Gästebuch


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Segen
28.04.2005
13:11 Uhr
     
Möge er euch freundlich entgegenkommen,
Wind euere Rücken stärken,
Sonnenschein eueren Gesichtern
viel Glanz und Wärme geben.
Der Regen möge euere Felder tränken
und Gott möge seine Hand
schützend über euch halten.


für den Weg zum 1. Sonntag nach Trinitatis.
 
Traugott Giesen
27.04.2005
22:18 Uhr
     
Zu guter Letzt -
Veröffentlicht im Kirchenbrief der Kirchengemeinde KeitumOstern 05


Nach 29 Jahren gehen meine Frau und ich dankbar aus dem Pastorat Keitum, Erntedankfest 1976 – 1. Sonntag nach Trinitatis (29. 5.) 2005 war für uns dann eine beglückende Zeit. Wir werden auf Sylt wohnen bleiben können, das Eiland ist uns Heimat geworden.

Ja, es war das halbe Leben- und St-Severin als Arbeitsplatz hat geprägt. Sie ist ja eine Kirche mit Nimbus, warmgebetet, spröde und energiegeladen zugleich. Die Predigtgemeinde war anspruchsvoll- die Konfirmanden stöhnten oft über die lange Rede. Die Konzertgemeinde war ziemlich eine ganz andere; es konnte noch so innig sein, man wollte dann auch raus an die frische Luft. Als Hochzeitskirche sieht sie Paare, die ganz für sich alleine kommen und große Gesellschaften mit Hüten wie im Film. Bei Beerdigungen aus dem Dorf, scheint mir das Kirchlein am meisten bei sich selbst. Dann, bei den Festen im Lebensbogen und HeiligAbend ist es des Herrgotts gute Stube. Die vielen Tagesgäste eilen meist, manche verweilen auch und sitzen still. Deutschlands wohl schönster Friedhof mit Blick aufs Meer lädt zum Weg nach Innen ein. Und wer hier Dienst tut, der wird ein Stück weise, ganz notgedrungen.
Die Einheimischen sind allermeist wohltuend normal und wollen den Pastor wie den Tierarzt – „wenn nötig, soll er da sein, sonst ist er einer von uns“. Das „Du“, jedenfalls mit den Männern, ist mir zugewachsen. Der Kirchgang blieb zurückhaltend, kaum mehr als 10, 12 aus Keitum, noch mal 12 , 20 von der Insel, sonst liebe Gäste. Die kirchenfreundliche Stimmung aber blieb immer gewährleistet. Selten tritt mal jemand aus der Kirche aus, schon mal bei Hausverkauf als Taktik für 2 Jahre. Wenn Austritte, dann waren es allermeist Zugereiste.
Die Jahre 76 – 9o waren gekennzeichnet durch intensive Jugendarbeit (mit eigenem Jugenddiakon Christian Duwe), durch Kinderarbeit immer montags mit Kirchgang, dann Spiel im Pastorat. Später schrumpfte die Kinderzahl dramatisch. Ein Glücksfall war die Einrichtung der eigenen Pfarrstelle für Tinnum 1987; ich hatte an den Menschen hier sehr gehangen, sie waren in manchem normaler und schon (vor)städtischer, auch familienreicher. Überfällig war die Trennung von den Norddörfern1990. Ein weiterer Glücksfall war die Millionen- Spende, die dann mit dem großen Orgelfachwissen des Matthias Eisenberg und seinen Einspielergebnissen zu einer neuen Orgel für St-Severin führte und zur neuen Westempore und starken Sicherung der Dachstatik.
