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Traugott Giesen Kolumne 24.07.1999 aus Hamburger Morgenpost

Wem viel vergeben ist, der liebt viel

Oft geht es ziemlich gnadenlos zu. Fehler darf man sich nicht leisten. Zuwenig Umsatz und du bist weg vom Fenster. Zuwenig Quote und die Sprecherin ist ins Nachmittagsprogramm verbannt. Zu viele Fahrfehler und du bist den Führerschein los.
Aber wo die Liebe lebt, da herrscht ein anderes System. Wie freuten wir uns, wenn Mutter was hinfiel oder Vater kleckerte. Dann hatten sie nicht so viel recht, waren uns ähnlicher, wir konnten zusammen lachen und hatten auch einen nächsten Schaden frei.
Eltern hängen sehr an ihren schwierigen Kindern. Weil die nicht pflegeleicht sind, beschäftigen sie einen mehr, machen mehr Mühe, fordern mehr Verstehen. Und mobilisieren in uns darum auch mehr Zuneigekraft. Sie machen uns besser als wir sind. Sie fordern uns mehr Geduld ab, schaffen uns also ein Depot an Güte. Sie geben Anlaß, gut von uns zu denken.
Ein Freund, der uns ein Auto verkauft hat, verschwieg einen Schaden, auch weil er hoffte, die Ungenauigkeit sei weggewischt. Dann entdeckten wir die Schweißnaht, sagen es ihm. Er gibt zu, daß es mies war und rückt den überzahlten Schein heraus – lädt uns zum Essen ein – und wir gehen lachend darauf ein: bauen wir Vertrauen neu.
Läßt einer sich nie was zu Schulden kommen, ist er immer klug und korrekt, dann hat er wohl wenig Freunde. Wie soll man ihn auch ergänzen? Er scheint ja autark. Und in der Ehe? Man muß den Mut haben, nur zu fragen was man muß; auch den Mut, sich täuschen zu lassen. Ist das nicht die Stärke des Verheiratetsein, daß beide viel Sorge umeinander haben. Und dem andern helfen, sein Geheimnis zu wahren: wenn sein Wesen ihm ein Lieben noch beschert, das ihr Schweigen braucht – oder er Schutz gewährt, damit sie auf die ihr gemäße Art sie selbst sein kann. Es braucht ja nicht so viel Mitfühlen zu sein, wie dem großen Kaiser Marc Aurel nachgesagt wird, der die Liebhaber seiner Frau zu höchsten Ehren gebracht hat.
Der Jesus erzählt eine Geschichte: Wer liebt mehr? Zwei hatten Schulden beim König, der eine viel, der andere sehr viel. Beiden erließ er die Schulden. Wer liebt den König mehr? Doch der, der mehr Schuld erlassen bekam. Also: Wem viel vergeben wird, der liebt auch viel.
Leb dein Leben, gib dich aus, tu Gutes und tu auch dein Quantum Schuld. „Sündige tapfer aber glaub noch tapferer“ (Luther) an die Liebe, an Gott, an dein Gehaltensein von guten Mächten. Und mute dich zu, deinem Nächsten. Und liebe; ihr bessert einander. Du erfährst viel Kraft. Und kannst darum gut rücksichtsvoll sein. Wenn du Vergebung brauchst und findest, wirst du endlich großzügig.
 


 



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