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Flügelfreundin
15.04.2020
11:54 Uhr
     
Vorsichtshalber sage ich dazu, dass die Frau Präses es einwandfrei formuliert hatte. Nur landete es dann wohl auf einer tschechischen oder polnischen Tastatur. Die Predigt verdient, viel geteilt zu werden. Ich werde sie privat vorlesen. Sie ist eins dieser Haftfüßchen, mit denen Menschen eintauchen können in Religion, auch nur kurz, aber immer etwas davon behalten. Der erste Absatz hat es übrigens in sich.  
Flügelfreundin
15.04.2020
11:20 Uhr
     
TG, wunderschön. Ich habe mir vor dem Ausdrucken die Lücken eingefügt und die wohl polnische Buchstaben statt Zeichen verbessert. Sie können es gern so übernehmen und mit TG versehen, wenn sie möchten. Es ist so lesbarer und verdient, gelesen zu werden. Und vielen Dank dafür.

Sonntag, 12. April 2020Dr.h.c. Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von WestfalenPredigt zu Johannes 20, 11-18ZDF-Ostergottesdienst aus der Saalkirche in Ingelheim am 12. April 2020

Ostern ist anders, liebe Gemeinde. Ganz anders. Gähnende Leere in den Straßen. Kein buntes Treiben in den blühenden Gärten der Stadt. Kein Besuch von Familie oder Freunden. Alle bleiben für sich, daheim, mit den Allernächsten. Halten Abstand, schotten sich ab. Vorsichtshalber. Es ist zu gefährlich da draußen, heißt es, seit sie Jesus ans Kreuz geschlagen haben. Erst wenige Tage ist das her. Seitdem herrscht Ausnahmezustand bei den Jüngern damals in Jerusalem. Sie sind auf der Hut, nehmen sich in Acht. Viel zu groß ist die Gefahr, verpfiffen zu werden. Viel zu hoch das Risiko, sich zu infizieren mit der Wut der anderen; angesteckt zu werden vom Hass, der Jesus ans Kreuz brachte. Schlimmstenfalls könnten sie selbst dabei draufgehen so wie er. Ja. Ostern ist anders. Ganz anders. Und zwar schon immer! Von Anfang an. Das erste Osterfest begann mit Abstand und Einsamkeit, mit Furcht und Trauer. Maria ist die Allererste, die sich aufmacht am Ostermorgen. Die Allererste, die merkt, dass etwas nicht stimmt. Hören wir, was der Evangelist Johannes erzählt: Lesung: Johannes 20, 11-18 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. 13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen.
II. Maria steht am Grab und weint. Die meisten von uns haben schon an Gräbern gestanden. Manche in den letzten Wochen erst. Nur fünf oder zehn durften mitkommen, höchstens. Einige standen dort vielleicht ganz allein. Allein wie Maria. Das Grab, an dem Maria steht, ist das Grab Jesu. Sie nannten ihn Christus, und sie sagten, er sei Gottes Sohn. Er hatte einzelne Menschen geheilt,und sie ahnten: In ihm war Gott selbst da und schuf neues Leben. Er hatte zu ihnen gesprochen, und sie ahnten: Durch ihn sprach Gott selbst und berührte die Herzen. Dieser Jesus, den sie Christus nannten, Gottes Sohn, der war gestorben. Maria steht vor dem Grab und weint. Sie will Jesus nah sein. Einmal noch. Und wenn es auch nur der tote Jesus ist. Sie will ihm nah sein: Was hat dieser schlichte Wunsch in diesen Wochen für einen Klang! So viele sehnen sich danach, einander nah zu sein. Berühren und sich berühren lassen, in die Arme nehmen und umarmt werden. Es tröstet und wärmt und schützt. Zur Zeit ist leider auch