Ein neues Schwergewicht kirchlicher Arbeit gelang von 1992 – 2004 durch Matthias Eisenberg, dem genialen Orgelspieler und magierhaften Dirigenten vieler viel zu großer Oratorien für den kleinen Dorfchor und die kleine Dorfkirche. Dank für ihn, es waren ganz auch ganz neue Gottesdienste mit seiner musikalischen Antwort auf die Predigt und die Nachspiele , die ständig Beifall fanden. Sein Nachfolger Alexander Ivanov ist verheißungsvoll, er bringt auch ganz neue Töne und einen neuen Solistenkreis nach Keitum. Ab 1990 war ich ziemlich aufgesogen von den vielen Wünschen der Gäste, aber das Glück liegt bei der Freundschaft mit den Einheimischen.
Meine starke Frau hat die Gemeindearbeit wesentlich mit bestimmt. Alles Schöne hat sie in die Wege geleitet, sie hat die Kinderkirche lebendig gemacht, den Mädchenkreis „Pusteblumen“ geführt, Konfirmanden unterricht mit erteilt und ist mit auf Fahrt gegangen. Später hat sie, fußend auf ihrer theologischen Qualifikation als Religionslehrerin, sich zur Krankenhausseelsorgerin und Supervisorin ausbilden lassen, hat 17 Jahre die Telefonseelsorge Sylt mitgemacht, sie fünf Jahre geleitet, hat über viele Jahre Theologen in Krankenhausseelsorge ausgebildet, und leitet den Besuchsdienst im hiesigen Krankenhaus. Sie teilte den Pastorenalltag- unschätzbar ihre Präsens im Haus und ihr offenes Ohr am Telefon, wir waren in täglichem Gespräch, sie beriet mich in allen Problemen und trug diese mit, sie half mir mit ihrem warmherzigen kritischen Geist zu gut geerdeten Predigten. Und sie sorgte mit dafür, dass ich vor Abstürzen beschützt blieb- die Aufgaben waren vielfältig, die Versuchungen, „ein großes Rad“ zu drehen, auch. Aber ich ging immer pünktlich weg. Die stabile Ehe und mein realistischer Sinn hielten meine rheinische Frohnatur im Zaum. Am 22. Mai 1998, dem dunkelsten Tag unseres Lebens, starb unser Schwiegersohn Ole auf der Kreuzung Keitumer Landstraße, Tinnumer Brücke bei einem Verkehrsunfall, drei Wochen vor der Geburt seiner Tochter. Die Gemeinde hat uns in dieser schweren Zeit getröstet.
Meine Kirchenarbeit war geprägt durch intensive Gottesdienste und vielfältige Gespräche. Die Menschen trafen sich zum Nachgespräch, zu Gesprächsabend und Abendgebet mit Liedern von Taizé wieder und bildeten eine Gästegemeinde, fast jede Woche neu.
Zweimal im Jahr gab es Predigtaussendung an ca. 500 Adressen, mit freundlichem Spendenrücklauf, der eine großzügige und personalintensive Arbeit möglich machte.
Die Einheimischen sahen es durchweg gern, wenn „ihre Gäste“ gern zur Kirche gingen. „Wenn Eure Betten voll sind, sind auch Eure Kirchenbänke voll“ war einer meiner Sätze.
Bewegend für mich: die missionarische Situation bei den Dorffesten, wenn die ehemaligen Konfirmanden mir ihrer(m) Liebsten vorstellten, dann ihre Kinder vorstellten. Bei den Ringreiterkrönungen, jedenfalls beim „Corps“ sang man „Lobe den Herrn“ – laut vor allem: „der dich erhält, wie es dir selber gefällt“.
