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Autor Nachricht
Traugott Giesen
03.05.2005
15:19 Uhr
     
Dank , verehrte Webmasterin für alles treue Schaffen zugunsten dieser Site. sie sind ein Schatz . Ihr Tg  
Webmaster
02.05.2005
20:40 Uhr
     
Die Predigt vom 24.04.2005 sowie die Kolumnen vom 23.04.2005 und 30.04.2005 sind online.  
Dr. Anton Knuth
02.05.2005
11:35 Uhr
E-Mail Homepage  
Hier das Interview aus den Nordelbischen Stimmen Heft 4/2005
- Lieber Traugott Giesen, seit nahezu 30 Jahren ist die St.Severin Kirche in Keitum auf Sylt Ihre Predigtstätte und durch Sie bundesweit bekannt als Leuchtturm evangelischer Predigt- und Gottesdienstkultur. In diesem Jahr beginnt Ihr Ruhestand, wann wird die letzte offizielle Predigt gehalten?

29. Mai; na, Leuchtwürmchen ist auch schon was–aber was mir Spaß macht, sind an die sechs Jahrgänge Predigten und Kolumnen (aus der Welt Hamburgteil) griffbereit im Net- als Steinbruch wenigstens brauchbar.

- Was lieben Sie an ihrem Beruf am meisten?
Ich mag Menschen, ich habe viel davon , wenn sie mich nutzen, daß sie leuchten .

- Was empfinden Sie am schwersten?
Ein Mensch meines ersten Kirchenvorstandes in Berlin1966 sagte: “Lass die Theologie aus dem Spiel, dann kannst du Dome füllen“ Und ich: „Wozu dann Dome füllen?“ Aber die Zuhörfähigkeit von uns allen schrumpft schlimm. Trotzdem keine Gags. Sondern Geist und Leib und Sehnsucht und Tat verknüpfen, die Brücke schlagen mit sich selbst vom alten Wort zum neuen Leben.
Traurig im Pfarramt mir die Beerdigung junger Leute, eben erst konfirmiert. Traurig auch meine begeisterten Trauungen und dann kommen sie nicht zum Krisengespräch.

- Sie stellen das verkündigte Wort in den Mittelpunkt ihrer Praxis, darin sehr lutherisch. Wo sehen Sie sich in Kontinuität zu dieser Verkündigungstradition, wo sind Sie neue Wege gegangen?
Viele Anleihen bei Literatur, und wenn es nur einzelne Wörter sind, die noch Wurzeln bei sich haben; Sprache, die erleben inszeniert.

- Formulierungen wie "Du gut, Du geliebt , gebraucht" sind Ihr Markenzeichen. Seit wann haben Sie zu Ihrem unverwechselbaren "TG-Stil" gefunden? Gibt es eine Entwicklung in Ihrer Predigtpraxis?
Hatte nie Zeit, alte Predigten zu lesen geschweige denn sie wieder zu verwenden. Ich bin noch drei Monate auf dem Seil- da kann ich nicht Revue passieren lassen. Habe mir aber zwei Dutzend alte Gottesdienstkassetten gebunkert, da kann ich noch mals reinhören, später, viel später hoffentlich.

- Sie formulieren Ihre Predigten wörtlich aus, sie lassen sich unter www.lebensmut.de nachlesen. Trotzdem hat man den Eindruck als Hörer, als ob sie im Moment des Predigens entstünden. Wie läßt man die Predigt sozusagen zweimal, am Schreibtisch und auf der Kanzel "zur Welt" kommen?
Also technich-wie wird die Schreibe zur Rede. Partizipialsätze auflösen, hör dich sprechen- lies es. Wenn du stotterst, hast du meist zu wenig gedacht. – Goethe: „Lange Briefe sind leicht, aber kurze...“. Es sollen doch Liebesbriefe sein- eigentlich jedem einzelnen persönlich geflüstert, von der Haut bis in die Seele zu massieren. Menschen , wiewohl krummes Holz sollen zu aufrechtem Gang finden, tänzerisch die Kirche verlassen, das wäre es; Lazarus bricht auf , die alten Fetzen flattern. Doch aus dem Dorf kommen auch nur die zwei Hände voll, „aber wir schicken ja unsere Gäste, die kommen gern!“

- Wie lange nehmen Sie sich Zeit für die Vorbereitung? Gibt es eine bestimmte Methode, eine Abfolge von homiletischen Schritte, die sich bewährt hat?
Ich schreibe los, streiche, schreibe weiter, schiebe was unter den Strich. Ich habe eine Idee, ein Wort, ein Saatkorn, ich muß was haben, von dem ich meine, das ist wert, mit geteilt zu werden, so wie Brotbrechen. Ich denke einen vor mich hin,- mit dem ich in der letzten Woche verwickelt war, will dem was sagen, aus Richtung des Textes in Richtung: mit Power leben. Und, ich muß selbst gespannt sein, auf die Antwort, eigentlich leg ich mirs zurecht, mache mir was klar, die ewigen Themen... die heißen Medien: Geld, Liebesumarmung, Religion. Ein Gedanke- und dann geht’s los- Predigt als Gespräch- mit einem Hauch Erotik,wenn’s gefällt und auch Augenzwinkern und immer für Sünde mit Beispiel aus eigenem Leben tatkräftig voran. Und sündige was du musst, aber glaub um so tapferer, „du geliebt, gebraucht“, eben. Und in die Kollekte selber anständig löhnen.