das anders. Einander-nah-Sein ist jetzt vor allem gefährlich, ansteckend, verboten. In mancher Wohnung, in mancher Beziehung, in manchem Flüchtlingslager verkehrt es sich in quälende Enge, in gewaltsame Übergriffe, in bedrängende Not. Was weinst du, fragen zwei Engel aus dem Grab heraus. Behutsam fragen sie, fürsorglich und zart. Aber ihre Nähe tröstet Maria nicht. Jetzt nicht. „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben! Was für ein verzweifelter Satz in einer Zeit, in der aus Turnhallen Intensivstationen werden und auf den Hinterhöfen mancher Krankenhäuser Kühlwagen stehen für die Toten. Ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben! Maria hat all ihre Hoffnung auf ihn gesetzt. Und jetzt ist er tot. Weg. Nicht einmal der Leichnam ist aufzufinden. Maria stellt fest: Jesus hat mich allein gelassen. Viele Menschen stellen das so fest, für sich, nicht nur an Gräbern: Mein Gott hat mich allein gelassen.
III. Maria dreht sich um vom Grab und sieht, so wird erzählt, Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. In diesem kleinen Halbsatz, liebe Gemeinde, steckt das ganze Geheimnis des Ostertages. Sie sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Der Auferstandene ist da, und sie erkennt ihn nicht. Während sie mit Haut und Haaren verstrickt ist in ihre Situation, überwältigt von ihrer Einsamkeit, gefangen in ihrer Not - ist er längst da. Das heißt doch: Auch wenn ich nicht weiß, auch wenn ich gefangen bin in meiner Situation, auch wenn ich im Moment keinen Zugang finden sollte zum auferstandenen Christus, dann macht das dessen Lebendigkeit nicht zunichte! Dass er lebt, hängt nicht von meinem Glauben ab. Wo ich wie gebannt auf das starre, was mein Leben bedroht, steht er, der Lebendige, längst hinter mir und wartet darauf, mir zu begegnen.
IV. Wer sich hinein begibt in diese Ostergeschichte; wer sich buchstäblich hineinstellt in die kleine Szene, neben Maria ans Grab, und ihre Bewegungen mitvollzieht, wird eine verblüffende Entdeckung machen: An einer Stelle stimmt etwas nicht! Maria wendet sich vom Grab um, sieht Jesus stehen, der spricht sie an, sie erkennt ihn nicht, hält ihn für den Gärtner, fragt ihn nach dem Leichnam, und Jesus ruft ihren Namen: „Maria! Darauf heißt es im biblischen Text: Sie wandte sich um und sagt zu ihm: Rabbuni – Meister! Seltsam, eigentlich müsste sie ihm bereits zugewandt sein, er stand ja am Grab direkt hinter ihr. Offenbar fehlt da ein Satz. Offenbar hat es in dieser Begegnung zwischen Maria und Jesus einen Moment gegeben, den der Evangelist Johannes nicht erzählt. Einen Moment, in dem Maria losgelaufen ist, vom Grab weg, auf der Suche nach dem Toten, am Lebendigen vorbei. Doch der Auferstandene unterbricht ihren Lauf, sagt ihren Namen: „Maria! Dabei muss er sich nach ihr umgedreht haben, sie ist doch gerade an ihm vorbeigelaufen. Er, der Auferstandene, wendet sich um und ruft ihr hinterher: Maria! Sie hört ihren Namen, hält inne, dreht sich um, und jetzt, endlich - stehen sie einander gegenüber. Jetzt endlich - treffen sich ihre Blicke. Jetzt endlich - sehen sie einander an. Jetzt endlich erkennt sie ihn. Als sie merkt: Er kennt mich! Sie muss nicht mehr suchen, sie ist ja gefunden. Sie braucht nicht mehr dem