25 Jahre besuchte ich treu die Geburtstage, auch schon mal bei, 40, 50zig-Jährigen, bot launige Reden zu vielen Gelegenheiten. habe aber kaum einen Zweitwohnungsbesitzer in seinem Haus besucht, ein ziemliches Versäumen. Schmerzlich immer wieder, nicht hinzugezogen zu werden bei Streit und Zerwürfnis. Ein Pastor hört so viel und weiß noch mehr durch das Begleiten über jahrzehnte hin, man weiß viel von der Herkunft, könnte manches erklären. Manchmal sprach ich ja auch Menschen auf ihr Problem direkt an, aber mehr noch blieb das Gebet und stilles Mitbedenken. Wehmut bleibt beim Gedenken an früh verstorbene Konfirmanden und an Menschen, die hier nicht mehr leben konnten. Bewegend mir immer wieder, der lange Zug der Generationen, sehr viele gingen, weniger viele kamen nach: 1987 gehörten zu Keitum , Archsum , Munkmarsch noch 1260 Christen, 2004 nur noch: 885 . Mehr vom „alten“ Keitum ging dahin, viele seiner alten Häuser bleiben (zum Glück) mit neuen Besitzern und von ihnen saniert.
Ein Kampf war nötig, als 1999 auf die Schnelle dem Grundstück, das die Kirche als Spielplatz für 10 Jahre an die Gemeinde ausgegeben hatten, die Bebaubarkeit entzogen werden sollte- einfach, um den Spielplatz zu sichern. Wir hatten nicht aufgepasst, hatten nicht richtig Einspruch eingelegt (wohl als Träger öffentlicher Belange- aber nicht als Eigentümer). Aber der Kirchenvorstand drohte mit „der großen Glocke“ wegen kirchenfeindlicher Verstaatlichung, sodass man einlenkte. Doch typisch: Kirche hat hier keine Unantastbarkeit, Kirche muß nützen, sonst wird nicht gefackelt! Typisch auch, daß der, der das Blatt drehte, ein Katholik war mit Instinkt dafür, daß der Kirche die finanzielle Selbstständigkeit erhalten bleiben muß.
Ein besonderer Dank gilt den Damen und Herren des Kirchenvorstandes, sie gaben hervorragendes Geleit, die Zusammenarbeit war außerordentlich gut. In der ganzen Zeit ist kein Ältester wegen eines Streites mit mir ausgeschieden. Ich versuchte, sie an allen Entscheidungen zu beteiligen, würdigte aber ihre Zeitknappheit dadurch, daß für die Tagesordnungspunkte die Möglichkeiten weitgehend entscheidungsreif aufbereitet waren. Auf Arbeit in Ausschüssen und Missionarische Einsätze verzichteten die Ältesten: sie kamen aus der Mitte der Gesellschaft; Hauptsache, sie standen zur Kirche. Erst in den letzten Jahren übernahm jeweils ein Ältester gottesdienstliche Begleitung.
Schmerzlich war die Wendung des so verdienstvollen Organisten und Kirchenvorstehers Wilhelm Borstelmann gegen seinen eigenen Kirchenvorstand in der Nachfolge-Frage. Auch seine Enttäuschung über den Ersatz für seine geliebte Marcussen-Neuthororgel hat ihn (bis auf Beerdigungen) die Kirche nicht mehr betreten lassen.
Ich stärkte dem Kirchenvorstand das Selbstbewusstsein als Arbeitgeber für die Mitarbeiterschaft (inklusiv der Pastoren- unbeschadet derer Eigenständigkeit in geistlichen Angelegenheiten)- Der KV sollte hören, verstehen, anordnen, aber die Leute machen lassen. Dies half m. E. zu hoher Effektivität der Mitarbeiter durch weitgehende Eigenverantwortung.
Mit den Mitarbeitern hatte meine Frau und ich immer ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens und voller Loyalität. Die Weihnachts- Essen in der Sansibar waren ein gelungener Jahreausklang. Ausflüge haben lange nicht mehr stattgefunden, keiner hat sie verlangt.
Mit den Kollegen war es manchmal mühsam, ich war für einige Kollegen wohl auch schwierig, Mit W, Knees. und Ehepaar Reimann war bzw. ist es eine friedliches Auskommen.