- Sie haben in Ihrem Buch "Festes Herz -weiter Horizont" (1998, 80) geschrieben: "Eine volle Kirche ist noch kein Beweis für Nähe von Heiligem Geist, eine leere Kirche allerdings auch nicht. Aber eins ist klar: Wahrheit ist nie langweilig. Wenn also Menschen in der Kirche sich langweilen, verfehlt der Pastor/ die Pastorin leider diese Menschen und hat darum für sie keine Verheißung." Wie ist Langeweile im Gottesdienst zu vermeiden?
Du, ich, Petrus, Josef, Maria Magdalena, Lots Weib und Jairus Töchterlein- es wird spannend, wenn Du drin vorkommst, Du Dich zeigst und Gott ganz nah weißt- als Geheimherz der Zeit, als Liebhaber des Lebens, als Bewusstsein der Welt, das Universum sein Leib, er mitleidend und mitgenießend, du einer seiner Fühler.

- Viele bekommen Liberalität, Aufklärung nicht mit Gott und Kirche zusammen. Sie verknüpfen einen sprühenden Gottesbezug und klassisches Pastorenbild mit großer Weltoffenheit und Liberalität. Wie geht beides zusammen?
Keine Angst vor großen Tieren, vor ehrwürdigen Traditionen. Das Evangelium des heutigen Tages steht noch nicht geschrieben, sondern wird auf der Kanzel -nach guter Vorarbeit und in Vertrautheit mit den vorangegangenen Schwerstern und Brüdern- gewagt. „Heute, so ihr seine Stimme hört“, das ist die grandiose Verheißung an den Predigenden. Aber manchmal hat man seine Stimme nicht gehört, der Predigende nicht, die Hörenden nicht- vielleicht nächstes Mal-. Der Herr erhält die Welt auf viele Weisen, der sonntägliche Gottesdienst ist eine von 77mal 777 Zugriffen.

- Sie schreiben (aaO.,82): "Wir brauchen seelenkundige Mitmenschen, die Spezialisten sind für beschädigtes Leben; und Predigende, die Fröhlichkeit verströmen und Lebenskunst uns beibringen anhand des Vorbildes Jesu und ernst uns auf die christliche Pflicht zur Nächstenliebe hinweisen. Sie müssen hinhören, auf die Mitmenschen, auf die Erinnerung geschehener Gottesbegegnung und auf den inneren Dialog, der sich (hoffentlich) in ihnen mit dem Ewigen begibt." Was hilft neben der Langeweile, auch die Mut-, Trost und Freudlosigkeit und Oberflächlichkeit im pastoralen Alltag durch Fröhlichkeit, Ernst und Hörfähigkeit abzulösen?
Mehr lieben, sich mehr lieben lassen, gern unter der Sonne sein, gönnen können, mehr Freundschaft unter Kollegen und Kolleginnen. Es ist grämlich, daß wir uns so alleine lassen bei unserer wichtigsten Aufgabe- Aber eher geht ein kamel durchs Nadelöhr, als daß ein Kollege mal andere anruft.

- Wieviel Psychologie, konkrete Erlebnis-Bilder und wieviel Jesus-Geschichten und Traditionsvermittlung braucht es im Gottesdienst? Also wie frei und wie gebunden muß die oder der Prediger der liturgischen Tradition und dem biblischen Text gegenüber sein?
Gott will doch, daß wir gerne leben, und daß wir andern helfen, gerne zu leben.- Dazu hat Jesus die schleusen geöffnet. Immer wieder: Gott liebt dich, und braucht dich, darum lebst du- das buchstabieren, da kann man auch mal eine Predigt halten, ohne daß der Name Jesus fällt, wenn wir nur aus seiner Richtung predigen.

-"Wahrheit will eine gemeinsame Sphäre erzeugen. Und die darf nie langatmig sein. ... Farben, Töne, Bilder, Bewegung müssen hinzu, damit wir uns fühlen können und Denknahrung und Erlebnisse mit nach Hause zu nehmen sind." (aa0., 83): Ist das so etwas Ihre Homiletik in Kurzfassung?
Wenn Du was haben willst, schwarz auf weiß-na gut. Ich weiß es nicht zu sagen. Es ist ein Drive, ein Zug zu Lebenslust und Trost hin, zu Chanceneinräumen und „glaub an dich“ dem Jesus nach- auf der Harley mit ihm durch die Höll, zu Auferstehung und mehr Teilen. Wir werden Rechenschaft geben müssen für alle Liebe , die wir unterschlugen, für die wir zu scheu, zu faul, zu korrekt, zu phantasielos waren. Siehe Maria Magdalena: Warum hat sie mehr geliebt? Weil ihr mehr vergeben war.- Aber was steht immer noch bei Lukas 7,47 auch in deiner Bibel, unkorrigiert? Ihr ist mehr vergeben, weil sie mehr geliebt hat- dafür brauchte Jesus nicht zu kommen, das ist Gesetz.

- Ein Mitfeiern bei den gutbesuchten Gottesdiensten in St. Severin ist für viele Höhepunkt im Urlaub und Kirchenjahr. Wie erklären Sie sich, daß hier offenbar gelingt, was vielerorts vermißt wird? Was machen sie anders, um Gottesdienste zu halten, "die eine Lust sind" ohne eine Liturgie zu zelebrieren "als müßte ein orientalischer Gottkönig besänftigt werden" (aaO.,83).-
Ja die pompösen Gottesdienste bei Synoden, die bischöfliche Triade in vollem Wichs, Gregorianik vom Synodenchor- ich fragte wirklich mal Bruder Bischof, ob wir den Herrn so in Anspruch nehmen müssen, immer noch mit sieben, acht Gebeten im Gottesdienst. Lass laufen... ich hatte nach zehn Jahren Berlin-Neukölln das Gefühl, entweder Arbeiterprister werden zu müssen oder dahin zu gehen, wo die Menschen ausruhen. Im Urlaub bringen sie wirklichKirchentagsstimmung mit, da muß man das Predigtschiffchen nur richtig in den Wind legen- und keine demütigenden Sätze, Gott will keine Sklaven sondern Töchter und Söhne. Die liegen nur im Gethsemane-Notfall vor ihm mit ihrem Gebet, alltags tätigen sie aufrecht, Hand in Hand mit ihm das Leben.