Toten nah zu sein, der Lebendige ist ja da und berührt sie mit seinem liebevollen Blick. Kann es größere Nähe geben? In diesem winzigen Moment der Geschichte steckt Ungeheuerliches. Das Heil der Welt liegt darin; deine und meine Zukunft: Gott selbst wendet sich um nach dir und nach mir, ruft uns hinterher. Gott seinerseits findet uns, während wir ihn verzweifelt suchen. Gott gibt sich zu erkennen, indem er dich und mich beim Namen nennt. Dich meine ich. Du liegst mir am Herzen. Dich lasse ich nicht im Stich.
Maria erkennt ihn. Und jetzt will sie ihm wieder nah sein, so wie früher. Nichts hat sie sich doch sehnlicher gewünscht. Jetzt endlich will sie ihn wieder berühren. Umarmen. Ihn am liebsten nie mehr loslassen. Aber der Auferstandene sagt: „Rühr mich nicht an! Das klingt hart und streng. Ganz anders als das liebevolle „Maria!. „Rühr mich nicht an!: Ein traurig vertrautes Verbot in dieser Zeit! Menschen kommen uns vor Augen, voller Sorge, einsam, strikt isoliert. Womöglich, liebe Gemeinde, sind diese Worte der Clou an der ganzen Sache. Womöglich liegt ausgerechnet in diesem Nicht-Berühren-Dürfen die Kraft des Ostergeheimnisses. Nähe, die mehr ist als Anfassen und Umarmen. Nähe, die auch dann gewiss bleibt, wenn wir uns so wie jetzt körperlich nicht nah sein können oder dürfen. „Rühr mich nicht an!: Ohne dieses Verbot des Auferstandenen bliebe Ostern trügerisch und missverständlich. Ein Jesus, den Maria umarmen, be-greifen und festhalten könnte, müsste irgendwann doch wieder sterben. Maria aber begegnet dem Auferstandenen. Für ihn ist der Tod Vergangenheit, ein für alle Mal. Sie kann und darf ihn nicht festhalten, als wäre wieder alles beim Alten. Sein Leben ist nicht wie vorher. Das Leben ist neu. Auch für uns. Der Auferstandene sagt: Ich rufe dich bei deinem Namen. Du gehörst zu mir. Im Leben. Im Sterben. Und durch den Tod hindurch.
V. Ostern ist anders, liebe Gemeinde. Rettend anders. Heilsam anders. Und: Ostern macht anders. Ostern verändert. Dich und mich. Und die ganze Welt. Wie auch immer uns unsere Wege führen: Wir gehen auf das Leben zu. Die Frau, die weinend am Grab stand und gefangen war in der Welt des Todes, bleibt nicht die Alte. In sie kommt neues Leben. Schon jetzt. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«.
Maria will es nicht für sich behalten. Sie muss davon erzählen. Anfassen, berühren, be-greifen kann und darf sie ihn nicht. Aber ihr Herz ist berührt durch die Liebe des Auferstandenen. Ihr Leben ist berührt durch eine neue Aussicht, die stärker ist als der Tod. Ihr Glaube ist berührt durch eine Hoffnung, die über alles hinausgeht, was wir zu denken vermögen. Und wenn wir gleich, am Ende des Gottesdienstes, mit unzähligen Menschen in ganz Deutschland gemeinsam singen und musizieren: Christ ist erstanden von der Marter alle. Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein - dann mag es geschehen, dass dieser alte Osterhymnus uns ganz neu berührt. Dass im Singen und Musizieren etwas mit uns geschieht. Dass wir spüren: Es reißt uns mit weit hinaus über unseren kleinen Mut und unsere zaghafte Hoffnung. Nicht nur in dieser verrückten Zeit. Das gebe der lebendige Gott. In diesem Sinne: Ein ganz anderes, hoffnungsvolles Osterfest. Amen.
 