Es waren fast drei Jahrzehnte- eine starke Zeit, vor allem die Sommerfeste mit viel Hilfe aus dem Dorf und die niemals endende Arbeit an dem so gefährdeten und der Fürsorge so bedürftigen Kunstwerk St. Severin, diesem Juwel. Viele Zeitgenossen müssen beschützt werden vor ihrem eigenen gedankenlosen begrapschenden Inbesitznehmenwollen. Hoffentlich widerstehen auch kommende Kirchenvorstände allen Formen von Folklore und verschleißenden Ereignissen („Events“ zum „Fundraisen“), rund um das Kirchlein, das ja mitten auf dem Friedhof steht und nicht an einem Marktplatz. Die verschiedenen Kirchenvorstände haben sich bemüht, St-Severin seine Ursprünglichkeit zu erhalten, und auch rund um die Kirche die Stille zu bewahren.
Immer wieder eine Herausforderung: Die wunderbaren Konfirmanden, in schwierigem Alter, doch, wie ein Schwamm Lebensmut aufsaugend- man hofft so viel für sie.

Wie ich mein Pastordasein sah, lässt sich auch ablesen an der Ausschreibung des Kirchenvorstandes für die Nachfolge:

Die Ev.-luth. Kirchengemeinde Keitum sucht zum 1.11.05 eine neue Pastorin/ einen neuen Pastor. Der 1. Pfarrbezirk der Dörfer Keitum, Archsum, Munkmarsch hat nur 900 Einheimische, doch die St-Severinkirche ist vielbesucht. Im 2. Pfarrbezirk Tinnum (1650 Seelen) mit Gottesdienst im kommunalen Gemeindehaus teilt sich das Pastorenehepaar Reimann die Stelle; Einmal im Monat vertreten sich die Pastoren ein langes Wochenende. Gutes Einvernehmen, auch mit dem langjährigen Mitarbeiterstamm, ist hier auf der kleinen Insel Pflicht.
Gesucht wird ein(e) liebevolle(r) Landpastor(in), die/der weltgewandt und meditativ zugleich viel Zeit und Kraft für die Gäste hat. Die Insulaner in den Dörfern werden von Jahr zu Jahr weniger und brauchen einen treuen Menschen, der sie zusammenhütet. Immer mehr Häuser sind im Besitz von Zweitwohnsitzern, die z.T. eine innige Bindung an Sylt entwickeln und gern hier ihre Feste feiern. Die Urlauber kommen glücklicherweise übers ganze Jahr, natürlich im Sommer in Scharen- sie wollen Kirche erleben- Gottesdienste, die Lebensmut aus tiefen Quellen fördern, Nachgespräche und Gesprächsrunden, Andacht mit Liedern von Taizè, sonntagsabends; schon seit 20 Jahren. Für neue Ideen ist weiter Raum. Der Chor hofft auf Verstärkung, die Kinderkirche muß neu erstehen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die allwöchentlichen Mittwochskonzerte in der kerzenerleuchteten, achthundert Jahre jungen Kirche Betreut sein will auch der Friedhof , der in Sichtweite zum Wattenmeer liegt.
Das Pastorat (Baujahr1972) mit Wohnung, großem Garten, Gemeindebüro, gemütlichem Saal, Clubraum und Jugendraum liegt im historischen Kern des idyllischen Dorfes. Vier km weiter die Stadt Westerland mit allen Schulen, Krankenhaus, IC-Anschluß.
Das Leben ist hier leicht, wenn man ans Meer gehört, auch lange dunkle Abende liebt und eine gute Ordnung in häuslichen Dingen hat.

Also- wir blicken zurück in großer Dankbarkeit. Es hat uns hier viel gute Kraft gut angelegt sein lassen in Menschen und Zusammenleben, es hat uns gut ernährt und immer hier gehalten. Also lebt gut, lacht gut, machet Eure Sache gut. Gott behüte uns Gehenden und Kommende und uns hier eine Zeit lang Verweilende. Wir haben ja hier keine bleibende Stadt sondern die Zukünftige, die Gemeinsame sucht uns. Dazu passt diese kleine Geschichte: Der Maler hatte die Predigertafel ergänzt: „Traugott Giesen 1976“. Er musste noch mal kommen, um den Bindestrich zu setzten: „ 1976 –„ zum Zeichen: Wir alle sind Vorübergehende.




 
thomas
27.04.2005
18:28 Uhr
E-Mail    
Liebe/r S.
Danke für Deine Gedanken. Eine Idee: Ich tue es schon lange mit mir, mit meinen Gedanken. Ich hinterfrage diese auch. Und ich vergleiche sie. Du machst ja das gleiche, denke ich. Anders geht es ja nicht.
Mit einem herzlichen Gruss
thomas
 
S.
27.04.2005
16:01 Uhr
     
Zu Thomas: Jede einzelne Predigt von TG zeigt Dir genau, daß Du erstmal Dein Eigenes finden mußt, am besten mit Glauben. Was Andere denken, ist relativ egal. Wichtig, was Du bist und wer Du bist, und, falls Du damit zufrieden bist oder sogar glücklich, ob es Dir hilft, Gutes zu vermehren. Jedenfalls habe ich das so aufgefaßt. Dabei habe ich mich von TG wegentwickelt, das ist erstaunlich, weil ich ihn ernst nahm. Aber es gab dann einen eigenen Weg. Ich hätte mich früher nie getraut, dieses zu sagen, aus Angst, anzuecken:
Ich ziehe Cusanus und Erasmus von Rotterdam Luther vor. Es waren Reformer, aber sie polterten nicht weg. Und Jean Calvin war schrecklich. Er verbrannte Gegner auf Scheiterhaufen.
 
Traugott Giesen
26.04.2005
17:34 Uhr
     
Alles hat seine Zeit. bitte die letzte Predigt lesen und ins eigene Leben ziehen. Tg  
thomas
25.04.2005
21:05 Uhr
E-Mail    
Liebe/r S.D.

Ich danke Dir für Deine offene und ehrliche Antwort. Erlaube mir, zu bemerken, dass ich sie bereits fast als eine Selbstoffenbarung halte.