- Nicht nur Ihre Predigten und Kolumnen sind "verdichtete" Glaubenslehre und Lebensmut fürs Leben auch die Feier der Liturgie wirkt verdichtet und gerafft. Die traditionelle Agende ist beibehalten, aber der Eingangsteil wird z.B. nicht contra populum zelebriert. Lange unverständliche Lesungen oder fremde liturgische Rahmungen gibt es in St. Severin nicht. Es erscheint alles reduziert auf den Kern, aber bei erhöhtem Tempo. Dazwischen immer wieder eine Prise Humor und "Seufzer-Pausen", damit die Gedanken nachrollen. Gibt es einen Bauplan für diese Weise Gottesdienst zu feiern?- (Aus der Eingangsliturgie in St.Severin: Ein jeder hat die Woche auf seine Weise erlebt, hat Freude und Mühe gespürt, hat Gott als nah und fern erfahren. Wir sind jetzt glücklich dran, dass wir Gottesdienst feiern im Namen Gottes, väterlich-mütterlicher Grund und im Namen des Jesus Christus, der uns eine geschwisterliche Welt eröffnet und im Heiligen Geist, der uns sammelt, erleuchtet, heiligt. Ja, Gott, sammle die zerstreuten Sinne aus der Vielheit in das Ein- daß wir wieder Raum gewinnen, ganz von dir erfüllt zu sein. Amen Liedansage, Hinweis auf Liturgieverlauf vorn im Gesangbuch abgedruckt- Eingangswort Gemeinde und Pastor (Chor) im Wechsel: Ehr sei dem Vater und dem Sohn)

Helfen, daß die Mitmenschen zu sich kommen, und ihre Sehnsucht deuten als Religion und unsere Sünde ist doch, Gott machen zu lassen „Der Papa wird’s scho richten, s gehört zu seinen Pflichten“ (H. Qualtinger, lange her).

- Inzwischen wird viel über die Inszenierung des Gottesdienstes nachgedacht. Nordelbien hat ein eigenes Gottesdienstinstitut. Wäre eine Einspeisung der Erfahrungen an St.Severin in diese liturgische Praxiswerkstatt denkbar? –
Solange wir in schwarzen oder geblümten Ringheftern die gesammelten Versatzstücke im Gottesdienst vor uns hinhalten, statt im Kopf zu haben, was wir heute wollen oder wenigstens ein gnädiges Pult benutzen oder in die Bibel die eine Gebetstextseite einlegen...“sehend, wie du dir die Schuhe zubindest, interessieren mich deine Gedanken nicht“ (BB).... als stände der Koch am Herd mit Kochbuch. Mit solchen Hilflosigkeiten - wie farbige Socken unter dem Talar- was soll da eine Liturgische Werkstatt?- Ja, speist nur ein. Aber die Nachfrage ist doch gering. Wer den Hunger spürt, hat selbst schon was Eigenes. Wer den Hunger nicht spürt, dem sagen auch Anregungen nichts- getreu Lichtenberg: „Was nützt aller Sonnenaufgang, wenn sie nicht aufstehn.“

-In Ihrem Buch "Gott weiß" folgen Sie dem Aufbau von Ebelings "Wesen des Christentums". Gab es für Sie theologische oder andere Lehrer, die geprägt haben? Na, Vater Heinrich mit seinen kurzen Sätzen war zu seiner Zeit ganz wach. Ein Prediger in Herberhausen bei Göttingen namens Schiller, Ernst Lange, Spandau Gerhard Bauer aus Dahlem, Tillich- und eben Drewermann- der hilft wirklich die Taten des Jesus heute auch zu tun (eigentlich „ noch größere“, so Johannes 14,12)

- Immer wieder begegnen in Ihren Predigten und Büchern sprechende Zitate z.B. von Gottfried Benn oder Botho Strauß. Welche Autoren sind für den Prediger Traugott Giesen besonders ergiebig geworden?-
Wichtig ist, aus Gelesenem sich Wichtiges rauszuschreiben, und Ausrisse aus der Zeitung in Kladde nehmen zu den wichtigen Stichpunkten.- Aber das ist Arbeit. Dafür muß anderes liegen bleiben, klar. Musil- Hesse, Philip Roth, Robert Walser, auch M. Walser –Intelligente Predigten zitieren aus dem „Mann ohne Eigenschaften“ oder aus Manns „Joseph“, auch wenn die Predigenden es nicht mehr wissen sollten.

- Zur Zeit ist die Nordelbische Kirche erfaßt von der allgemeinen Finanzkrise im Land. Viele sehen dahinter auch eine Glaubens- und Mitgliederkrise. Worauf sollten wir uns jetzt konzentrieren?
Mutmachen, Angst nehmen, Gemeinschaft stiften, viel in die Kneipen gehen, mit den Leuten reden..hören, reden...Hausbesuche, jeden Tag zwei alte, einen neuen besuchen, Karte da lassen wenn man ihn nicht antraf. Die runden Geburtstage besuchen, auch die jungen, erst mal eine Geburtagsliste von allen Gemeindegliedern besorgen, und Beerdigungspredigt-jedenfalls Trauung auf Band mitgeben.-

- Gibt es ein Projekt, Buch an dem Sie arbeiten, ein Plan, wohin die nächsten Schritte führen sollen? Erst mal sehen wie das gelobte Land der Pensionierung schmeckt. Endlich nichts mehr müssen. Mit Frau lange Wege gehen und wieder Freund werden.