die Augustiner
14.04.2020
18:29 Uhr
     
Eine ganz ausgezeichnete Predigt, die in der Tat auch von dir hätte sein können.
Das " rühr mich nicht an" trifft uns in diesen Zeiten tief ins Herz, so intensiv hatten wir früher über diesen Satz nicht nachgedacht.
 
tg
14.04.2020
15:57 Uhr
     
Hatte ich das schon gesagt? Diese Predigt hätte ich auch gern gehalten. TG  
tg
13.04.2020
15:24 Uhr
E-Mail    
Sonntag, 12. April 2020Dr.h.c. Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von WestfalenPredigt zu Johannes 20, 11-18ZDF-Ostergottesdienst aus der Saalkirche in Ingelheim am 12. April 2020

Ostern ist anders, liebe Gemeinde. Ganz anders. Gähnende Leere in den Straßen. Kein buntes Treiben in den blühenden Gärten der Stadt. Kein Besuch von Familie oder Freunden. Alle bleiben für sich,daheim, mit den Allernächsten.HaltenAbstand, schottensich ab. Vorsichtshalber. Es ist zu gefährlich da draußen, heißt es, seit sie Jesus ans Kreuz geschlagen haben. Erst wenige Tage ist das her. Seitdemherrscht Ausnahmezustand bei den Jüngern damals in Jerusalem.Sie sind auf der Hut, nehmen sich in Acht. Viel zu großistdie Gefahr, verpfiffen zu werden. Viel zu hochdas Risiko,sich zu infizierenmit der Wutder anderen; angesteckt zu werden vomHass, der Jesus ans Kreuz brachte. Schlimmstenfalls könnten sie selbstdabei draufgehen ųso wie er. Ja. Ostern ist anders. Ganz anders. Und zwar schon immer! Von Anfang an. Das erste Osterfest begannmit Abstand und Einsamkeit,mitFurchtund Trauer. Maria ist die Allererste, die sichaufmacht am Ostermorgen.Die Allererste, die merkt, dass etwas nicht stimmt. Hören wir, was der Evangelist Johannes erzählt:Lesung: Johannes 20, 11-18Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein 12und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. 13Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. 16Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen
II.Maria stehtamGrab und weint. Die meisten von uns haben schon an Gräbern gestanden. Manche in denletzten Wochenerst.Nurfünf oder zehndurftenmitkommen, höchstens. Einigestanden dort vielleicht ganzallein. Allein wie Maria.Das Grab, an dem Maria steht, ist das Grab Jesu. Sienannten ihn Christus, und sie sagten, er sei Gottes Sohn. Er hatte einzelne Menschen geheilt,und sieahnten:In ihm war Gottselbst da und schuf neues Leben. Er hattezu ihnen gesprochen, undsieahnten: Durch ihn sprach Gott selbstund berührte dieHerzen. Dieser Jesus, den sie Christus nannten, Gottes Sohn, der war gestorben. Maria steht vor dem Grabund weint. Sie will Jesus nah sein. Einmal noch. Und wennes auch nur der tote Jesus ist. Sie will ihm nah sein: Was hat dieser schlichte Wunsch in diesen Wochen für einen Klang! Sovielesehnen sich danach,einander nah zu sein.Berührenund sich berührenlassen,in die Arme nehmen und umarmt werden. Es tröstet und wärmt und schützt.Zurzeitist leider auch das anders.Einander-nah-Seinist jetzt vor allemgefährlich, ansteckend, verboten. In mancher Wohnung, in mancher Beziehung, in manchem Flüchtlingslager verkehrt es sich in quälende Enge, in gewaltsame Übergriffe, in bedrängende Not.ŹWas weinst duťź, fragen zwei Engel aus dem Grab heraus.Behutsamfragen sie, fürsorglich und zart. Aber ihre Nähe tröstet Maria nicht. Jetzt nicht.„Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ichweiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!ŵWas für ein verzweifelter Satzin einer Zeit,in der aus TurnhallenIntensivstationen werden und aufden Hinterhöfen mancher Krankenhäuser Kühlwagen stehen für die Toten.ŹIch weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!ŵMariahat allihre Hoffnungauf ihngesetzt.Und jetzt ist er tot.Weg.Nicht einmal der Leichnamist aufzufinden. Maria stellt fest: Jesus hat mich allein gelassen.Viele Menschen stellen das so fest, für sich, nicht nur an Gräbern:Mein Gott hat mich allein gelassen. III.Maria dreht sich um vom Grab ųund siehtųso wird erzählt ųŹJesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.ŵIn diesem kleinen Halbsatz, liebe Gemeinde, steckt das ganze Geheimnis des OstertagesŤ Sie Źsieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.ŵDer Auferstandene ist da ųund sie erkennt ihn nicht.