Du sagst: Du hältst Dich sehr gern an Zitaten fest, Thomas, und zwar Zitaten ganz unterschiedlicher Provinienz. Ich brauche keine Zitate, denn ich kann selbst zum Ausdruck bringen, was ich denke.

Ich sage Dir dazu: Ja, Du hast richtig gesehen. Ich orientiere mich nicht NUR nach mir, sondern auch daran, was andere denken und zu sagen haben .... Ich weiss schlicht und einfach NICHT alles. Ich versuche aber sehr vieles SELBST zu denken und zu formulieren!

Du sagst: Möglicherweise, weil ich schon seit 40 Jahren die Zauberflöte liebe. Tradition in der Kultur macht innerlich reich, die Pflege der Kultur läßt mich eine innere Sprache finden.

Ich sage Dir dazu: Zufall? ...... die Zauberflöte gehört seit ca. 50 Jahren zu meiner Lieblingsoper, Lieblingsmusik. Kultur bedeutet mir auch sehr viel.

Du sagst: Ich liebe das Christentum. Da ich es es so liebe und in Momenten verinnerliche, habe ich auch Achtung vor dem Weichen im Islam.

Ich sage Dir dazu: Ich fühle mich mehr und mehr einem ökumenischen Denken zugewandt. Toleranz und Respekt beachten ist dabei sehr wesentlich.

Lieber S.D., Dein Selbstbewustsein empfinde ich wirklich als sehr stark.

Ich wünsche Dir dazu viel selbst-kritisches Nachfühlen, hinhören dort, wo Dir Fremdes zu Ohren kommt und eine grosse Portion Verständnisbereitschaft und Neugier, wenn Neues Dich zu Überrollen droht!

Mit herzlichen Grüssen
thomas
 
Ahab
25.04.2005
16:27 Uhr
     
Liebe/r S.D.
zwischen J.R. und K.W. sind schon ganz erhebliche Unterschiede: Jo-Paul konnte als Pole naturgemäß mit der Aufklärung nichts anfangen - wie sollte er auch, blieben doch die Polen von diesem wichtigen Schritt der Geistesgeschichte unberührt. Der Sepp dagegen hat die Aufklärung kapiert und ist dazu noch ein glänzender Theologe. Seine Predigt gestern war richtig cool. Ich würde mir wünschen, dass wenigstens die kath. Rundfunkpredigten im Durchschnitt nur halb so gut wären. Es ist ja nicht jeder ein TG, auch nicht bei uns Luthis!
Gab es im Dom zu Keithum gestern keine Predigt? Ich bin gespannt, was TG zu den Vorgängen in Rom gesagt hat / sagt.
 
S.D.
25.04.2005
12:30 Uhr
     
Noch eine Kleinigkeit dazu:

Ich liebe diesen Papst. Und den vorigen liebte ich schließlich auch.

Dagegen sind Worte machtlos, da können andere faseln, was sie wollen, denn "Die Liebe ist die größte unter ihnen". Der Heilige Paulus.
 
S.D.
25.04.2005
12:22 Uhr
     
Du hältst Dich sehr gern an Zitaten fest, Thomas, und zwar Zitaten ganz unterschiedlicher Provinienz. Ich brauche keine Zitate, denn ich kann selbst zum Ausdruck bringen, was ich denke. Möglicherweise, weil ich schon seit 40 Jahren die Zauberflöte liebe. Tradition in der Kultur macht innerlich reich, die Pflege der Kultur läßt mich eine innere Sprache finden.

Ich liebe das Christentum. Da ich es es so liebe und in Momenten verinnerliche, habe ich auch Achtung vor dem Weichen im Islam. Ich lese gern mal Koransuren. Ich finde nicht richtig, daß man der Masse aller Türken "Parallelgesellschaft" vorwirft. Meine Meinung ist, sie sollen auch ihr Eigenes lieben. So wie ich meins liebe. Und aus dieser Einstellung heraus, die aus meiner Tradition kommt, wofür ich Eltern, Großeltern, Lehrern und Land dankbar bin und last but not least auch Giesen und St.Severin, finde ich auch eine Sprache mit Fremden. Ich finde sie, weil meine kulturellen Werte mich selbstbewußt machen. So kann ich auch den Anderen wahrnehmen. In Wirklichkeit bin ich ein postmoderner Mensch, und es werden Dir noch mehr davon begegnen in Zukunft.
 
thomas
24.04.2005
14:23 Uhr
E-Mail    
Liebe/r S.D.