 
Sophie
02.05.2005
11:25 Uhr
     
Ich möchte mal an dieser Stelle Kardinal Meisner übersetzen, der eine unglückliche Verknüpfung brachte. K.M. wollte vielleicht nur sagen: der Holocaust ist ein Verbrechen jenseits der Vorstellungskraft-und-die Schwangerschaftsunterbrechung übersteigt ebfs. meine Vorstellungskraft. So ähnlich. Schade, dass Paul Spiegel das nicht verstanden hat.
Nächstes Jahr im Januar feiern wir Mozarts 250. Geburtstag. Heute vor 250 Jahren war er schon im Bauch seiner Mutter und kurz danach hörte er schon Vater Leopold am Klavier zaubern. Wenn unsere Gesetze damals schon gegolten hätten, hätte Vater Leopold vielleicht gesagt, das paßt jetzt nicht, und Mozart wäre nie geboren worden.
Die "Abtreibung" gehört kassiert, das Wort als Unwort einer Epoche herausgehoben und die Adoptionsgesetze dafür geändert, z.B. auch so, dass eine Mutter, die ihr Kind zur Adoption freigibt, es hin und wieder besuchen kann, auch im Sinne der Kinder, die in der Adoleszenz beginnen, nach ihren Müttern zu forschen. Es ist sicher leichter, ein Wesen gar nicht kennen zu lernen, als es dann abzugeben. Aber das Leben wird dabei übergangen.
 
Traugott Giesen
02.05.2005
10:45 Uhr
     
Dank für Erinnern, Ermahnen, die Leere aushalten, sie aber umfasst wissen. Und an die Arbeit, Frieden schaffen. Mosaiksteine...  
Sophie
01.05.2005
11:35 Uhr
     
Heute Dachau. BR. Noch eine Stunde. Dann in unsere Kammer der Tränen gehen. Warum? Es gibt keine Antwort. Nur Leere. Ein Geschehen ohne Antwort. Immer wieder darauf einlassen, auch wenn es weh tut.  
thomas
30.04.2005
18:34 Uhr
E-Mail    
Liebe Insulaner auf Eurem kleinen Eiland.
Eben im Netz gefunden, zum Nachsinnen vielleicht:

Man sieht nur seinen Schatten,
wenn man seinen Rücken der Sonne zudreht ...

von Khalil Gibran
amerikan. Maler u. Dichter

.......................................................................................

Drehen wir uns doch alle mal um ......
Mit herzlichem Gruss
thomas
 
glück
29.04.2005
16:59 Uhr
     
... möchte gern etwas vom Geschenk am Mittwochabend - erlebt in
St. Severin zu Keitum gen Süden senden UND überallhin... Wir durften ein wunderschönes Konzert genießen. In der geliebten licht-vollen Kirche am Meer: Orgel und Trompete - gespielt von ganzgroßen Musikern. DANK' für soviele besondere Zugaben, und irgendwie wünschten wir uns, dies' Vierermiteinander würde auch noch durch die Nacht spielen... und ich glaube, das wärmende Kirchlein auch... Alles war Kraftquell' für das Morgen.
WIR hatten GLÜCK! WIEDER soeinglück... nehmt euch gerne 'was davon, ihr Menschen überall.
 
jakobus
28.04.2005
22:29 Uhr
     
@TG
Wie geht's weiter mit www.lebensmut.de, namentlich dem Gästebuch, der WELT-Kolumne? Oder bin ich zu indiskret?
Mir würde ganz viel fehlen.
Danke für alles und Gottes Segen!
jakobus
 
Segen
28.04.2005
13:11 Uhr
     
Möge er euch freundlich entgegenkommen,
Wind euere Rücken stärken,
Sonnenschein eueren Gesichtern
viel Glanz und Wärme geben.
Der Regen möge euere Felder tränken
und Gott möge seine Hand
schützend über euch halten.


für den Weg zum 1. Sonntag nach Trinitatis.
 
Traugott Giesen
27.04.2005
22:18 Uhr
     
Zu guter Letzt -
Veröffentlicht im Kirchenbrief der Kirchengemeinde KeitumOstern 05


Nach 29 Jahren gehen meine Frau und ich dankbar aus dem Pastorat Keitum, Erntedankfest 1976 – 1. Sonntag nach Trinitatis (29. 5.) 2005 war für uns dann eine beglückende Zeit. Wir werden auf Sylt wohnen bleiben können, das Eiland ist uns Heimat geworden.