Während sie mit Haut und Haarenverstrickt ist in ihre Situation, überwältigt von ihrer Einsamkeit, gefangen in ihrer Not -ist er längst da.Das heißtdoch: Auch wenn ich Źnicht weißŵ, auch wenn ich gefangen bin in meiner Situation, auch wenn ich im Moment keinen Zugang finden sollte zum auferstandenen Christus, dann macht das dessen Lebendigkeit nicht zunichte!Dass er lebt,hängt nichtvon meinem Glaubenab. Wo ich wie gebannt auf dasstarre, was meinLeben bedroht, steht er, der Lebendige, längst hinter mir und wartet darauf, mir zu begegnen. IV.Wersich hineinbegibt in diese Ostergeschichte; wer sich buchstäblich hineinstellt in die kleine Szene, neben Mariaans Grab, und ihre Bewegungen mitvollzieht, wird eine verblüffende Entdeckung machen:An einer Stellestimmt etwas nicht!Maria wendetsich vom Grab um, siehtJesus stehen, der spricht sie an, sie erkennt ihn nicht,hält ihn für den Gärtner, fragt ihn nach dem Leichnam,und Jesus ruft ihren Namen:„Maria!ŵ.Darauf heißt es im biblischen Text: ŹSie wandte sich umŵ und sagt zu ihm: ŹRabbuni –Meister!ŵ. Seltsam ųeigentlichmüsste sie ihmbereitszugewandt sein, er stand ja am Grab direkt hinter ihr.Offenbar fehlt da ein Satz. Offenbar hat es in dieser Begegnung zwischen Mariaund Jesus einen Moment gegeben,den der Evangelist Johannes nicht erzählt. Einen Moment, in dem Marialosgelaufen ist, vom Grab weg,auf der Suche nach dem Toten, am Lebendigenvorbei.Doch derAuferstandene unterbrichtihren Lauf, sagt ihren Namen: „Maria!ŵ.Dabei muss er sichnach ihr umgedreht haben, sie ist dochgeradean ihm vorbeigelaufen. Er, der Auferstandene, wendet sich um und ruft ihr hinterherŤ ŹMaria!ŵ. Sie hört ihren Namen, hält inne, dreht sich um,undjetztųendlich-stehen sie einander gegenüber. Jetzt ųendlich -treffen sich ihre Blicke. Jetzt ųendlich -sehen sie einander an. Jetzt ųendlich ųerkennt sie ihn. Alssie merkt: Er kennt mich! Sie muss nicht mehr suchen, sie ist ja gefunden. Sie braucht nicht mehr dem Toten nah zu sein, der Lebendige ist ja da und berührt sie mit seinem liebevollen Blick. Kann es größere Nähe geben? In diesemwinzigenMoment der Geschichtesteckt Ungeheuerliches. Das Heil derWeltliegt darin; deineund meine Zukunft:Gott selbst wendet sich um nach dir und nach mir, ruft uns hinterher.Gott seinerseits findet uns, während wir ihn verzweifelt suchen.Gottgibt sich zu erkennen, indem er dichund mich beim Namennennt. ŹDich meine ich. Du liegst mir am Herzen.Dich lasse ich nicht im Stich.
Maria erkennt ihn. Und jetztwillsie ihm wieder nah sein, so wie früher. Nichts hat sie sich doch sehnlicher gewünscht. Jetzt ųendlich ųwill sie ihn wieder berühren. Umarmen. Ihnam liebsten nie mehr loslassen. Aber der Auferstandene sagt: „Rühr mich nicht an!ŵDas klingt hart und streng. Ganz anders als das liebevolle „Maria!.„Rühr mich nicht an!: Eintraurig vertrautes Verbot in dieser Zeit! Menschen kommen uns vor Augen, voller Sorge, einsam, strikt isoliert. Womöglich, liebe Gemeinde, sinddiese Worte der Clou an der ganzen Sache.Womöglich liegt ausgerechnetin diesem Nicht-Berühren-Dürfen die Kraftdes Ostergeheimnisses.Nähe, die mehr ist als Anfassen und Umarmen.Nähe, die auch dann gewiss bleibt, wenn wir uns ųso wie jetzt ųkörperlich nicht nah sein können oder dürfen.„Rühr mich nicht an!ŵ: Ohne dieses Verbot des Auferstandenen bliebe Ostern trügerisch und missverständlich. Ein Jesus, den Maria umarmen, be-greifen undfesthalten könnte, müsste irgendwanndoch wieder sterben. Maria aber begegnet dem Auferstandenen. Für ihn ist der Tod Vergangenheit, ein für alle Mal.Sie kann und darf ihn nicht festhalten, als wäre wieder alles beim Alten. Sein Leben ist nicht wie vorher. Das Lebenist neu. Auchfür uns.Der Auferstandenesagt: ŹIch rufe dichbei deinem Namen. Du gehörst zu mir.Im Leben. Im Sterben. Und durch den Tod hindurch.VI.Ostern ist anders, liebe Gemeinde. Rettend anders. Heilsam anders.Und: Ostern machtanders. Ostern verändert. Dich und mich. Und die ganze Welt. Wie auch immer uns unsere Wege führen: Wir gehen aufdas Leben zu. DieFrau, die weinend am Grab stand und gefangen war in der Welt des Todes, bleibtnicht die Alte. In sie kommt neues Leben. Schon jetzt.Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«.
Maria will es nicht für sich behalten. Sie muss davon erzählen. Anfassen, berühren, be-greifen kann und darf sie ihn nicht. Aber ihr Herz ist berührtdurch die Liebe des Auferstandenen. Ihr Leben ist berührt durch eine neue Aussicht, die stärker ist als der Tod. Ihr Glaube ist berührt durch eine Hoffnung, die über alles hinausgeht, was wir zu denken vermögen.Und wenn wir gleich, am Ende des Gottesdienstes, mit unzähligen Menschen in ganz Deutschland gemeinsam singen und musizieren:ŹChrist ist erstanden von der Marter alle. Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein!ŵ-dann mag es geschehen, dass dieser alte Osterhymnus uns ganz neu berührt. Dass im Singen und Musizieren etwas mit uns geschieht. Dass wir spüren: Es reißt uns mit ųweit hinaus über unseren kleinen Mut und unsere zaghafte Hoffnung. Nicht nur in dieser verrückten Zeit. Das gebe der lebendige Gott.In diesem Sinne: Ein ganz anderes, hoffnungsvollesOsterfest.Amen.
 