Ich sehe die ganze Sache mit dem Papsttum und dem Prunk und dem entsprechenden Drumherum, wie heute wieder, halt als etwas eher Mühsames und den offenen Dialog eher behindernd, als fördernd.

Den Papst Benedikt XVI. konnten ja alle am Fernsehen eingehend betrachten. Dabei fiel mir auf, dass ich eine gewisse menschliche Wärme zu spüren meinte, die er, so hoffe ich wenigstens, auch zukünftig zeigen wird ....

Eben gerade habe ich einen Gedanken gefunden, der, wie ich meine, zu meiner Antwort an Dich passt.

Zwei Gedanken von Stanislaw Brzozowski (1878-1911), poln. Dichter:

< Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.

.... und:

< Jede Zufluchtsstätte der Vergangenheit ist ein Gefängnis.

Mit herzlichen Grüssen
thomas

 
S.D.
22.04.2005
12:47 Uhr
     
Ich weiß gar nichts, das schicke ich mal voraus, Thomas.
Aber ich fürchte, daß wir selbst anfangen, in einer Diktatur zu leben, und zwar in einer Diktatur des Liberalismus. Ich fürchte, wenn Kinder heute in der Schule sagen würden, daß ihre Eltern mit ihnen beten, sie ausgelacht würden, wenn sie aber ein Ego-Shooter-Spiel für den PC hätten, sie als obercool gälten. Deshalb sage ich auch Liberalismus statt Liberalität. Liberalismus ist Mode und bedeutet eine Freiheit, die auch destruktiv sein kann. Du mußt Dir mal überlegen, welche Elterngeneration die Kinder haben, die J.P.II bewundern. Es sind die Eierwerfer und Steinewerfer. Wegen jener soll Joseph Ratzinger die Tübinger Uni verlassen haben. Das sind die Frauen, die auf die Straße gingen und riefen "Mein Bauch gehört mir". Ist das nicht enorm kalt, eine Schwangerschaft auf "mein Bauch" zu abstrahieren? Noch etwas Persönliches: Ich habe die seltenste Zeit in meinem Leben die Pille genommen, weil sie Nebenwirkungen hat. Außerdem traute ich nie den Beteuerungen, daß sie kein Mamma-Karzinom auslöst. Schließlich sind Mammakarzinome z.T. hormonabhängig. Die westliche Welt hat der, die sie herablassend als "Dritte Welt" betitelt hat, schon Alete gebracht. Das führte zu einer erhöhten Säuglingssterblichkeit, weil Alete nicht die Immunglobuline enthält, die die Muttermilch hat. Ich finde es vordringlich wichtig, daß die westliche Welt den weniger Privilegierten hilft, die Analphabetenrate zu reduzieren. Dann können die Frauen auch die gute alte Rechenmethode verwenden, die nur etwas umständlicher ist. Vor allem kostet sie nichts. Die haben gar kein Geld für die Pille u.ä. Es fehlt ihnen schon das Geld für Medikamente gegen AIDS und Malaria und Impfungen gegen Gelbfieber. Und noch etwas: ich bin vor vielen Jahren trotz eines Kondoms schwanger geworden. Es hatte ein Loch. Heute würde ich das nennen: der typische perfide Humor Gottes, der alles schön herrichtet.

Und eine kleine Prise Humor aus der Münchener Oper: Die Kirchenglocken hatten geläutet, und alle warteten, daß die Regie durchgibt, wer Papst geworden ist letzten Dienstag bei der Zauberflöte. Nichts kam. Dann fragte der Tamino den Papageno, wie er heißt: Papageno. Wiederholung der Frage, so, als hätte Tamino nicht verstanden. Da antwortete der Sänger: "Pa-pa - also es kann doch nicht jeder Benedikt XVI heißen, nur weil er mal in München gewirkt hat - Papageno. "Ich denke, Mozart hat gelacht im Himmel.

Und die Predigt über den Humor war schön.
 
