehen, Locken, Melken - wenn’s gefällig ist.
Ihr höchster Triumph wird sein, daß die von Ihnen angestifteten Abteilungen Ihr Controlling leisten. So effektiv und überzeugt, daß Sie dort bald überflüssig sind und sich empfohlen haben für ein Stockwerk höher, wo sie besser dotiert von vorn beginnen die Wasserträgerarbeit des Controllers: Wegräumen, was Kreativität verhindert.

In besonderen Fällen
Wenn der/die ... bitte denken Sie sich Ihren Namen hinzu - sagen Sie sich Ihren Namen - „Wenn ... NN kommt, naht Rettung“ - dies sei Ihr künftig Zauberwort. Sie kommen nicht als Henker sondern als Helfer. Das müssen Sie von tief innen her glauben. Dann können Sie überzeugend die nötigen Daten sammeln.
Controller leben vom Wissen über die Abläufe in der Firma. Um Daten zu bekommen, sind sie auf die Mitarbeiter angewiesen. Die Gefragten wollen aber nicht durchleuchtet und durchschaut dastehen - etwa, daß sie noch ihr Grab schaufeln durch zu detailliertes Auskunftgeben. Sie müssen also die Abteilung gewinnen. Das Beste wäre, Sie kämen mit der Zusage der Geschäftsleitung, daß keine Stellen verloren gehen. Das Lopezschema ist da förderlich: Zeige Du mir, wie deine Arbeit effektiver getan werden kann, und Du bekommst einen besser dotierten Arbeitsplatz.
Ein Mund- und Herz-öffnender Einstieg wäre: Die Firma braucht Ihre Willenskraft und Ihr Denkpotential dringend für folgende neue Aufgabe ... Wie können Sie entlastet werden? Wo fühlen Sie Ihre Arbeit bisher öfter umsonst getan? - Kommt Controller mit dieser Vorgabe, wird er nicht mißtrauisch beäugt, als forsche er nur die Schwachstellen aus. Die von Ihnen Beratenen sollen sich niemals über den Schnabel genommen fühlen. Man sieht sich ja immer zweimal.

Die Avantgarde
Controller sind der Kopf der lernenden Abteilung, der lernenden Firma - Sie kommen dem nahe, was die Avantgarde der Wirtschaft künftig auszeichnen muß: nach Rolf-E. Breuer, dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, dürfe künftig nicht mehr belohnt werden, wer viel wisse, sondern wer viel Wissen teile; nicht, wer viele Menschen führe, sondern wer viele Menschen motivieren könne. Controller sind begabt, Schätze zu nutzen, und der größte Schatz ist der Begabungsschatz. Zitat H. v. Pierer: „Allein das in den Unternehmen vorhandene Wissen ist ein Schatz, der im Verborgenen funkelt. Etwa ein Drittel ihrer Arbeitszeit verwenden die Beschäftigten darauf, dies Wissen zu finden. Nur 40 Prozent dieses internen Wissens wird auch wirtschaftlich genutzt.“
Ihr Kapital außer Fachwissen und Menschenliebe sei Begeisterung - Sie werden Ihre Talente nicht vergraben, wie der Ängstliche in Jesu Gleichnis von den anvertrauten Pfunden - sondern Sie werden mit den Pfunden wuchern (Matthäus 25, 144) - und klagen Sie nicht, werden Sie nicht kläglich. Es ist ein Lebensgeschenk: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern“ (Lukas 12, 48). - Auch von Jesus!
Ich wünsche Ihnen die Gnade, zu taugen; den Esprit, mitzureißen, die Inbrunst, Feuer und Flamme zu sein - Ein Hauch Heiligen Geistes möge zu spüren sein, wo Sie wirken - es herrsche da Wirklichkeitssinn, von Möglichkeitssinn (R. Musil) beflügelt.
Haben Sie Lust, ein Segen zu sein.
 
 
 


 



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