die Augustiner
12.04.2020
14:09 Uhr
     
Allen hier Mitwirkenden möchten wir - trotz der widrigen Umstände- ein gesegnetes Osterfest wünschen. Wir grüßen dich, lieber Traugott, ganz herzlich von deinem guten Freund Pastor Teichert, unseren Stifts-Seelsorger, der uns seit 30 Tagen zum Frühstück mit einem Gedicht versorgt hat. Das heutige wollen wir hier gerne teilen:Bruno Stephan Scherer, GOTT ZEICHNEN
(1929 Gretzenbach- 2917 Menzingen Schweiz)
Zeichnen Sie mir Gott
verlangte der Psychotherapeut

Sie rief:
Wie kann ich zeichnen
was ich nicht gesehen
nicht gefasst, nicht begriffen habe
Er schwieg
Sein Gesicht blieb hart
Unwirsch zog sie einen Kreis
über Blatt und Tisch:
Sonne, Erde, Gestirn

oder welche Kugel

Nun geben Sie ihm einen Namen
bezeichnen Sie Gott

ER ist zu groß
zu herrlich, murmelte sie
zu vollkommen-schön
Ich finde keine Worte

Denken Sie nach: Wie lassen sich Vater und Mutter, Bruder und Schwester,
Freund und Geliebter mit einem Namen benennen

Sie verbarg ihr Gesicht mit den Händen
und flüsterte
DU
 
Helmut Edelmann
11.04.2020
17:25 Uhr
E-Mail    
Lässt sich die fragende Dunkelheit des Karsamtags ergründen? Plappern wir hilflos darüber hinweg? - Einfach aushalten, wer hält das aus!? Gottes eigene Ohnmacht im Gebetsschweiß der Gartenstille erspüren können? Leere lungert vor dem leeren Grab. Was will ich sagen? Es ist kein Verweilen. Zittern und Zagen um mich, um meine Existenz, um den Lauf der Welt.
Es ist erschienen, was wir sein werden, bedankt im Osterlachen. Soll das alles ein Witz sein? Soll Gott durch das Felsengrab kommen? Zu mir? - Ich habe den Tod weggesperrt, mit einer Steinplatte ein-/ausgesperrt. Gott macht alles anders und kommt durch Dick und Dünn in den Garten. Osterlachen wird zu meinem Gebet.
Kein Eskapismus, kein Wort zu viel; eher Sisyphus-Schweigen und Gott bitten, dass er mich verstehen lehrt, mich erlöst von meinem Machertum, von meinen Lösungsangeboten, von meiner Bigotterie.
Der "fröhliche Wechsel" eines Luther-Glaubens kehre ein zu mir im Jahre 2020.
Gott, hilf mir auszuhalten, was ich nur schwer verstehen kann. Erlöse mich von meinen bohrenden Fragen, von meinem Vorauslaufen zum eigenen Ende; im Gepäck die Rebellion meiner, meine Existenz eintauschen zu müssen, um dich zu schauen. Verweile mit mir in meinem Gethsemane. Lass mich aushalten bis du mir Erlösung schenkts. Amen
 
Flügelfreundin
11.04.2020
16:11 Uhr
     
Danke für die Ideen. Allerdings ist Jesus unversehrt. Und wenn der unversehrte Jeus die Flügel ausbreitet, heißt es: Dies Kind soll unverletzet sein. Vielleicht bezieht sie sich auf die Überlebenden des Holocaust, meine einzige Erklärung, denn die waren versehrt, aber physisch noch heil.  
Luise
10.04.2020
22:21 Uhr
     
Kommt Jesus unversehrt durch? Er trägt zumindest die Zeichen/Narben unmenschlicher Grausamkeiten - und das ist nur das äußerlich Sichtbare. Die Feueröfen und Löwengruben meines Lebens haben deutliche Spuren hinterlassen in den Wandlungen (Richard Rohr:Tranformationen) die dadurch möglich wurden - so verstehe ich diese Worte bei Domin- und so verstanden kann ich danken auch für Feuerofen und Löwengrube. Aber Vorsicht: nicht jede/r kommt versehrter und heiler heraus, sondern darin um - angesichts eines liebenden Gottes eher schwierig. Ich denke an die Abertausende, die auf der Flucht bereits umgekommen sind, umkommen werden und die in diesem Moment elend an Corona und anderem sterben. Und ich weiß nicht, ob es nicht zynisch ist zu sagen, dass der liebende Gott mit ihnen leidet?  
leise
10.04.2020
19:21 Uhr
     
Aber das war nicht Ihre Frage, Flügelfreundin, sorry, bin heute irgendwie unkonzentriert. Liebe Karfreitagsgrüße  
leise
10.04.2020
19:16 Uhr
     