Ahab
22.04.2005
11:51 Uhr
     
Darf ich mich als Evangele so richtig über Benedict freuen? Was sind wir bloß für ein Volk, das sich jetzt nicht einfach mal glücklich ist darüber, dass einer "von uns" diesen Job machen darf. Was J.R. anbelangt darf man guter Hoffnung sein. Er ist blitzgescheit und wird seine neue Rolle ebenso gut ausfüllen wie die alte, d.h. er wird sicherlich ein guter Papst werden. Er hat auch gar keine andere Wahl als sich von Jo-Paul mit einem anderen Programm abzuheben. Natürlich wird er dabei römischer Katholik bleiben - was denn sonst? Gut so, denn so sind auch wir Luthis weiterhin erkennbar. Für die Ökumene kann das nur förderlich sein. Bei der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre hat J.R. eine konstruktive Rolle gespielt. Ihr Bedenkenträger und Klageweiber, lasst Euch von Ben überraschen. Wie denkst Du darüber Traugott? Ehrlich, ich bin auf Deine Meinung gespannt. Gibt es darüber am Sonntag gar eine Predigt?  
Menke
22.04.2005
10:16 Uhr
E-Mail    
Hallo Liebe Gästebuchleute!

Was reizt Euch immer wieder euere Schwäche in beruhigten Gefühlen Ausdruck zu geben, wenn es um katohlisch oder evangelisch oder andere Religonen geht.

Erkennt doch an, daß jede Glauben-Intusition oder anders von Menschenhand ins Spiel ihrer Intressen geschaffen, auch jeweils anders gesehen werden kann.

Schliese dich doch dem an wo Deine Intressen oder Ängste sich aufgehoben fühlen in welchem Glauben auch immer,wenn auch wechselbar im Spiel erneuerbarer Erkenntnisse.

Kritik an meiner Persönlichkeit die ich wo auch immer suchen möchte schliest
nicht aus, bei anderen Glaubensmenschen sich gern der Mehrheit dem vertrauten beibehalten wollen.
 
Sophie
22.04.2005
10:10 Uhr
     
Antwort an Thomas: "Ich bin froh. So froh war ich noch nie."

Antwort an Dorothee: Ich umarme Sie. Etwa so in der Art, wie Sie letztes Jahr Ihr Erlebnis im Kölner Dom beschrieben haben, wunderbar.
 
do
22.04.2005
09:50 Uhr
     
Wenn wir einmal über die Tragweite eines Begriffs wie "Diktatur" nachdächten, anstatt ihn so - mir nichts dir nichts - leichtfertig als Definition für die katholische Kirche hier zu missbrauchen? Was ist das denn für ein Vergleich!

Man muss nicht zu den 1,2 Milliarden Katholiken in der Welt gehören. Aber muss man, wenn man die katholische Kirche nicht mag, so darüber herziehen und richten, als wäre die Kirchenhierarchie aus Verbrechern zusammengesetzt? Wo bleibt denn da die Toleranz, die der wohl Nicht-Katholik gerade für sich in Anspruch zu nehmen scheint, bitte schön?

Ich habe da eben so einen dicken Balken im Auge, wie gut, dass der mich nicht stört oder gar schmerzt ... :-)

Wenn in einem Unternehmen eine Führungskraft nicht in Treue mit zum Unternehmensprojekt steht, für das sie einmal unterschrieben und ihre Zustimmung gegeben hat, erscheint's doch wohl schwierig, die Zusammenarbeit vertrauensvoll auszuweiten und fortzuführen, was ja nicht Kritikunverträglichkeit bedeutet! Wenn's mit dem Gewissen nicht zu vereinbaren geht, heißt es doch dann nur noch, besser die Firma zu suchen, die der Auffassung entspricht - trotz 5,2 Mio Arbeitssuchender! Wenn jemandem gekündigt wird, liegt es doch nicht immer nur am Arbeitgeber ...
Dies auch zum Thema Lehrauftrag z.B., von Beamten d.h. Staatsdienern wird Staatstreue erwartet ... mit bestem Wissen und Gewissen dem Volk zu dienen, oder? Von Theologieprofessoren wird dann wohl auch Treue zu der Kirche erwartet, die den Lehrauftrag erteilt. Es gibt ja Professuren für Kontroverstheologie, in deren Rahmen unterschiedliche Erkenntnisse vielleicht behandelt werden können ohne Anspruch auf Unfehlbarkeit.

Wie schön, dass wir in einer Demokratie leben dürfen, in der wir uns alle mal die Freiheit nehmen, das eine oder andere Gesetz zu übertreten ... so geht's bestimmt auch manchem guten Katholiken.