Ja, es war das halbe Leben- und St-Severin als Arbeitsplatz hat geprägt. Sie ist ja eine Kirche mit Nimbus, warmgebetet, spröde und energiegeladen zugleich. Die Predigtgemeinde war anspruchsvoll- die Konfirmanden stöhnten oft über die lange Rede. Die Konzertgemeinde war ziemlich eine ganz andere; es konnte noch so innig sein, man wollte dann auch raus an die frische Luft. Als Hochzeitskirche sieht sie Paare, die ganz für sich alleine kommen und große Gesellschaften mit Hüten wie im Film. Bei Beerdigungen aus dem Dorf, scheint mir das Kirchlein am meisten bei sich selbst. Dann, bei den Festen im Lebensbogen und HeiligAbend ist es des Herrgotts gute Stube. Die vielen Tagesgäste eilen meist, manche verweilen auch und sitzen still. Deutschlands wohl schönster Friedhof mit Blick aufs Meer lädt zum Weg nach Innen ein. Und wer hier Dienst tut, der wird ein Stück weise, ganz notgedrungen.
Die Einheimischen sind allermeist wohltuend normal und wollen den Pastor wie den Tierarzt – „wenn nötig, soll er da sein, sonst ist er einer von uns“. Das „Du“, jedenfalls mit den Männern, ist mir zugewachsen. Der Kirchgang blieb zurückhaltend, kaum mehr als 10, 12 aus Keitum, noch mal 12 , 20 von der Insel, sonst liebe Gäste. Die kirchenfreundliche Stimmung aber blieb immer gewährleistet. Selten tritt mal jemand aus der Kirche aus, schon mal bei Hausverkauf als Taktik für 2 Jahre. Wenn Austritte, dann waren es allermeist Zugereiste.
Die Jahre 76 – 9o waren gekennzeichnet durch intensive Jugendarbeit (mit eigenem Jugenddiakon Christian Duwe), durch Kinderarbeit immer montags mit Kirchgang, dann Spiel im Pastorat. Später schrumpfte die Kinderzahl dramatisch. Ein Glücksfall war die Einrichtung der eigenen Pfarrstelle für Tinnum 1987; ich hatte an den Menschen hier sehr gehangen, sie waren in manchem normaler und schon (vor)städtischer, auch familienreicher. Überfällig war die Trennung von den Norddörfern1990. Ein weiterer Glücksfall war die Millionen- Spende, die dann mit dem großen Orgelfachwissen des Matthias Eisenberg und seinen Einspielergebnissen zu einer neuen Orgel für St-Severin führte und zur neuen Westempore und starken Sicherung der Dachstatik.
Ein neues Schwergewicht kirchlicher Arbeit gelang von 1992 – 2004 durch Matthias Eisenberg, dem genialen Orgelspieler und magierhaften Dirigenten vieler viel zu großer Oratorien für den kleinen Dorfchor und die kleine Dorfkirche. Dank für ihn, es waren ganz auch ganz neue Gottesdienste mit seiner musikalischen Antwort auf die Predigt und die Nachspiele , die ständig Beifall fanden. Sein Nachfolger Alexander Ivanov ist verheißungsvoll, er bringt auch ganz neue Töne und einen neuen Solistenkreis nach Keitum. Ab 1990 war ich ziemlich aufgesogen von den vielen Wünschen der Gäste, aber das Glück liegt bei der Freundschaft mit den Einheimischen.
Meine starke Frau hat die Gemeindearbeit wesentlich mit bestimmt. Alles Schöne hat sie in die Wege geleitet, sie hat die Kinderkirche lebendig gemacht, den Mädchenkreis „Pusteblumen“ geführt, Konfirmanden unterricht mit erteilt und ist mit auf Fahrt gegangen. Später hat sie, fußend auf ihrer theologischen Qualifikation als Religionslehrerin, sich zur Krankenhausseelsorgerin und Supervisorin ausbilden lassen, hat 17 Jahre die Telefonseelsorge Sylt mitgemacht, sie fünf Jahre geleitet, hat über viele Jahre Theologen in Krankenhausseelsorge ausgebildet, und leitet den Besuchsdienst im hiesigen Krankenhaus. Sie teilte den Pastorenalltag- unschätzbar ihre Präsens im Haus und ihr offenes Ohr am Telefon, wir waren in täglichem Gespräch, sie beriet mich in allen Problemen und trug diese mit, sie half mir mit ihrem warmherzigen kritischen Geist zu gut geerdeten Predigten. Und sie sorgte mit dafür, dass ich vor Abstürzen beschützt blieb- die Aufgaben waren vielfältig, die Versuchungen, „ein großes Rad“ zu drehen, auch. Aber ich ging immer pünktlich weg. Die stabile Ehe und mein realistischer Sinn hielten meine rheinische Frohnatur im Zaum. Am 22. Mai 1998, dem dunkelsten Tag unseres Lebens, starb unser Schwiegersohn Ole auf der Kreuzung Keitumer Landstraße, Tinnumer Brücke bei einem Verkehrsunfall, drei Wochen vor der Geburt seiner Tochter. Die Gemeinde hat uns in dieser schweren Zeit getröstet.
Meine Kirchenarbeit war geprägt durch intensive Gottesdienste und vielfältige Gespräche. Die Menschen trafen sich zum Nachgespräch, zu Gesprächsabend und Abendgebet mit Liedern von Taizé wieder und bildeten eine Gästegemeinde, fast jede Woche neu.
Zweimal im Jahr gab es Predigtaussendung an ca. 500 Adressen, mit freundlichem Spendenrücklauf, der eine großzügige und personalintensive Arbeit möglich machte.
Die Einheimischen sahen es durchweg gern, wenn „ihre Gäste“ gern zur Kirche gingen. „Wenn Eure Betten voll sind, sind auch Eure Kirchenbänke voll“ war einer meiner Sätze.
Bewegend für mich: die missionarische Situation bei den Dorffesten, wenn die ehemaligen Konfirmanden mir ihrer(m) Liebsten vorstellten, dann ihre Kinder vorstellten. Bei den Ringreiterkrönungen, jedenfalls beim „Corps“ sang man „Lobe den Herrn“ – laut vor allem: „der dich erhält, wie es dir selber gefällt“.
25 Jahre besuchte ich treu die Geburtstage, auch schon mal bei, 40, 50zig-Jährigen, bot launige Reden zu vielen Gelegenheiten. habe aber kaum einen Zweitwohnungsbesitzer in seinem Haus besucht, ein ziemliches Versäumen. Schmerzlich immer wieder, nicht hinzugezogen zu werden bei Streit und Zerwürfnis. Ein Pastor hört so viel und weiß noch mehr durch das Begleiten über jahrzehnte hin, man weiß viel von der Herkunft, könnte manches erklären. Manchmal sprach ich ja auch Menschen auf ihr Problem direkt an, aber mehr noch blieb das Gebet und stilles Mitbedenken. Wehmut bleibt beim Gedenken an früh verstorbene Konfirmanden und an Menschen, die hier nicht mehr leben konnten. Bewegend mir immer wieder, der lange Zug der Generationen, sehr viele gingen, weniger viele kamen nach: 1987 gehörten zu Keitum , Archsum , Munkmarsch noch 1260 Christen, 2004 nur noch: 885 . Mehr vom „alten“ Keitum ging dahin, viele seiner alten Häuser bleiben (zum Glück) mit neuen Besitzern und von ihnen saniert.
Ein Kampf war nötig, als 1999 auf die Schnelle dem Grundstück, das die Kirche als Spielplatz für 10 Jahre an die Gemeinde ausgegeben hatten, die Bebaubarkeit entzogen werden sollte- einfach, um den Spielplatz zu sichern. Wir hatten nicht aufgepasst, hatten nicht richtig Einspruch eingelegt (wohl als Träger öffentlicher Belange- aber nicht als Eigentümer). Aber der Kirchenvorstand drohte mit „der großen Glocke“ wegen kirchenfeindlicher Verstaatlichung, sodass man einlenkte. Doch typisch: Kirche hat hier keine Unantastbarkeit, Kirche muß nützen, sonst wird nicht gefackelt! Typisch auch, daß der, der das Blatt drehte, ein Katholik war mit Instinkt dafür, daß der Kirche die finanzielle Selbstständigkeit erhalten bleiben muß.
Ein besonderer Dank gilt den Damen und Herren des Kirchenvorstandes, sie gaben hervorragendes Geleit, die Zusammenarbeit war außerordentlich gut. In der ganzen Zeit ist kein Ältester wegen eines Streites mit mir ausgeschieden. Ich versuchte, sie an allen Entscheidungen zu beteiligen, würdigte aber ihre Zeitknappheit dadurch, daß für die Tagesordnungspunkte die Möglichkeiten weitgehend entscheidungsreif aufbereitet waren. Auf Arbeit in Ausschüssen und Missionarische Einsätze verzichteten die Ältesten: sie kamen aus der Mitte der Gesellschaft; Hauptsache, sie standen zur Kirche. Erst in den letzten Jahren übernahm jeweils ein Ältester gottesdienstliche Begleitung.
Schmerzlich war die Wendung des so verdienstvollen Organisten und Kirchenvorstehers Wilhelm Borstelmann gegen seinen eigenen Kirchenvorstand in der Nachfolge-Frage. Auch seine Enttäuschung über den Ersatz für seine geliebte Marcussen-Neuthororgel hat ihn (bis auf Beerdigungen) die Kirche nicht mehr betreten lassen.
Ich stärkte dem Kirchenvorstand das Selbstbewusstsein als Arbeitgeber für die Mitarbeiterschaft (inklusiv der Pastoren- unbeschadet derer Eigenständigkeit in geistlichen Angelegenheiten)- Der KV sollte hören, verstehen, anordnen, aber die Leute machen lassen. Dies half m. E. zu hoher Effektivität der Mitarbeiter durch weitgehende Eigenverantwortung.
Mit den Mitarbeitern hatte meine Frau und ich immer ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens und voller Loyalität. Die Weihnachts- Essen in der Sansibar waren ein gelungener Jahreausklang. Ausflüge haben lange nicht mehr stattgefunden, keiner hat sie verlangt.
Mit den Kollegen war es manchmal mühsam, ich war für einige Kollegen wohl auch schwierig, Mit W, Knees. und Ehepaar Reimann war bzw. ist es eine friedliches Auskommen.