Das habe ich nie als Widerspruch empfunden.Immer mehr Versehrtsein, aber dann auch immer wieder eine ganz besondere Art von Heilung und Wachstum. Immer versehrter, immer heiler. Ich kann das gut nachfühlen, aber irgendwie nicht erklären merke ich gerade.  
Flügelfreundin
10.04.2020
15:14 Uhr
     
In diesem bildschönen Gedicht von Domin (ds) habe ich nie verstanden, warum sie sagt "immer versehrter". Sie kommen doch unversehrt heraus aus dem Feuerofen, die drei, wie auch Daniel aus der Löwengrube. Unversehrt durch ihren Glauben, der sich dem Götzenanbeter Nebukadnezar entgegenstellt. So kommt auch Noah unversehrt aus der Sintflut und Jesus aus der Kreuzigung. Erklärung, ds?  
ds
10.04.2020
09:55 Uhr
     
Ja, genau TG.: ---Richtung Ostern. Aber kein Ostern ohne Karfreitag,
denn: the way of descent is the way of transformation (Richard Rohr) oder: hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel...
d a n a c h Ostern:
Gute Tage des Triduum sacrum, LG Delf
 
tg
08.04.2020
22:04 Uhr
     
In Richtung Ostern: Lebenskraft woher?
Der Akku fürs Handy lässt sich leicht aufladen an der Steckdose. Aber woher nehmen wir die Kraft, mit Lust am Leben zu sein? Woher die Energie, für sich zu sorgen, damit man den Alltag unerschöpft besteht? Wo ist eine zuverlässige Ladestation für Geist und Sinn!
Es gibt da mehrere Quellen, die Kraft spenden.
Da ist die Natur, da ist Freundschaft, die Vertrautheit zu Zweit. Andern gut sein und selbst Helfende in der Not rufbereit zu wissen, stärkt, „Survival of the friendliest“ (Rutger Bregman) als künftiges Zauberwort gelten lassen. Und Trost nehmen aus Musik und Büchern.
Aber ganz vorn: das Gottvertrauen.
Also einen liebenden Gott wissen als Schöpfer der Natur, auch meiner eigenen, als Gesetzgeber für die Gesellschaft, mich inbegriffen, und ihn nah wissen als letzte Adresse für Dank und Klage.
Und ganz oft bedenken, was M.L. Kaschnitz so gesagt hat: „Verlangen wirst du, dass wir die Lieblosen dieser Erde, deine Liebe sind. Die Hässlichen deine Schönheit, die Rastlosen deine Ruhe, die Wortlosen deine Rede, die Schweren dein Flug.“
Ich jedenfalls brauche Gott, der mein Misslungenes und Böses aufsaugt, meinen Dank annimmt und meine Freude teilt.
Ich nehme Energie aus der Gewissheit, dass ich Mittuender an einer herrlichen Schöpfung bin. Und ich bin mir sicher: Er, der Betreiber des Werdens, ist schon dabei, in einem gescheiten Menschen, einem Team, den Gedanken des Viruskillers zu erwecken wie damals in Noah den Gedanken des Rettungskastens Arche.
Noch treiben viele neurotisierende Gottesbilder ihr Unwesen- der grausame Rachegott, der kleinliche Buchhalter, der Willkürgott- der „Gott mit uns“ auf dem Koppelschloss. All die sündhaften Götzenbilder hat Jesus mit seiner liebevollen Lebendigkeit vernichtet. Den Jesus Christus auferstanden wissen, läßt Glaube, Liebe, Hoffnung wachsen- wir sind angeschlossen an seine Power.
 
Orbart
08.04.2020
12:27 Uhr
     
Vermutlich hat sie Recht, die Hilde Domin mit ihren wunderschönen Worten und schwebenden Bildern.
Und doch hinterlässt sie mich melancholisch und skeptisch.

Am Ende bleibt der Mensch ein Werkstück in den Händen eines grossen Schmiedes oder Tischlers.
Es wird an ihm rumgeschnitzt und gehämmert, gehobelt und geschmolzen.
Er wird operiert am offenen Herzen und bei vollem Bewusstsein.
Inclusive aller Schmerzen, Enttäuschungen und Verluste.

Die Wachstumsprozesse gehen über ihn hinweg ohne Gnade, ohne Netz und doppelten Boden, aber bei aller Verletzbarkeit.

"Man ist nie ganz vorbereitet für die Lektionen, die das Leben einem stellt" sagte Reinhard Mey.

Vielleicht ist das Leben einfach nur ein lausiger Pädagoge?

Ich glaube das.
 
ds
07.04.2020
08:27 Uhr
     
Mal was für die K-Woche mit Aufscheinen von Ostern:

„Bitte“ von Hilde Domin:

Wir werden eingetaucht
und mit den Wassern der Sintflut gewaschen,
wir werden durchnässt
bis auf die Herzhaut.