Und wenn wir Papst Benedikt XVI einfach mal ohne unser ständiges Nörgeln und Besserwissen freundlich abwartend und vertrauensvoll anschauen? Die Kardinäle haben ja wohl auf Gott und den Heiligen Geist vertraut - soll da so ein Riesenirrtum vorliegen?

Destruktiv können wir mit Sicherheit keine Ökumene aufbauen! Kirche sind wir.

Beten wir für den neuen Papst, der eine schwere Aufgabe zu bewältigen hat, dass er die Erwartungen Gottes an ihn im Rahmen seiner Kräfte wird erfüllen können.


do
 
Thomas Müller
21.04.2005
17:48 Uhr
E-Mail    
Liebe Sophie

Jetzt reizt es mich doch, Dir zu "Glaube, Wahrheit, Toleranz", meine Antwort zu schreiben:

"Glaube, Wahrheit, Toleranz", liebe Sophie, aber doch nicht beim ehemaligen Kardinal Ratzinger. Eher doch totale Intoleranz, wenn es um Frauen z.B. als Priesterinnen, Kondombenutzung, gemeinsames Abendmahl mit anderen nicht katholischen, christlichen Menschen, Kritik von Priestern an ihren "Oberen" ... und und und .... geht !
So sieht doch, nach meinem Wissen, die realistische Situation aus.
Zudem ist die röm. kath. Kirche keine Kirche, die demokratisch denkt, fühlt und handelt, sondern die Strukturen erinnern mehr an eine Diktatur .... das weisst Du doch? Oder nicht?

Mit einem herzlichen Gruss
thomas
 
Sophie
21.04.2005
08:58 Uhr
     
"Die Haltung des neuen Papstes zu Kondomen scheint Katholiken im AIDS-geplagten Afrika weniger zu bewegen als in Europa. Zum einen sind AIDS und Sexualität noch weiterhin Tabuthemen. Zum anderen teilen viele Afrikaner die konservativen Ansichten der katholischen Kirche zur Familie." Münchner Merkur von heute.

Vielleicht sollte das kleine Deutschland sich abgewöhnen, einem großen Kontinent, der hier überhaupt nicht verstanden wird, Empfehlungen zu geben. Statt dessen sollte man ihnen das DDT zurück geben, das einzige wirksame Mittel gegen die Anopheles-Mücke ( Malaria ).

Nun, aber jeder darf zum Glück seine Ansichten haben und sagen.
Das ist ja auch mein Glück.

Ich bin froh, wie Johannes Paul II es uns wünschte. So froh hat mich nie jemand gemacht. Es liegt, wie TG richtig erkannte, an seiner unglaublichen Glaubwürdigkeit in einer Zeit der Beliebigkeiten. Ich bin vor allem besonders froh, weil ich zu Gott gebetet habe, daß sein Vertrauter sein Nachfolger wird. Gott hat mich nie besonders verwöhnt mit erfüllten Gebeten. Dieses aber wiegt alles auf. Dieses ist ein erfülltes Gebet so schön wie Sonne und Mond zusammen. Ich habe ihn gelesen, und ich bin sicher, daß er ein guter Papst wird. Ich werde für ihn beten.
"Glaube, Wahrheit, Toleranz". Geschrieben von Joseph Kardinal Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI. Auch und vor allem eine Mahnung gegen den Relativismus. Selbst, wenn die katholische Kirche mich nicht nimmt, ist er auch mein Papst im Herzen.
 
DS
21.04.2005
08:44 Uhr
     
Das Thema Humor in der letzten Predigt ist nicht einfach Glaubenswissen, sondern authentische Lebensweisheit. Mehr davon !! Herzlich danke , TG !!  
Rosemarie Brink
15.04.2005
21:16 Uhr
E-Mail    
Lieber Herr Pastor Giesen,
soeben lese ich - 29. Mai 2005: Veabschiedung von Ingrid und Traugott Giesen in St. Severin -. Wie wird es ohne Sie sein??? St. Severin und Giesen - das gehört für mich zusammen, das ist wie Heimat! Bleiben Sie beide benütet und uns erhalten, hoffentlich weiterhin auf Sylt und für uns ansprechbar und hilfreich wie bisher! Alle guten Wünsche.
 
A.Verna
15.04.2005
15:54 Uhr
     
Endlich Frühling auch bei uns! Und - wir sind alle so froh, daß es Dich gibt tg ! Wir schicken Dir heute ganz viele Gelbe, die wir nicht gepflückt haben... dankbare Grüße.  
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