Es waren fast drei Jahrzehnte- eine starke Zeit, vor allem die Sommerfeste mit viel Hilfe aus dem Dorf und die niemals endende Arbeit an dem so gefährdeten und der Fürsorge so bedürftigen Kunstwerk St. Severin, diesem Juwel. Viele Zeitgenossen müssen beschützt werden vor ihrem eigenen gedankenlosen begrapschenden Inbesitznehmenwollen. Hoffentlich widerstehen auch kommende Kirchenvorstände allen Formen von Folklore und verschleißenden Ereignissen („Events“ zum „Fundraisen“), rund um das Kirchlein, das ja mitten auf dem Friedhof steht und nicht an einem Marktplatz. Die verschiedenen Kirchenvorstände haben sich bemüht, St-Severin seine Ursprünglichkeit zu erhalten, und auch rund um die Kirche die Stille zu bewahren.
Immer wieder eine Herausforderung: Die wunderbaren Konfirmanden, in schwierigem Alter, doch, wie ein Schwamm Lebensmut aufsaugend- man hofft so viel für sie.

Wie ich mein Pastordasein sah, lässt sich auch ablesen an der Ausschreibung des Kirchenvorstandes für die Nachfolge:

Die Ev.-luth. Kirchengemeinde Keitum sucht zum 1.11.05 eine neue Pastorin/ einen neuen Pastor. Der 1. Pfarrbezirk der Dörfer Keitum, Archsum, Munkmarsch hat nur 900 Einheimische, doch die St-Severinkirche ist vielbesucht. Im 2. Pfarrbezirk Tinnum (1650 Seelen) mit Gottesdienst im kommunalen Gemeindehaus teilt sich das Pastorenehepaar Reimann die Stelle; Einmal im Monat vertreten sich die Pastoren ein langes Wochenende. Gutes Einvernehmen, auch mit dem langjährigen Mitarbeiterstamm, ist hier auf der kleinen Insel Pflicht.
Gesucht wird ein(e) liebevolle(r) Landpastor(in), die/der weltgewandt und meditativ zugleich viel Zeit und Kraft für die Gäste hat. Die Insulaner in den Dörfern werden von Jahr zu Jahr weniger und brauchen einen treuen Menschen, der sie zusammenhütet. Immer mehr Häuser sind im Besitz von Zweitwohnsitzern, die z.T. eine innige Bindung an Sylt entwickeln und gern hier ihre Feste feiern. Die Urlauber kommen glücklicherweise übers ganze Jahr, natürlich im Sommer in Scharen- sie wollen Kirche erleben- Gottesdienste, die Lebensmut aus tiefen Quellen fördern, Nachgespräche und Gesprächsrunden, Andacht mit Liedern von Taizè, sonntagsabends; schon seit 20 Jahren. Für neue Ideen ist weiter Raum. Der Chor hofft auf Verstärkung, die Kinderkirche muß neu erstehen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die allwöchentlichen Mittwochskonzerte in der kerzenerleuchteten, achthundert Jahre jungen Kirche Betreut sein will auch der Friedhof , der in Sichtweite zum Wattenmeer liegt.
Das Pastorat (Baujahr1972) mit Wohnung, großem Garten, Gemeindebüro, gemütlichem Saal, Clubraum und Jugendraum liegt im historischen Kern des idyllischen Dorfes. Vier km weiter die Stadt Westerland mit allen Schulen, Krankenhaus, IC-Anschluß.
Das Leben ist hier leicht, wenn man ans Meer gehört, auch lange dunkle Abende liebt und eine gute Ordnung in häuslichen Dingen hat.