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht,
der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten,
der Wunsch, verschont zu bleiben,
taugt nicht.

Es taugt die Bitte,
dass bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe.
Dass die Frucht so bunt wie die Blüte sei,
dass noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden.

Und dass wir aus der Flut,
dass wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.
 
leise
06.04.2020
13:57 Uhr
     
Es gibt viel Trauriges in der Welt
und viel Schönes.
Manchmal scheint das Traurige
mehr Gewalt zu haben, als man ertragen kann ;
dann stärkt sich indessen leise das Schöne
und berührt wieder unsere Seele.

(Hugo von Hofmannsthal)

Ich sende liebende Grüße an meine Schwester, wohin auch immer.

Unsere Toten sind nicht abwesend,
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Trauer.
(Augustinus)
 
Flügelfreundin
05.04.2020
22:59 Uhr
     
Vielen Dank für die prächtigen Gedichte. Passt auch: "Nur eine Rose als Stütze" von Domin.
Das Pseudonym ist einfachster Natur: Ich liebe Vögel. Natürlich liebe ich auch "Ich zoch mir einen Falken" oder Goethes Feststellung, man brauche Wurzeln und Flügel. Das sagte er über Kinder. Man braucht jetzt zweifellos Flügel, um mit dieser Sache kritisch umzugehen. Wussten Sie, dass inzwischen entdeckt wurde, dass manche Saurier Federn am Kopf hatten? Ich glaube, auch der T-Rex. Wieso wussten das die Leute, die "Sindbad der Seefahrer" verfasst haben und den Vogel Rock erfanden? Woher wussten die das? Haben Sie eine Idee? Und woher wussten die Verfasser der Schöpfungsgeschichte, dass die Vögel und die Fische schon vor uns da waren?
Wie dem auch sei. Alle meine Amseln, wo immer ich lebte, wussten, dass ich Vögel liebe. Sie kommen unbefangen bis auf drei Meter heran. Sie wissen, dass ich im Traum nicht auf die Idee komme, sie anfassen zu wollen.Sie merken das. Dass ich Vögel so liebe, habe ich eindeutig Selma Lagerlöf zu verdanken. Sie berührte mich als Kind, und ich habe sie mehrfach weitergegeben.
Was ich noch liebe: Flugzeuge. Ich bewundere Lindbergh, Beinhorn, Earhaert, die Pioniere. Piloten sowieso. Was für eine herrliche Erfindung. Ich schreibe Tagebuch im Flugzeug über das unter mir. Wenn ich gelandet bin, sende ich das ab. Ich bin extra, um das wiederzusehen, einmal von London nach Verona geflogen statt nach Deutschland, und der Depp, der die Route festlegte, ließ weiter nördlich fliegen, und nicht, wie beim ersten Mal, über Paris und dann die gesamten Westalpen. Betrug. Flügel sind schön. Reinhard Mey: Über den Wolken....
 
Luise
04.04.2020
18:55 Uhr
     
Danke Do - und ich ergänze dies, weil Ängste ab und zu auch mal nach mir greifen wollen: unsere Alten nannten das wohl "Anfechtung"? - Bin auch Risikogruppe und beruhigt, dass es fürs Palliative jetzt vom Gesetzgeber mehr Freiheit gibt.

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.
Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.
Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Deinen eigenen Schatten nimm
zum Weggefährten.
Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.
Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaleko
 
do
04.04.2020
12:12 Uhr
     
Nachtrag zum Eintrag ...

Ja, ich freue mich ... zur Risikogruppe gehöre ich, das ist nun mal so, also bleibe ich daheim ...

Zu meiner großen Freude belieferte mich gestern ein türkisches Lebensmittelgeschäft aus dem "Veedel" (=Viertel für Nicht-Kölner) mit dem telefonisch bestellten frischen Obst und köstlichen Gericht ...

Und heute rief ich auf gut Glück im Blumenladen um die Ecke an, und wahrhaftig meldete sich jemand! Auf meine zaghafte Frage, ob ich vielleicht etwas bestellen dürfte zur Lieferung, erhielt ich die fröhliche Antwort: "Aber ja, was hätten Sie denn gern?"

Nun FREUE ich mich an Hortensien vor meinem Fenster und auf dem Balkon und an einem herrlichen Tulpenstrauß in der Vase ...

Ja, Freude, sie hilft in dieser ungewöhnlichen Zeit ...

Ein freudiges Wochenende sei uns allen beschert und manch hoffnungsfroher Moment ...

do
 
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