Also- wir blicken zurück in großer Dankbarkeit. Es hat uns hier viel gute Kraft gut angelegt sein lassen in Menschen und Zusammenleben, es hat uns gut ernährt und immer hier gehalten. Also lebt gut, lacht gut, machet Eure Sache gut. Gott behüte uns Gehenden und Kommende und uns hier eine Zeit lang Verweilende. Wir haben ja hier keine bleibende Stadt sondern die Zukünftige, die Gemeinsame sucht uns. Dazu passt diese kleine Geschichte: Der Maler hatte die Predigertafel ergänzt: „Traugott Giesen 1976“. Er musste noch mal kommen, um den Bindestrich zu setzten: „ 1976 –„ zum Zeichen: Wir alle sind Vorübergehende.




 
thomas
27.04.2005
18:28 Uhr
E-Mail    
Liebe/r S.
Danke für Deine Gedanken. Eine Idee: Ich tue es schon lange mit mir, mit meinen Gedanken. Ich hinterfrage diese auch. Und ich vergleiche sie. Du machst ja das gleiche, denke ich. Anders geht es ja nicht.
Mit einem herzlichen Gruss
thomas
 
S.
27.04.2005
16:01 Uhr
     
Zu Thomas: Jede einzelne Predigt von TG zeigt Dir genau, daß Du erstmal Dein Eigenes finden mußt, am besten mit Glauben. Was Andere denken, ist relativ egal. Wichtig, was Du bist und wer Du bist, und, falls Du damit zufrieden bist oder sogar glücklich, ob es Dir hilft, Gutes zu vermehren. Jedenfalls habe ich das so aufgefaßt. Dabei habe ich mich von TG wegentwickelt, das ist erstaunlich, weil ich ihn ernst nahm. Aber es gab dann einen eigenen Weg. Ich hätte mich früher nie getraut, dieses zu sagen, aus Angst, anzuecken:
Ich ziehe Cusanus und Erasmus von Rotterdam Luther vor. Es waren Reformer, aber sie polterten nicht weg. Und Jean Calvin war schrecklich. Er verbrannte Gegner auf Scheiterhaufen.
 
Traugott Giesen
26.04.2005
17:34 Uhr
     
Alles hat seine Zeit. bitte die letzte Predigt lesen und ins eigene Leben ziehen. Tg  
thomas
25.04.2005
21:05 Uhr
E-Mail    
Liebe/r S.D.

Ich danke Dir für Deine offene und ehrliche Antwort. Erlaube mir, zu bemerken, dass ich sie bereits fast als eine Selbstoffenbarung halte.

Du sagst: Du hältst Dich sehr gern an Zitaten fest, Thomas, und zwar Zitaten ganz unterschiedlicher Provinienz. Ich brauche keine Zitate, denn ich kann selbst zum Ausdruck bringen, was ich denke.

Ich sage Dir dazu: Ja, Du hast richtig gesehen. Ich orientiere mich nicht NUR nach mir, sondern auch daran, was andere denken und zu sagen haben .... Ich weiss schlicht und einfach NICHT alles. Ich versuche aber sehr vieles SELBST zu denken und zu formulieren!

Du sagst: Möglicherweise, weil ich schon seit 40 Jahren die Zauberflöte liebe. Tradition in der Kultur macht innerlich reich, die Pflege der Kultur läßt mich eine innere Sprache finden.

Ich sage Dir dazu: Zufall? ...... die Zauberflöte gehört seit ca. 50 Jahren zu meiner Lieblingsoper, Lieblingsmusik. Kultur bedeutet mir auch sehr viel.

Du sagst: Ich liebe das Christentum. Da ich es es so liebe und in Momenten verinnerliche, habe ich auch Achtung vor dem Weichen im Islam.

Ich sage Dir dazu: Ich fühle mich mehr und mehr einem ökumenischen Denken zugewandt. Toleranz und Respekt beachten ist dabei sehr wesentlich.

Lieber S.D., Dein Selbstbewustsein empfinde ich wirklich als sehr stark.

Ich wünsche Dir dazu viel selbst-kritisches Nachfühlen, hinhören dort, wo Dir Fremdes zu Ohren kommt und eine grosse Portion Verständnisbereitschaft und Neugier, wenn Neues Dich zu Überrollen droht!

Mit herzlichen Grüssen
thomas
 
Ahab
25.04.2005
16:27 Uhr
     
Liebe/r S.D.
zwischen J.R. und K.W. sind schon ganz erhebliche Unterschiede: Jo-Paul konnte als Pole naturgemäß mit der Aufklärung nichts anfangen - wie sollte er auch, blieben doch die Polen von diesem wichtigen Schritt der Geistesgeschichte unberührt. Der Sepp dagegen hat die Aufklärung kapiert und ist dazu noch ein glänzender Theologe. Seine Predigt gestern war richtig cool. Ich würde mir wünschen, dass wenigstens die kath. Rundfunkpredigten im Durchschnitt nur halb so gut wären. Es ist ja nicht jeder ein TG, auch nicht bei uns Luthis!
Gab es im Dom zu Keithum gestern keine Predigt? Ich bin gespannt, was TG zu den Vorgängen in Rom gesagt hat / sagt.
 
S.D.
25.04.2005
12:30 Uhr
     
Noch eine Kleinigkeit dazu:

Ich liebe diesen Papst. Und den vorigen liebte ich schließlich auch.

Dagegen sind Worte machtlos, da können andere faseln, was sie wollen, denn "Die Liebe ist die größte unter ihnen". Der Heilige Paulus.
 
S.D.
25.04.2005
12:22 Uhr
     
Du hältst Dich sehr gern an Zitaten fest, Thomas, und zwar Zitaten ganz unterschiedlicher Provinienz. Ich brauche keine Zitate, denn ich kann selbst zum Ausdruck bringen, was ich denke. Möglicherweise, weil ich schon seit 40 Jahren die Zauberflöte liebe. Tradition in der Kultur macht innerlich reich, die Pflege der Kultur läßt mich eine innere Sprache finden.

Ich liebe das Christentum. Da ich es es so liebe und in Momenten verinnerliche, habe ich auch Achtung vor dem Weichen im Islam. Ich lese gern mal Koransuren. Ich finde nicht richtig, daß man der Masse aller Türken "Parallelgesellschaft" vorwirft. Meine Meinung ist, sie sollen auch ihr Eigenes lieben. So wie ich meins liebe. Und aus dieser Einstellung heraus, die aus meiner Tradition kommt, wofür ich Eltern, Großeltern, Lehrern und Land dankbar bin und last but not least auch Giesen und St.Severin, finde ich auch eine Sprache mit Fremden. Ich finde sie, weil meine kulturellen Werte mich selbstbewußt machen. So kann ich auch den Anderen wahrnehmen. In Wirklichkeit bin ich ein postmoderner Mensch, und es werden Dir noch mehr davon begegnen in Zukunft.
 
thomas
24.04.2005
14:23 Uhr
E-Mail    
Liebe/r S.D.

Ich sehe die ganze Sache mit dem Papsttum und dem Prunk und dem entsprechenden Drumherum, wie heute wieder, halt als etwas eher Mühsames und den offenen Dialog eher behindernd, als fördernd.

Den Papst Benedikt XVI. konnten ja alle am Fernsehen eingehend betrachten. Dabei fiel mir auf, dass ich eine gewisse menschliche Wärme zu spüren meinte, die er, so hoffe ich wenigstens, auch zukünftig zeigen wird ....

Eben gerade habe ich einen Gedanken gefunden, der, wie ich meine, zu meiner Antwort an Dich passt.

Zwei Gedanken von Stanislaw Brzozowski (1878-1911), poln. Dichter:

< Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.

.... und:

< Jede Zufluchtsstätte der Vergangenheit ist ein Gefängnis.

Mit herzlichen Grüssen
thomas

 
S.D.
22.04.2005
12:47 Uhr
     
Ich weiß gar nichts, das schicke ich mal voraus, Thomas.
Aber ich fürchte, daß wir selbst anfangen, in einer Diktatur zu leben, und zwar in einer Diktatur des Liberalismus. Ich fürchte, wenn Kinder heute in der Schule sagen würden, daß ihre Eltern mit ihnen beten, sie ausgelacht würden, wenn sie aber ein Ego-Shooter-Spiel für den PC hätten, sie als obercool gälten. Deshalb sage ich auch Liberalismus statt Liberalität. Liberalismus ist Mode und bedeutet eine Freiheit, die auch destruktiv sein kann. Du mußt Dir mal überlegen, welche Elterngeneration die Kinder haben, die J.P.II bewundern. Es sind die Eierwerfer und Steinewerfer. Wegen jener soll Joseph Ratzinger die Tübinger Uni verlassen haben. Das sind die Frauen, die auf die Straße gingen und riefen "Mein Bauch gehört mir". Ist das nicht enorm kalt, eine Schwangerschaft auf "mein Bauch" zu abstrahieren? Noch etwas Persönliches: Ich habe die seltenste Zeit in meinem Leben die Pille genommen, weil sie Nebenwirkungen hat. Außerdem traute ich nie den Beteuerungen, daß sie kein Mamma-Karzinom auslöst. Schließlich sind Mammakarzinome z.T. hormonabhängig. Die westliche Welt hat der, die sie herablassend als "Dritte Welt" betitelt hat, schon Alete gebracht. Das führte zu einer erhöhten Säuglingssterblichkeit, weil Alete nicht die Immunglobuline enthält, die die Muttermilch hat. Ich finde es vordringlich wichtig, daß die westliche Welt den weniger Privilegierten hilft, die Analphabetenrate zu reduzieren. Dann können die Frauen auch die gute alte Rechenmethode verwenden, die nur etwas umständlicher ist. Vor allem kostet sie nichts. Die haben gar kein Geld für die Pille u.ä. Es fehlt ihnen schon das Geld für Medikamente gegen AIDS und Malaria und Impfungen gegen Gelbfieber. Und noch etwas: ich bin vor vielen Jahren trotz eines Kondoms schwanger geworden. Es hatte ein Loch. Heute würde ich das nennen: der typische perfide Humor Gottes, der alles schön herrichtet.

Und eine kleine Prise Humor aus der Münchener Oper: Die Kirchenglocken hatten geläutet, und alle warteten, daß die Regie durchgibt, wer Papst geworden ist letzten Dienstag bei der Zauberflöte. Nichts kam. Dann fragte der Tamino den Papageno, wie er heißt: Papageno. Wiederholung der Frage, so, als hätte Tamino nicht verstanden. Da antwortete der Sänger: "Pa-pa - also es kann doch nicht jeder Benedikt XVI heißen, nur weil er mal in München gewirkt hat - Papageno. "Ich denke, Mozart hat gelacht im Himmel.

Und die Predigt über den Humor war schön.
 
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